Montag, 28. September 2015

Die totale Mondfinsternis vom 28.9.2015

Lange erwartet, doch nach wenigen Stunden war wieder alles vorbei: die letzte für die kommenden Jahre von Mitteleuropa aus gut zu beobachtende totale Mondfinsternis vom 28. September 2015.

Wie immer stand in den Tagen vor der Finsternis die Frage im Raum, wohin man denn fahren solle. Klar war, dass ich sie bei mir zu Hause nicht beobachten konnte, da der Mond bei Eintritt in den Kernschatten hinter einem meiner Hochhäuser stehen würde. Da die GvA Hamburg in der Stadt ebenfalls keine adäquaten Beobachtungsplätze vorweisen konnte und auch eine Beobachtung vom Gelände der Bergedorfer Sternwarte wegen der zu hohen Bäume aussschied, ging es vor allem darum, wohin man sich begeben sollte.

Die Finsternis sollte in den frühen Morgenstunden in Richtung Südwest / West zu sehen sein und der Austritt aus dem Kernschatten gegen 7 Uhr bei nur wenigen Grad Höhe über dem Horizont zu beobachten sein. Michael Steen und ich hatten lange überlegt, wohin die Reise gehen sollte. Innerlich hatte ich mich eigentlich schon für die Gegend rund um Fehmarn wegen der dort häufig stabilen Wetterlagen entschieden. Aber man musste die Wettervorhersagen abwarten und der im Herbst für Norddeutschland so typische Nebel ließ sich mit den meisten Modellen nicht wirklich vorhersagen. Klar war, dass man feuchte Niederungen meiden sollte, womit die meisten Gegenden westlich von Hamburg (z.B. Haseldorfer Marsch) ausschied. Auch die die Außensternwarte der GvA in Handeloh erschien mit das Risiko wegen der Nebelbildung dort zu hoch, denn wenn ich mir hierfür schon die Nacht um die Ohren schlug, dann sollte das Wetter wenigstens einigermaßen sicher sein.

Überdies berechneten die Wettervorhersagen immer häufiger einen klaren Himmel für die Ostholsteiner und Fehmarner Ecke. Gegen 23 Uhr - ich erinnerte mich dabei an die Tour zur Beobachtung des Venustransits 2012 - brachen wir auf und kamen nach gut anderthalb Stunden an. Ursprünglich hatten wir geplant, an der Abfahrt Großenbrode die B207 zu verlassen und uns am Strand einen Platz zu suchen. Welch eine Fehleinschätzung, was die Position des Mondes am Himmel anging, denn von dort aus blickte man zwar aufs Wasser, aber nicht zum Mond.

Es kam anders, denn wir landeten schließlich - wie schon bei zwei Sonnenfinsternissen - auf einem Autobahnparkplatz, denn was am Tage klappte, sollte auch in der Nacht gehen. Und so kam es schließlich auch: wir fuhren auf den Parkplatz Ostseeblick - der heißt wirklich so, auch wenn man von dort aus die Ostsee gar nicht sieht. Er liegt aber etwas höher als die Umgebung, was durchaus von Vorteil war. Nicht für die Sicht auf den Mond, aber für den eventuell zu erwartenden Nebel, der die ganze Nacht über sich vornehm zurückhielt.

Da wir recht früh dran waren, pausierten wir noch ein wenig im Auto, bevor wir mit dem Aufbau begannen. Ich durfte mein 80/560 mm Triplett auf Michaels SP-Montierung setzten, bei der wir eine batteriebetriebene Nachführung hatten, was insbesondere für die Aufnahmen während der Totalitätsphase wichtig war. Er selbst beobachtete mit einem 80/910er Refraktor auf einer zweiten Monti. An das Triplett befestigte ich meine Canon EOS 40D, auf einem Fotostativ kam meine Canon EOS 1100 D mit 300mm Telezoom und 58 mm Festbrennweite zum Einsatz.

Den Beginn der Halbschattenfinsternis kurz nach 2 Uhr bekamen wir nicht mit, die ist naturgemäß auch nur sehr schwer zu erkennen. Je näher jedoch der Eintritt in den Kernschatten um kurz nach 3 Uhr rückte, desto dunkler wurde der Ostrand des Mondes. Es war klar, dass der Mond zwar durch den Erdschatten gehen, ihn aber nicht in der Mitte, sondern am unteren Rand durchschreiten würde. Daher sah man bis fast ständig einen leichten hellen Saum am Mondrand, der in der Nacht von Ost über Süd nach West verlief, entsprechend der Wanderung durch den Erdschatten und somit einen auffälligen Helligkeitsgradienten.


