Sonntag, 22. November 2015

Norddeutsches Astrofotografentreffen in Hannover

Am 21. November 2015 fand das zweite Treffen der norddeutschen Astrofotografen in diesem Jahr in Hannover an der dortigen Volkssternwarte statt. Wir, das waren André Wulff, Michael Steen und ich, kamen bereits gegen 11 Uhr beim Observatorium an und bauten erst einmal einen kleinen Bücherverkaufsstand auf. Schnell kamen weitere Sternfreundinnen und Sternfreunde hinzu. Am Ende wurden über 60 Personen gezählt, die dem umfangreichen Vortragsprogramm - wie immer völlig anarchisch ohne vorherige Anmeldung -  beiwohnten, das mit der Begrüßung durch Mathias Levens begann, Vorsitzender der VSW Hannover.

Die berühmte "Anarcho"-Vortragsliste
Er eröffnete die Vortragsreihe mit einem Beitrag mit „Bildern aus Hannover und Namibia“. Neben seiner Ausrüstung zeigte er viele Deep-Sky-Aufnahmen wie M 106 und Umgebung, den Pelikannebel im H-alpha und IC 1396 aus Hannover sowie die Nebelstrukturen um Eta Carinae, die Gegend um M8, die Nebel rund um NGC 6559, NGC 253 und NGC 7293. Eine Addition verschiedener Aufnahmen gleicher Objekte mit unterschiedlichen Brennweiten scheiterte an technischen Unzulänglichkeiten, sind aber offenbar ein Trend, der bei norddeutschen Sternfreunden langsam in Mode kommt.

Ein ganz anderes Thema behandelte Utz Schmidtko von der Sternwarte St. Andreasberg. Er begeistert sich seit Jahren für Polarlichter und konnte hier wieder beeindruckende Zeitraffer- und Echtzeitvideos mit musikalischer Untermalung von Polarlichtern der Jahre 2013 und 2015 vorführen. Ein Teil der Aufnahmen war mit der neuen Sony Alpha 7s entstanden. Beeindruckend, was mit dieser Kamera offenbar möglich ist. Ein Film des Sternenhimmels über der Sternwarte St. Andreasberg rundete die Vorführung ab.

Carsten Dosche aus Oldenburg präsentierte Aufnahmen mit der nur wenig verbreiteten Anord Luca.EMCCD-Kamera, die er an einem C9 betreibt und die vorwiegend dazu gedacht ist, sogenannte „Lucky Images“ zu produzieren. Davon konnte man sich anhand der Bilder von M 106, M 13, M 17, NGC 6888, M 22, M 20, NGC 7293, Abell 72, PK 080-06.1, IC 5146, NGC 6765, NGC 7139, NGC 7023 Jones 1,  M 81, den Pferdekopfnebel, M 42, M 82 mit der Supernova 2014j, Abell 21, NGC 2903, M 97, NGC 3718, M 65, Hickson 44, M3,  M 102, um nur einige wenige zu nennen, auch überzeugen.

Michael Koch zeigte Zeitrafferaufnahmen aus dem Sternbild Andromeda, die aus Einzelbildern mit feststehender Canon 6D-Kamera und 200 mm Objektiv im November 2015 entstanden waren. Dabei wurden 1600 Aufnahmen zu je 3,2s Belichtungszeit alle 8 s verarbeitet.

In der ersten Pause konnte man sich - dank an den Catering-Service - mit Kaffee, belegten Brötchen und Kuchen stärken. Danach ging es auf die Beobachtungsplattform zum Gruppenfoto, dem sich eine kurze Besichtigung der Sternwarte anschloss.



