Freitag, 18. Juli 2014

Gefallene Astronomen des 1. Weltkrieges (5)

Dr. Erich Kron (1881-1917)

Der nächste, im 1. Weltkrieg gefallene Astronom in dieser Reihe, ist Dr.Erich Kron vom Astrophysikalischen Observatorium in Potsdam. Er fiel am 24. Oktober 1917 bei der Dritten Flandernschlacht (31. Juli – 6. November 1917). Geboren wurde Erich Kron am 13. Juli 1881 in Potsdam als erster von insgesamt drei Söhnen der Familie.

Sein Vater verstarb sehr früh und so wuchs er bei seiner Mutter auf, die ihn sehr liebevoll und mit Hingabe erzog. Er besucht das Gymnasium in Potsdam und Brandenburg und machte Ostern 1900 sein Abitur. Danach begann er mit großer Begeisterung mit dem Studium der Astronomie und promovierte bereits 1906 mit einer Schrift über den Bedeckungsveränderlichen δ Librae vom Algol-Typ.

Damit legte er auch Zeugnis ab über eine sehr große Gründlichkeit bei der Bearbeitung langer Beobachtungsreihen und Zahlenkolonnen und dass er daraus die richtigen Schlüsse über die Vorgänge bei diesem Typ veränderlicher Sterne zu ziehen vermochte. Die Promotion führte zu einer festen Anstellung als Assistent am 1. Oktober 1906 beim Astrophysikalischen Observatorium in Potsdam.

Seine erste Aufgabe bestand darin, Aufnahmen für eine fotografische Himmelskarte auszumessen und er tat dies mit einem hohen Maß an Gewissenhaftigkeit, wie man den Bänden V und VI der sogenannten Potsdamer Zone, veröffentlicht zwischen 1899 und 1915 in der Schriftenreihe der Publikationen des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam, entnehmen kann.

Darüber hinaus zeichnete er sich durch eine hohe Beobachtungsgabe auf, die dazu führte, dass er 1910 gemeinsamen mit dem späteren Direktor des AOP Karl Hermann Gustav Müller (1851-1921) an einer Expedition nach Teneriffa zur Messung der Extinktion der Erdatmosphäre teilnehmen konnte. Diese verlief anscheinend, wie den Anmerkungen in der Todesanzeige zu entnehmen ist, nicht ganz so erfolgreich, wie man es sich gedacht hatte und es war nur dem Engagement, dem Beobachtungstalent und dem sorgsamen Umgang mit dem Instrumentarium durch Erich Kron zu verdanken, dass noch halbwegs brauchbare Ergebnisse zustande kamen. 

Der Expeditionsbericht mit dem Titel „Die Extinktion des Lichtes in der Erdatmosphäre und die Energieverteilung im Sonnenspektrum nach spektralphotometrischen Beobachtungen auf der Insel Teneriffa. Unter Mitwirkung von E. Kron. Potsdam 1912 in: Publikationen des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam. 22,64. 92 S.,Abb.,Taf.“ belegt dies eindrucksvoll und beschäftigte Kron während der gesamten, ihm noch am Observatorium verbleibenden Zeit. Hieraus resultierte auch seine letzte Veröffentlichung aus dem Jahr 1914: „Über die Extinktion des Lichtes in der Erdatmosphäre für das Ultraviolett“, Annalen der Physik, vol. 350, Issue 19, pp.377-398. Überdies wurde er Mitarbeiter der von Müller geleiteten Arbeitsgruppe „Photometrische Durchmusterung der Polzone +80° bis +90° Dekl.“

Kron hatte 1910 überdies auch an Beobachtungen des Halleyschen Kometen teilgenommen, seine Ergebnisse wurden im darauf folgenden Jahr in einem Artikel von keinem geringeren als Karl Schwarzschild und ihm veröffentlicht: „On the Distribution of Brightness in the Tail of Halley's Comet“ , Astrophysical Journal, vol. 34, p.342

Mit Beginn des 1. Weltkriegs wurde Kron eingezogen und aus Potsdam abberufen und an die Westfront geschickt. Seine Arbeiten an der Durchmusterung waren nicht vollendet, konnten aber durch andere Kollegen abgeschlossen werden. Er hatte sich, quasi nebenher, noch mit zwei anderen Projekten beschäftigt. So untersuchte er den Lichtwechsel von XX Cygni (1912, Publikationen des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam) und den später sogenannten Schwarzschild-Exponenten bei fotografischen Platten, (1913, Über das Schwärzungsgesetz photographischer Trockenplatten, Annalen der Physik, vol. 346, Issue 9, pp.751-758, Über das Schwärzungsgesetz photographischer Platten, Publikationen des Astrophysikalischen Observatoriums zu Potsdam). Eine weitere Arbeit, die Kron noch begonnen hatte, wurde posthum von Ejnar Hertzsprung veröffentlicht: Photometrische Beobachtungen von W Ursae majoris von Erich Kron (1918).

Auch Krons Vorgesetzter Karl Hermann Gustav Müller blieb nicht von den Auswirkungen des Weltkriegs verschont. Überhaupt hatten er und Kron viele Gemeinsamkeiten, auch er verlor seinen Vater sehr früh und beide waren sich auch sonst wohl sehr ähnlich. Müller hatte sieben Kinder, eines starb während des Ersten Weltkriegs, ein weiteres an seinen Kriegsverletzungen. Der bekannteste seiner Söhne war Rolf Müller (1898-1981), der nach dem 1. Weltkrieg Astronomie, Mathematik, Physik, Meteorologie und Philosophie an der Universität Berlin studierte, 1924 mit einer Arbeit über den veränderlichen R Aquilae promovierte und dann Assistenz, später Observator am AOP wurde, 1946 kurz an der Hamburger Sternwarte arbeitete und noch im gleichen Jahr Leiter des Sonnenobservatoriums auf dem Wendelstein wurde. Rolf Müller machte sich auch einen Namen durch ernste wissenschaftliche Untersuchungen zur Archäoastronomie und sein Buch „Der Himmel über dem Menschen der Steinzeit“ aus dem Jahr 1970 gilt bis heute als einer der wenigen ernsthaften Publikationen zu diesem Thema.

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