Sonntag, 28. April 2013

27.04.2013: Norddeutsches Astrofotografentreffen in Lübeck




Rund 60 Sternfreundinnen und Sternfreunde aus dem norddeutschen Raum kamen am Vormittag des 27. April 2013 in die Hansestadt an der Ostsee, um die neuesten Astrofotos anzuschauen, Ergebnisse zu diskutieren.

Für uns (André Wulff, Michael Steen und mich) begann der Morgen mit einem ausgiebigen Frühstück bei mir und der anschließenden Fahrt nach Lübeck, die trotz mehrerer Baustellen problemlos vonstatten ging. Gegen 11:30 Uhr kamen wir auf der Lübecker Sternwarte an.

Ein festes Programm gab es bekanntermaßen nicht und so trug sich jeder in eine Liste ein, der was erzählen wollte. Hauptthemen waren der Venustransit 2012 und der Komet PANSTARRS. Zuvor konnte man schon den kleinen Flohmarkt besuchen oder klönen.

Kurz nach 12 Uhr wurde das Frühjahrs-NAFT mit einer Bilderschau der Treffen seit Herbst 2010 – als es das letzte Mal in Lübeck stattfand – mit musikalischer Untermalung eingeleitet. Aufnahmen der Treffen in Wardenburg, Hannover, Hamburg und Neumünster riefen viele Erinnerungen wach.

Dem folgte ein Film von Marcus Meier über den Venustransit vom 6. Juni 2012 mit Impressionen von einer gemeinschaftlichen Beobachtung am Brodtener Ufer.

Carsten Jonas wartete anschließend mit einem eindrucksvollen Bericht über seine eigenen PANSTARRS-Beobachtungen und vor allem dem von Eclipse-Reisen veranstaltete „Kometenflug“ auf. Am 16.3. versammelten sich Sternfreunde und zahlreiche Medienvertreter zu einem mehrstündigen Flug vom Flughafen Köln-Bonn, der über mehrere Flugschleifen ging, eine spezielle Sitzordnung im Flieger erforderte und schließlich wieder am Startflughafen endete. Überdies konnte er noch Aufnahmen der Begegnung des Kometen mit M 31 zeigen.

Marco Ludwig war der nächste, der von Letzterer Bilder vorführen konnte, wofür er den sinnigen Titel „Pandromeda“ wählte. Mit dem 5 Zoll Lichtenknecker-Refraktor der Sternwarte Neumünster konnte er bei der endlich wieder angestiegenen Sonnenaktivität einige Sonnenflecken in hoher Auflösung fotografieren. Außerdem gelang ihm eine Aufnahme eines großen Sonnenhalos vom am 7.3.2013 und am 1.4. konnten er in Neumünster und Jost Jahn auf Amrum fast zeitgleich bei einer Aufnahme von PANSTARRS und M 31 einen durch das Bild ziehenden Satelliten erwischen, dessen Bahn aufgrund der Distanz zwischen Amrum und Neumünster schon einen deutlichen Versatz aufwies.

Im letzten Vortrag vor der ersten Pause sprach Erik Wischnewski über das spannende Thema der Sternspektroskopie mittels eines Blaze-Gitters. Er zeigte einen kurzen Film über den Einbau in eine Kamera und ging kurz auf die theoretischen Grundlagen ein, bevor er die mit einer Canon EOS 60Da die Spektren der Plejaden, von P-Cygni, Atair, Capella, delta Sge, SAO 105329, gamma Cassiopeia, den Wolf-Rayet-Stern WR 133 (WN 4) besprach und darstellen konnte, wie man mit vergleichsweise einfachen Mitteln wissenschaftlich verwertbare Ergebnisse erzielen kann.

Nach der Pause ging es weiter mit einem Beitrag von Torsten Brinker über die „Magic-Lantern“-Firmware für Canon EOS-Kameras, wie man diese installiert und welche Funktionen sie enthält. Dazu gab es eine praktische Vorführung. Diese Software wurde zwar nicht ausschließlich für astronomische Zwecke geschrieben – und ist Open Source, man kann also daran mitprogrammieren - , bietet aber im Hinblick auf Serienaufnahmen oder bizarr klingende Timerauslösungen durch Klatschen oder Winken (!!!) einige interessante Features.

Herr Pauli verwies kurz auf das Teleskoptreffen in Lohmen vom 6.-9.9.2013 und schilderte die Beobachtungsbedingungen.

Bruno Mattern stellte in seinem Vortrag zunächst die neue Canon EOS M-Kamera vor, die zwar nur 300g leicht ist, aber aufgrund fehlender Anschlussmöglichkeiten am Rechner oder für einen Fernauslöser keine Eignung für die Astrofotografie hat und präsentierte erste Ergebnisse von Tests des zweistufigen Peltierkühlelements von Geoptik vor. Und natürlich durften bei ihm auch nicht seine hervorragenden, teilweise extrem lang belichteten Aufnahmen mit der Canon EOS 20Da und vor allem mit der 60Da von Galaxien wie NGC 2146, NGC 2174, NGC 2805, M 106, NGC 2403, NGC 3227, M 91, M 65 und M 66 mit Supernova fehlen. Von jedem Objekt hatte er jeweils eine Übersichts- und eine Detailaufnahme dabei. Beeindruckend waren auch seine Aufnahmen des Sternbilds Löwe und Ursae Majoris. Am Ende gab es noch ein absolutes Highlight: langbelichtete Aufnahmen von M 51, die einen gigantischen Materiebogen rund um die Galaxie zeigten und ganz neue Einblicke in die Astrophysik dieser Region gaben.

Hartwig Lüthen hatte es da schon sichtlich schwieriger, mit Bildern aus dem lichtverseuchten Altona das Publikum in den Bann zu ziehen. Doch auch er schaffte es, konnte er doch zeigen, wie man unter Zuhilfenahme von viel Technik und der „Passt-scho“-Methode detailreiche Aufnahmen von Jupiter, Details auf Jupitermonden, der Gegend um den Mondkrater Theophilus, den Kometen P168/Hergenrother und 260p/McNaught hinbekommt. Und natürlich durfte auch bei ihm PANSTARRS nicht fehlen.

