Dienstag, 19. Februar 2013

Russland, 2012 DA 14 und der Medienhype

Vier Tage sind nun nach jenem denkwürdigen Freitag vergangen, als morgens in Russland ein Meteorit niederging und abends der Asteroid 2012 DA 14 in 28.000 km Abstand an der Erde vorbeiging. Grund genug für einige Medien, mal wieder auf „Katastrophe“, „Weltuntergang“ oder gar „Gottesgericht“ zu gehen. Besonders negativ hervorgetan hat sich in dieser Hinsicht der deutsche Nachrichtensender n-tv.
Schon kurz nachdem das Ereignis in Russland - auch hier und hier - bekannt wurde, stellte man das Programm um und brachte diverse Beiträge rund um das Thema "Weltuntergang durch Einschlag" und wiederholte dies mehrmals, auch in der darauf folgenden Nacht. Man war irgendwie "live" dabei mit Kleinstbeiträgen, Interviews und Liveschaltungen.
Schlimm war aber die Intention: Während Experten immer wieder darauf hinwiesen, dass der in Russland niedergegangene Meteorit keinesfalls etwas mit dem Asteroiden 2012 DA 14 zu tun haben konnte, weil er aus einer völlig anderen Richtung kam – der Asteroid flog aus Osten heran, während der Meteorit aus Süden heranrauschte – ließ sich sowohl der Reporter „vor Ort“ als auch die im Studio nicht davon abbringen, dass beide Ereignisse „irgendwie“ zusammenhingen. Mehrmals wurde nachgefragt, ob der Meteoritenfall nicht doch ein Vorbote des Asteroiden sei und ob man sich wirklich auch ganz sicher sei, dass der wirklich aus einer anderen Richtung kam. Die Experten verneinten dies zwar jedes Mal, was die Reporter aber nicht davon abhielt, imemr und imemr wieder die gleichen unsinnigen Fragen zu stellen. Das grenzte bisweilen an Ignoranz und Impertinenz.
Der zweite große private Nachrichtensender N 24 war da nur eine Hauch besser, die Fragen nicht ganz so nervig, aber dafür wurden alle möglichen Dokumentationen aus dem Archiv gekramt, die irgendwie am Ende zeigten, dass böse Mächte es auf die Erde abgesehen haben und ließen alle möglichen Zerstörungsszenarien für die Erde durchspielen. In einem Beitrag, der bei mir nebenbei lief, als ich für eine große deutsche Astrozeitschrift einen Artikel überarbeitete, begann man mit der totalen Vernichtung der Erde durch Asteroideneinschläge und endete mit einer durch Gammastrahlenausbrüche gegrillten Erde. Mehr als einmal kam mir dabei der Gedanke, dass für diese Sendungen, aber auch für manchen Wortbeitrag, eher Hollywood-Streifen a la „Deep Impact“ Pate standen, als richtiges Wissen.
Leider haben solche reißerischen Dokumentationen auch den Nachteil, dass sie von immer mehr Zuschauerinnen und Zuschauern geglaubt werden, getreu dem Motto: „Wer nicht weiß, muss halt glauben!“ Und mit dem darin verbreiteten Halbwissen sinkt das astronomische Wissen immer mehr und bietet einen fantastischen Nährboden für alle möglichen abstrusen Vorstellungen. Besonders lustig war diese, wonach der Meteorit die gefrorenen Fäkalien der ISS gewesen sein sollen. Da wünscht man sich doch einen Herrgott, der massenhaft Hirn vom Himmel regnen lassen möge. Aber das scheint gerade aus zu sein ...
Etwas anders gingen da die Nachrichtensendungen des ZDF (ZDF heute und ZDF- heute-Journal) an die Sache, wo durchaus nüchtern das Thema bearbeitet wurde. Auf Phoenix gab es gar eine einstündige Sondersendung, innerhalb derer man sich live auf NASA-TV draufschaltete. Nicht die schlechteste Lösung, wenngleich einige dies als dröge und langweilig empfanden. Natürlich hatte man auch bei nano auf 3sat das Thema aufgegriffen, wie immer nüchtern, professionell und sachlich.
Der feine Unterschied aber war und ist: Wissenschaft ist spannend und kann auch so dargestellt werden, wie es die öffentlich-rechtlichen Sender an diesem Tag gemacht haben (wenngleich da auch sicher das eine oder andere noch Verbesserungswürdig ist), die Panikmache der Privatsender aber – die auch noch am folgenden Tag unbeirrt anhielt – ist unverantwortlich und dient nur der Verbilderung der Zuschauer und den Einschaltquoten, mit Wissensvermittlung hatte das nichts zu tun.