Pause auf der Beobachtungsplattform

Sternwartenbesichtigung
Der zweite Vortragsblock begann mit einem Vortrag von Bruno Mattern aus Hamburg, der nebst Sternwarte und Ausrüstung Aufnahmen des östlichen Cirrus, vom Pferdekopfnebel, M 27, M 33, M 31, M 27, M 42, NGC 7000, NGC 5907, NGC 6946, NGC 7331 und NGC 891 zeigte. Die meisten Aufnahmen waren jedoch nur „Schnappschüsse“ von bis zu 90 Minuten Belichtungszeit. Wesentlich länger belichtete Aufnahmen haben den Vorteil, dass noch mehr Details in schwachen Strukturen bei Galaxien und Nebeln herausgearbeitet werden können. Als Beispiel hatte er eine 8-stündige Aufnahme von M 27 und eine 21-stündige von NGC 7331 dabei, die aber durch Kombination mit älteren Aufnahmen zustande kamen. Zum Testen hatte er eine Sony Alpha 7r genutzt. Einige der neueren Canon-Kameras haben offenbar den Nachteil, nicht mehr modifiziert werden zu können, weil Chip und Filter zu einer einzigen Einheit verbaut wurden. Dafür sollen sie rotempfindlicher sein, als die bisherigen Kameras.

Hartwig Lüthen aus Hamburg begann unter dem Titel „Baseball oder Tennis“ mit einer astronomischen Sportreportage der besonderen Art. Gemeint war hier ein doppelter Transit der Internationalen Raumstation ISS am 22.08.2015, um 16:15:59 und 17:51:32 MEZ den er von Schmalenbeck aus fotografieren konnte. Wie man daraus mit Virtualdub, Fitswork und Photoshop ein einzelnes Bild bastelt, dass dann auch noch zum APOD (Astronomy Picture of the Day) vom 12. September 2015 führte, führte er live am Rechner vor.

Andreas Zirke aus Springe war danach mit CCD-Bildern (Atik und Moravia) von Hicksen 68, M 106, M 109, M 13, M 16, M 3, M 92, NGC 4565, NGC 7380 und NGC 891 an der Reihe. Auch er hatte bei einigen Aufnahmen mit sehr langen Belichtungszeiten experimentiert und NGC 7822 binnen 4 Wochen insgesamt über 37 Stunden hinweg belichtet. Herausgekommen ist eine Aufnahme, die sehr viele Details in diesem Emissionsnebel im Kepheus offenbart.

Fachsimpeln in der nächsten Pause
Eine weitere Pause wurde eingelegt, die zur Verpflegung oder Kommunikation genutzt wurde, bevor Uwe Freitag mit Zeitrafferfilmen und Musik „Atmosphärisches und Astronomisches aus dem Land zwischen den Meeren“ den dritten Vortragsblock einläutete. Neben dem nicht immer leicht zu sehenden Airglow hatte er Polarlichter am 17.03., 16./17.4.2015, 10./11.7.2015 und 9./10.9.2015, Leuchtende Nachtwolken am 10.07., die Sonnenfinsternis vom 20.03.2015, die Mondfinsternis vom 28.09.2015 und weitere Ereignisse zu einem schönen Film verarbeitet.

Konstantin von Poschinger aus Hamburg zeigte zunächst einen kleinen Film aus Einzelaufnahmen der Mondfinsternis vom 28.09.2015 und ging dann auf das eigene Projekt des Selbstbaus eines 130/520 mm-Refraktors für Kameras mit Vollformatchips ein. Am Ende hatte er noch diverse Aufnahmen von NGC 6888, M 16, M 42, M 8 und M 20, dem Sternfeld rund um die Hyaden, den H-alpha-Gebieten in der Cassopeia oder dem Irisnebel im Gepäck, die mit sehr unterschiedlichen Schmaldbandfiltern (H-Alpha, SII und OIII) in Hamburg und Namibia aufgenommen worden waren.

