Dienstag, 17. September 2013

2013: das bislang schlechteste Astrojahr

Es soll ja Leute geben, die mit der Zahl 13 wenig Gutes verbinden. Freitag, der 13. gilt als Tag mit besonders schlechtem Omen, obwohl sich das nach keiner Statistik belegen lässt.
Astronomisch gesehen hänge ich aber seit Oktober 2012 in einer andauernden Pechsträhne fest. Während andere Kollegen ständig Erfolge präsentieren, kann ich immer nur wieder sagen, dass ich nichts gesehen habe. Und die Liste der verpassten Gelegenheiten ist lang.
Im Oktober 2012 war ich auf einem Astrourlaub auf der Sternwarte im thüringischen Kirchheim – wohin ich demnächst wieder aufbrechen werde – und konnte binnen 8 Tagen nur in einer einzigen Nacht beobachten. Begleitet von allerlei technischen Murphs waren die Tage zwar sonnig, aber die Nächte bedeckt.
Damit fing dann auch die lange Phase der Nichtbeobachtungen ein. Seit dem gelang mir keine weitere Nachtbeobachtung, wenn man von zwei (!!) Sichtungen des Kometen PANSTARRS am Abendhimmel einmal absieht.
Das Frühjahr war ein kompletter Reinfall mit nur wenigen klaren Nächten, die meist in der Woche lagen und durch Arbeit am nächsten Tag nicht genutzt werden konnten.
Selbst in meinem Urlaub im Mai – sonst ein Garant für gutes Wetter - gab es keine durchgehend klare Nacht. Da helfen auch keine Trockenübungen, um das Equipment besser in den Griff zu bekommen. Denn spätestens, wenn man draußen ankam, stand man unter Wolken oder im Nebel. Oder in der Stadt war es bedeckt und draußen klar – wovon man aber nichts wusste. Die GvA-Außensternwarte konnte ich deswegen auch seit Oktober 2012 nicht mehr nutzen.

Ein besonderes, negatives, Highlight waren meine Sonnenbeobachtungen. In diesem Jahrtausend gab es kein Jahr, in dem ich weniger beobachtet habe als 2013. Alle großen Fleckengruppen sind mir mehr oder weniger durch die Lappen gegangen, der Juni war ein Totalausfall mit deutlich weniger als 20 Beobachtungstagen. Dabei schien die Sonne tagsüber gar nicht mal so selten, aber es gab hier zu viele Murphys:
·         Den ganzen Tag bei Sonnenschein im Büro und nach Feierabend ein bedeckter Himmel,
·         Klarer Himmel, nur nicht in Richtung Sonne,
·         Nach Hause kommen und die letzte Wolkenlücke abziehen sehen,
·         Klarer Himmel, aber die Sonne steht hinter Bäumen oder Häusern,
·         Klarer Himmel, bis das Teleskop aufgebaut ist, dann kommen Wolken,
·         usw.

Viele glauben, dass so eine Dauerpechsträhne irgendwann mal zu Ende ich, ich nicht mehr. Die Nova Delphini 2013 habe ich verpasst, weil immer dann, wenn es klar war, ich keine Zeit, kein Fernglas oder Teleskop dabei oder sie war von meinem immer dichter bebauten und bewachsenen Standort nicht erreichbar.

Mein großer Nachteil ist, dass ich in einem immer dichter besiedelten Stadtteil Hamburgs wohne, wo künftig durch Neubauten ein weitere „Beobachtungsfenster“ geschlossen werden. Hier gibt es mittlerweile Straßenzüge, die nur noch rund um den 21. Juni ein wenig Sonne erhalten, im Rest des Jahres aber im Halbdunkel liegen, weil Häuser und Bäume die Sicht versperren. Die Botanik in der Umgebung verhindert - gerade in den Monaten Oktober bis März – zusätzlich jegliche Form der Sonnenbeobachtung.

Wie kann man diese Probleme lösen? Eigentlich gar nicht. Unser Astroverein hat nach dem Rauswurf aus dem Planetarium (2002) und dem Verlust des nachfolgenden Standortes auf dem City-Center Bergedorf (2006) keine eigenen Räumlichkeiten und keine eigene Sternwarte mehr in der Stadt. Die Fahrt zu unserer sehr guten Außensternwarte nimmt mit einer Stunde Fahrtzeit pro Richtung zu viel Zeit in Anspruch.

Umziehen in eine andere Gegend, kommt in Hamburg einer Verdrei- oder Vervierfachung der Miete gleich, verbunden mit höheren Fahrtkosten für den Weg zur Arbeit und weniger Freizeit.
Umziehen nach außerhalb könnte eine Lösung sein, aber auch hier sind die Mieten nicht gerade niedrig, und der Weg zur Arbeit wird entsprechend länger, was dann auch bedeutet, dass man an Vereinsaktivitäten nicht mehr teilnehmen kann. Der Gewinn wäre außerhalb ein dunklerer Sternenhimmel, aber nicht unbedingt mehr Beobachtungstage, denn dann könnte ich vermutlich von September bis April noch eingeschränkter die Sonne beobachten, weil man erst zur Dämmerung nach Hause käme.

Aber vielleicht wäre aufhören eine Alternative, das würde weniger Stress bedeuten, auch wenn ich – zugegebenermaßen – vom eigentlich unheilbaren „Virus Solaris“ befallen bin. Eine Entwöhnung wäre hart, aber die Möglichkeiten zur Beobachtung, auch nachts, werden stetig weniger. Und wenn bei den wenigen Möglichkeiten nur Frust angesagt ist, frage ich mich ernsthaft, ob das alles überhaupt noch irgendeinen Sinn ergibt: viel Geld verbrennen für Instrumente, Kameras und Zusatzgeräte, die man praktisch nie benutzt. Zeit aufwenden für Beobachtungen, die am Ende scheitern. Benzinladungen verfahren, ohne einen Nutzen davon zu haben?

Eine Option wäre sicher, die astronomische Beobachtung komplett aufzugeben und sich anderen Bereichen des Hobbys, wie der Astronomiegeschichte, zuzuwenden, dann hätte man wenigstens noch etwas mit unserer Lieblingswissenschaft zu tun.

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