Sonntag, 10. Mai 2015

Das Frühjahrs-NAFT vom 09.05.2015

Die GvA-Hamburg hatte zum Frühjahrstreffen der norddeutschen Astrofotografen am 9. Mai 2015 eingeladen und ca. 50 Sternfreundinnen und Sternfreunde kamen nach Schnelsen, um im dortigen Freizeitzentrum die neusten Ergebnisse der Astrofotografen zu bestaunen. An einem kleinen Astroflohmarktstand wurde Bücher, Zeitschriften und Kameraobjektive angeboten.

Astronomische Ereignisse hatte es im Vorfeld reichlich gegeben, was sich auch in der Themenvielfalt widerspiegelte. Die ersten Besucher trafen gegen 11:30 Uhr ein und halfen mit beim Aufbau innerhalb des Zentrums. Dieses war für Hamburger Verhältnisse gut erreichbar, wenn man nicht auf die Autobahn angewiesen war, und auch der Hamburger Verkehrsverbund hatte hier ein Loch, denn mit Bus und Bahn kam man nur schwer zum Tagungsort.

Vor den Vorträgen konnte man sich erst einmal mit Brötchen, Wurst und kalten oder heißen Getränken stärken. Die NAFTs laufen in der Regel rein anarchisch ab, d.h., es gibt kein vorgeschriebenes Programm, dieses bringen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selber mit, indem sie einfach ihre Vortragstitel auf einen Zettel schreiben und einfach nur ihre Bilder zeigen. Ich hatte die besondere Ehre, den ersten Vortrag zu halten und zeigte Aufnahmen, die vorwiegend mit Canon-Kameras auf dem Fotostativ entstanden waren. Sie befassten sich thematisch mit der partiellen Sonnenfinsternis am 20.03.2015, meinem Kirchheim-Urlaub im April und Phänomenen der atmosphärischen Optik. 

Ralf Pagenkopp hatte die Sonnenfinsternis auf der Sternwarte Bergedorf mit einem Apo 80/600, 2x Telekonverter und einer Canon 1100Da aufgenommen. Dabei ist alle 30s ein Bild entstanden, das die Sonne an verschiedenen Stellen des Bildes zeigte. Um alle Bilder einheitlich auszurichten, hatte er ein kleines Programm geschrieben (Center Planet), mit dem er eine vorbereitende Bildausrichtung vornahm, um aus dem Einzelbildern ein Video zu erstellen. Er ging kurz auf die Programmeigenschaften ein und präsentierte dann das Video, das sehr schön den Vorüberging des Mondes vor der Sonne erkennen ließ.

Den ersten Vortragsblock schloss Hartwig Lüthen ab, der kurz seine Balkonsternwarte und die verwendeten Instrumente vorstellte. Seine Aufnahmen von Jupiter, Uranus mit Monden und der Sonne in Weißlicht und H-alpha waren schon sehr beeindruckend. Sie waren teilweise mit einem 12,5cm-Refraktor, aber auch mit einem abgesägten Lidlscope in Kombination mit einem abgesägten PST entstanden und verblüfften ob ihrer Detailschärfe. Er erläuterte kurz die Bildverarbeitung mit Autostakkert und wie man Flatfielding-Videos baut. Faszinierend waren auch seine Videos vom Kometen Lovejoy, die in der GvA-Außensternwarte entstanden waren und schöne Feinstrukturen im Schweif inkl. Bewegung von Knoten, offenbarten. Den Abschluss bildeten mehrere Videos vom Vorbeiflog des Asteroiden 2004 BL86 aus dem Altonaer Stadthimmel.

