Sonntag, 12. März 2017

NAFT 1/2017 in Hildesheim

Am 11. März 2017 stand das Frühjahrstreffen der norddeutschen Astrofotografen auf dem astronomischen Veranstaltungskalender. Austragungsort war zum vierten oder fünften Mal die Stadt Hildesheimer, genauer, die dortigen Sternfreunde der Hildesheimer Gesellschaft für Astronomie e.V. und die Arbeitsgemeinschaft Hildesheimer Amateurastronomen. Getagt wurde im Kolleggebäude des Josephinums in der Kreuzstraße.

Erstmal klönen und Verpflegung einnehmen
Schon kurz nach der Bekanntgabe des Termins entschlossen wir uns, das sind Michael Steen, André Wulff und ich, zum NAFT zu fahren. Wir fuhren gegen 10 Uhr aus Hamburg ab und waren gut zwei Stunden später am Ziel. Kurz zuvor hatte es noch Irritationen gegeben, weil nur wenige hundert Meter davon entfernt ein ökumenischer Gottesdienst anlässlich des Luther-Jahres 2017 stattfand, an der praktisch die gesamte Führungssptze der Bundesrepublik teilnehmen sollte. So war unklar, ob wir angesichts dieses „unwichtigeren Nebenereignisses“ überhaupt zum Tagungsort durchfahren konnten und dieser nicht durch polizeiliche Sicherungsmaßnahmen gesperrt war. Es gab ausreichend Parkplätze vor dem Gebäude und ein „Parkplatzwächter“ sorgte für die notwendige Organisation.

Das Programm
Auf der 2. Etage des Josephinums angekommen, fielen wir erst einmal über die reichhaltige Cafeteria her, die mit Würstchen, Brötchen, kalten Getränken und später reichlich Kaffee die Besucherinnen und Besucher versorgte. Bereits vor dem offiziellen Beginn – die Themen entstanden anarchisch aus den Beiträgen der Angereisten – konnte man reichlich klönen, Erfahrungen austauschen und die Atmosphäre genießen. Fast verpasste man dabei den offiziellen Start.

Arndt Latußek eröffnete das Treffen mit der Begrüßung und der Bekanntgabe einiger weniger Regularien, bevor Mathias Levens mit seinem Beitrag unter dem Titel „Gerafftes Polarlicht“ begann. Im ersten Teil zeigte er einige wenige Aufnahmen, die mit einem 135mm-Objektiv und teilweise einem H-alpha-Filter entstanden waren und die z.B. den Californianebel oder Sharpless 240 zeigten. Das Hauptthema war aber eine Reise mit den Hurtigrouten, die er als wissenschaftlicher Begleiter in Richtung Nordkap entlang der norwegischen Küste mitmachte. Er hatte das Glück, dass gerade ein koronales Loch auf der Sonne für einen erhöhten Strahlungsstrom gesorgt hatte, der zu wunderschönen, grünlichen Polarlichtern in den nördlichen Breiten führte. Beeindruckende Aufnahmen, die meisten an Bord der Finnmarken entstanden und meist nur 1-2 Sekunden lang belichtet wurden und schnelle Bewegungen der Vorhänge und Kalotten etc. offenbarten. Zu einem kurzen Zeitrafferfilm zusammengesetzt, gaben sie das ganze Ausmaß der Erscheinungen wieder.

Andreas Zirke aus Springe stellte danach seine Sternwarte vor und präsentierte sehr sehenswerte Aufnahmen, die über viele Nächte hinweg entstanden waren und Belichtungszeiten von mehr als 20 Stunden aufwiesen. Dabei nahm er RGBs und auch reine H-alpha- sowie Kombinationen daraus auf. Die Ergebnisse präsentierte er anhand von Bildern von IC 342, IC 405, den Conusnebel, das Leo Triplett, M 74, M 78, M 81, NGC 1514, NGC 281 und die Region um M42.

Uwe Zurmühl berichtete danach über die Möglichkeiten, als Amateur ernsthafte Spektroskopie zu betreiben. Hierzu kann man z.B. den Star Analyzer – ein Blaze-Gitter in Form eines 1,25“-Einschraubfilters - oder einen Spaltspektrographen einsetzen. Er selbst arbeitet mit einem spaltlosen Spektrographen und konnte hier Spektren heller Sterne (Wega, 40 Eridani), Planeten wie Uranus oder von großflächigen Objekten wie NGC 6888, den Plejaden oder vom Wolf-Rayet-Stern WR 136 und Novae und Supernovae vorführen.