Vor der zweiten Pause gab es noch einen entspannenden Film mit Bildern vom Venustransit, von Beobachtern und der über der Ostsee aufgehenden Sonne mit der dunklen Venus und musikalischer Untermalung von Uwe Freitag.

In der Pause versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für das obligatorische Gruppenfoto vor der Sternwarte. Danach setzte Uwe Freitag mit einem weiteren „Astro-Musik“-Film über die Beobachtung von PANSTARRS und die schmale Mondsichel vom März 2013 das Programm fort.

Michael Schomann zeigte als nächstes an diesem „Filmnachmittag“ Zeitrafferaufnahmen vom Nachthimmel über der Haute Provence, die für die Fulldome-Projektion im Planetarium Wolfsburg produziert wurden. Entstanden waren die Einzelbilder mit der Canon 6D-Vollformatkamera und einem 8-15mm Fisheye-Objektiv; etwa 6000 Aufnahmen wurden pro Film verarbeitet. Im Anschluß gab es dann noch einen Film über die Beobachtung des Venustransits aus der nähe des polnischen Wroclaws, der mittels einer iPhone-Kamera entstand, die Bildqualität war dabei gar nicht mal so schlecht, wie man erwarten würde.

Den letzten Vortrag des Tages hielt Thorsten Schipmann und er schilderte die Erstellung eines Vollmondbildes aus 12 Einzelbildern, die er mit dem Programm „Hugin“ zu einem Mosaik verarbeitete. Aufgenommen wurden die Einzelbilder mit dem 500/5000er Cassegrain der Braunschweiger Sternfreunde. Die Bilder waren aufwändig mit Paintshop Pro vorverarbeitet worden (Anpassung der Gradation, Anlegen eines Hochpassfilters und die obligatorische Tonwertkorrektur).

Viel zu schnell war auch dieses NAFT wieder zu Ende gegangen, die Stunden wie im Fluge vorübergezogen. Einige Sternfreunde gingen danach noch in ein nahe gelegenes griechisches Restaurant, wir allerdings fuhren alsbald nach Hamburg zurück. Das nächste Treffen wird mit großer Wahrscheinlichkeit in Wardenburg stattfinden, ein genauer Termin noch bekannt gegeben.

Der Dank geht an die Lübecker Sternfreunde und ihren Helferinnen und Helfer, die nicht nur für das Kulinarische, sondern auch für einen stressfreien und problemlosen Ablauf der ersten NAFTs im Jahr 2013 gesorgt haben.

Freitag, 26. April 2013

Die Mondfinsternis vom 25.04.2013 und der Astrofrust

Ich habe durchaus einige Zeit mit mir gerungen, ob ich auch zu dieser verpatzten Gelegenheit wieder einen kleinen Frustbericht bloggen sollte, oder nicht. Man sagt mir - zurecht - nach, dass ich wohl ein persönliches Tiefdruckgebiet habe, dass mir immer und überall hin folgt. Auch meinten schon Kollegen scherzhaft, dass es schade sei, dass ich vorbeigekommen bin, denn eigentlich wollten sie beobachten ...

In der Tat ist praktische Astronomie für mich eine sonderbare Aneinanderreihung von Pleiten, Pech und Pannen. Wo andere fast alles beobachten können, habe ich bedeckten Himmel. Wo andere Fotos hinbekommen, versagt bei mir die Technik. Auch etliche finanzielle Aufwändungen haben letztlich nur zum Leeren des Geldbeutels geführt, aber nicht zu mehr Erfolgen.

Daher habe ich ja auch schon mehrfach die Frage gestellt, wie sinnvoll der Kauf neuer Astroinstrumente ist, wenn nur andere Kollegen einen Erfolg in Form gelungener Bilder oder spezieller oder auch simpler Beobachtungen vorweisen können und man - von einigen Ausnahmen abgesehen - meist das Nachsehen hat.

So war es auch gestern wieder. Am Tage war es in Hamburg durchaus sonnig und warm, rechtzeitig zur Abenddämmerung rückte aus Südwesten eine massive Wolkenschicht und zerstörte alle Hoffnungen. Wolkenlücken taten sich bei mir nicht auf, wohl aber bei einem Vereinskollegen, der nur wenige Kilometer weit entfernt wohnt. Wieso passiert immer mir das? Ich habe trotz aller Bemühungen von der Mondfinsternis nichts gesehen. Zwischenzeitlich hatte es einmal sogar geregnet und ein paar Graupel klatschten gegen die Fenster. Aber gegen 3 Uhr schien der verschleierte Vollmond in mein Fenster hinein und tauchte das Zimmer in ein gespenstisches Zwielicht. Irgendwie meinte ich, den berühmten Mittelfinger zu sehen ...

Mit dem Kometen PANSTARRS war es ähnlich: Nach kurzen Anfangserfolgen erhielt ich keine weitere Gelegenheit für eine Beobachtung, teils, weil es der bedeckte Himmel verhinderte oder weil ich in der Woche zu früh aufstehen und zur Arbeit gehen musste und keinen freien Blick in Richtung Nordosten habe, wo alles durch Häuser und Bäume zugestellt ist.

