Sonntag, 16. März 2014

Norddeutsches Astrofotografentreffen in Hildesheim

Nach einem guten Jahr ergab sich für mich wieder die Gelegenheit, ein NAFT zu besuchen und dieses Mal hieß das Ziel: Hildesheim, wohin die erst 2011 gegründete Hildesheimer Gesellschaft für Astronomie (HiGA) eingeladen hatte. Um 9 Uhr holte ich André Wulff ab, um 9:15 Uhr stieg Michael Steen am Berliner Tor ein und dann ging es auf die Autobahn in Richtung Niedersachsen. Ziemlich genau um 11.15 Uhr kamen wir am Kolleg-Gebäude des Gymnasiums Josephinum an, wo die Sternfreundinnen und Sternfreunde der HiGA gerade mit dem Aufbau der Infrastruktur für das Treffen beschäftigt waren. Jeder, der ankam, erhielt einen Namensbutton, eine nette Sache.

Gleich geht es los ...
Bis zum eigentlichen Beginn der Veranstaltung konnte man sich mit anderen Sternfreunden unterhalten und schon mal anfangen, das leckere Büfett zu plündern. Um 13:15 Uhr begann der offizielle Teil. Arndt Latussek sprach die Eröffnungsworte, begrüßte die Teilnehmer, gab eine Einführung in den Tagesablauf und berichtete über die Gründung des Hildesheimer Astrovereins. Er war denn auch der erste Vortragende, der unter dem Titel „20 Jahre CCD“ von seinen vielfältigen Erfahrungen mit verschiedenen Teleskopen und Kameras, wobei am Anfang eher das Motto „testen, testen, testen“ stand und er erst seit kurzem mit der festen Aufstellung einer Sternwarte im hauseigenen Garten unter Verwendung einer SBIG-Kamera regelmäßig Ergebnisse produzieren kann. Aus den Anfangstagen bis heute zeigte er Bilder von Dwingeloo 1, M51, NLCs über Heiligenhafen, Komet PANSTARRS, NGC 6946, IC 334 (mit Nachweis eines Gezeitenschweifs), die Gamma-Cygni-Region, NGC 6888, den Conus-Nebel – viele davon im H-alpha – sowie ersten Versuchen in der Spektroskopie.

Bruno Mattern stellte danach unter dem Titel: „Deep Sky: Weitwinkel bis 2000 mm“ seine Sternwarte in der Lüneburger Heide und die dort untergebrachte Technik vor und zeigte beeindruckende, oft über viele Stunden hinweg belichtete Aufnahmen von IC 5146, IC 342, M74, NGC 672, NGC 1055, NGC 7635, NGC 281, NGC 2419, M 35, M81, M82 (mit Supernova), M102, M108, NGC 4244. Daneben präsentierte er auch diverse Übersichtsaufnahmen der Milchstraße und mehrere Panoramen, die er aus Einzelaufnahmen gewonnen hatte, z.B. von der Gegend rund um den Großen Bären oder um M 100. Diese zeigten im Hintergrund oft sehr viele Galaxien. Auch hat er mehrere mit unterschiedlichen Kamerasystemen aufgenommene Bilder zu einem Gesamtbild kombiniert, was in vielen Fällen zu neuen Einsichten in die dargestellten Objekte führen kann.

Hartwig Lüthen schilderte anschließend in amüsanter Form seine Erfahrungen mit der „Balkonastronomie“ im lichtverseuchten Hamburg. Angesichts des nahen St. Pauli-Stadions am Millerntor und dem nahen Hafen und die dort exorbitante Lichtverseuchung durch Schiffstaufen etc. hat er den vermutlich schlechtesten Standort, den man sich denken kann. Dennoch gelingen ihm von dort regelmäßig mit einem Achtzöller bzw. einem Zehnzöller und DMK-Kameras Aufnahmen von Kometen (Lovejoy) Mond und Planeten (Saturn und Jupiter) und die Sonne in Weißlicht und H-alpha. Überdies wies er auch auf die GvA-Außensternwarte in Handeloh hin und zeigte beispielhaft ein Bild von NGC 6888.

Für das leibliche Wohl wurde gesorgt
Nun war erst einmal eine kleine Pause angesagt, in der man sich stärken, klönen und anderen Gelüsten folgen konnte, bevor Hartwig Lüthen in seinem zweiten Vortrag einen kleinen Exkurs in die Bildverarbeitung von Jupitervideos mit Autostakkert, der Derotation mit winjupos und fire capture und das Nachschärfen mit Registax und die Vollendung des Bildes mit Fitswork gab.

