Montag, 25. März 2013

Das Deep-Sky-Treffen (DST) 2013 in Bebra

Vom 22.03. bis zum 25.03.2013 fand im hessischen Bebra das diesjährige Deep-Sky-Treffen (DST) statt und nachdem ich im letzten Jahr meine Teilnahme aus persönlichen Gründen kurzfristig absagen musste, konnte ich dieses Mal das Treffen genießen.

Die Anreise
André Wulff und ich hatten uns schon recht frühzeitig dafür entschieden, auch in diesem Jahr nach Bebra zu fahren. Sobald es möglich war, buchten wir unsere Zimmer und auch die Bahnfahrkarte, was sich im Nachhinein als Vorteil erweisen sollte. So mussten wir uns nicht mit witterungsbedingten Behinderungen bei der Anfahrt mit dem Auto herumschlagen.

Etwas Verwirrung – wie sollte es bei der Bahn anders sein – gab es am Start unserer Reise: Auf den Reiseunterlagen wurde der Bahnsteig 12A/B am Hamburger Hauptbahnhof als Abfahrtsort angegeben, der ICE 75 stand aber auf der Wagenstandsanzeige für 14A/B, abgefahren sind wir letztlich auf Gleis 13 …

Danach verlief aber alles problemlos und während die im März immer noch schneebedeckte Landschaft an uns vorüberflog oder (waren wir es, die sich bewegten?) näherten wir uns unaufhaltsam der am Rande des Harzes gelegenen Stadt - die Ende des 19. Jahrhunderts eines der bedeutndsten Eisenbahnknotenpunkte im Deutschen Reich war - mit jedem zurückgelegten Kilometer an. Wir kamen pünktlich am Ziel an und ließen uns per Taxi zu dem an einem Hang gelegenen Hotel Sonnenblick leicht außerhalb von Bebra chauffieren.

Wir checkten kurz ein und begaben uns dann auf unsere Einzelzimmer und genossen die freie Zeit bis zum Beginn der Veranstaltung um 18:30. Bei gemütlichem Beisammensein nahmen wir die erste Mahlzeit zu uns. Im Anschluss daran führten und Peter Riepe als Leiter der VdS-Fachgruppe Astrofotografie und Jens Bohle als Leiter der VdS-Fachgruppe Visuelle Beobachtung in den Seminarraum des Hotels, wo uns einige Neuigkeiten aus den Fachgruppen serviert wurden: Ein kurzer Bericht über die Fachgruppen wurde abgelöst von der Vorstellung eines neuen Logos der visuellen Beobachter, dem Hinweis auf das Schwerpunktheft „Planetarische Nebel“ (Nr. 51 des VdS-Journals, Redaktionsschluß 1.5.2014) und eine Übersicht über papierene und online-Publikationen der beiden Fachgruppen. Danach wurde das gemütliche Beisammensein fortgesetzt oder man zog sich zurück auf die Zimmer.

Der Samstag
begann mit Frühstück und Fachsimpeln, bis die Veranstaltung um 9:30 Uhr fortgesetzt wurde. Nach der nun offiziellen Tagungseröffnung durch Peter Riepe und Jens Bohle, die ein paar Anekdoten zu den ersten Deep Sky-Tagungen – damals noch auf dem Eisenberg in Thüringen – zum Besten gaben, die gute Zusammenarbeit der beiden Fachgruppen Visuelle Beobachtung und Astrofotografie der Vereinigung der Sternfreunde (VdS) lobten und mit berechtigtem Stolz verkündeten, dass die 10. Tagung in diesem Jahr zwei neue Rekorde einfuhr: Mit mehr als 70 Sternfreundinnen und Sternfreunden wurde die bislang höchste Teilnehmerzahl erreicht, die es jemals gegeben hat. Bedauerlichereise konnten deshalb auch einige Anmeldungen nicht mehr berücksichtigt werden. Einen Rekord gab es denn auch bei der Zahl der Vorträge, die gleich nach der Begrüßung begannen.

