Sonntag, 6. Juli 2014

Astronomie im Hamburger Stadtpark

Die Entscheidung, heute in den Hamburger Stadtpark zu fahren, fällte ich sehr spontan, nachdem ich mit meiner heutigen Sonnenbeobachtung die „Pflichtaufgabe“ des Tages schon um 8 Uhr erledigt, danach gebloggt, geduscht und gefrühstückt hatte. Angesichts des guten, sommerlichen Wetters wollte ich nicht den halben Tag zu Hause verbringen, sondern wenigstens ein paar Stunden so etwas wie einen kleinen Urlaub einschieben, der bei mir in diesem Jahr arbeitsbedingt wohl weitgehend ins Wasser fallen wird.

Ich fuhr mit dem 171er Bus bis zur Haltestelle Saarlandstraße und betrat dort die größte, 1914 eröffnete, Parkanlage der Stadt. Grob geplant hatte ich mir vorgenommen, einige der dort reichlich aufgestellten Kunstobjekte zu fotografieren, obwohl bildende Künste nicht gerade mein Spezialgebiet sind. So landete ich zunächst bei „Diana auf der Hirschkuh“ und kam später - nach einer kleinen Entspannungsrunde auf einer Parkbank - bei „Adam“ und „Eva“ vorbei, verweilte kurz bei den „Pinguinen“ und gelangte schließlich zum Knaben mit Fischen“, bevor ich in einer kleinen Lokalität einkehrte, wo man Hunde mitführen durfte und das interessanterweise auch als „Lesecafé“ ausgewiesen war. Ich nutzte die Gelegenheit für einen Milchkaffee und arbeitete mich langsam durch das neue Astrobuch über Kometen, für das ich eine Buchbesprechung schreiben muss.

Am Nebentisch unterhielten sich zwei ältere Damen über die Neuerungen im „Sierichschen Forsthaus“, was mich neugierig machte, war dieses doch mit einem Teil der früheren GvA-Geschichte insofern verbunden, als dass man Anfang der 60er Jahre des vorherigen Jahrhunderts überlegt hatte, dort ein festes Domizil für den Verein zu finden. Dieser tagte zur damaligen Zeit im nahegelegenen Gymnasium am Grasweg 39, wo der damalige Planetariumsdozent und Schulleiter Werner Schindler dem noch jungen „Verein Hamburger Sternfreunde e.V. (VHS)“ Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt hatte. Vorsitzender war seinerzeit der Initiator der Gründung eines Hamburger Planetariums und langjährige Vortragende Hans Hagge, der 1924 bei der Eröffnung des allerersten Planetariums in Jena beigewohnt hatte und der Meinung war, das Hamburg auch so etwas haben müsse. Ein Vergleich zur Gründungsgeschichte der Hamburger Sternwarte ist durchaus angebracht, denn auch dieser war eine private Initiative des Amateurastronomen und Oberspritzenmeisters Johann Georg Repsold (1770-1830) vorausgegangen.

Hagge hatte in den Jahren 1960/61 nach seinen Vorträgen immer wieder interessierte Sternfreunde zu einer Beobachtung auf der obersten Plattform eingeladen, wo sich in einer tonnenförmigen „Metallhütte“ ein einfaches Linsenfernrohr auf Rollen befand. Bevor der Verein, der seit seiner Gründung intensive Kontakte zum Planetarium pflegte, die erst 2002 mit dem Rauswurf aus dem Wasserturm endeten, dort ab 1968 in mehreren Stufen einzog und erstmals einen eigenen Vereinssitz hatte – denn er seit 2006 nicht mehr hat – wurden vielfältige Überlegungen für einen festen Standort angestellt und einer war das „Sierichsche Forsthaus“, wo sich der Sitz des Stadtparkvereins befindet.

Strassenfest zur 100-Jahr-Feier des Stadtparks

Ich nahm die Gelegenheit wahr, mir das Gebäude anzusehen und geriet in die Festivitäten zur 100-Jahr-Feier des Stadtparks – ohne dies vorher gewusst zu haben. Die nächste Überraschung gab es vor dem Forsthaus. 

Großes Modell der Sonnenganguhr



Kleines Modell der vereinfachten Sonnenganguhr

Hier waren zwei Modelle einer „Sonnenganguhr“, die bereits 1993 von Dr. Martin Zarth entwickelt wurde und im Fall des kleineren Modells mittels beweglichem „Sonnenzeiger“ die Wanderung der Sonne über den Himmel zu verschiedenen Jahreszeiten darstellte. Das größere Modell erlaubte zudem, die Situation von verschiedenen geographischen Breiten aus darzustellen. Der Stadtparkverein plant die Errichtung einer dauerhaften Sonnenuhr mit festem Gebäude und „Sonnenzimmer“ direkt am Stadtparksee in Luftlinie zum Wasserturm, über dem man schon mal am 6. Mai 2003 um 20:21 Uhr die Sonne fotografiert hatte. Ich wohnte den Erklärungen kurze Zeit bei und ging dann weiter die Otto-Wels-Straße, die frühere Hindenburgstraße, entlang, wo man ein Straßenfest organisiert hatte, machte noch einen kleinen Umweg über den ehemaligen Blindengarten des Stadtparks, wo die Skulptur Diana mit den Hunden“ stand und begab mich dann zu meinem Eismann nach Dulsberg. 

Leider erfuhr ich erst im Nachhinein, dass Vereinsmitglieder im Stadtpark bei der Feier heute spontan die Sonne in Weißlicht und H-alpha zeigen wollten, ich war da schon weg, als sie ankamen. Aber auch ohne dem geht nun ein überraschend ereignisreicher Tag langsam dem Ende entgegen.

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