Donnerstag, 17. Juli 2014

Gefallene Astronomen des 1. Weltkrieges (4)

Dr. Julius Kramer (1875-1916)

Neben den direkt an der Front gefallenen Astronomen traf der Tod auch jene, die entweder infolge der Mangelernährung während der Kriegszeit oder Ereignissen, die dem Krieg zuzuordnen sind, ums Leben kamen und daher von mir zu den Gefallenen gerechnet werden. Einer davon war Dr. Julius Kramer.

Geboren am 6. September 1875 in Merseburg, besuchte er das Leibniz-Gymnasium in Berlin und machte dort Ostern 1894 das Abitur und begann kurze Zeit später mit dem Studium der Mathematik und Astronomie an der Berliner Universität. Im Mai 1896 musste er das Studium zunächst unterbrechen, weil er nach dem Tod seines Vaters gezwungen war, dessen Fabrik in Schweidnitz zu übernehmen. Er verkaufte sie jedoch binnen kurzer Zeit und kehrte im Oktober 1897 nach Berlin zurück, um Studium fortzusetzen. Er promovierte bald darauf mit der Schrift „Die genäherte absolute Bahn des Planeten 108 Hekuba“. Der Tätigkeitsbericht des Astronomischen Rechen-Instituts in Berlin – auf dem Gelände der Sternwarte – wies Kramer im Jahr 1898 als Berechner der Bahn eines Kleinplaneten aus. Von 1899 bis 1900 wohnte er zudem als Student auf dem Sternwartengelände.

Im September 1899 wurde er als Assistent an der Berliner Sternwarte eingestellt und durfte sich zunächst mit der Reduktion der Beobachtung am Meridiankreis und den Zeitdienst – damals eine sehr häufige Aufgabe an Observatorien (wie der Hamburger Sternwarte am Millerntor, später in Bergedorf) - befassen. Nebenher interessierte er sich für die Störungstheorie und –rechnung und veröffentlichte zwei Abhandlungen über Kleinplaneten von „Hekubatypus“ in der Schriftenreihe der Königlichen Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen.

Zum 1. Oktober 1902 berief man ihn als ständigen Mitarbeiter in die Kaiserliche Normal-Eichungskommission, wo er erst mit der Auswertung physikalischer und metronomischer Beobachtungen und nebenher mit Längenmessungen und Wägungen (Eichung von Waagen) betraut wurde und aufgrund der dabei gezeigten Fertigkeiten und Leistungen sich dann dem schwierigen Thema der Festlegung von Normalgewichten im Vergleich zum deutschen Urgewicht des Kilogrammes annähernd sollte. Es war gleichzeitig der Beginn einer fast rastlosen Tätigkeit, bei der er Fehlern bei früheren Angaben über die Veränderlichkeit von Gewichten in Abhängigkeit von unterschiedlichen Stoffen nachging und die Werte auf den neuesten Stand brachte. Er stellte außerdem viele Untersuchungen über die Verunreinigung von Luft und Wasserdampf, Staubteilchen etc. an, verfolgte dessen Auswirkungen und ruhte stets erst dann, als er – zumindest vorläufige - Ergebnisse vorweisen konnte. Aus ihnen leitete die Kommission später die für alle geltenden Werte für Gewichtsnormen ab.

Schon länger an einer Lungenkrankheit leidend, bereiteten ihm seine umfangreichen Arbeiten zunehmend Schwierigkeiten. Neben der amtlichen Arbeit beschäftigte er sich weiter mit der Theorie der korrekten Darstellung der Örter der Kleinen Planeten, nahm an den Forschungen Martin Brendels (1862-1939) am Planeteninstitut in Frankfurt am Main teil, der sich ebenfalls auf Kleinplaneten spezialisiert hatte und erstellte Berechnungsgrundlagen für Hilfstafeln.

Daneben schaffte er es auch noch, intensiv am zweiten Band des von Prof. Schilling in Bremen herausgegebenen Schriftverkehrs zwischen Carl Friedrich Gauss (1777-1855) und Heinrich Wilhelm Olbers (1758-1840) mitzuwirken und stellte versicherungsmathematische Berechnungen an.

Bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges war er zwar aufgrund seiner Lungenkrankheit nicht kriegsdiensttauglich, stellte sich aber für den Bahnschutz zur Verfügung, musste oft nachts Wache halten und machte freiwillig eine kurze militärische Ausbildung, weil er hoffte, bei den Luftschiffern an Bord von Zeppelinen als Meteorologe mitfliegen zu können. Dabei erkrankte er an einer Rippenfellentzündung, wodurch seine Lungenkrankheit wieder in vollem Umfang ausbrach. Er nahm keine Rücksicht auf sich, brach Anfang Oktober 1916 zusammen und wurde in ein Sanatorium nach Sülzhain im Harz gebracht. Als er sich ein wenig erholt hatte, musste er sich am 26. November 1916 einer Blinddarmoperation unterziehen, von der er sich nicht mehr erholen sollte und am 28. November 1916 in Nordhausen im Alter von nur 41 Jahren verstarb.

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