Sonntag, 29. September 2013

Christian Heinrich Friedrich Peters (19.09.1813 - 18.07.1890)



Christian Heinrich Friedrich Peters, nicht verwandt mit dem in Hamburg geborenen Astronomen Christian August Friedrich Peters (1806 - 1880), wurde vor 200 Jahren, am 19. September 1813 als Sohn des Pastors Hartwig Peters in Coldenbüttel, Herzogthum Schleswig, geboren und war der Bruder des Naturforschers Wilhelm Carl Hartwig Peters (1815 - 1893). Von 1825 bis 1832 besuchte er das Gymnasium in Flensburg und studierte danach Astronomie und Physik in Berlin.

 

1836 promovierte er mit einer Schrift unter dem Titel „De principio minimae actionis“ und suchte kurz danach eine Anstellung als Astronom, was zumindest nicht gleich auf Anhieb gelingen wollte. Nach einem erfolglosen Versuch, von der Sternwarte Kopenhagen angenommen zu werden, verfeinerte er  bei Carl Friedrich Gauss (1777 - 1855) in Göttingen seine mathematischen Kenntnisse. Wolfgang Sartorius von Waltershausen (1809 - 1876), ein bekannter Geologe, der zusammen mit Gauss  so genannte erdmagnetische Beobachtungen durchführt hatte, konnte Peters für eine Reise nach Sizilien zur Beobachtung des Vulkans Ätna gewinnen, was für Peters zukunftsweisend werden sollte. Die Arbeiten rund um den Ätna brachten Peters in Kontakt mit der Sternwarte Catania, die ihm eine allerdings schlecht bezahlte und auch sonst mit negativen Rahmenbedingungen behaftete Stelle anbot.

 

Näher zusammengearbeitet hatte man bei der Untersuchungen und Vermessung des Ätna ohnehin mit der Sternwarte Neapel, dem Osservatorio Astronomico di Capodimonte,  die ihm letztlich wesentlich bessere Arbeitsmöglichkeiten bot. So übertrug man ihm die Aufgabe der trigonometrischen Vermessung Italiens. Er befasste sich mit der Beobachtung von Sonnenflecken und entdeckte 1846 einen lichtschwachen Kometen (1846 VI), dessen Bahn er aber nur ungenügend bestimmte und der danach verloren ging und erst 1982 wieder entdeckt wurde.

 

Mit der sizilianischen Unabhängigkeitserklärung im Jahre 1848, für die Peters große Sympathien hegte, verlor er seine Anstellung und wurde ausgewiesen. Letzterem folgte er aber nicht und heuerte stattdessen auf einem britischen Schiff nach Malta an und reiste von dort aus zurück nach Sizilien. Hier trat er mit Genehmigung des sizilianischen Parlaments in die Armee ein und wurde erst „Generalkapitän“ und dann Major. In dieser Funktion wurde er zum Leiter der Festungsanlagen von Catania und Messina. Als die Neapolitaner im Mai 1849 Palermo besetzten, flüchtete Peters nach Frankreich, reiste aber kurze Zeit später, mittlerweile vollkommen mittellos, nach Konstantinopel, dem heutigen Istanbul weiter. Auf Grund seiner hervorragenden Sprachkenntnisse fand er hier sehr schnell eine wissenschaftliche Anstellung und wurde zum Berater von Reshid Pasha, dem Großwesir des Sultans Abdülmecid I. (1823 - 1861) ernannt. Peters versuchte, eine wissenschaftliche Expedition nach Syrien und Palästina zu organisieren, die jedoch nicht zustande kam, vermutlich aus Geldmangel.

 

Ab 1854 stand er wieder im Mittelpunkt politischer Ereignisse: Der Krimkrieg von 1853 bis 1856 – Russland unternahm hier gegen das im Zerfall begriffene osmanische Reich und dessen Verbündete Frankreich, England und Sardinien einen Eroberungsfeldzug, woraus sich fast 60 Jahre vor dem Ersten Weltkrieg der bis dato blutigste Stellungskrieg entwickelte – verschlechterte die Arbeitsbedingungen von Peters. Es war der amerikanische Botschafter, der ihm anbot, in die Vereinigten Staaten zu übersiedeln, was ihm, auch mit Hilfe eines Empfehlungsschreibens des schon damals legendären Naturforschers Alexander von Humboldt (1769 - 1859) gelang.