Danach folgte die erste Pause, die man zum Klönen, zur Stärkung von Leib und Seele und anderem nutzen konnte.
Interessierte Teilnehmer am kleinen Astroflohmarkstand

Der erste Beitrag des zweiten Blocks war überschrieben mit „Himmelsknipserei mit 200mm“, indem Erik Wischnewski in lockerer Form seine Astroaufnahmen, die vom heimischen Garten in Kaltenkirchen auf auf einer stationären Montierung mit einer Canon 60D und 200mm-Objektiv gewonnen wurden. Neben den Lichtverhältnissen, die sehr von der ortsüblichen Lichtverschmutzung geprägten sind - sogenannte Lichtsäue gibt es dort zu Hauf - zeigte er, welche Objekte man an dem Standort überhaupt noch fotografieren konnte. Und die Liste war gar nicht mal so kurz: Leuchtende Nachtwolken, h+chi im Perseus, M44, NGC 7000 und Umgebung, NGC 281 (Pacman), M 16 und M 17, der Phi-Cas-Haufen, der Orion-Komplex mit Pferdekopf-, Flammen- und Orionnebel, M 31, M 33 und California-Nebel.

Oliver Paulien hatte die dem Sonnensturm folgenden Polarlichter während des Urlaubs in Norddänemark (Saltum) gesehen und präsentierte hier erstaunliche Aufnahmen vom grünen homogenen Bogen, mal ausgedehnt, mal gespalten, dem nach Süden verschobenen Polarlichtoval sowie zahlreiche rote Streamer, Vorhänge und Girlanden. Durch zwei mitgenommene Teleskope fotografierte er außerdem den Nordamerikanebel, den Herznebel (NGC 896), den Pelikannebel, NGC 457, M101, M27 und Komet Lovejoy.

Vor der zweiten Kaffeepause war Bruno Mattern an der Reihe, dem staunenden Publikum seine mehrstündigen Langzeitbelichtungen von Deep-Sky-Objekten und Himmelsfeldern vorzuführen. Dabei machte er Aufnahmen stets parallel mit mehreren Teleskopen unterschiedlicher Brennweite und verglich die Ergebnisse. M 51, M 109, M 101, M 108, NGC 2174 (Affenkopfnebel), NGC 2683 (UFO-Galaxie), M97 (Eulennebel), NGC 2841, NGC 3227, NGC 4565, NGC 50ß7, NGC 7817 waren seine Objekte der vergangenen Wintersaison. Er hatte darüber hinaus die Möglichkeit, eine der neuen Sony Alpha 7R-Kameras mit Vollformat-Chip auf ihre Astrotauglichkeit hin zu testen. Ausgestattet mit 36,4 Megapixel ist sie die erste spiegellose Systemkamera mit abnehmbarem Objektiv und ISO-Zahlen zwischen 50 und 25600. Der Test der ummodifizierten Version ergaben erstaunlich rauscharme Bilder, die allerdings, je nach Objekt und Aufnahmedauer, eine deutliche, vom Bajonett herrührende Vignettierung aufwiesen, die aber mittels Hilfsprogrammen heraus gerechnet werden können, was aber die Anfertigung von Flatfield-Bildern unbedingt erforderlich macht. Er belichtete in einer der Testphasen seine Aufnahmen mit ISO 640 jeweils 6 Minuten lang. Die Ergebnisse beim Eulennebel, bei M 101 oder NGC 4565 konnten sich indes sehen lassen. Noch nicht getestet wurden Aufnahmen mit höheren ISO-Zahlen, die nach Werksangaben nicht interpoliert werden. Hier dürfte vor allem das Rauschverhalten des Sensors von großem Interesse sein.

Die nachfolgende Pause wurde für das obligatorische Gruppenfoto, der Nahrungsaufnahme und dem Erfahrungsaustausch gewidmet.