Fast schon symptomatisch ist die Hatz nach der täglichen Sonnenbeobachtung: Kaum nach der Arbeit zu Hause angekommen, zieht der Himmel zu, nachdem ich den ganzen Tag im aufgeheizten Büro gesessen hatte. Dabei spielte es auch überhaupt keine Rolle, ob ich früh oder spät nach Hause kam. Manchmal ergaben sich kleine Wolkenlücken, doch war das Seeing dann oft so grausam, dass man kaum etwas sehen konnte. Oder es klarte erst nach Sonnenuntergang, oder in der Dämmerung, auf. So wurde, was diesen Teil des Hobbys angeht, bislang das schlechteste Ergebnis der letzten 4 oder 5 Jahre erzielt. Während ich stets vom Februar bis September pro Monat mehr als 20 Beobachtungen erreichen konnte, ist mir das 2013 noch nicht einmal gelungen; derzeit habe ich rund 40% weniger beobachtet, als im Vorjahr, was ich bis Ende des Jahres nicht mehr aufholen kann. So werde ich wohl erstmals seit 2007 wieder weniger als 200 Beobachtungstage erreichen.

Das Wetter in den nördlichen Breiten scheint wirklich in den letzten Jahren permanent schlechter geworden zu sein. Schaut man sich mal alte Berichte über Beobachtungen auf der Bergedorfer Sternwarte an, so gab es noch in den 60er Jahren in Hamburg deutlich mehr als 100 nutzbare Beobachtungsnächte. Heute sind gute Jahre die, in denen man 50 klare Nächte hat. Oft sind es noch erheblich weniger.

Inwieweit das mit möglichen Klimaveränderungen zusammenhängt, darüber möchte ich hier nicht spekulieren, aber die Aussichten sind im wahrsten Sinne des Wortes trübe.

Letztlich stelle ich mir immer häufiger die Frage, welchen Sinn die praktische Astronomie hier noch hat. Zwar bin ich überzeugt davon, bei klarem Himmel wieder aktiv zu werden, andererseits artet das aber immer öfter in sinnlose Sprit- und Zeitverschwendung aus, ohne am Ende ein Erfolgserlebnis zu haben. Investitionen in die Ausrüstung haben ebenso wenig gebracht, wie in ein neues, größeres Auto. Ich habe jetzt in meinem VW Caddy mehr Platz für Astrosachen, als in meinem alten VW Golf, fahre aber erheblich weniger raus, als früher.

Dafür genieße ich es, Veranstaltungen wie das morgige Norddeutsche Astrofotografentreffen in Lübeck, den ATT in Essen, die Bochumer Herbsttagung oder die Geschichtstagung der Vereinigung der Sternfreunde zu besuchen und darüber zu schreiben. Auch Recherchen über astronomiegeschichtliche Themen und die daraus resultierenden Texterstellungen erscheinen mir sehr befriedigend. Nur bei der praktischen Beobachtung will es partout nicht klappen, trotz aller Anstrengungen.

Und nun habe ich doch wieder länger gebloggt als gedacht, über ein astronomisches Ereignis, das mir verborgen blieb und das wohl trotz gegenläufiger Vorhersagen sehr prägnant gewesen sein soll!

Dienstag, 16. April 2013

LNdM und BTT in Bergedorf


Am 13. April 2013 gab es zum 13. Mal die Lange Nacht der Museen in Hamburg (LNdM) und vom 12. bis 14. April das 1. Bergedorfer Teleskoptreffen (BTT). Mehr als ein Grund also, auf die altehrwürdige Sternwarte im Osten Hamburgs zu fahren, auf der der Autor ohnehin des Öfteren anzutreffen ist.

Die „Lange Nacht der Museen“ in Hamburg bot an 53 Hamburger Museen, Ausstellungshäusern und der Bergedorfer Sternwarte – die eigentlich mehr Forschungsstätte als Museum ist - von 18 bis 2 Uhr die Möglichkeit, die teilnehmenden Einrichtungen und deren Themen in zwangloser Atmosphäre kennen zu lernen. Das Programm der Sternwarte Bergedorf war wieder sehr umfangreich und beinhaltete neben Vorträgen zur hauseigenen Geschichte („Richard Schorr und die Gründung der Sternwarte in Bergedorf: Neue Sternstunden für Hamburg“, „Sternstunden in der Entwicklung des Weltbildes“, „Sternstunden – Restaurierung des 1m – Spiegelteleskops“, „Geschichtliche Entwicklung von mechanischen Planetarien“), Sonderausstellungen („Astronomischer Modelle von der Antike bis heute“, „Sterne über Hamburg“, „Sternstunden der Schmidtfotografie“, „Zeitmessung und Hamburger Zeitball“, „Sternstunden – Restaurierung und Sanierung“) und Führungen über das Gelände. Dazu gab es musikalische Untermalung aus dem Großen Refraktor. Dort hatte in einem Nebenraum der kleine Sternwartenshop geöffnet. Für das leibliche Wohl sorgte das bewährte Team vom Café „Raum und Zeit“.


Ausstellung der Grundrisse der Sternwartengebäude

Anlässlich der LNdM konnte auf der Wiese vor dem Sonnenbau das 1. Bergedorfer Teleskoptreffen veranstaltet werden. Schon am Freitag waren die ersten Sternfreunde angereist, erlebten allerdings eher eine „ITV-Nacht“ mit Regen, kurzen Gewittern, aber auch einigen Wolkenlücken.

Da ich am Freitag noch keine Zeit und zu spät Feierabend hatte, fuhr ich erst am Samstagmittag zusammen mit André Wulff zur Sternwarte, in der Hoffnung, dort noch die Sonne beobachten zu können, was sich aber nicht ergab, da die dichte Bewölkung – was man am Morgen bei Nieselregen noch nicht erwartet hatte – gegen Abend tatsächlich aufriss. Rund 30 bis 40 Sternfreunde der Bergedorfer Amateurgruppe und der GvA Hamburg brachten Teleskope aller Größenordnungen mit. Vom einfachen Einsteigerteleskop über 6 Zoll-Refraktoren, etlichen Newton und einem 12 Zoll-Selbstbaudobson warren am Ende auf der Wiese versammelt. Gleichzeitig gab es Verkaufsstände vom astro-shop und der Fa. Conrad.