Nach einer weiteren, kleinen Pause stellte Michael Theusner aus Hannover ein außergewöhnliches Projekt vor: ein „Spektrographisches Polarlicht-Warnsystem“. Hierzu verwendet er einen Selbstbauspektrograph mit Kollimator und Gitterfolie sowie eine DSLR. Erste damit aufgenommene Spektren wiesen nicht nur die bekannten Sauerstoff-, Natrium- und weitere -linien nach, sie ermöglichten auch die Kategorisierung in fünf unterschiedliche Warnstufen. Ein weiterer Punkt war die Vorstellung eines neuartigen chinesischen Filters gegen Lichtverschmutzung, die derzeit nur über einen österreichischen Händler bezogen werden können. Es handelt sich dabei um den Hoya Didym-(Red Enhacer, Intensifier)-Objektivfilter. Er filtert die Natriumlinien heraus (gut gegen Natriumdampflampen, schlecht gegen Quecksilberdampflampen), lässt aber die Polarlichtlinien durch, sodass er hervorragend für das Warnsystem einzusetzen ist. Doch auch für normale astrofotografische Zwecke aus der Großstadt heraus scheint er überaus geeignet zu sein, wie die hier gezeigten Beispielbilder belegten. 

Im letzten Beitrag schilderte Thorsten Lohf aus Lübeck die auf den ersten Blick betrübliche Situation der dortigen Sternwarte. Diese befindet sich in den Räumen der Johannes-Kepler-Schule, die im kommenden Sommer abgerissen und mit einer anderen Schule zusammengelegt werden soll. Die ganze Gegend soll zu einer neuen Wohngegend, dem Johannes-Kepler-Quartier umgestaltet werden und wie es nach dem letzten Stadium des Bebauungsplanes aussieht, bekommen die Lübecker zwar ab 2018 eine neue Heimat in Form eines eigenen Gebäudes, müssen diese aber selber bauen und finanzieren. Daher laden die Lübecker Sternfreunde zum nächsten NAFT im Frühjahr 2016 ein, das letzte am alten Standort.

Kurz nach 18:30 Uhr endete das Herbst-NAFT und wir fuhren wieder nach Hamburg zurück, während andere noch in einem nahegelegenen Restaurant das Treffen ausklingen ließen.

Sonntag, 1. November 2015

Die 34. Bochumer Herbsttagung


Dieses Mal einen Monat früher als sonst fand am 31. Oktober 2015 in Bochum die 34. BoHeTa statt. Ein attraktives Programm riet dringend zu einer Teilnahme und so entschlossen André Wulff und ich uns schon frühzeitig, wieder an der an der Ruhr-Universität stattfindenden Tagung teilzunehmen.

Zum ersten Mal nach vielen Jahren wieder mit dem Auto zur BoHeTa unterwegs waren wir nach den Bahn fahrenden Vereinskollegen losgefahren und vor ihnen angekommen. Ein großer Lacher auf der Hinfahrt war die Meldung der WDR 2-Wissenschaftsredaktion, dass der Asteroid 2015 TB145 ein „erloschener Komet“ sei, der „seinen Schweif verloren“ habe. Dabei war bei dem erst am 10. Oktober 2015 von den Pan-STARRS-Kameras entdeckten Himmelskörper aufgrund seiner Bahnform (Exzentrizität: 0,8603, Bahnneigung: 3,9260, Angaben: wikipedia) zunächst wohl wirklich unklar, um was für ein Objekt es sich handelte. Nach dem Vorübergang in rund 480.000 km – woraus die Medien ein „Vorbeischrammen an der Erde machten“, wird er bei einem Durchmesser von 600 m und einer Rotationsperiode von rund 5 Stunden zur Gruppe der Erdbahnkreuzer gezählt.

So eingestimmt kamen wir gegen 9:30 Uhr an der Uni und ein paar Minuten später beim Hörsaal der Medizinischen Fakultät an und wurden dort gleich durch den Organisator Peter Riepe begrüßt. Man traf alte Bekannte wieder und begab sich dann in den bekannten Hörsaal, wo pünktlich um 10 Uhr die Tagung mit kurzen Ansprachen von Peter Riepe und Prof. Ralf-Jürgen Dettmar begann.