 

Er ging zunächst nach Cambridge im US Bundesstaat Massachusetts, wo er am Observatorium des Harvard-College tätig war und in Providence auf Rhode Island einen viel beachteten Vortrag über seine Sonnenbeobachtungen hielt, indem er behauptete, die Sonnenaktivität werde vor allem durch elektrische Ströme beeinflusst und die Sonnenflecken würden eine Wanderung sowohl in Länge als auch in Breite vollführen – beides gilt heute als Basiswissen über die Sonne. Danach erhielt er eine Festanstellung am Dudley-Observatorium in Albany, im US-Bundesstaat New York. Am 25. Juli 1847 entdeckte er hier seinen zweiten Kometen. Die schlechte Bezahlung einerseits und der beinahe tägliche Kampf mit den Sponsoren der Sternwarte führten rasch dazu, dass Peters dort kündigte. In Washington D.C. fand er zunächst beim Coast Survey eine Anstellung und gründete die Sternwarte von Utica. 1858 übernahm er die Direktion der Sternwarte in Clinton, NY, (das spätere Lichtfield-Observatory) und konnte sich nun ausschließlich der astronomischen Forschung widmen.

 

Mit dem Direktorat war auch die Übernahme der Professur für Astronomie am Hamilton College verbunden. Die neu errichtete Sternwarte am Hamilton College verfügte über einen 13 zölligen Refraktor, damals eines der größten amerikanischen Teleskope. Doch das Credo von Peters Leben schien weiterhin zu sein für gute Arbeit schlecht bezahlt zu werden. So kam er auch hier zu keinem größeren Vermögen und gab das beinahe klassische Bild des unterbezahlten und letztlich wohl auch unterernährten Astronomen ab. Zahlreiche Veröffentlichungen in den Astronomischen Nachrichten künden auch heute noch von seiner wissenschaftlichen Schaffenskraft, die trotz widrigster Umstände ungebrochen war. Dazu gehören auch die 48 von ihm von den USA aus entdeckten Asteroiden zwischen 1861 und 1889. Nur der österreichische Astronom Johann Palisa (1848 - 1925) war seinerzeit mit 123 Entdeckungen erfolgreicher.

 

Zu Peters weiteren Aufgaben, es war damals noch die Zeit der klassischen Astronomie, gehörte die Erstellung von Sternkarten, was wiederum zu einer hohen Zahl an entdeckten veränderlichen Sternen führte. 1874 nahm er an der amerikanischen Expedition zur Beobachtung des Venusdurchgangs nach Neuseeland teil und 1882 erschien ein Katalog über Veränderliche, deren Kosten Peters, trotz extrem geringem Einkommens, selber tragen musste. Weiter veröffentlichte er, nicht nur in den Astronomischen Nachrichten, viele Schriften mit kritischen Anmerkungen über frühere und auch einige der neueren Sternatlanten. Studien über den Almagest von Ptolemäus sind leider nur fragmentarisch überliefert und wurden nur in unbekannteren Publikationsreihen veröffentlicht. Eine im Lichte neuerer Erkenntnisse geplante Veröffentlichung mit exakteren Sternpositionen scheiterte an einem Eigentumsstreit, der ihn die letzten Jahre seines Lebens offenbar sehr belastete und extrem verbitterte. Ebenso eine Schrift über seine Sonnenforschungen, die erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde. Am frühen Morgen des 7. Juli 1890 fand man ihn tot am Straßenrand – offenbar war er auf dem Weg von der Sternwarte zu seiner Wohnung gewesen. Ein noch rasch herbeigerufener Arzt konnte nach der Obduktion nur noch feststellen, dass er Stunden zuvor einen Herzschlag erlitten hatte. Peters hatte in seinem kargen und entbehrungsreichen Leben viele Rückschläge, Irrungen und Wirrungen hinnehmen müssen – sein Tod war da fast schon symptomatisch – hatte sich aber durch Reisen nach Europa, auf denen er an einigen Tagungen der Astronomischen Gesellschaft teilnahm, viele gute Kontakte zu Astronomen der alten Welt, die ihn sehr schätzten, aufbauen und erhalten können.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen