Sonntag, 13. Juli 2014

Gefallene Astronomen des 1. Weltkriegs (3)

Dr. Walther Zurhellen (1880-1916)
An chronologisch zweiter Stelle der im Ersten Weltkrieg durch direkte Kampfhandlungen gefallener Astronomen steht Dr. Walther Zurhellen, der, nach der Todesanzeige in der Astronomischen Nachrichten, in „Nordfrankreich den Heldentod“ fand.

Zurhellen war am 5. Januar 1880 in Mühlheim am Rhein als Sohn des Pfarrers und späteren Superintendenten August Zurhellen geboren worden. Hier besuchte er die sogenannte Elementarschule und ging auf das Gymnasium, dass er Ostern 1898 mit dem Abitur in der Tasche wieder verließ. Er studierte in Bonn, Berlin und Göttingen Astronomie und promovierte 1904 mit der Schrift „Darlegung und Kritik der zur Reduktion photographischer Himmelsaufnahmen aufgestellten Formeln und Methoden“. Die Gründlichkeit und Sorgfalt, die er dieser Arbeit zugrunde legte, sollte für sein weiteres wissenschaftliches Leben kennzeichnend sein.

Bereits im Jahr zuvor hatte er eine Assistentenstelle an der Bonner Sternwarte übernommen und so wurde der eigentlich als zweiter Teil seiner Dissertation gedachte Teil über die Vermessung des Offenen Sternhaufens M 46 noch einmal gründlich überarbeitet. Die Ergebnisse publizierte er 1909 gemeinsam mit Friedrich Küstner in den Veröffentlichungen der Königlichen Sternwarte zu Bonn: Der Sternhaufen Messier 46 : nach photographischen Aufnahmen am Bonner Refraktor.

Als eine der ersten Aufgaben als Assistent beteiligte sich Zurhellen an den spektroskopischen Arbeiten Prof. Karl Friedrich Küstners (1856-1936), der vormals Observator an der Hamburger Sternwarte, 1884 an die Berliner Sternwarte und 1891 nach Bonn gewechselt war. Hier setzte er seine Forschungen zur Polbewegung fort und konnte durch langfristige Messungen der Polhöhe den Nachweis erbringen, dass die Polachse der Erde nicht fest im Raum steht, sondern einer kleinen, durch die Schwerkrafteinwirkung der Sonne und des Mondes hervorgerufene Präzessionsbewegung und in weitaus geringerem Maß wohl auch der Planeten vollführt.

Zurhellen zeigte sich aber auch interessiert an Instrumententechnik und der Theorie der Bestimmung der Bahnen bei spektroskopischen Doppelsternen. Aus diesen Untersuchungen resultierten verschiedene Berichte in den Astronomischen Nachrichten (1906: Die Untersuchungvon Mikrometerschrauben in der Praxis, 1908: Die Bestimmung des Nullpunkts photographischer Himmelsaufnahmen, 1911: Über sekundäre Wellen in den Geschwindigkeitskurven spektroskopischer Doppelsterne)

Im April 1909 übertrug man ihm die Leitung des Fachbereichs Astrophotographie an der Sternwarte Santiago de Chile und damit die Ausdehnung der Erstellung eines fotographischen Himmelsatlas für die Südhalbkugel. Es dauerte allerdings geraume Zeit, bis der dafür gedachte Astrograph in der neuen Sternwarte in Lo Espejo aufgebaut und einsatzbereit war. In der Zwischenzeit widmete er sich theoretisch der Technik dieses Teleskops und seiner Zusatzgeräte. Am 23. Mai 1910 beobachtete und fotografierte er von Bonn aus eine totale Mondfinsternis mit einer einfachen Holzkamera, die an der Deklinationsachse des Äquatorials befestigt war. Mit dieser Kamera hatte er bereits Beobachtungen und Fotografien vom Halleyschen Kometen gewinnen können, die er dann in Chile fortsetzte.

Zum 1. Oktober 1913 folgte er dem Ruf der Sternwarte Babelsberg, um dort am – noch nicht fertig gestellten – Toepferschen Astrographen seine Forschungen fortzusetzen. Dazu sollte es allerdings nicht mehr kommen. Bei Amtsantritt war dieses Instrument noch nicht fertig, sodass er sich – wie schon in Bonn und Chile – mit der Instrumententheorie und hier der Abbildungsqualität von Objektiven auseinandersetzte. Außerdem begann er mit den Planungen einer Expedition zur Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis am 21. August 1914 in Südrussland. Diese war noch gestartet, konnte ihr Ziel aber nicht mehr erreichen und Zurhellen wurde zunächst interniert und kehrte erst 1915 zurück. Er trat sogleich dem Bonner Regiment als Vize-Feldwebel bei und zog an die Westfront, wo er am 15. Juli 1916 starb.

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