Mond vor Beginn der Totalität
Noch bevor der Mond zur Hälfte in den Erdschatten eingetaucht war, konnte man auf länger belichteten Aufnahmen und auch visuell die rötliche Verfärbung erkennen, die natürlich immer intensiver wurde. Spätestens bei Beginn der Totalität um kurz nach 4 Uhr lohnte sich der Blick zum übrigen Sternhimmel. Die Milchstraße war sehr gut zu sehen, im Osten stand der Orion, der Schwan ging im Westen unter und später gingen dann noch Venus, Mars und Jupiter im Osten auf. Es gibt durchaus Leute, die während einer Mondfinsternis nicht den Mond, sondern ein Deep-Sky-Objekt aufnehmen. 

Der Helligkeitsgradient war während der Finsternis ständig zu sehen

Die Finsternis war insgesamt sehr dunkel, Danjon=1
In der Nacht telefonierten wir mit anderen Sternfreunden, die entweder bei Hagenow ebenfalls auf einem Autobahnparkplatz oder auf einer leider wohl sehr feuchten Wiese beobachteten.

Kurz vor Ende der Totalität

Ende der Totalität
Auf der Autobahn A1 herrschte nur wenig Verkehr und nur ab und zu kamen Leute vorbei und erkundigten sich nach unserem nächtlichen Treiben. Das Ende der Totalität gegen 5:30 Uhr kündigte sich schon lange vorher durch den bereits erwähnten hellen Saum, diesmal am Westrand, an. Schließlich war es soweit und der Mond trat aus dem Schatten der Erde heraus. Kurz vorher hatte die Morgendämmerung eingesetzt, die ein wunderschönes Farbenspiel entfaltete und einen Blick auf Venus, Mars und Jupiter erlaubte. Den Austritt des Mondes aus dem Kernschatten um kurz vor 6:30 Uhr konnten wir noch verfolgen - die CF-Karte meiner Kamera war voll und ich konnte keine Aufnahmen mehr machen -, bevor der Mond hinter einer Wolkenbank in Richtung Westen verschwand.

Auffallend war die sehr dunkle Finsternis - 1 nach der Danjon-Skala -, die dennoch ein beeindruckendes Bild abgab. Die Nacht war an dem Standort relativ trocken, wir hatten keinerlei Tauprobleme und selbst die Laternenmasten auf dem Parkplatz wiesen kaum Feuchtigkeit auf. Mein Auto beschlug auch erst spät in der Nacht.

Als wir alles im Auto verstaut hatten, suchten wir noch eine Autobahnraststätte auf und nahmen ein Frühstück ein, dass die fortschreitende Müdigkeit vertreiben sollte. Das wichtigste dabei war der Kaffee, der mich ein wenig wacher machte. Am Ende war ich froh, als ich zu Hause ankam, nicht mehr zur Arbeit und auch nicht mehr fahren musste. So hieß es dann erst einmal, den verlorenen Schlaf nachzuholen … Bilder kann man später auch noch bearbeiten.

Montag, 14. September 2015

Peenemünde im Jahr 2015

Der Ort ist so umstritten wie kein zweiter in Deutschland: Peenemünde auf der Ostseeinsel Usedom. Für die einen quasi DER Geburtsort der Raumfahrt, für andere einer, den man am liebsten von der Landkarte tilgen und zur verbotenen Zone erklären würde. 

In der Tat ist die historische Bedeutung ambivalent und faustisch. Einerseits wurden hier tatsächlich die Grundlagen für die spätere unbemannte und bemannte der USA und der ehemaligen UdSSR gelegt, andererseits stand in dem weltweit ersten militärisch-technischen Komplex der Welt nicht der Bau von Weltraumraketen, sondern von Waffen im Vordergrund. Ein wesentlicher Punkt ist zudem die Verstrickung der Peenemünder Wissenschaftler in das System der Konzentrations- und Arbeitslager des nationalsozialistischen Deutschlands, was die perfekte Grundlage dafür liefert, weswegen man sehr vorsichtig und behutsam mit dem Thema umgehen muss.