Oliver Schneider berichtete gleich zu Anfang seines Vortrages von einer Erfolgsstory: Er konnte seine heimische Gemeinde nach zähem Ringen davon überzeugen, eine störende Straßenlampe direkt vor einem Haus mit anderen, effizienteren Leuchtmitteln (LED statt Natriumdampflampen) auszutauschen. Weniger erfolgreich war hingegen sein Familien- und Astrourlaub 2012 auf Teneriffa. Um möglichst ungestört sich der Astrofotografie widmen zu können, hatte er sich zwischendurch für zwei Tage im bekannten Hotel Parador eingemietet. Das erste Problem waren die Brände rund um den Teide, die die Sicht behinderten und danns chlug auch noch der Calima-Effekt zu: Starker, heißer, Ostwind trieb den Sand der Sahara über den Atlantik hinaus und trübte für mehrere Tage die Sicht auf die Sterne. Überdies gab es eine ganze Reihe technischer Probleme mit den Säulen und der Stromversorgung auf der Außenplattform des Hotels. Daher gelangen ihm auch nur einige wenige Aufnahmen mit DSLRs, die nur durch starke Bildverarbeitung noch einigermaßen gerettet werden konnten. Erst drei Tage vor der Abreise war der Himmel soweit wieder klar, dass man noch an Aufnahmen denken konnte und der Referent nutzte diese letzte, sich bietende Gelegenheit und konnte beispielsweise Aufnahmen vom Untergang der Milchstraße präsentieren.

Einen „Rückblick auf 6 Jahre Gletscherwelt“ gab danach Anne Ebeling aus Österreich. Sie berichtete amüsant über ihre Aktivitäten der letzten Jahre bei astronomischen Exkursionen in der Nähe von Sölden. Mit einer Gruppe von Sternfreunden verbrachte sie seit 2006 regelmäßig Astrourlaube in der Ötztal-Region auf dem Alpenhauptkamm entweder am Fuß des Tiefenbachgletschers oder – auf 2900 m Höhe – auf einem Beobachtungsplatz beim Rettenbachgletscher. Beide Ort sind durch den Rosi-Mittermeier-Tunnel miteinander verbunden. Beide Standorte sind gut mit dem Auto erreichbar – Unterkünfte gibt es in den benachbarten Orten – bieten einen +7 mag Himmel und man kommt an der günstigsten Stelle auf einen Horizont ist +/- 41° Höhe. Die Referentin schilderte eindrucksvoll und amüsant die umgebende Landschaft der österreichischen Alpen, die Anreise dorthin und brachte Aufnahmen vom Milchstraßenpanorama, dem Katzenpfotennebel (NGC 6334), der Schützenregion, der Begegnung des Kometen C/2009 P1 Garradd mit Collinder 399 (ein Asterismus, der auch den Namen Kleiderbügel trägt), dem Airglow vom August 2012, dem Zodiakallicht samt Gegenschein mit zurück und nach Bebra.