Groß und klein einträchtig beieinander
Am Abend sollte es nach einigen Vorhersagen möglicherweise noch ein Polarlicht zu sehen geben; André und ich suchten nach einem Streifzug durch die Gebäude, um die Teleskope unter besserem Licht zu filmen und zu fotografieren, nach einem Standort für Polarlichtfotos und fanden diesen dann auf dem Balkon vom Oskar-Lühning-Teleskop. Nur was dann nicht kam, war das Polarlicht, der erwartete Impakt fand irgendwie nicht statt. Die einschlägigen Seiten im Web wurden aufgerufen, doch es zeigte sich außer einer gewissen Unruhe im Erdmagnetfeld kein Impakt solarer Teilchen. Auch der später für 21 Uhr UT vorhergesagte Zeitpunkt verstrich, ohne dass sich etwas getan hatte.


Der fertig restaurierte 1m-Spiegel
Teleskoptreffen vor dem Sonnenbau
Inzwischen halfen wir an verschiedenen Stellen mit, bauten das Zelt am Eingang mit auf, verteilten Zettel usw. Zum Zeitpunkt des Beginns der Langen Nacht lösten sich die Wolken auf und die ersten Besucherinnen und Besucher konnten am aufgehellten Dämmerungshimmel Jupiter und die schmale Mondsichel beobachten, später wurden prominente Deep-Sky-Objekte gezeigt.

Die Teleskope der Sternfreunde waren dabei ebenso umlagert wie der 60 cm-“Lippert-Cassegrain“ und der 40 cm-“Salvador“-Reflektor. Die Luftfeuchtigkeit war enorm hoch, Teleskope, Wohnmobile und andere Fahrzeuge klatschnass und die Kälte drang auch sehr schnell in die Klamotten ein. Dennoch wurde nach Einschätzung der Bergedorfer Sternfreunde eine scheinbare visuelle Grenzgröße von 5,0 mag erreicht.

Irgendwann – die Luftfeuchtigkeit hatte noch mehr zugenommen - zogen wir uns von der Veranstaltung zurück und fuhren nach Hause, wobei wir dann in Höhe des „Jenfeld“-Abzweigers der A1 durch vereinzelte Nebelbänke fuhren. Zwischendurch hatte ich meine Eindrücke von beiden Veranstaltungen via Twitter verzwitschert und etliche Fotos hochgeladen.

Es dürften mehrere hundert Interessierte die Veranstaltung besucht haben – zum Aufwärmen konnte man sich im Café u.a. Suppen bestellen, die an diesem doch noch recht kühlen Abend anscheinend der Renner waren.

Insgesamt gesehen dürfte sowohl die Lange Nacht der Museen, als auch das 1. Bergedorfer Teleskoptreffen für Besucher und Ausrichter ein voller Erfolg gewesen sein.

Montag, 1. April 2013

6.4.2013: 50. Todestag von Otto von Struve


Otto von Struve wurde am 12. August 1897 in Charkow als letztes Mitglied einer traditionsreichen deutsch-russischen Astronomenfamille geboren, der es in dieser Wissenschaft zu Ruhm und Ehre brachte. Sein Ururgroßvater war der berühmte Friedrich Georg Wilhelm Struve (1793 - 1864), Direktor der Sternwarten zu Dorpat und Pulkowo. Sein Vater Ludwig von Struve (1858 - 1920) stieg in diesen Observatorien ebenfalls in hohe Führungspositionen auf und wurde später Direktor der Charkower Sternwarte.

Im zarten Alter von acht Jahren machte Otto von Struve gemeinsam mit seinem Vater erste astronomische Beobachtungen, mit Zehn führte er einige davon ganz allein aus und mit Zwölf ging er – mit reichlich mathematischem Talent ausgestattet – auf das Gymnasium seiner Heimatstadt, das er schon zwei Jahre darauf mit dem Abschluss wieder verließ. Gleich danach begann er mit den Vorbereitungen für die Beobachtung der totalen Sonnenfinsternis am 8. August 1914 – auch die Hamburger Sternwarte hatte damals eine Expedition zur Beobachtung dieses Ereignisses ausgesandt. Die dabei gewonnenen Ergebnisse und Erfahrungen waren 1919 Thema der Masterarbeit an der Universität von Charkow. Struve war 1915 als Student der Astronomie in die Universität aufgenommen worden. Aber schon 1916 musste er das Studium wegen der politischen Unruhen im Russischen Kaiserreich und dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrechen, weil er an die Artillerie-Schule in St. Petersburg berufen wurde. Nach einer kurzen Ausbildung wurde er 1917 an die türkische Front geschickt. Sein Kriegseinsatz endete aber glücklicherweise schon ein paar Monate später. Nach dem der Vertrag von Brest-Litowsk zwischen Russland und Deutschland unterzeichnet worden war, kehrte Struve für ein Jahr nach Charkow zurück und setzte seine astronomischen Studien fort. Im Juni 1919 erhielt er ein Zertifikat durch den Rektor der Universität, wonach er als Professor an der Abteilung für Astronomie und Geodäsie eingesetzt werden sollte. In dieser Zeit arbeitete er auch – zusammen mit seinem Vater – in der universitären „Werkstatt der Schule der feinen Mechanik“, die angehende Ingenieure für die Konstruktion und den Bau von Teleskopen und astronomischen Messapparaturen gewinnen sollte. Die politischen Veränderungen im Laufe der Russischen Revolution und des Russischen Bürgerkrieges  - Otto von Struve kämpfte auf Seiten der „Weißen Armee“ gegen die bolschewistische „Rote Armee“, forderten indes ihren Tribut. Um Repressalien der Bolschewiki zu entgehen, musste seine Familie von Charkow nach Sewastopol umsiedeln, das noch unter der Kontrolle der Weißen Armee stand. Dabei kam es zu einer ganzen Reihe von Tragödien, die die Familie weitgehend dezimierten. Seine jüngste Schwester ertrank, sein Bruder starb an Tuberkulose und sein Vater erlitt auf der Flucht am 4. November 1920 einen tödlichen Schlaganfall. Ende November 1920 floh Struve dann mit einem Militärflugzeug vor der Roten Armee, die nun auch auf die Krim vordrang, in die Türkei. Nie wieder sollte er – trotz mehrfacher Aufforderungen und Einladungen – sowjetrussischen Boden betreten.