Am 3. Oktober 1942 wurde bei einem Testflug erstmals eine Gipfelhöhe von über 80 km erreicht und damit per Definition der Weltraum; für die Gruppe der „alten Peenemünder“ um Wernher von Braun, der technischer Direktor der Heeresversuchsanstalt war, Beweis für den Versuch, dass es hier um Weltraumforschung ging und man "zur Not" die Hilfe des Militärs in Anspruch nehmen musste, weil nur dieses ausreichende Mittel zur Verfügung hatte. Am Ende der Parabel stand nicht etwa ein Paket mit Messinstrumenten, sondern Sprengstoff, der in England, den Niederlanden und Belgien vielen Menschen den Tod brachte. Überhaupt starben in den Konzentrationslagern und aufgrund der unmenschlichen Arbeitsbedingungen im Mittelbau Dora im Harz mehr Menschen bei der Herstellung als durch den Einsatz der Rakete.

Die Geschichte nach Ende de Zweiten Weltkriegs wird als bekannt vorausgesetzt und soll daher hier nicht wiederholt werden.

Nachdem ich zum letzten Mal im Jahr 2011 das Gelände rund um den Peenemünder Haken besuchen und besichtigen konnte, war dies jetzt vielfach nicht mehr möglich. Der legendäre Prüfstand VII, von dem aus die A4/V2-Raketen starteten - und viele in der Ostsee wieder runterkamen - war in den Jahren nach meinem ersten Besuch 1992 noch begehbar, wenn man damals auch nicht immer wusste, was man da im Wald wirklich sah. Mehrere Touren sind hierhierhierhier, hier, hier und hier beschrieben.

Konnte man 2011 auf Höhe der alten Wachstation noch am Zaun entlang zum Strand gehen, so ist dieser mittlerweile auch gesperrt. Im Besitz der Deutschen Bundesstiftung Umwelt werden Führungen kaum noch unternommen, da für jede einzelne eine Sondergenehmigung benötigt wird und man das zweifelsohne einzigartige Biotop im Bereich der ehemaligen Heeresversuchsanstalt schützen will. Auch wird politisch starker Druck auf das Historisch-Technische Museum ausgeübt, nicht nur eine möglichst differenzierte Sicht zur Geltung zu bringen, am liebsten möchte man das ganze Gebiet für die Öffentlichkeit sperren und die wenigen dort noch lebenden Usedomer zwangsumsiedeln. Gleichzeitig gibt es aber in der Region ein lebhaftes wirtschaftliches Interesse, denn die Einnahmen aus Parkgebühren, Eintrittspreisen und von im Museumsladen verkauften Devotionalien werden von der Gemeinde gerne genommen. 

Das faustische an dieser Stätte hat sich nicht nur erhalten, sondern wurde durch die immer wieder neu definierte „political correctness“ zum Teil ins Absurde gesteigert. Vor allem amerikanische Besuchergruppen verstehen oft nicht, warum man den Prüfstand nicht wieder im Original aufbaut. Briten, Niederländer und Belgier sehen es wie jüdische Gruppen und Nachkommen der Überlebenden der KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter naturgemäß sehr viel klarer und differenzierter und begrüßen den Verzicht auf eine Zurschaustellung der NS-Forschungsstätte am Peenemünder Haken.

Was kann man als normaler Tourist heute noch oder wieder sehen? Der aktuelle Plan der Museumslandschaft weist mehrere Anlaufpunkte auf, die frei zugänglich sind und museumspädagogisch begleitet werden, aber nicht alle an einem Tag erkundet werden können. Dafür ist das Gelände viel zu groß, um alle vorhandenen und ausgewiesenen Stätten entsprechend würdigen zu können.
Ensemble im Eingangsbereich des Museums

Nicht vergessen darf man die Luftangriffe der Alliierten 1943 und 1944 und die nachfolgende Besetzung durch die Rote Armee und die Nutzung durch die NVA bis 1990. Überdies wurden viele Gebäude nach Abtransport der Gerätschaften und vorheriger Inspektion durch sowjetische Raketenexperten gesprengt und einige Bereiche auch zum Zielschießen verwendet. Alles zusammen hat nicht wirklich viel übrig gelassen außer oft nur schwer definierbaren Mauerresten, überwucherten Bodenlöchern, in die man auch heute noch gut hineinfallen und sich schwer verletzten kann, Reste von Chemikalien (insbesondere von Phosphor, der leicht mit Bernstein verwechselt wird und schon zu Unfällen geführt hat, weil es ein ähnliches Aussehen besitzt), sodass es schon allein aus diesem Grund gefährlich ist, ohne Kenntnis im Gelände herumzulaufen, was mittlerweile aber ohnehin unter Strafe gestellt ist.

Nach einem ersten Stopp an der alten Wachstation, bzw. dessen Überresten, fuhr ich zum Museum und war gespannt auf die seit dem letzten Mal vorgenommenen Veränderungen. Diese waren denn auch mehr im Detail zu erkennen. Die Mauer, die das Gelände nach Süden hin abgrenzte, war erneuert, die Flugzeuge entfernt und im Eingangsbereich ein Ensemble aus einem 1:1-Modell der Rakete, einem Modell einer V1 samt Walther-Schleuder und zwei Wagen des Typs der Berliner S-Bahn, die hier als Werkbahn eingesetzt war, ausgestellt. In einem der beiden Wagen gab es dazu eine kleine Ausstellung und so ganz im originalen Zustand war er denn doch nicht. In Wahrheit stand dieser kleine Zug bis 1978 im Dienst der Isartalbahn in Bayern, er ist aber wohl mit dem ursprünglichen durchaus vergleichbar.

Das ehemalige Kraftwerk am Peenestrom - es war noch bis 1990 teilweise für die Stromversorgung des Peenemünder Hakens im Einsatz - wies die meisten Neuerungen in seinem Innern auf. Im Kesselhaus waren die technischen Anlagen zugänglich gemacht worden und man konnte viele der hier einmal genutzten technischen Exponate bestaunen. Ein gläserner Fahrstuhl brachte den Interessierten auf das Dach des Hauses, von wo aus man einen guten Überblick über die Museumslandschaft gewinnen könnte, wenn man nicht, wie ich, mit Höhenangst ausgestattet ist. Also verzichtete ich auf den Blick und schlenderte lieber etwas länger durch die in anderen Gebäudeteilen untergebrachte Ausstellung. Mittlerweile wird hier nicht mehr einseitig die Leistung der Raketenwissenschaftler für die bemannte und die unbemannte Raumfahrt beleuchtet, sondern stärker auch auf das Leid der KZ-Häftlinge aufmerksam gemacht. 

Der neue Fahrstuhl zur Aussichtsplattform
In einer gerade noch laufenden Ausstellung konnte man Aufnahmen und Überreste des ehemaligen (militärischen) Raketenschießplatzes in Kummersdorf bestaunen, die bis heute noch nicht museumstechnisch erschlossen sind. Nach wie vor wird aber die Verquickung der Raketenenthusiasten um Wernher von Braun mit dem NS-System auf verschiedenen Ebenen eher nur am Rande erwähnt.

Peeneseitige Ansicht des Kraftwerks mit Resten des Tarnanstrichs
Überreste gibt es im Museumsgebäude und zum Teil im Freigelände aus Grabungskampagnen im Bereich der ehemaligen Heeresversuchsanstalt viele zu sehen, die im Detail alle gar nicht an dieser Stelle aufgelistet, aber in der Ausstellung besichtigt werden können. Insgesamt machte diese einen guten Eindruck und ein Besuch kann jedem näher Interessierten empfohlen werden. Man muss sich aber der besonderen Bedeutung des Ortes und seiner komplexen Geschichte bewusst sein, um alle Aspekte erfassen zu können.

Dienstag, 8. September 2015

5. Norddeutsches Sternwartentreffen in Rostock

Das Treffen der norddeutschen Sternwarten fand auf Anregung der Rostocker Sternfreunde am 5. September 2015 in der Hansestadt an der Ostsee statt und bildete den Abschluss der Feierlichkeiten zum 50jährigen Bestehen der Astronomischen Station „Tycho Brahe“ im Nelkenweg 6.

Michael Steen und ich waren nach mehreren Aufrufen über die GvA-Mailingliste die einzigen aus unserem Verein, die sich an diesem Samstagmorgen auf den Weg machten. Nach einem kurzen Frühstück bei einem Bäcker in Bergedorf fuhren wir los und kamen nach gut zwei Stunden in Rostock an, wo man grad intensiv mit der Vorbereitung der Veranstaltung beschäftigt war. Als erstes trafen wir auf die zahlreich erschienenen Lübecker Sternfreunde, die hier als Gruppen einen Ausflug unternommen hatten. Bis zur Eröffnung war es noch ein wenig hin und so konnte man sich schon im Vorwege mit Getränken oder Mitgebrachtem stärken.

Das Treffen in der Aula / Mensa der CJD Christopherusschule Rostock gegenüber der Astronomischen Station „Tycho Brahe“ begann pünktlich mit der Begrüßung durch Henning Schmidt, den Vorsitzenden des Astronomischen Vereins Rostock e.V., dem eine kurze Ansprache des Senators für Jugend, Soziales, Gesundheit, Schule und Sport der Stadt Rostock, Steffen Bockhahn, folgte. Er machte deutlich, dass das 5. NST ein fester Bestandteil der Festaktivitäten zum Jubiläum der Sternwarte war und dessen krönender Abschluss sein sollte. Die herumgereichte Teilnehmerliste des 5. NST wies am Ende die Namen von insgesamt 71 Sternfreundinnen und Sternfreunde aus weiten Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, Braunschweig, Tornesch und Lübeck auf.

Im Anschluss daran wurde dem Rostocker Hochschullehrer Prof. Manfred Schukowski, der sich als Pädagoge und Autor vieler Werke zu astronomischen Uhren im heutigen Meckelnburg-Vorpommern betätigt hatte, für sein Lebenswerk mit dem Mayer-Röhl-Ehrenpreis der Universität Greifswald ausgezeichnet. Die anschließende Laudatio hielt Prof. Holger Kersten, der mittlerweile an der Universität Kiel forscht und Mitglied der Greifswalder Sternwarte e.V. ist. Prof. Schukowski bedankte sich mit einem eigenen Rückblick auf seine Zeit als Physik- und Astronomielehrer und dem Zusammentreffen mit vielen Sternwartenleitern in der damaligen DDR.

Das eigentliche Vortragsprogramm begann mit dem Beitrag „Einmal Milchstraße und zurück - Die Geschichte der Volkssternwarten in Deutschland“ von Dieter B. Herrmann, ehemaliger Leiter der Archenhold-Sternwarte, Gründungsdirektor des Zeiss-Großplanetariums in Ost-Berlin und Autor zahlreicher populärwissenschaftlicher Arbeiten zu Astronomie und Raumfahrt. In seinem Beitrag schilderte er die Geschichte der Astronomie in Berlin und der Urania-Sternwarte in der Invalidenstraße: die erste deutsche Volkssternwarte. Neben der Schilderung des Wirkens von Simon Friedrich Archenhold (1861-1939), Bruno H. Bürgel (1875-1948), Wilhelm Meyer (1853-1910) und Wilhelm Förster (1832-1921) hob er besonders die Rolle der Treptower Sternwarte hervor, ging aber auch kurz auf Gründung weiterer Urania-Sternwarten ein: 1897 in Wien, 1904 in Magdeburg und 1909 in Jena. Spannend war eine Statistik, die belegte, dass es insbesondere nach dem 1. mehr noch nach dem 2. Weltkrieg und dem „Sputnik-Schock“ 1957 zu einem Aufschwung bei den Neugründungen von Volkssternwarten und astronomischen Vereinigungen kam. Parallel dazu standen die Planetarien als Volksbildungseinrichtungen, deren Anzahl in der Zeit nach dem Krieg deutlich anstieg, obwohl es bereits 1926 das erste funktionstüchtige Exemplar in Jena gab.

In einer kleinen Pause überreichten die Lübecker Sternfreunde an den nachfolgenden Referenten Henning Schmidt ein kleines Geschenk als Danksagung für die Ausrichtung der Tagung, bevor dieser näher auf die Aktivitäten in Rostock einging, die weit mehr über den reinen Betrieb der Astronomischen Station hinausgehen. Den Schulkindern der Stadt Rostock wird dort „Schule an einem anderen Ort“ geboten, wo es in einem ganz normalen Klassenraum Astronomieunterricht gibt, am Refraktor beobachtet oder im Kleinplanetarium, wo maximal 30 Personen Platz finden können, Vorträge angeboten werden. Überhaupt nahm der Astronomieunterricht an den Schulen im nordöstlichsten Bundesland einen breiten Raum ein, was eigentlich nicht so ganz dem Charakter der Veranstaltung entsprach, aber dennoch interessant und aufschlussreich war.

Nach der Mittagspause erläuterte Christian Fajkus noch mal eingehender den Astronomieunterricht in Rostock an der Astronomischen Station und gab diverse Einblicke in den Lehrplan, gab Anregungen, wie man Astronomie als Unterrichtsfach gestalten könnte, und zeigte verschiedene Methoden und Themen auf.

