Sonntag, 29. September 2013

Arthur Auwers (12.09.1838 – 24.01.1915)

Arthur Auwers wurde am 12. September 1838 in Göttingen als Sohn des Universitäts-Rittmeisters Gottfried Daniel Auwers (1796 - 1847) geboren. Da beide Eltern sehr früh verstarben, musste Auwers, der sich schon sehr frühzeitig für die Astronomie interessierte und 1854 ein nebliges Objekt entdeckte, dass er in dem ihm zur Verfügung stehenden Katalog von Wilhelm Herschel (1738 - 1822) nicht finden konnte, bei einem Vormund aufwachsen. Er besuchte die Grundschule und das Gymnasium in Göttingen, später in Schulpforta/Thüringen, kehrte aber in seine Heimatstadt zurück, um in den Jahren 1857 - 1859 an der dortigen Universität Astronomie zu studieren. Hier hatte er u. a. die Aufgabe, die Bahndaten von Asteroiden und Kometen zu bestimmen und die Helligkeitsschwankungen bei Veränderlichen Sternen aufzuzeichnen.

Wenig später zog es ihn ins ferne Königsberg, wo er 1859 auf der 1812 von Friedrich Wilhelm Bessel (1784 - 1846) gegründeten Sternwarte eine Assistentenstelle bei Eduard Luther (1816 - 1887), einem Schüler Bessels, annahm und 1862 mit einer Arbeit über die Eigenbewegung des Doppelsterns alpha Canis Minoris (Procyon) promovierte. Wie man heute weiß, umkreisen sich hier binnen 41 Jahren ein Hauptreihenstern der Spektralklasse F 5 mit 2,7 mag (Prokyon A) und ein Weißer Zwerg 11. Größe (Prokyon B) in geringem Abstand. Die in der Promotionsarbeit veröffentlichten Daten über Sirius und Prokyon waren so exakt, dass sie sogleich im Nautical Almanac und weiteren Katalogen aufgenommen wurden.

Die Sternwarte zu Gotha lernte den jungen Auwers als Observator kennen, nachdem er 1862 die Tochter eines in Schulpforta tätigen Schullehrers geheiratet und in die thüringische Stadt gezogen war.
1866 wurde er ordentliches Mitglied der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin und konnte dank des fortschrittlichen Geistes dieser Institution überwiegend an eigenen Forschungsaufgaben arbeiten.
1882 erwarb er den Titel eines korrespondierenden Mitglieds der Bayerischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina.

Arthur Auwers interessierte sich schon relativ früh für das Gebiet der Positionsastronomie (sein Aufenthalt in Königsberg wird ihn darin noch bestärkt haben) und sah, ähnlich wie F. W. Argelander (1799 - 1875) und F. W. Bessel die Hauptaufgabe für den beobachtenden Astronomen darin, genaue Positionen von Fixsternörtern zu bestimmen, die Eigenbewegung von Sternen zu bestimmen und die Grundlagen für die Zusammenstellung von Sternkatalogen zu erarbeiten.

Dem zunehmenden Handel in alle Teile der Welt, der Seefahrt in noch unerforschte Regionen stand ein gravierendes astronomisches Problem gegenüber. Schon 100 Jahre alte Kataloge wiesen auf Grund der Präzession der Erdachse messbare Abweichungen auf und machten die Schaffung immer genauerer Sternkataloge für die Navigation auf der Erde und einer präzisen Ortsbestimmung am Himmel unumgänglich. John Flamsteed (1646 - 1719) und insbesondere James Bradley (1692 - 1762) waren die Ersten, die sich dieser überaus schwierigen Aufgabe stellten.

An Arthur Auwers lag es nun, diesem erheblichen und offensichtlichen Mangel weiter abzuhelfen. Er verglich eigene Beobachtungen mit denen Bradleys, reduzierte die Daten, katalogisierte 170.000 Sterne und schuf damit aus Positionen der Jahre 1753 bis 1900 den ersten Fundamentalkatalog der Astronomie, den FK ,,Auwers", der 1879 mit Unterstützung der erst 1868 gegründeten Astronomischen Gesellschaft herausgegeben wurde. Er umfasste 539 Sterne des nördlichen Sternhimmels bis zu einer Deklination von -10°. In den Folgejahren wurden die Daten stetig weiter verbessert und weitere Eichsterne aufgenommen. Die letzte Fassung, der FK 6, stammt aus dem Jahr 2000 und enthält 4150 Eintragungen.

Seit 1821 war Bessel indes damit beschäftigt, die am Nordhimmel liegenden Sterne in verschiedenen Zonen zwischen +15° und -15° bzw. -15° und +54° Deklination (bei einer Breite von jeweils 2°12' pro Zone) zu katalogisieren. Sein Schüler Argelander setzte dieses Vorhaben im Rahmen der Bonner Durchmusterung fort. Diese Zusammenstellung enthielt die Angaben über Rektaszensionen und Deklinationen von insgesamt 324.198 Sternen und wurde in fünf Bänden veröffentlicht. Eine nochmalige Steigerung der Positionsgenauigkeit wurde durch die sog. Zonenunternehmen der Astronomischen Gesellschaft erreicht, bei der 13 Sternwarten in der ganzen Welt die Örter von rd. 140.000 Sternen (im Wesentlichen basierend auf der südlichen Bonner Durchmusterung zwischen +80° und -23° Dekl.) berechneten. Als F. W. Argelander 1875 in Bonn verstarb, führte Auwers die Koordination dieser Arbeiten fort, die in der Veröffentlichung des ersten Sternkataloges der Astronomischen Gesellschaft (AGK 1) gipfelten.

Zu den weiteren Unternehmungen Arthur Auwers zählten die Planung und Durchführung von Expeditionen anlässlich der Venusdurchgänge der Jahre 1874 und 1882, die ihn nach Luxor bzw. Punta Arenas führten. Seine in immerhin sechs Bänden zusammengefassten Beobachtungen sollten der Verbesserung der Sonnenparallaxe dienen, wiesen am Ende aber so grobe Fehler auf, dass dieses Vorhaben letztlich als gescheitert angesehen werden musste. Erst 1889 konnte er gemeinsam mit David Gill (1843 - 1914) von Südafrika aus mit Hilfe des Kleinplaneten (12) Victoria, der am 13. September 1850 von John Russell Hind (1823 - 1895) entdeckt worden war und nach heutiger Kenntnis zu den Hauptgürtel-Asteroiden mit einem Durchmesser von 117 Kilometern gerechnet wird, eine genauere Bestimmung der Sonnenparallaxe vornehmen.

Arthur Auwers wurde 1912 wegen seiner Verdienste um die Weiterentwicklung der Positionsastronomie und seines ausgeprägten Organisationstalents, das sehr zu einer Steigerung des Ansehens der Astronomie in Deutschland beigetragen hat, der vererbbare Adelstitel verliehen. Er erhielt ferner weitere Auszeichnungen wie den französischen Orden Pour le Mérite, die Goldmedaille der britischen Royal Astronomical Society und war Mitglied vieler Akademien der Wissenschaft (Paris, Wien, St. Petersburg, Washington).

Am 24. Januar 1915 starb der in jungen Jahren früh verwaiste und bei Fachkollegen als verschwiegen und schwierig geltende Astronom in Groß-Lichterfelde bei Berlin. Anlässlich seines 100. Geburtstages wurde 1938 eine Gedenktafel an dem Haus angebracht, in dem er seine Jugend verbrachte, in der Göttinger Reitstallstraße 1. Weiter wurde ein Krater auf dem Mond nach ihm benannt.




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