Kleine Erholungspause
Michael Mushardt begann den letzten Vortragsblock mit einem Bericht über einen 60-Stunden-Trips zur Beobachtung der totalen Phase der Sonnenfinsternis am 20.03.2015. Er nutzte hierzu die Möglichkeit, nach Oslo zu fliegen und dort auf eine kleinere Maschine nach Longyearbyen, dem größten Ort auf der zu Norwegen gehörenden Inselgruppe Spitzbergen, umzusteigen. Der Flughafen Svalbard liegt auf 78° nördlicher Breite, bot zwar nicht die besten Wetteraussichten, am Ende aber ein fast durchgängig gutes Wetter während der Totalität. Er schilderte seine Erlebnisse rund um den Flughafen, die Beobachtung der Finsternis in dessen mittelbarer Nähe auf sehr amüsante und einprägsame Weise. Seine Aufnahmen mit langen und sehr kurzen Brennweiten, die er zu Animationen zusammengefasst hatte, zogen die Besucher in ihren Bann und ließen sicher bei dem einen oder anderen den Wunsch aufkommen, auch einmal Kurztrips zu besonderen Himmelsereignissen zu riskieren.

Ähnlich spannend war der zweiteilige Vortrag von Matthias Levens über seine Beobachtung der Finsternis auf der Hurtigroute und den Möglichkeiten der Deep-Sky-Beobachtung aus dem lichtverschmutzen Hannoveraner Süden. Die Reise entlang der norwegischen Küste mit der „Finnmarken“ brachte zwar nur 94% maximaler Bedeckung, dafür aber eindrucksvolle Erlebnisse. So wurde die partielle Phase der Finsternis - hier zeigte sich ebenfalls die starke Lichtdämpfung und die Wahrnehmung schärferer Konturen und Farben - mit Sofibrillen oder entsprechend gefilterte Ferngläser beobachtet. Als Zugabe konnte man in den darauf folgenden 8 (!) Nächten Polarlichter unterschiedlicher Stärke und Aussehen beobachtet werden. Die Deep-Sky-Fotografie aus der Stadt heraus war da schon deutlich schwieriger. Mit einem 8 Zoll f/4-Newton und einer Atik-Kamera nahm er in der letzten Zeit Abell 21, IC 1805, den Cocconnebel, M 81, M 86, NGC 1977, den Affenkopfnebel, den Rosettennebel, NGC 281, NGC 6888 und WR 134 auf und bewies, das selbst unter ungünstigen Verhältnissen immer irgendwas geht. Von dem einen Standort mehr, vom anderen weniger, aber etwas ist immer möglich.

Konstantin von Poschinger hielt ebenfalls ein zweiteiliges Referat und präsentierte zunächst verschiedene Objekte, die er von Hamburg und der GvA-Außensternwarte aus mit Schmalbandfiltern und ohne an verschiedenen Instrumenten aufgenommen hatte, wozu Videos vom Kometen Lovejoy, H-alpha-Gebieten im Cygnus oder der Herznebel ebenso gehörten wie Aufnahmen von Mond und Jupiter sowie erste Sonnenaufnahmen. Im zweiten teil stellte er seine Ergebnisse von mehreren Reisen auf die Farm Tivoli nach Namibia vor, wo er ebenfalls unterschiedliche Filter verwendete und so unterschiedliche Strukturen einzelner Objekte in verschiedenen Wellenlängen des Spektrums herausarbeiten konnte. Dazu zählten in erster Linie eine ganze Reihe von Dunkelnebeln in der Milchstraße, aber auch Altbekanntes wie M 33, Omega Cantauri, die Fornax-Galaxie, M 42 und Umgebung, Centaurus A sowie Felder mit vielen sehr schwachen Galaxien.

Ziemlich genau um 19:15 Uhr endete die sehr gelungene Veranstaltung. Wer wollte, konnte noch ein nahe gelegenes Restaurant im ehemaligen AKN-Bahnhof Schnelsen besuchen und sich für die mitunter weite Heimreise innerhalb Norddeutschlands stärken, denn Astronomen sind immer hungrig und durstig. Der Tagungsort für das Herbsttreffen 2015 wurde indes noch nicht festgelegt.

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