Ingrid Ziems beendete den Teil, der mehr einer Lehrerfortbildung glich und für reine Sternfreunde weniger ergiebig war, mit einer Darstellung der Historischen Entwicklung der Astronomie in der Stadt Rostock

Im Anschluss teilten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in drei Gruppen auf, um Führungen durch den Astrogarten, die Sternwarte und das Planetarium zu unternehmen. Hinter dem Gebäude der Sternwarte wurde ein begehbares, allerdings kreisförmiges, Modell des Sonnensystems errichtet, während auf dem Dach etliche Säulen für die Aufnahme transportabler Teleskope und der charakteristische Kuppelbau mit einem darin befindlichen 150/2250-Coudé-Refraktor  aus dem Jahr 1965 steht. Im Keller des Hauses befindet sich das bereits erwähnte Zeiss-Kleinplanetarium vom Typ ZKP-1 von 1964, in dem wir einer kleinen Vorführung bewohnen durften. Die Abbildungsqualität ist zwar nicht mit denen moderner Großplanetarien zu vergleichen, dafür wird in diesen kleinen Einrichtungen oft mehr Astronomie geboten, als in den großen Sternentheatern, ein Problem, das auch auf dem Treffen diskutiert wurde. 

Der Astrogarten der Astronomischen Station Rostock

Sonnenuhr an der Außenseite der Kuppel

Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Astrogarten

Der 150/2250-Coudé-Refraktor

Geöffnete Kuppel der Sternwarte

Modell in einem der Sternwartenräume

Da die Besichtigung insbesondere des Refraktors und des Planetariums - man fühlte sich zeitweise durchaus an die Zeit erinnert, als die GvA Hamburg noch im Planetarium im Wasserturm beheimatet war - musste wir uns beeilen, um die nachfolgenden, sehr interessanten Kurzvorträge nicht zu verpassen.

Projektor des Zeiss-Kleinplanetariums ZKP-1 in Rostock

Henning Schmidt berichtete über den aktuellen Stand einiger durchaus kurioser astronomischer Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern wie der ehemaligen Sternwarte in Blankenhagen zwischen Rostock und Ribnitz, wo eine Zeitlang auf einem Mühlendach eine silberne Kuppel stand, dem ZKP-2-Planetarium der ehemaligen Ingenieursfachhochschule für Seefahrt in Wustrow, dem ehemaligen Gymnasium in Torgelow, das eine eigene Sternwarte und ein Planetarium besaß oder das Planetarium der Fachhochschule Rostock, das in einem Wohnhaus untergebracht ist. Diese diente einstmals der Ausbildung der Offiziere der DDR-Volksmarine und wird heute durch einen Förderverein betreut. 2014 feierte es sein 60jähriges Bestehen.

In der nachfolgenden Kurzrunde wurde über die Sternwarte Heringsdorf - sie liegt direkt am Strand und kämpft im Winter mit der Lichtverschmutzung einer Eisbahn direkt davor und einem beleuchteten Theaterzelt in unmittelbarer Nähe - ebenso berichtet wie über das Kleinplanetarium Demmin (Zusammenarbeit mit Astronomielehrern, Kindervorstellungen und Schulunterricht), die Greifswalder Universitätssternwarte (Initiativen wie der Johannes-Conrads-Förderpreis, Programme für die Öffentlichkeit und als Besonderheit die Beobachtung von nunmehr 4 Venustransiten), die Mobile Sternwarte Hanshagen (Zusammenarbeit mit Schulen, privaten Interessenten, kleines Baaderplanetarium seit 2003), das Kleinplanetarium Lübz (ein 1974 geliefertes ZKP-1, astronomischer Schulunterricht, öffentliche Führungen, Planung eines Planetenwanderweges), die Sternwarte Remplin und dessen Restaurierungsstand (im Turm steht ein 80/1200mm-Refraktor) und das geplante Sternparkprojekt Mecklenburger Parkplatz zwischen Rostock und Remplin.

Zu vorgerückter Stunde wurde noch über den Austragungsort des 6. Norddeutschen Sternwartentreffens gesprochen, es gab auch mehrere, aber nicht immer ernst gemeinte, Vorschläge, eine Entscheidung wurde noch nicht getroffen. Wer wollte, konnte danach noch den Planetenwanderweg in Warnemünde erkunden, wir beschlossen allerdings, den Heimweg anzutreten.

Das 5. Norddeutsche Sternwartentreffen kann trotz des Schwerpunktes auf die Einrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern als gelungen und sehr informativ betrachtet werden und es ist den Initiatoren für ihr Engagement und das umfassende Catering zu danken!