Den dritten Reisebericht bracht Uwe Glahn mit, der Anfang des Jahres einen Astrourlaub im Kasbah-Hotel SaharaSky in Marokko verbrachte. Besonders im Januar und Februar lohnt sich eine Reise, da zu diesem Zeitpunkt dort nicht so hohe Temperaturen herrschen. Die Anreise – man kann auch über Agadir anreisen – führte ihn von Marrakesch aus über den Hohen Atlas und den Gegenatlas über Hochgebirgsstraßen und -pässe zum 30 km von Tamegroute enfernten, in einem Talkessel liegenden Hotel. Und das ist schon gleich das erste Problem, denn am Horizont zeigt sich dort ständig Dunst, dazu kommt der von der nahe gelegenen Hauptstraße stetig aufgewirbelte Sand. Dennoch gehört dieser Standort derzeit zu einem der weltweit besten, die noch einen sehr dunklen Himmel versprechen. Vorteil des Hotels: Man braucht keine eigenen Instrumente mitzubringen, da man sie vor Ort mieten kann. Nachteile: Am Rande der Plattform für die Teleskope befinden sch die Auslassöffnungen für die hauseigene Klimaanlage. Überdies war keines der Teleskope richtig eingenordet, was wohl auch damit zu tun hat, dass die Betonsäulen auf dem Dach eines überwiegend aus Lehm errichteten Gebäudes stehen. Daher ist es unmöglich, dort mit langbrennweitigen Optiken zu arbeiten, da der ganze Boden bei der kleinsten Bewegung so stark schwingt, dass das selbst durch Autoguiding nicht mehr auszugleichen ist. Für die visuelle Beobachtung ist der Standort hingegen bestens geeignet, fotografisch leider (derzeit) nicht. Dennoch gelang ihm eine ganze Reihe beeindruckender Bilder bei kleinen Brennweiten vom Pferdekopfnebel – genauer: Die Dunkelwolke Barnard 33 [B 33] vor dem Emissionsnebel IC 434 – dem Hexenkopfnebel IC 2118, den Kugelsternhaufen Omega-Centauri und den Rosettennebel, ein Emissionsnebel im Einhorn. Außerdem steuerte er einige interessante Zeichnungen vom Planetarischen Nebel Sanduleak 2-21, den Galaxien NGC 908, NGC 922, NGC 1385, NGC 3981 und die Galaxiengruppe ESO 575-32/33/34 und dem Rosettennebel bei. Interessant wr hier besonders der Vergleich zwischen Zeichnung und Fotografie.

Nach der nun folgenden Mittagspause sprach Daniel Spitzer über Teleskopselbstbau und die Gründe, warum man größere Instrumente, wie einen 24 Zöller, selber baut. Neben den exorbitant hohen Kosten beim Kauf eines Komplettgeräts spielt hier die Konzeption, das Aussehen und die Spezifikation eine entscheidende Rolle. Nach den Erfahrungen, die er beim Bau des Instruments gewinnen konnte, zeigte er als erste Bilder Zeichnungen von M 42 ud M 51/NGC 5126.

Jana Kruse schilderte unter dem Motto „Kamera, Stativ und nun???“ ihre ersten astrofotografischen Erfahrungen, die viele der Teilnehmer an ihre eigenen Anfänge erinnerten. Sehr humorvoll ging sie über Pleiten, Pech und Pannen hinweg - etwa als sie lieber den iPod als den Kameraakku aufgeladen hatte – und überwand die ersten Schwierigkeiten. Nach dem ersten Mondfoto entstanden einfache Sternstrichaufnahmen, später das erste Bild von M 31. Als Mitglied der Astronomischen Vereinigung Lilienthal(AVL) stellte sie ihren Verein und dessen verschiedene Arbeitsgruppen vor.

Im Beitrag von Gerald Willems ging es dann unter dem Titel „Pacman und Co. - Besonderheiten großer H II-Regionen“ um die physikalischen Eigenschaften von NGC 281 als exemplarisches Beispiel für diese Objektklasse. Er konnte zeigen, dass verschiedene Optiken unterschiedliche Details verraten – was auch zu erwarten ist – sie erlauben aber auch Rückschlüsse auf die physikalischen Vorgänge in H II-Gebieten und Sternentstehungsgebieten. Hierbei ist auch die Verteilung der interstellaren Materie und insbesondere die Tätigkeit junger Sterne in Molekülwolken zu nennen. Bei genauerer Betrachtung des 9500 Lichtjahre von der Erde entfernten Emissionssnebel NGC 261 in der Cassiopeia findet man IC 1590, den darin eingebetteten offenen Sternhaufen. Infrarotaufnahmen offenbaren aber noch etwas anderes: Mehrere sogenannte Bok-Globulen weisen auf Protosterne hin, die sich hier in einer Molekülwolke konstituieren. Ratsam ist bei solchen Objekten der Einsatz von Schmalbandfiltern wie H-Alpha und O III und eine Kombination beider Aufnahmen, die neue Einblicke in die Materieverteilung der Region möglich machen.