Kometen 1982-2014“ war das Thema von Michael Mushardt, worin er eingescannte und digitale Aufnahmen der Kometen Austin, IRAS-Araki-Alcock, Giacobini-Zinner, Halley Brorsen-Metcalf, Faye, Shoemaker-Ley, Hyakutake, Hale-Bopp, LINEAR 2001, Ikeya-Zahng, Machholz, Swan, Lulin, Garrad, Hartley, Holmes, PANSTARRS, Lovejoy und ISON präsentierte.

Wie man auch mit der „Fotografie mit Billig-Teleskopen“ erstaunliche Aufnahmen des „tiefen Himmels“ gewinnen kann, zweigte Uwe Zurmühl, der mit verschiedenen Teleskopen M 3, M 17, M 101, NGC 281 im H-alpha, NGC 700, IC 434, Sh 240, M 42, NGC 281, M 38, NGC 1893, die Supernova in M 82 sowie M 81 und M 82 in einer Übersicht sowie die Kometen PANSTARRS und Lovejoy fotografierte.

Anschließend gab es ein weitere Pause, die nochmals für Snacks, Getränke und anderes sowie für das übliche Gruppenfoto genutzt wurde.

Utz Schmidtko nahm zu Beginn des letzten Vortragsblocks die Anwesenden mit auf eine Reise zu den „Polarlichtern in Schweden“ Ende 2012 mit. Er hatte viele, einfach umwerfende, Aufnahmen der unterschiedlichsten, zumeist grünfarbigen, Formen des Nordlichts dabei, die abseits von Touristenpfaden in der Einsamkeit des nördlichen Teils von Schweden aufgenommen wurden. Mittels Fisheye und anderen kurzen Brennweiten gelang ihm dabei auch ein Bild von Komet PANSTARRS und M 31 mitten in einem Polarlicht. Weitere Reisen hatten ihn nach Norwegen und auch nach Island geführt, wo man neben Polarlichtern – ein mit musikalischer Untermalung gezeigter Film darüber war schon sehr beeindruckend – auch Geysire und Vulkane bewundern kann. Ein Vortrag, bei dem man Luft auf eine eigene Reise zum Polarlichtgucken bekam.

Mathias Levens referierte im Anschluss daran zum Thema „Deep-Sky in der Grossstadt“. In seinem Garten konnte er eine kleine abrollbare Holzhütte installieren, in der eine Astrophysics 900-Montierung einen 8 Zoll-Newton f/4 beherbergt. Vom Stadtrand von Hannover aus konnte er mit einer Atik-CCD-Kamera und Schmalbandfiltern (hauptsächlich H-alpha) den Cirrusnebel, NGC 6992, IC 405, IC 1805, IC 410, NGC 281, WR 134, NGC 6888, NGC 7635, M 1, M 27, M 33, M 101, M 81 und M 82 (mit Supernova), NGC 7331, M 45 im Detail, NGC 7000 und den Pferdekopfnebel aufnehmen. Einmal mehr zeigte sich, wie wichtig ein fester, schnell erreichbarer Standort, kombiniert mit ausgefeilter Technik ist, um unter den oft schwierigen norddeutschen Himmelsbedingungen ansprechende Astrofotos zu bekommen.

Im letzten Vortrag des Tages konnte Michael Schomann über „Neues aus Braunschweig“ berichten und Aufnahmen - auch anderer Sternfreunde – vom Polarlicht vom 27. Februar 2014 sowie dem in Sonnenähe zerbröselten Kometen ISON und der Supernova in M 82 zeigen. Darüber hinaus hatte er auch spannende Zeitrafferfilme, die auch für das Fulldome-Planetarium in Wolfsburg geeignet sind, im digitalen Gepäck. Damit klang das Frühjahrs-NAFT 2014 um 18:25 Uhr aus. Wer wollte, konnte danach in einer Pizzeria speisen und weiterklönen. André, Michael und ich besichtigen noch die Sternwartenhütte auf dem Dach des Gebäudes und fuhren dann alsbald wieder in Richtung Hamburg ab, wo wir gegen 21 Uhr ankamen. 

Besichtigung der Sternwartenhütte auf dem Dach des Josephinums
Der Termin für das kommende NAFT steht derzeit noch nicht fest, ebenso der Tagungsort. Vorgeschlagen wurden bisher St. Andreasberg, Hannover und Kiel. Näheres wird man rechtzeitig unter der Webadresse: www.naft.de erfahren!