Danach gab es erst einmal eine kleine Pause mit Gesprächen, Würstchen und Kuchen, bevor Katja Seidel und Michael Schomann aus Wolfsburg über die Leuchtenden Nachtwolken der letzten Saison berichteten. Nach einer kurzen Erläuterung des Phänomens, das in Norddeutschland am besten in den Monaten Juni und Juli zu beobachten ist, zeigten die Referenten aktuelle Aufnahmen, die, mit Photoshop etc. bearbeitet, die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung offenbarten.

Anschließend demonstrierte Arndt Latußek, wie man ein Teleskop mit 4,5m-Brennweite in den Griff bekommt und was man mittels einer Asi-Kamera, einen Heidenhain-Umlenkspiegel und dem Onag Dichroic Beam Splitter so alles anstellen kann, außer, dass man gleichzeitig guiden und aufnehmen kann. Auch ein Telescope Drive Master kommt zum Einsatz, sodass nur die Montierung eingeschaltet werden muss und man, abgesehen vom Auskühlen, dann praktisch gleich loslegen kann. Als Beispiel zeigte er Bilder u.a. von NGC 772, NGC 7331, der Region rund um den Pferdekopfnebel und NGC 405.

In der nun folgenden Pause stellten wir uns zum obligatorischen Gruppenfoto auf und vernichteten die reichlich vorhandenen „Restbestände“ der Cafeteria. Das gehört zu jedem NAFT dazu!

Kurz nach dem Gruppenfoto
Im nachfolgenden Beitrag konnte ich neben der Vorstellung meiner heimischen Beobachtungssituation zwischen Hochhäusern und Bäumen Aufnahmen von Halos, Planetenkonstellationen und Wettersituationen zeigen, die ich mit iPhone-Kameras aufgenommen hatte. Anschließend stellte Katja Seidel ihr Buch „Astrofotografie – Spektakuläre Bilder ohne Spezialausrüstung“ konzeptionell und inhaltlich vor.

Der letzte Vortragende war Michael Mushardt, der zum einen von seiner über „Eclipse Reisen“ gebuchte Tour zur totalen Sonnenfinsternis am 9. März 2016 nach Indonesien berichtete, das Ereignis selbst schilderte – man konnte an dem gewäöhlten Standort davon nur wenig sehen - und Land und Leute beschrieb. Im letzten Kurzbeitrag des Tages warb er für das auf dem Gamsberg in Namibia von der Vereinigung „Internationale Amateursternwarte“ betriebene Observatorium, das einstmals in den 1970er Jahren von der Max-Planck-Gesellschaft als Europäische Südsternwarte geplant war, was sich aber nicht realisieren ließ – zurück blieb die bereits abgesprengte Spitze des Gamsbergs, der heute eine völlig plane Oberfläche aufweist. Sie kann heute unter bestimmten Voraussetzungen von engagierten Sternfreunden genutzt werden. Im Vergleich zur Farm Hakos gibt es hier nochmals verbesserte Beobachtungsbedingungen, was durch Allsky-Aufnahmen und Bilder von Mars, Jupiter, Saturn, dem Leo-Triplett oder dem Trifidnebel eindrucksvoll bewiesen wurde.

Kurz nach 18 Uhr war das NAFT dann leider schon wieder zu Ende. Die Zeit in Hildesheim war wieder viel zu schnell vergangen, was nicht nur an den Vorträgen, sondern auch der guten Betreuung durch die Veranstalter lag. Wir machten uns kurz danach auf den Heimweg – einige kehrten noch in nahegelegene Lokalitäten ein – und waren gegen 21 Uhr wieder in Hamburg. Während der Fahrt begleitete uns linker Hand die helle Venus sowie der Vollmond. Das nächste NAFT wird am 4. November 2017 in Neumünster stattfinden und ist die Jubiläumsveranstaltung anlässlich des 40jährigen Bestehens dieser festen norddeutschen Institution.

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