Die nun folgende Kaffeepause wurde dann nicht nur zu Nahrungsaufnahme, sondern auch für ein Fachsimpeln über die vorherigen Themen. Im Anschluß daran stellten Frank Richardson und Jens Bohle die provokante Frage: „Sammeln Sie Punkte? Vom Spaß an der Beobachtung „unscheinbarer DS-Objekte“. Es geht hier um extrem schwache Sachen am Himmel, die aber oftmals mehr als nur ein zartes Pünktchen knapp über dem Himmelshintergrund sind. Neben dem sportlichen Gedanken und dem Ehrgeiz verbinden beide mit der Beobachtung nicht nur das Hinschauen, sondern auch die Recherche zu den Schwachen der Schwächsten am Firmament. Einige davon sind 1 Zw 18, eine blaue Zwerggalaxie im Großen Bären mit 17“ scheinbarem Durchmesser, Arp 105 als Teil der Galaxiengruppe Abell 1185 IC 4677 A-F (der Halo vom Katzenaugennebel (NGC 6543), der Ursae minor dwarf (DDO 199) und der Draco dwarf (DDO 208). Letzterer wurde übrigens in einer Hochgebirgslage unter Zuhilfenahme medizinischen Sauerstoffs visuell beobachtet. IC 1613 (UGC 8058, ZW VII 490), eine Seyfert-Galaxie offenbarte einen visuell wahrnehmbaren Halo (ab 14 Zoll Öffnung) und Knoten im Halo (ab 20 Zoll). Dazu kam dann noch Markarian 231, eine weitere, extrem schwache Seyfert-Galaxie, die hier vorgestellt wurde.

Peter Riepe stellte – wie schon auf der BoHeTa – das Fachgruppenprojekt „Tief belichtete Galaxien“ vor. Dieses von der Fachgruppe Astrofotografie der VdS und dem Astronomischen Institut der Ruhr-Universität Bochum initiierte Programm sieht vor, bestimmte Galaxien mit 40 und mehr Stunden Belichtungszeiten zu fotografieren und dadurch neue Strukturen zu entdecken. Spät sollen solche lang extrem lang belichteten Aufnahmen addiert werden. Ziel ist die Untersuchung von Sternströmen bei nahen Galaxien – als solche werden Sterne bezeichnet, die etwa bei Galaxienkollisionen oder dem bekannten Galaxienkanibalismus übrig bleiben, wenn zwei Welteninseln verschmelzen – ist deren Entdeckung oder auch das Auffinden bislang unbekanter Halos und Halostrukturen, die weitere Aufschlüsse auf die physikalischen Vorgänge beim Verschmelzungsprozess ermöglichen. Beispiele für aufzunehmende Objekte wären M 101, NGC 5485 bei M 101, M 63, NGC 5907, das Feld um UGC 10043, NGC 7497 oder NGC 4449. Das Projekt hat eine eigene Website, die unter der URL www.astro.rub/Astronomie/TBG aufgerufen werden kann.

In einer weiteren kleinen Pause, die üblicherweise auch dazu genutzt wurde, um nach eMails zu sehen, kam die Bestätigung der Entdeckung einer Supernova des Tys II in M 65, die bis zu 12 mag hell werden sollte und die offizielle Bezeichnung SN 2013am bekam und von drei Japanern mit einem 35cm-Spiegelteleskop entdeckt wurden.