Für Otto begann indessen eine fast beispiellose Odyssee. Er verblieb zunächst in der Türkei, war hier nur noch ein verarmter Flüchtling, der ab und zu als Holzfäller beschäftigt war, und trieb sich mit ebenfalls geflüchteten russischen Soldaten herum. Er bat seinen Onkel Hermann von Struve in Deutschland um Unterstützung, doch dieser war bereits ein paar Monate zuvor verstorben. Seine Tante Eva von Struve setzte sich indes bei Paul Guthnick von der Babelsberger Sternwarte für ihn ein. Doch dieser konnte Otto wegen der sich dramatisch verschlechternden wirtschaftlichen Lage im Nachkriegsdeutschland nicht beschäftigen. Aber er wandte sich an Edwin B. Frost, den Direktor des Yerkes-Observatory und bat dort um Hilfe. Diese wurde Otto gewährt. Ihm wurde eine Stelle als assistant for stellar spectroscopy angeboten und so erhielt er Ende August 1921 ein Visum für die USA und kam am 7. Oktober in New York und zwei Tage später auf der Sternwarte an.

Dank einer schnellen Auffassungsgabe – Struve hatte eigentlich zu diesem Zeitpunkt keine wirkliche Ahnung von Spektroskopie – arbeitete er sich ausgesprochen rasch in diesen Bereich ein und schon im September 1922 konnte er einen Artikel über den pulsierenden Stern Gamma Ursae Minoris veröffentlichen. Daneben gehörte er zu den Hauptnutzern der Teleskope am Yerkes, was nicht ohne Folgen blieb. Am 24. Oktober 1922 entdeckte er den Kleinplaneten (991) McDonalda und am 14. November (992) Swasey.

Auch bei seiner Doktorarbeit verlor er keine Zeit und so errang er den Doktortitel bereits im Dezember 1923 mit einer Arbeit über spektroskopische Doppelsterne. Anfang Januar 1924 wurde er dann zum instructor ernannt, wurde 1927 assistant professor und 1932 ordentlicher Professor an der University of Chicago. Frost erkannte schnell die Begabungen Struves und versuchte unter allen Umständen, ihn an der Sternwarte zu halten.

1925 entdeckte er das chemische Element Calcium in einigen Spektren, was er auf dessen Vorhandensein in der interstellaren Materie zurückführte, und 1938 gelang ihm der Nachweis, dass sie auch Wasserstoff in großen Mengen enthält.

Von 1932 bis 1947 war Struve dann selbst Direktor und fungierte von 1939 bis 1950 zusätzlich als Gründungsdirektor des McDonald Observatory, wo auch heute noch der nach ihm benannte 2,1m-Spiegel steht. Von 1952 bis 1962 war er danach erster Direktor des National Radio Astronomy Observatory an der Universität von Virginia. In all diesen Jahren blieb er in den USA und kam lediglich zwsichen August 1928 und Mai 1929 für ein paar Monate an die Cambridge University nach England oder traf sich im niederländischen Leiden mit Jan Hendrik Oort (1900 - 1992), als er sich mit der interstellaren Materie befasste.

Otto von Struve war ein sehr erfolgreicher Administrator, der das Yerkes-Observatory in einer Phase des Niedergangs wieder zu Ruhm und Ehre brachte, und als er viele fest angestellte Mitarbeiter auf Grund der Wirtschaftskrise in den USA entlassen musste, stellte er Jungforscher ein, die später weltberühmte Wissenschaftler und Nobelpreisträger werden sollten. Dazu gehörten Subrahmanyan Chandrasekhar (1910 - 1995, Nobelpreis für Physik 1983), Gerard Kuiper (1905 - 1973, Protagonist des berühmten Kuiper Prize), Bengt Strömgren (1908 - 1987), Gerhard Herzberg (1904 - 1999, Nobelpreis für Chemie 1971), William Wilson Morgan (1906 - 1994) und Jesse L. Greenstein (1909 - 2002). Nach dem Zweiten Weltkrieg lud er eine ganze Reihe führender europäischer Wissenschaftler wie Pol Swings (1906 - 1983), Jan Oort (Vater der Radioastronomie), Marcel Minnaert (1893 - 1970), Hendrik Christoffel van der Hulst (1918 - 2000) und Albrecht Unsöld (1905 - 1995) in die USA ein, traf dann aber hier auf Widerstand aus den unterschiedlichsten Gründen. Am Ende gelang es ihm dennoch, einigen der vorstehend genannten eine feste Stelle am Yerkes zu vermitteln.

Im Jahr 1947 trat Struve ein wenig überraschend als Direktor des Yerkes Observatory zurück. 1950 folgte er – wie es hieß aus gesundheitlichen Gründen – dem Ruf der University of California und stand dem Leuschner-Observatory in Berkeley vor. Von 1952 bis 1955 war er Vorsitzender der Internationalen Astronomischen Union (IAU) und ab 1959 leitete er dann das National Radio Observatory in Green Bank, eine erst kurz zuvor gegründete Sternwarte für radioastronomische Beobachtungen.

Zu Otto von Struves vielfältigen Arbeitsgebieten zählten die interstellare Materie, die Rotation von Sternen, die Radialgeschwindigkeiten galaktischer Sterne und extragalaktischer Sternsysteme, die spektroskopische Untersuchung von Doppelsternen und die erste Beobachtung von Radioquellen. Außerdem war er Herausgeber der angesehenen Fachzeitschrift Astrophysical Journal.

