Donnerstag, 19. Mai 2016

Lohnt es sich noch, Astrozeugs zu kaufen? (3)

Schon mehrfach hatte ich mir an dieser Stelle die Frage gestellt, ob es sich wirklich noch lohnt, Geld in das Hobby Astronomie zu pumpen, um dann Sachen zu kaufen, die mangels Zeit und Gelegenheit in irgendeiner Ecke verstauben und nach ein paar Jahren unbenutzt wieder verkauft werden. Dadurch wird das Hobby zu einer reinen Geldvernichtungsmaschine, ohne am Ende wirklich etwas davon zu haben.

Wenige Tage vor der diesjährigen ATT stelle ich mir natürlich erneut die Frage, ob man sich noch was kaufen soll, oder nicht. Als Sonnenbeobachter dachte ich natürlich an ein echtes H-alpha-Teleskop auch zur Fotografie oder den Einstieg in die Calcium-Beobachtung.

Allerdings lassen mich die zuletzt gemachten Erfahrungen davon erst einmal wieder Abstand nehmen. Zunächst ging ein einwöchiger Astrourlaub daneben, weil an der Sternwarte die Technik bei keinem einzigen Teleskop funktionierte. Überdies war es überwiegend bewölkt. Bei der Sonnenbeobachtung habe ich das »Glück«, tagsüber bei Sonnenschein auf der Arbeit blauen Himmel zu haben, der sich fast regelmäßig zu Feierabend zuzieht und einem jegliche Freude an der täglichen (!!!) Relativzahlbestimmung nimmt. Sie wird dadurch zu einem täglichen Kampf, den ich am Ende durch berufliche Tätigkeiten nur verlieren kann, weil es fast nur noch vormittags sonnig ist. Und diesen Kampf habe ich in diesem Jahr schon zu oft verloren, sodass ich gegenüber den Vorjahren in einen erheblichen Rückstand geraten bin und das Jahresziel von 200 Beobachtungen in unerreichbare Fernen gerückt ist. Aus beruflichen Gründen werde ich dieses und wohl auch nächstes Jahr fast keinen Urlaub nehmen können, sodass ich in der Zeit den Rückstand auch nicht mehr aufholen kann. Daher sind alle (astronomischen) Reisepläne auch erst einmal auf Eis gelegt.

Beim Merkurtransit war das Wetter zwar überwiegend gut, dafür versagte trotz vorheriger Tests und Probeläufe die gesamte Technik. Ein Vereinskollege nur wenige Meter neben mir hat aufgebaut und einfach fotografiert, bei mir ging wieder alles schief. Am Ende habe ich fast nur unscharfe Bilder herausbekommen, während ihm alle gelangen. Vielleicht sollte ich die Astrofotografie aufgeben, bringt bei mir anscheinend sowieso nichts außer vermurphten Bildern und jede Menge Frust.

Mit der Nachtbeobachtung sieht es ebenfalls düster aus. Wenn es denn wirklich mal klar ist – hinter mir liegt der schlechteste Winter seit Beginn meiner beobachterischen Tätigkeit – kann ich nicht beobachten, weil dass dann mitten in der Woche ist, oder ich just an dem einzig klaren Wochenende seit Monaten arbeiten muss oder Rufbereitschaft hatte und unsere Außensternwarte für kurze Beobachtungsaktionen zu weit draußen liegt. Ich kann sie daher nicht nutzen. Durch berufliche Verpflichtungen, die in den kommenden Jahren noch weiter ansteigen werden, schaffe ich es noch nicht mal mehr, Hamburger Vereinstermine wahrzunehmen.

Lohnt sich vor dem Hintergrund denn der ATT? Ich denke schon, mehr aber zum Informationsaustausch als zum Kauf irgendwelcher Teile (außer einem schönen Meteoritenfragment als Geschenk). Daher werde ich am Samstag Freunde treffen, zur »Dienstbesprechung« an den Stand vom Oculum-Verlag gehen und mal schauen und hoffen, nicht irgendwelches nutzloses Zeugs zu kaufen, mit dem am Ende nichts wirklich besser wird.

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