Harald Strauß führte vor dem Abendessen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer virtuell über die im österreichischen Salzkammergut gelgene Gahberg-Sternwarte, die dem größten Astronomieverein mit 400 Mitgliedern gehört und stellte danach seinen eigenen Beobachtungsstandort vor und präsentierte seine vor vielen Jahren entstandenen ersten langbelichteten Aufnahmen vor und vergleich diese mit neuen Bildern. Dabei konnte er deutliche Veränderungen in NGC 4051, M 27, NGC 2261, NGC 2342, M 1, IC 2177 und NGC 7063 nachweisen, getreu dem Motto: Nix ist fix!“. Motivation für diesen Vergleich war das auch in Österreich in diesem Winter extrem schlechte Wetter mit nur sehr seltenen klaren Nächten. Zu dem reinen Vergleich der Aufnahmen kam noch eine intensive Webrecherche, die oft interessante Eigenschaften und Parameter der Objekte zu Tage förderte und viele Parallelen zum vorher erwähnten Projekt „Tief belichtete Galaxien“ aufwies. Außerdem wies er auf die Möglichkeit hin, die Gahberg-Sternwarte auch als Feriensternwarte zu nutzen.

Nach dem wieder üppigen Abendessen und vor den Arbeitsgruppensitzungen gab es von Harald Strauß einen wunderbaren Bilderreigen vom Gahberg, der von Markus Blauensteiner vorbereitet worden war. Die Aufnahmen zeigten das Equipment von Harald Strauß, Günter Kerschhuber, Bernhard Hubl und Markus Blauensteiner, erfreuen durfte man sich an den gelungenen Fotografien von NGC 4088, NGC 206, M 27, NGC 4631, Abell 2390, Abell 2390, IC 10, M 87, UGC 10043, NGC 2366, NGC 6910, NGC 925, M 10, M 63, NGC 1342 und LBN 718, NGC 1342, NGC 2403, Barnard 174, IC 1613, dem galakrischen Zirrus, IC 4954, M 15, NGC 7497, VDB 153-LDN 1202/1203, M 56, NGC 2419, LBN 777, sh-99+100, sh2-261. Auch hier ist eine Internetrecherche in diversen, frei verfügbaren Datenbanken dringend anzuraten.

Der letzte Programmpunkt des Tages befasste sich mit den Schwerpunkten: Wie seriös ist die visuelle Beobachtung – die Diskussionsrunde wurde in einem Nebenraum geführt – und einem PixInsight-Workshop im Tagungsraum.

Sonntag
Der Beginn der letzten drei Vorträge war auf 10 Uhr terminiert, war ausreichend Zeit für ein reichhaltiges Frühstück ließ. Bis 11 Uhr musste man die Zimmer räumen und auschecken, dann ging es an die letzten Beiträge.
Peter Riepe beschrieb den irregulären Veränderlichen T Tauri im Stier als Prototyp einer ganzen Klasse von Vor-Hauptreihensternen mit ganz besonderen Eigenschaften, die mit einem Nebel oder einer Dunkelwolke assoziiert sind. T Tauri selber ist ein gelber Stern (B [11 mag] - V [9,9 mag] = 1,1 mag) und ähnelt ein wenig FU Orionis. Detailaufnahmen mit einem 10 Zoll-Remote-Teleskop und einem 60 cm-Teleskop konnten hier eine bogenförmige Stoßfront nachweisen, die von dem jungen Stern mit seinen starken Sternwinden und einem Jet in das umgebende Medium hineingeblasen wird. Außerdem scheint T Tauri ein Mehrfachsystem zu sein, dass von einer 0,7“ stehenden zweiten Komponente umrundet wird, der wiederum aus zwei Einzelobjekten besteht. Bisher konnten diese aber nur im Infraroten beobachten werden und wurden erstmals 1982 per Speckle.Interferometrie entdeckt.

Jens Leich stellte danach MacNeil´s Nebel bei M 78 vor: Eine Dunkelwolke im Orion, der durch einen jungen T-Tauri-Stern getriggert wird. Dies nutzte der Referent für einen kurzen geschichtlichen Überblick und einer kurzen Einführung in die Theorie der Entstehung eines Protosterns aus einer Molekülwolke und was passiert, wenn der bewusste Stern langsam daraus erwächst.