Otto von Struve veröffentlichte auch viele Arbeiten über veränderliche Sterne, zur Sternentwicklung, zu Doppelsternen und der interstellaren Materie veröffentlichte. Sein schriftstellerisches Gesamtwerk umfasst annähernd 900 Artikel und Bücher. Viele dieser Arbeiten dienten der Popularisierung der Astronomie. So veröffentlichte er beispielsweise 39 Artikel in dem Magazin Popular Astronomy, das zwischen 1923 und 1951 erschien. Von 1941 bis 1963 schrieb er auch regelmäßig für die noch heute erscheinende Zeitschrift sky and telescope und nahm Bewertungen der Arbeiten anderer Astronomen vor.

In den späten 1950er Jahren verschlechterte sich Struves Gesundheitszustand. Seit der Flucht aus Russland litt er an Hepatitis. 1956 erlitt er, als er sich für kurze Zeit am Mt. Wilson aufhielt, einen schweren Sturz, brach sich mehrere Rippen und zog sich Risse in zwei Rückenwirbel zu. Seit dem musste er ein Stützkorsett tragen und mehrere längere Krankenhausaufenthalte über sich ergehen lassen. An den Spätfolgen des Sturzes starb er schließlich am 6. April 1963 in Berkeley.

Bereits 1944 hatte er die Goldmedaille der Royal Astronomical Society erhalten, wurde 1948 mit der Bruce-Medaille der Astronomical Society of the Pacific, 1954 mit dem Jules-Jannsen-Preis und 1957 mit dem Henry Norris Russell Lectureship ausgezeichnet. 1964 wurde ein Mondkrater erst nach ihm, dann aber nach seiner ganzen Familie benannt. Überdies gibt es den Kleinplaneten (2227) Otto Struve und am McDonald Observatory das 2,1 m Otto Struve Telescope.

3.3.2013: 175. Geburtstag von George William Hill


Die klassische Astronomie mit ihren umfangreichen Arbeiten zur Positionsbestimmung von Planeten, Monden, Sternen, Sternsystemen und Galaxien sowie die Ephemeridenrechnung, bildete im 19. Jahrhundert im Wesentlichen das Rückgrat aller himmelskundlichen Bestrebungen. Und so verwundert es kaum, dass sich viele Mathematiker auch mit astronomischen Fragen auseinander setzten und manche sogar ganz die Disziplin wechselten. Nicht selten befruchteten gut ausgebildete und talentierte Mathematiker den Fortschritt in der Astronomie in weitaus größerem Maße, als das in unserer Zeit der Fall ist. George William Hill, hier zu Lande kaum bekannt, war ein solcher mathematischer Astronom.

Hill wurde am 3. März 1838 in New York geboren. 1846 zog seine Familie in die ländliche Gegend von West Nyack im US-Bundesstaat New York, wo er die George School besuchte und hier erstmals sein mathematisches Talent offenbarte. Im Jahr 1859 hatte er bereits sein Studium der Mathematik an der Rutgers University, der State University of New Jersey, abgeschlossen und begann 1860 mit Studien über die Theorie der Mondbewegung nach Delauney und Hansen. 1861 trat er nach dem Erwerb des B.A. dem Mitarbeiterstab des ,,American Ephemeries and Almanac Office“ in Cambridge, Massachusetts, bei, kehrte aber schon 1863 wieder nach West Nyack zurück, wo er auf einer Farm lebte, um seine Studien in privater Umgebung fortzusetzen. Das sollte er, mit Ausnahme der Zeit zwischen 1882 und 1892, auch als „Arbeitsprinzip“ beibehalten. In jener Dekade war er, wenn auch äußerst ungern, aber deswegen nicht minder erfolgreich, in Washington vorwiegend mit der Berechnung der Bahnen von Jupiter und Saturn beschäftigt.

Hill war der klassische Typ des Wissenschaftlers, der in einem selbst gewählten Elfenbeinturm residierte und nur wenig Kontakt zu Berufskollegen pflegte. Dennoch hatte er sich in der wissenschaftlichen Welt einigen Respekt erworben. Er hatte einige mathematische Formeln entworfen, die auch in anderen Wissenschaftsgebieten Berücksichtigung fanden. Die Hillsche Differenzialgleichung beispielsweise bot einen Ansatz zur Lösung des Dreikörperproblems. Dabei waren seine mathematischen Arbeiten ausschließlich zielgerichtet. Er entwickelte sie nur so weit, als das sie für seine Studien erforderlich waren, an grundlegenden mathematischen Forschungen hatte er kein Interesse.

Seit 1877 unterstand er am „Almanac Office“ dem Astronomen Simon Newcomb (1835 - 1909), mit dem er zusammen ab 1897 an der Verbesserung der so genannten Planetentafeln, den Ephemeriden der Planeten, arbeitete. Aber auch die Vervollkommnung der Mondtheorie war Teil seiner Arbeit, ebenso die Untersuchung der gravitativen Einflüsse der Planeten auf die Mondbewegung.

Von 1898 bis 1901 lehrte er an der renommierten Columbia University, gab danach aber das verdiente Geld wieder zurück, als sich kaum Studenten in seine Kurse eingeschrieben hatten.

Viele seiner Arbeiten fanden Anerkennung weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus. So erhielt er 1867 die Goldmedaille der Royal Astronomical Society, gewann 1898 den Prix Damoiseau des Institut de France und bekam 1909 die Copley Medaille der Royal Society, deren Mitglied er seit 1902 war und die Bruce Medaille der Astronomical Society of the Pacific. Von 1894 bis 1896 war er Präsident der American Mathematical Society. 1908 wurde er Mitglied der Royal Society of Edinburgh und wurde an mehrere Universitäten berufen, 1909 nach Belgien, 1910 an die Christiania-Universität und 1913 an die schwedische Akademie der Wissenschaften.

Am 16. April 1914 starb er im Alter von 76 Jahren auf seiner geliebten Farm in West-Nyack, die schon seine Eltern bewirtschafteten.