Im ersten Fachvortrag stellte Dr. Helena Relke aus Essen die „Radioastronomie an der Walter-Hohmann-Sternwarte Essen“ vor, ging kurz auf die Geschichte dieses Wissenschaftszweiges ein und stellte dann die Arbeit der Essener Sternfreunde der Walter-Hohmann-Sternwarte vor. Bereits seit 1990 verfügt man dort über ein 3m-Radioteleskop, das inzwischen modernisiert wurde. Die meisten Ergebnisse erzielten sie jedoch mit Stabantennen, mit denen sie 2009 Sternschnuppen erfassten, Asteroiden, ausgebrannte Raketenstufen beobachteten. Seit 2012 wurde eine VLF-Antenne verwendet, mit der der indirekte Nachweis von Gammastrahlung der Sonne gelang. Außerdem beteiligt will man sich am „E-Callisto Radiospektrometer-Netzwerk“ und die beobachtet Sonne im VHF- und UHF-Bereich.

Claudia Henkel aus Oberhausen und Harrie Rutten aus Arcen/Niederlande, sprachen danach über „Das Projekt 'Sterne funkeln für jeden'“, 
bei dem in Schulen Kindern mit Behinderung im Rahmen der Inklusion die Astronomie näher gebracht werden sollen. Das Projekt, dem die WHS jetzt beigetreten ist, soll schrittweise europaweit betrieben werden und wer z.B. 100 EUR spendet, sorgt dafür dass ein kleines Teleskop mit Holzmontierung, die in Eigenbau herzustellen ist, angeschafft werden und an entsprechende Schulprojekte ausgegeben werden kann. Mit der Spende übernimmt man dann auch für 1 Jahr einen Teil der Betreuung von Instrument und Projekt.

Über eine Reise zur Beobachtung der "Polarlichter über dem Bardarbunga/Island" berichtete Bernd Gährken aus Rheda-Wiedenbrück und präsentierte eine Vielzahl sehenswerter Aufnahmen des Vulkans inkl. 3D-Bilder (für die alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer rot-grüne Brillen erhalten hatten, die aber bei mir generell nicht funktionieren). Als Ergebnis einer Reise nach Kiruna konnte er aus Aufnahmen von Polarlichtern deren Höhen und Entfernungen vom Standort bestimmen. Die weiteste Entfernung betrug dabei 661 km. Ein Video mit Musik rundete den Vortrag ab.



Kurz vor der Mittagspause sprach Stefan Krause über die "Beobachtung von Polarlichtern", verwendete dabei Aufnahmen verschiedener Autoren und konnte einige beeindruckende Zeitraffer- und Echtzeitvideos, etwa von einem Beobachtungsflug am 22.11.2004, vom 14.3.2015 und aktuell vom September 2015 vorführen.

Die Mittagspause verbrachten wir im nahen Uni-Center bei Hähnchen und Softdrinks. Man hätte auch an Führungen in der Fakultät für Physik und Astronomie teilnehmen können. Aber bei so einem langen Tag wie diesem war Verpflegung wichtiger.

Im ersten Vortrag erläuterte Prof. Dr. Thomas Hebbeker aus Kelmis in Belgien die Grundlagen der "Bahnbestimmung am Kometen Lovejoy 2014" und wie man anhand eigener Aufnahmen und mit Hilfe des Programms Astrometrica auch als Amateur mit entsprechendem Hintergrundwissen Bahnen von Schweifsternen berechnen kann.

Die folgenden drei Vorträge bildeten den Schwerpunkt der diesjährigen BoHeTa: „Entdeckungen durch Amateure“. Ein „Neuer, variabler Nebel bei NGC 1333" wurde von Rainer Spaeni aus Urnäsch in der Schweiz und Dr. Sighard Schräbler aus Frankfurt per Zufall entdeckt. Ersterer gehört dem astroteam CERES an, das in der Schweiz ein kleines Observatorium betreibt. Das Ziel dieser Sternfreunde ist eher das Erstellen von „Pretty Pictures“, vereinfacht gesagt, schönen Aufnahmen von Himmelsobjekten. Auf Aufnahmen des 1855 von Eduard Schönfeld entdeckten (1828-1891) Reflexionsnebels NGC 1333 im Perseus entdeckten sich auf verschiedenen Aufnahmen einen anscheinend in der Helligkeit variablen Nebel. 





