Sonntag, 5. Oktober 2014

Norddeutsches Astrofotografentreffen vom 4.10.2014 in Kiel

Am 4. Oktober 2014 fand das Herbst-Treffen der norddeutschen Astrofotografen (NAFT) bei der GvA-Gruppe Kiel im Schulzentrum Kronshagen statt. Am Morgen trafen wir, André Wulff und Michael Steen uns bei mir zu einem gemeinsamen Frühstück. Nach der obligatorischen Sonnenbeobachtung brachen wir gegen 10:30 Uhr auf und fuhren über die A1 und die A21 nach Kiel, wo wir ziemlich genau um 12 Uhr ankamen.

Die Organisatoren des Treffens hatten bereits das Catering aufgebaut, in der Vorhalle war ein kleiner Verkaufsstand aufgebaut sowie ein kleiner Infostand mit einer Spendenbox. Nach dem reichhaltigen Frühstück gönnte ich mir erstmal einen heißen, dampfenden Kaffee. Schnell verging die Stunde bis zum ersten Beitrag.

Christoph Petermann von der GvA-Gruppe Kiel moderierte das Treffen unaufgeregt – ich hatte bei einer beruflichen Fortbildung in der Woche vorher das genaue Gegenteil davon kennen lernen dürfen -, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und gab die allgemeinen Regularien bekannt, wobei er darauf hinwies, dass das NAFT das erste Mal seit 17 Jahren wieder in Kiel stattfand.

Im ersten Vortrag berichtete Hartwig Lüthen über seine Erfahrungen mit der Sonnenfotografie im Weißlicht und H-alpha, die er vom Balkon in seiner Altonaer Wohnung mittels einer DMK-Kamera, umgebauten PST und Lidl-Scope gewann, zeigte ein paar Mond- und Planetenaufnahmen sowie Bilder vom jüngsten Vorbeiflug der ISS vor dem Mond. Die Schärfe der Sonnenbilder in beiden Spektralbereichen war außerordentlich hoch und offenbarte, was man auch mit relativ einfachen Mitteln und ein wenig Bastelgeschick hinbekommen kann. Im Anschluss daran führte er live eine Bildbearbeitung mit Astrostakkert durch und wies auf das Balkonsternwarten-Forum hin.

Dass das NAFT durchaus gefährlich sein kann, bewies Michael Mushardt in seinem Vortrag. Die grundsätzliche Gefahr besteht auf jedem NAFT: Andere Leute und deren Ausrüstung kennen zu lernen. Dies führte in dem konkreten Fall dazu, dass die von ihm betriebene Limbachsternwarte mit ihrem 16 Zöller nunmehr statt einer schon in die Jahre gekommenen Rupp-Montierung über eine Alt-AD7 verfügt.

Dass sich einige Sternfreunde aus dem Norden intensiv atmosphärischen Erscheinungen widmen, verdeutlichte als nächstes Carsten Jonas, der Polarlichter aus der Saison 2013 / 2014 zeigte, die von Standorten in Kronshagen, Nymindegab in Dänemark und vom Leuchtturm Bülk aus mit einer Canon EOS 5D Mark II aufgenommen wurden. Besonders die aus den Einzelaufnahmen zusammengestellten Videos waren beeindruckend.

Die nachfolgende Pause wurde dann zur körperlichen Stärkung, dem körpereigenen Flüssigkeitshaushalt und vielen Fachgesprächen genutzt.

Michael Schomann präsentierte im zweiten Vortragsblock als erstes seine immer wieder sehenswerten 360°-Fulldome aufnahmen, die er für das Planetarium Wolfsburg erstellt. Auch die Aufnahmetechnik, die Erstellung von Zeitrafferaufnahmen mit einer Canon 6D kamen nicht zu kurz und belegten, welche technischen Möglichkeiten Planetarien abseits von eingekauften Shows, Lesungen und Kulturveranstaltungen noch bieten können, wenn man mehr Wert auf Wissensvermittlung und dem Naturerlebnis Astronomie legt. Als Beispiel führte er in 2D einige Videos mit Musikbegleitung vom Teleskoptreffen im Harz (SFHT) und dem Herzberger Teleskoptreffen (HTT) und dem Westhavelländerr Teleskoptreffen (WHAT) vor.

Ähnlich dem Beitrag von Carsten Jonas widmete sich Marco Ludwig mit „Neues auf Neumünster“ seinen Aufnahmen von Polarlichtern, der ISS vor dem Mond und Leuchtenden Nachtwolken (NLCs) und verwendete dabei auch Aufnahmen, die zusammen mit zwei anderen Sternfreunden (Stefans Bruns und Jürgen Kahlhöfer) entstanden waren. Natürlich auch wieder mit Musikbegleitung.

Bruno Mattern erstaunte die Zuhörer wieder einmal mit extrem langbelichteten Aufnahmen von Deep-Sky-Objekten, zeigte ein über mehrere Monate hinweg entstandenes Miclhstraßenpanorama und erläuterte seine Bilder von M 31, NGC 7023 (Irisnebel), NGC 7814 und NGC 1055. Der Hammer war dabei eine 51 Stunden lang belichtete Aufnahme von IC 5139.

Nach einer weiteren Pause führte Uwe Freitag aus Lübeck einen 25minütigen Film mit Aufnahmen von Polarlichtern, Planeten, NLCs, Gewitterwolken etc. vor, die mit Kameraobjektiven, an einem 125/1300 Lichtenknecker mit Okularprojektion und mit einer DMK 31 entstanden waren. Alles unter dem Motto: „Es geht alles auch mit Pentax“!

Hochwissenschaftlich ging es dann mit dem Bericht von Rainer Anton weiter, der zeigte, wie man als Amateur mit eigener Ausrüstung (hier: Dopplermessungen aus den Spektren von Sonne und Planeten) vornehmen und aus den gewonnenen Daten Rotations- und Umlaufgeschwindigkeiten mit Hilfe von viel Mathematik ableiten kann und die auch eine hinreichende Genauigkeit aufweisen. Zur Verfügung stand ihm ein Gitterspektrograph, den er am Teleskop der Internationalen Amateursternwarte (IAS) in Namibia einsetzte.

In der letzten Pause versammelten wir uns vor dem Gebäude zum üblichen Gruppenfoto mit rund 60 Sternfreundinnen und Sternfreunden. Außerdem konnte man in dieser Zeit die Teleskope der GvA-Gruppe Kiel besichtigen: ein 15 cm-Refraktor mit 2,25m Brennweite auf einer Rupp-Montierung sowie ein 12 Zoll Meade ACF-Schmidt-Cassegrain auf einer Alt-AD7-Montierung mit FS2-Steuerung, die vormals von der GvA Hamburg in ihrer Außensternwarte in Handeloh genutzt wurde. 

Zu Beginn des letzten Vortragsblocks schilderte Carsten Jonas die aktuelle Situation am Aschberg, wo in früheren Jahren regelmäßig Teleskoptreffen stattfanden und wo jetzt von der Globetrotter-Akademie eine neue, lichtverseuchte, Infrastruktur aufgebaut wurde. Hier bahnt sich möglicherweise eine engere Zusammenarbeit zwichen den Sternfreunden und der für Seminare und sonstige Veranstaltungen genutzte Akademie ein, deren Form allerdings noch ausgestaltet werden muss.

Carsten Jonas berichtete anschließend über seine Eindrücke beim Beobachtungsflug zum Kometen Lovejoy am 8. Dezember 2013, der unter dem Motto stand: „ISON ist tot, es lebe Lovejoy“, Der Start war frühmorgens vom Köln-Bonner-Flughafen aus gestartet und führte in mehreren , von einer Boeing 737-800 geflogenen Schleifen von Deutschland in Richtung Belgien, um danach wieder zum Startpunkt zurückzuführen.
Der Komet war visuell kaum oder gar nicht zu sehen und erst das Stacken mehrerer Aufnahmen führte zu einem Ergebnis. Spannend waren die bei diesem Flug gemachten Erfahrungen mit der Technik, den Lichtverhältnissen in der Flugkabine und der Befestigung der Kamera am Kabinenfenster.

Den krönenden Abschluss bildete ein Beitrag von Mario Lehwald. Sein Thema war „Zwischen Tag und Licht: Ein Herbsttag im Jahr 1885, wo er viele Bilder von Natur und Landschaft, dem Sternenhimmel und zeitgenössischen Innenleben von Häusern, die mittels Petroleumlampen stimmungsvoll erleuchtet wurden. Untermalt wurde das Ganze mit Musik von Claude Debussy.

Ziemlich genau um 18:50 Uhr endete das Herbst-NAFT. Wer wollte, konnte sich in einem nahegelegenen Restaurant weiter unterhalten und ein kalorienhaltiges Abendessen zu sich nehmen. Wir dagegen brachen relativ schnell auf und waren kurz nach 20 Uhr wieder in Hamburg, denn André Wulff hatte ab 21:30 Uhr noch eine Sonderführung auf der Bergedorfer Sternwarte vor sich.


Der Austragungsort für das nächste NAFT steht noch nicht fest, man darf gespannt sein, wohin es uns im Frühjahr 2015 führen wird.