Der britische Amateurmondbeobachter H. P. Wilkins (1896 - 1960) hat nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur einige, zum Teil sehr detaillierte Mondkarten erstellt und veröffentlicht, sondern einen bislang namenlosen, gerade mal 16 x 16 km großen Krater am Rande der Formation Sinus Amoris nördlich von Mare Tranquillitatis nach George William Hill benannt. Der Namensvorschlag wurde jedoch zunächst von den Generalversammlungen der Internationalen Astronomischen Union (IAU) in den Jahren 1948, 1952 und 1955 nicht akzeptiert, sondern erst sehr viel später.

21.2.2013: 75. Todestag von George Ellery Hale



Seinen Namen verbindet man zuallererst mit großen Spiegelteleskopen und mit der Beobachtung der Sonne. Er wurde am 29. Juni 1868 als Spross einer sehr vermögenden Familie in Chicago im US-Bundesstaat Illinois geboren. Schon frühzeitig erwachte sein Interesse für den Selbstbau von Mikroskopen und Teleskopen, weshalb ihm sein Vater bald eine eigene Werkstatt zur Verfügung stellte. Bereits während der Schulzeit begann er sich für die Astronomie und hierin besonders für den noch jungen Zweig der Astrophysik zu interessieren. Ab 1886 belegte er als Student am Massachusetts Institute of Technology in Boston die Fächer Mathematik, Physik und Chemie und verbrachte nebenher viel Zeit am Harvard College Observatory. Inzwischen hatte ihm sein Vater 1888 unweit des elterlichen Wohnsitzes eine Privatsternwarte eingerichtet, die als Hauptinstrument ein 12-Zoll-Teleskop und ein einfaches Spektroskop beherbergte. 1890 erwarb er nach dem Studium der Physik am Massachusetts Institute of Technology (MIT) den Titel eines ,,bachelor of science", etwa zur selben Zeit taufte er seine Privatsternwarte auf den Namen ,,Kenwood Observatory" und ernannte sich selbst, sicherlich nicht ohne einen Funken Selbstherrlichkeit, zu dessen ersten Direktor. Seine dort gemachten Beobachtungen und die gewonnenen Spektren standen schon bald in Konkurrenz zu den Ergebnissen professioneller Sternwarten. Seine Examensarbeit enthielt den Entwurf für einen Spektroheliographen, ein Instrument zum Fotografieren der Sonne in einem sehr schmalen Bereich des sichtbaren, monochromatischen Lichts.

Zwei Jahre später wurde Hale dann zum ,,associated professor" für Astrophysik an die neu gegründete Chicagoer Universität berufen und war ab 1893 auch am Beloit College in Wisconsin tätig. Für den Ruf nach Chicago war William Rainey Harper, der erste Präsident der neuen Universität, die vom Millionär John D. Rockefeller finanziert wurde, verantwortlich. Harper war auf die ersten Arbeiten und die mittlerweile sehr gute Reputation Hales aufmerksam geworden und begann ihn zu unterstützen.

Seit dem Kauf des ersten Fernrohres konzentrierte sich Hales Hauptinteresse auf Beobachtung und Physik der Sonne. 1891 vollendeten er und der französische Astrophysiker Henri Alexandre Deslandres (1853 - 1948) fast gleichzeitig den Bau des ersten Spektroheliographen, mit dem der Erstgenannte 1892 erstmals die Sonne im monochromatischen Licht einer einzelnen Spektrallinie fotografierte. Bereits seit 1892 bestanden zwischen Hale und Harper und Yerkes intensive Kontakte. Ziel war der Bau einer großen Sternwarte im Raum Chicago, für den man Yerkes als Sponsoren gewinnen wollte. Im Gegensatz zu Europa ist es in den USA auch heute noch ein gängiges Verfahren, reiche Geschäftsleute, Millionäre etc. um Spenden für den Bau wissenschaftlicher Institute zu bitten. Besonders in Deutschland scheitert so ein Mäzenatentum auch oft daran, dass das begünstigte Institut sich weigert, den Namen des Sponsors im Institutsnamen zu integrieren (und auch, weil es hier zu Lande eine völlig andere Wissenschaftsförderung und -finanzierung gibt). Befürchtungen, die wissenschaftliche Eigenständigkeit zu verlieren gibt und gab es in den USA nicht. Es gelang, Yerkes für die Idee zu begeistern, und so entstand binnen fünf Jahren am Geneva Lake in Williams Bay in Wisconsin das nach dem Mäzen benannte Observatorium. Hauptinstrument war der 40-zöllige Yerkes-Refraktor (Brennweite: 19,7 Meter). Leider haben Refraktoren dieser Größenordnung ein generelles Problem, sie sind zu schwer und zu unhandlich. So wog allein das aus zwei Linsen bestehende Luftspaltobjektiv (Kron- und Flintglas) satte 230 kg, sodass sich der Tubus durchbog. Zwar stellte sich bei einer eingehenderen Prüfung heraus, dass das Objektiv von exzellenter Qualität war, dem entsprach jedoch der Tubus in keinster Weise, sodass sich die Hoffnungen auf Sonnenbeobachtungen höchster Güte nicht erfüllten. Der Yerkes-Refraktor war übrigens der Letzte seiner Art, der in den USA gebaut wurde, danach ging man zu Spiegelteleskopen über, wie dem 1917 auf dem Mt. Wilson errichteten 2,5m-Spiegel.

Bis 1905 bekleidete Hale am Yerkes-Observatorium den Direktorenposten. Dazwischen hatte er zwei noch heute weltweit und anerkannte Fachzeitschriften begründet: 1892 die ,,Astronomy and Astrophysics" und 1895 das ,,Astrophysical Journal". 1897 ernannte man ihm zum ordentlichen Professor für Astrophysik in Chicago. 