Freitag, 1. Februar 2013

Space - eine neue Astrozeitschrift

Heute habe ich mir am Hamburger Hauptbahnhof die Erstausgabe der neuen Astrozeitschrift "Space - Das Weltraummagazin" gekauft und war auf den ersten Blick ein wenig erschrocken. Dieses Magazin ist ausgesprochen bildorientiert mit wenig Text, zudem ist bei keinem der durchaus interessant klingenden Artikel ein Autorenname, geschweige denn eine Quelle oder ein Überblick über weiterführende Literatur zu finden. Auch sind die nur im Impressum genannten Autorinnen und Autoren offenbar keine ausgewiesenen Fach- oder Amateurastronomen, was man den Texten leider auch anmerkt. Manch eine Erläuterung wirkt wie direkt aus wikipedia übernommen, wenn auch modifiziert.

Das neue Heft erscheint mir bunt wie der alte Star Observer und inhaltlos wie das Galileo Magazin oder PM. Nachdem ich einige Texte gelesen hatte, fiel mir der einheitlich sehr einfach gehaltene Stil auf, wo tiefergehende Informationen nicht auszumachen sind. Einiges ist sehr schwammig (es wird z.B. die Chandresakar-Grenze genannt, aber nur oberflächlich erläutert), oder undeutlich (Erläuterung des Lagrangepunktes L2) beschrieben. Bei den Supernovae wird deren Entstehung und Typen und die Hintergünde, warum ihre Identifikation für verschiedene astronomische Parameter wichtig sind, nur sehr vereinfacht angerissen. Anderes ist schlicht falsch, so die Erklärung zu einer seitlich von der Sonne weggehenden Protuberanz vom August 2012, die im September zu hoher Polarlichtaktivität geführt haben soll.

Es gibt auch einen kleinen Amateurteil, in dem es unter der Überschrift "Blick ins All" Tipps für das richtige Teleskop (inkl. Aufbauhilfen für einen Dobson) und ein paar Sternkarten zu finden sind, die wahllos irgendwelche Deep-Sky-Objekte enthalten. Warum aber auf Beobachtungsobjekte hingewiesen wird, die bei uns unter dem Horizont stehen, bleibt mir ein Rätsel. Der Teil über Jupiterbeobachtung ist praktisch wertlos, da die Details wie abgebildet so nie im Teleskop gesehen werden können (auch Einschläge in die Jupiteratmosphäre sind nicht gerade alltäglich). Astro-Apps und -Gadgets sind dem Profi auch nicht so ganz neu.

Alles scheint mir nur ein wenig die jeweiligen Themen zu streifen, nichts geht wirklich in die Tiefe, es scheint sich hier eher um eine B...-Zeitung über Astronomie zu handeln. Von daher gibt es eigentlich keine Konkurrenz zu richtigen astronomischen Zeitschriften wie interstellarum oder Sterne und Weltraum, die richtige und weiterführende Informationen bieten.

Oder vielleicht ist die Konkurrenz auch gerade deswegen gegeben, weil hier offenbar der typische, von Vorkenntnissen freie Zeitschriftenleser angesprochen werden soll, dem andere Astrozeitschriften zu viel Praxis oder zu viel Wissenschaft enthalten. Ich vermag nicht zu sagen, ob sich dieses neue Blatt langfristig am Markt etablieren und halten wird, da es sicher den einen oder anderen Leser oder die Leserin ansprechen wird, der oder die kein tiefgehendes Wissen hat und nur astronomisch berieselt werden will.

Ob ich bei dieser Zeitschrift bleiben werde, weiß ich nicht, sie erinnert mich, wie eingangs erwähnt, zu sehr an den alten Star Observer, und den mochte ich auch nicht.

PS: Bei näherer Durchsicht, ist mir auf S. 125 die seltsame Darstellung der Erklärung für Reflektoren und Refraktoren aufgefallen: es mag künstlerische Freiheit sein, aber die Spiegel im Reflektor sind bei näherer Betrachtung Linsen, beim Refraktor sind die Linsen gleichzeitig Taukappen, außerdem ist die Brennpunktlage falsch dargestellt. Auch die Erläuterung, was ein Okular ist, ist sehr seltsam. Auf Seite 124 ist das Glossar auch überarbeitungsbedürftig, man fragt sich, warum der veraltete Begriff Äquatorial für die parallaktische Montierung verwendet wird, wieso man von Halterung, statt Montierung spricht. Merkwürdig ist auch, dass auf S. 127 auf einen Starwave-Refraktor hingewiesen wird. Diese Marke ist meines Wissens - man möge mich korrigieren - in Deutschland nicht erhältlich. Wurde hier eine amerikanische Zeitschrift "blind" ins Deutsche übersetzt?