Danach folgte ein wahre Odyssee der Prüfungen und das Hoffen auf Bestätigung einer Entdeckung, die schließlich durch die Professorin Lynne Hillenbrand vom CALTECH erfolgte, die für Beobachtungen sogar den 5m-Spiegel auf dem Mt. Palomar einsetzte. Überdies suchte man nach Aufnahmen des verdächtigen Objektes bei anderen Sternfreunden und wurde auch fündig. Schließlich wurde die Entdeckung im IAU-Telegramm Nr. 7982 am 2. September 2015 veröffentlicht. Auf extrem langbelichteten Aufnahmen im Umfeld der Balkenspiralgalaxie NGC 4725 in der Coma Berenices, die bereits 1785 von keinem geringeren als Wilhelm Herschel (1738-1822) entdeckt worden war fand man eigenartige Strukturen, die auf eine Verbindung zur Nachbargalaxie NGC 4747 einer face-on Spiralgalaxie hinweisen und das führte direkt zum nächsten Vortrag von. Dr. Mathias Straube aus Bielefeld.



Unter der Überschrift „Erstbeobachtung eines Sternstroms bei NGC 4725: Kombinierte Belichtungen bei moderater bis starker Lichtverschmutzung“ referierte er über Sternströme generell und dem zwischen den genannten Objekten im Besonderen. Sie sind definiert als Überreste ehemaliger Zwerggalaxien, die durch Schwerkrafteinwirkungen einer größeren Galaxien in ihrer Umgebung auseinander gerissen wurden. Da sie im allgemeinen sehr schwach sind, sind sie nur schwer zu fotografieren und nur mit sehr langen Belichtungszeiten jenseits der 20 bis 30 Stunden nachzuweisen. Die Entdeckung und der Nachweis des Sternstromes führte zur Zusammenarbeit mit der TBG-Gruppe, über die Peter Riepe im nachfolgenden Beitrag im Beitrag über „Neue Zwerggalaxien im Local Volume“ referierte.

Dabei handelt es sich um ein Raumgebiet von etwa 30 Megaparsec um uns herum, das systematisch nach schwachen Begleitgalaxien abgesucht wurde, wie hier exemplarisch am Beispiel von M106 gezeigt werden konnte. Während der Arbeit kam es zu einer Kooperation mit dem „Special Astrophysical Observatory“ der „Russian Academy of Science“, die die Beobachtungen der TBG-Gruppe weiterführten und hierzu sogar das 6m-Teleskop in Selentschukskaja einsetzten. Die gemeinsame Arbeit wurde bereits im Astronomical Bulletin 2015, Vol. 70, No. 4 unter dem Titel „New Low Surface Brightness Dwarf Galaxies Detected Around Nearby Spirals“ veröffentlicht. Die Projektgruppe „Tief belichtete Galaxien“ der VdS-Fachgruppe Astrofotografie hat sich zum Ziel gesetzt, Sternströme und Zwerggalaxien in der unmittelbaren Umgebung von großen Welteninseln aufzuspüren und nachzuweisen. Das ist ihr mit dieser Arbeit in herausragender Weise gelungen.


Kurz vor der Kaffeepause präsentierte Dr. Carolin Liefke aus Heidelberg die diesjährigen Preisträger des Reiff-Preises 2015 in der Kategorie „Projekte von Arbeitsgruppen in Amateurvereinen und Schulen“ - den ersten Preis erhielt die Jugendorganisation „VEGAe.V.“ sowie den Reiff-Förderpreis 2015, den die Johann-Christian-Senckenberg-Schule in Runkel für die Aufführung eines astronomischen Musiktheaters erhielt, an dem alle Schülerinnen und Schüler und alle Lehrkräfte mit einbezogen waren. Im Anschluss daran gedachten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der BoHeTa dem vor kurzen verstorbenen Tübinger Astrophysiker Hanns Ruder (1939-2015).