Jörg Henkel schloss die Vorträge des diesjährigen DST mit einem Beitrag über „Bicolor, aber schnell“ ab. Ähnlich wie schon beim Vortrag von Gerald Willems fasste er Einzelaufnamen, die im H-Alpha und O III zusammen und zeigte seine Ergebnisse von M 42 und NGC 6888.

Damit war das DST 2013 beendet. Nach dem Essen hatten wir noch ein wenig Zeit, weil unser Zug erst um 14:57 Uhr vom Bahnhof in Bebra abfahren würde. So saßen wir noch mit ein paar Sternfreunden zusammen, ließen die Tagung gemütlich ausklingen und waren gegen 19:30 Uhr wieder zu Hause.

Samstag, 16. März 2013

Pan-STARRS: 4. Tag, 2. Beobachtung

Für den gestrigen Tag, Freitag, den 15. März 2013, sah das Wetter eigentlich ganz viel versprechend aus. Insbesondere, nachdem es am Vorabend dann nach Untergang des Kometen dann doch noch völlig aufgeklart war und der Tag sonnig begann. Sorge machte uns nur eine Schlechtwetterfront, die aus Westen herankam und mittags schon die Niederlande erreicht hatte. Bis zum Abend kam die Front aber nur sehr sehr langsam voran, sodass wir uns entschlossen, gegen 17:30 Uhr loszufahren und dieses Mal den Standort in Neu-Allermöhe aufzusuchen, den die andere Gruppe am Mittwoch aufgesucht hatte.


Warten auf Pan-STARRS


Vor Ort angekommen, trafen wir auf ein weiteres Vereinsmitglied und so begaben wir uns mit vier Leuten zum Beobachtungsplatz eines tief verschneiten Weges, der einen sehr guten Blick in Richtung Westen ermöglichte.


Der Blick in Richtung Westen
Da bei meinem Aufnahmen meiner nicht umgebauten Canon 1100 D mit dem 70-300 mm bei f=300 mm der Komet nur sehr klein abgebildet wurde, hatte ich heute meinen kleines 80 mm f/6 Triplett dabei, das sich noch gut auf ein stabiles Fotostativ packen lässt.


Meine Ausrüstung
Die Transparenz des Himmels war ganz ordentlich, nur im Westen hatte sich die breite Wolkenbank schon aufgebaut und aus Richtung Norden zogen vereinzelte Wolkenstreifen herein.

Dies erschwerte die Aufsuche des Kometen am aufgehellten Dämmerungshimmel beträchtlich, bis jemand ihn knapp oberhalb der von Norden herein kommenden Wolkenschicht entdeckte. Diese wurde aber ziemlich schnell durchlaufen und danach konnte weiter belichtet werden, zunächst mit ISO 800, dann mit 1600, am Ende sogar, als er immer weiter in den horizontnahen Wolken versank und zuvor durch den Horizontdunst immer schwächer wurde, sogar mit ISO 6400. 


Erstes Foto dieses Abends



Pan-STARRS nähert sich dem Horizont
Zwischendurch verlor man ihn selbst im 10x30 bildstabilisierten Fernglas immer wieder, bis er dann endgültig nicht mehr zu sehen war. Auch rutschte er mir aus dem Gesichtsfeld, da ich wieder ohne Nachführung arbeitete, aber immerhin konnte man ihn per live-view und nachher auch im Kamerasucher finden. Als Markierungen zum Aufsuchen wurden wieder die Bäume, aber auch die einzeln herein driftenden Wolkenzonen genommen.

Neben der hellen Koma zeigte sich heute ein vielleicht 1 bis 2° langer, leicht gebogener Schweif. Zeitweise war er - allerdings nur sehr schwach - auch mit bloßem Auge sichtbar, was sich aber mit Annäherung an den Horizont rasch änderte.

Als die anderen schon einpackten, fotografierte ich schnell noch den Mond mit aschgrauen Erdlicht.


Mond mit aschgrauem Erdlicht
Wir hatten alle unseren Spaß und wir brachten jeder Aufnahmen mit nach Hause, die jetzt der weiteren Bearbeitung harren. So wurde aus der heutigen Kometenbeobachtung nebenbei auch eine SAZ in Neu-Allermöhe, eine "Spontane Astronomische Zusammenrottung".

Ob es die auch in den kommenden Tagen geben wird, ist unsicher, denn erst einmal haben wieder Wolken den Norden im Griff.

Freitag, 15. März 2013

2x PanSTARRS, 2x kein Erfolg

Mit Neid kann man auf jene Astrokollegen blicken, die in den letzten beiden Tagen das Glück hatten, den Kometen zu beobachten. Nach der vergleichsweise guten Sicht am Dienstag, gab es am Mittwoch gerade zu der Zeit, als der Komet in der Abenddämmerung sichtbar werden sollte, immer dichter werdenden Schneefall in Hamburg.
Die Wetteraussichten für gestern, den 14. März 2012, waren auch wieder grenzwertig. Tagsüber hatte ich einen beruflichen Termin im Norden der Stadt und saß bei Sonnenschein in einem Besprechungsraum. Bei Feierabend dann das skurrile Bild: Im Westen ein fast völlig aufgeklarter Himmel, im Osten eine dichte schwarze Wand, die nichts Gutes verhieß. Allerdings schien diese zurückzuweichen. Da wir abends den GvA-Videoworkshop hatten, fuhren wir dennoch in Richtung Osten. Schon weit vor der der Abfahrt gegen 17:30 Uhr hatte es hier begonnen, zu schneien. Und: Die Wolkenlücke im Westen wurde immer schmaler, bis sie schließlich völlig verschwand.
Nach einem kurzen Imbiss nahe der Autobahnanschlussstelle Bergedorf sahen wir, dass der Mond deutlich über der Wolkengrenze stand. Also beschlossen wir, in Richtung Osten zu fahren. Der Weg führte in Richtung Geesthacht und von dort aus über die B 404 in die östlichen Vier- und Marschlande. Hier suchten wir nacheinander mehrere Standorte auf und verloren am Ende doch, denn die Wolkenwand wich nicht weiter zurück und der Zeitpunkt, an dem der Komet am Westhorizont verschwinden würde rückte immer näher. Am Ende nützte uns die Tour absolut nichts, denn wir bekamen den Kometen auch an diesem Tage nicht zu Gesicht. Das gelang beispielsweise Beobachtern im weiter nördlich gelegenen Schwarzenbek. Hamburg war im Norden mal wieder die einzige Region mit Wolken in der falschen Richtung.
Nach der Tour fuhren wir zum GvA-Videoworkshop, der dieses Mal sehr gut besucht war … und wo ich aus zeitlichen Gründen dann meine Bilder vom Kometen nicht mehr zeigen und mir keine Bearbeitungstipps mehr abholen konnte. Selbstredend, man kann es sich denken, war der Himmel nach dem Workshop völlig klar und blieb es anscheinend auch die ganze Nacht. Das nächste Kapitel aus der ewigen Reihe „Astropleiten –pech und –pannen“.

Mittwoch, 13. März 2013

Pan-STARRS und die schmale Mondsichel auf dem GvA-Treff

Nach vielen – oft auch unrealistisch optimistischen – Vorhersagen sollte der Komet PANSTARRS (C/2011 L4) am Abend des 12. März 2013 nach seinem Periheldurchgang erstmals in unseren nördlichen Breiten zu sehen sein. Problem dabei war: Niemand wusste wirklich, wie hell er in der Abenddämmerung zu sehen sein würde, man ging teilweise von Helligkeiten heller als 0 mag aus, am Ende behielten all jene recht, die moderatere Einschätzungen vornahmen und von weniger als der 0ten Größe ausgingen.
Das größte Hindernis war neben dem Wetter – der Wintereinbruch hatte uns zunächst nur bedeckten Himmel beschert – die Frage nach einem geeigneten Standort. Da zeitgleich auch der GvA-Treff im Gemeindezentrum Feste Burg in Hamburg-Neu-Allermöhe stattfand, kam sehr schnell die Idee auf, in der Umgebung einen Platz mit guter Horizontsicht zu suchen. Dieser wurde auch gefunden und dann hieß es Daumen drücken, denn am frühen Nachmittag drückten sich von Süden her Wolken herein, während aus Richtung Osten immer wieder Wolkenbänke herankamen.
Trotz aller unterschiedlichen Wettervorhersagen fuhren wir zu einem Platz westlich von Neu-Allermöhe, wählten dann einen zweiten aus und platzierten uns dort auf einem deichähnlichen Hügel. Nach dem Aufbau der Kameras – ich hatte meine Canon 500 D samt 70-300 mm Telezoom dabei – suchten wir in der Dämmerung erst einmal nach dem Mond. Das war angesichts des hellen Westhimmel gar nicht so einfach. Von Vorteil war da mein 8x25 bildstabilisiertes Fernglas von Canon. Ein Astrokollege fand denn auch nach längerem Suchen mit dem gleichen Instrument als erster die sehr schmale Mondsichel, die wir dann auch erst mal ablichteten.
Die schmals Mondsichel oberhalb von zwei Bäumen
Noch schwieriger war „Freund Pan-STARRS“ zu finden. Er sollte evtl. bereits zu Beginn der bürgerlichen Dämmerung zu sehen sein, wir fanden ihn aber erst danach. Dieses Mal war ich an der Reihe, ihn als erster zu finden, wieder mit dem bildstabilierten Fernglas, das bei solchen Suchaktionen den Vorteil bietet, ein nahezu erschütterungsfreies Bildfeld absuchen zu können. Als Markierungspunkte dienten uns die Bäume in Richtung Westen. Über dem höchsten davon fanden wir schließlich den Schweifstern.
Allerdings war es schwierig, ihn zu halten, denn in den horizontnahen Dunstschichten entglitt er immer wieder unseren Augen. Dennoch gelang es uns mindestens einmal, ihn gerade eben auch mit bloßem Auge zu sehen. Als er immer tiefer in den „Syph“ hinein geriet, wurde er naturgemäß scheinbar schwächer und war somit immer schwerer zu sehen.
Was uns seit der ersten Sichtung aufgefallen war: Der Kern war relativ hell, der Schweif visuell aber nur diffus und kurz. Eine Helligkeitsschätzung war wegen der fehlenden Vergleichsmöglichkeiten unmöglich.
Erstes Fotos von Pan-STARRS
Wir machten unsere Fotos und packten schließlich nach 19:30 Uhr zusammen und fuhren zur Festen Burg, wo wir an der Tür den Hinweiszettel fanden, wo sich die anderen Beobachter aufhielten.

Eines der letzten Fotos an diesem Abend
In dem von uns genutzten Besprechungsraum bauten wir dann schnell die Rechner auf, um die Bilder zu betrachten. Dabei stellte sich heraus, dass auf den Aufnahmen der Schweifansatz leicht gebogen erschien – ein Hinweis auf einen aktiven Staub- und Gasschweif (?). Ob das auch der Wahrheit entspricht, müssen erst noch weitere Bildanalysen ergeben, auf den ersten Blick erschien es jedenfalls so. Ich hatte konstant mit einer Brennweite von 300mm gearbeitet, diejenigen, die kleinere Brennweiten nutzten, konnten Mond und Komet gemeinsam ablichten – an diese Möglichkeit hatte ich zu spät gedacht.
Kurz nach unserer Ankunft in der „Festen Burg“ erschien dann auch die – zahlenmäßig deutlich größere – Gruppe, die einen Standort nördlich von uns gewählt hatte, wo die Sicht weniger durch Bäume versperrt war. Dennoch: Der Abend darf als gelungen betrachtet werden und vielleicht auch als die Geburtsstunde eines neuen Interessengebietes: die Kometenbeobachtung.