Es war nur folgerichtig, dass sich Hale ab etwa 1902 bemühte, Geldmittel für ein noch gigantischeres Projekt aufzutreiben, der Errichtung eines eigenständigen Sonnenobservatoriums ohne den dazugehörigen Universitätsbetrieb. Schließlich fand er in der Carnegie-Stiftung einen weiteren, großzügigen Mäzen. Im Dezember 1904 konnte die Gründungsurkunde unterzeichnet werden. Ursprünglich sollte das Observatorium – die Stiftung suchte schon seit einiger Zeit nach einem geeigneten Standort für ein Großteleskop – in der Nähe von Washington erbaut werden. Hale konnte die Geldgeber aber davon überzeugen, die Sternwarte in einer Region mit stabilerem Klima aufzubauen und so kam man auf den Mt. Wilson nahe der Stadt Pasadena in Kalifornien. Hale brachte vom Yerkes das so genannte „Snow Solar Telescope“ mit, an dem er seine eigenen Forschungen weiterführen wollte. Hales Engagement war es zu verdanken, dass das „Mt. Wilson“ binnen weniger Jahre zu einer Forschungseinrichtung mit internationalem Ruf wurde. Neben dem 2,54m-Hooker-Spiegel, benannt nach dem selbst ernannten Philanthropen und Geschäftsmann John D. Hooker,  wurde hier ein 1,54m-Reflektor für nächtliche Beobachtungen und zwei 18,3 m und 45,7 m hohe Sonnenturmteleskope errichtet. Hale wurde erster Direktor des Mt.-Wilson-Observatory und in die Gründerjahre der neuen Sternwarte fiel auch Hales wissenschaftlich produktivste Phase, denn ab 1910 behinderte ihn eine Nervenkrankheit, an der er zunehmend, bei der Arbeit litt.

Seit Ende der 1880er-Jahre gab es in den USA Bestrebungen, eine eigene, landesweite Astronomieorganisation ins Leben zu rufen, die Forschungsvorhaben koordinieren und fördern sollte, die aber auch Geldmittel eintreiben und die Astronomie popularisieren sollte. Daraus entstand 1899 die American Astronomical Society. Hale war auch entscheidend an der Gründung der International Union for Cooperation in Solar Research beteiligt, aus der nach dem Ersten Weltkrieg (1914 - 1918) die IAU, die International Astronomical Union hervorging.

Das Mt. Wilson-Observatory war astronomisch in zwei Richtungen orientiert. Zum Einen hinsichtlich der von Hale favorisierten Sonnenbeobachtung, zum Anderen im Bereich der damals noch so genannten Stellarbeobachtung, mit Schwerpunkt zunächst bei der Altersbestimmung und dem Lebenslauf von Sternen.

Im Jahre 1897 hatte der niederländische Physiker Pieter Zeeman (1865 - 1943) anhand von Laboruntersuchungen herausgefunden, dass starke Magnetfelder in der Lage sind, die Spektrallinien chemischer Elemente mehrfach aufzuspalten. George Ellery Hale gelang im Juni 1908 die Beobachtung des so genannten Zeeman-Effektes im Spektrum einer großen Sonnenfleckengruppe, woraus er das Vorhandensein von Magnetfeldern entsprechender Stärke und deren Zusammenhang mit der Entstehung von Sonnenflecken herleiten konnte. Weitere Arbeiten auf diesem Gebiet führten zu der Erkenntnis, dass ein Magnetfeldzyklus auf der Sonne rund 22 Jahre andauert. Zusammen mit Seth Barnes Nicholson (1891 - 1960) fand er heraus, dass die magnetische Polarität der Fleckengruppe sich nicht nur von Zyklus zu Zyklus umkehrt, sondern auch von Nordhalbkugel zu Südhalbkugel verschieden ist. Hale machte 1924 noch einmal von sich reden, als er das erste Spektrohelioskop fertig stellte, das auch für die visuelle Beobachtung des monochromatischen Sonnenbildes geeignet war. Damit begründete er den astrophysikalischen Zweig der Sonnenphysik. Engagement und zunehmender Bekanntheitsgrad führten zu vielen nationalen organisatorischen Aktivitäten. 1916 gründete er als Reaktion auf den 1. Weltkrieg den National Research Council, eine Art Forschungsrat, der alle wissenschaftlichen Aktivitäten des Landes koordinieren sollte. Er wurde sofort mit dem Vorsitz betraut und beeinflusste so auch die Wissenschaft in den USA nach dem Krieg. Die Erfahrungen, die er auf dem Mt. Wilson hatte sammeln können, führten zu Überlegungen, ein noch größeres Projekt für die amerikanische Astronomie zu planen. Hierfür verfasste er eine ganze Reihe vorwiegend populärwissenschaftlicher Artikel und schaffte es, 1928 rund 6 Mio. Dollar von der Rockefeller-Stiftung für den Bau eines 5m-Spiegels zu erhalten. Doch der Bau der Sternwarte, die auf dem Mt. Palomar errichtet werden sollte, verzögerte sich insbesondere durch technische und soziale Probleme im Land und letztendlich durch den Ausbruch des 2. Weltkrieges (1939 - 1945). Hale sollte die Verwirklichung seines Traumes von einem weiteren Großteleskop nicht mehr miterleben. Er starb am 21. Februar 1938 in Pasadena. Das Mt. Palomar-Observatory mit seinem 200-Zöller sollte das größte Teleskop der Welt sein. Hale konnte noch die Grundsteinlegung 1936 und die erste Bauphase der Teleskopstruktur miterleben, doch wurde alle Arbeiten 1941 durch den Kriegseintritt der USA gestoppt und erst 1947 fortgesetzt. 1948 wurden die letzten Arbeiten beendet und 1949 erhielt der Spiegel sein First Light. Bis zur Eröffnung des sowjetischen Selentschuk-Observatoriums mit seinem, allerdings nie richtig funktionierenden, 6m-Spiegel war der Palomar das weltweit größte Teleskop. Moderne Teleskope haben Spiegeldurchmesser von 10 und mehr Metern, sind aber nicht mehr aus einem Stück gefertigt, sondern bestehen aus einer Vielzahl einzelner Segmente, die miteinander verbunden und per Computer gesteuert werden.