Im traditionellen Reiff-Vortrag erzählte Dr. Harald Krüger vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung in Göttingen über „Kometenforschung heute und was Amateure dazu beitragen können“. Darin griff er Ergebnisse der ROSETTA-Mission zum Kometen Tschurymow-Gerassimenko über Oberflächenstruktur, Staubentwicklung, Oberflächenveränderung durch Annäherung an die Sonne und bodengebundene Beobachtungen des Kometen auf. Im zweiten Teil ging er auf wichtige Fragen der aktuellen Kometenforschung (Entstehung, Aufbau, Aktivit#t, Koma, Schweif und Meteorströme ein, bevor er im dritten Teil die Möglichkeiten der Amateure vorstellte, zur aktuellen Forschung beizutragen. Er ging dabei besonders auf die Photometrie der Koma ein, wo Amateure im Rahmen des CARA-Projektes (Cometary ARchive for Afrho, früher: previously named Cometary Archive Amateur Astronomers) Messergebnisse einreichen können.

Anschließend berichtete Gerald Rhemann aus Wien über seine 28jährige Erfahrung bei der „Kometenfotografie“. Er zeigte ein großes Repertoire seiner herausragenden Fotografien diverser Kometen, stellte seine Sternwarte und das ihm zur Verfügung stehende Instrumentarium vor, gab Tipps zur Bildbearbeitung und führte zum Schluss ein Musik untermaltes Videos aus Einzelbildern seiner besten Kometenbilder auf.

Zu vorgerückter Stunde ein sehr anspruchsvolles Thema: Dr. Burkhard Steinrücken aus Recklinghausen berichtete von der „Jahrhundertflut vom März 2015 - eine Exkursion nach Frankreich“, wobei es nicht etwa um organisierten Katastrophentourismus, sondern um dem Marée du Siécles“ am 21. März 2015 ging. Er vermittelte kenntnisreich die Grundlagen der Gezeiten und besonders die einzigartige Situation im Hafen von Saint Malo, wo der maximale Tidenhub 13 m betragen kann. Dazu sind allerdings einige Voraussetzungen wie der Äquinoktialtide, also dem Hochwasser zum Zeitpunkt der Erdnähe des Mondes, erforderlich, die einen Tag nach der totalen Mondfinsternis gegeben waren. Beeindruckend waren die hier gezeigten Bilder und die Videos von Rainer Sparenberg, die in Real-Time zeigten, wie schnell das Hochwasser in den Hafen strömte.



Späte Vorträge auf der BoHeTa sind immer undankbar und so berichtete Daniel Spitzer aus Münster recht amüsant und in geraffter Form über die „Visuelle Beobachtung kleiner Planetarischer Nebel“ und präsentierte dazu eine Auswahl von Zeichnungen. Im letzten Vortrag zeigte Jens Leich aus Wies die „Spannung am Sonnenrand - solare Aktivitäten in Zeitraffer“: Video jüngster Protuberanzen und ausgewählter Fleckengruppen im Weißlicht und H-alpha. Echte Hingucker für den Sonnenbeobachter.




Ziemlich genau um 19 Uhr war die BoHeTa wieder beendet. Die Zeit war wie im Fluge vergangen und wir machten uns auf den Heimweg. Die Auswahl der Themenbeiträge war dieses Mal sehr viel weiter gestreut als sonst und bot fast das ganze Spektrum aktueller amateurastronomischer Tätigkeit. Einen Durchhänger gab es bei keinem der Vorträge und es wurden viele Anregungen für die eigene Arbeit gegeben. Man müsste nur sehr viel mehr Geld und noch viel mehr Zeit haben. Wir waren nach unserer Ankunft in Hamburg gegen 23 Uhr froh, wieder dabei gewesen zu sein und freuen uns schon auf die nächste BoHeTa, die nach einer Abstimmung im Plenum voraussichtlich am 12.11.2016 stattfinden wird.