Donnerstag, 11. Juli 2013

SKYLAB - Gedanken an eine Raumstation

Am 11. Juli 1979, heute vor 34 Jahren, verglühte die amerikanische Raumstation SKYLAB in der Erdatmosphäre Nach dem sie in den Jahren 1973 und 1974 von drei Besatzungen mit jeweils drei amerikanischen Astronauten bemannt war. Es begann mit einer Panne und endete letzten Endes mit neuen Langzeitaufenthalten, die aber bald von sowjetischen Kosmonauten überboten wurde, die auf ihren Raumstationen wesentlich öfter zum Einsatz kamen und bis weit in die 90er Jahre des letzten Jahrhunderts hinein immer neue Rekorde aufstellten.

Bei SKYLAB kamen nicht nur Astronauten aus der alten APOLLO-Ära zum Zuge, sondern auch einige, die aufgrund der Streichungen der Missionen Nr. 18, 19 und 20 nicht mehr hätten in den Weltraum fliegen können. Paul Weitz, Jack Lousma und Owen Kay Garriott flogen später in der Anfangsphase auch bei den ersten Shuttle-Missionen mit, Lousma gehörte 1975 zur Unterstützungsmannschaft des amerikanisch-sowjetischen APOLLO-SOJUS-Test-Projektes (ASTP).

Zur Legende wurde nicht nur die Behebung der Probleme aufgrund des abgerissenen Sonnensegels durch eine Folie an der Außenhaut der Station  das Bild geistert auch heute noch durch die Medien -, sondern auch die zahlreichen Sonnenbeobachtungen - wodurch erstmal wichtige Einblicke in die Aktivität unseres Zentralgestirns gewonnen wurden - und die Verfolgung des leider nicht den Erwartungen entsprechenden Kometen C/1973 E 1 (Kohoutek). Sein Entdecker geriet  aber nur in der medialen Öffentlichkeit  in Misskredit: Lubos Kouhoutekden die Zeitungen völlig zu Unrecht gerne ein grandioses Versagen andichteten, besonders in einem gewissen Boulevardblatt mit vier Buchstaben, konnte gar nichts dafür. Dass Kometen bisweilen nicht den optimistischen Vorhersagen entsprechen  das nnte uns in diesem Jahr auch bei ISON blühen  war den damaligen Medienvertretern nicht klar zu machen. Dass Kohoutek selbst noch zwei weitere Kometen (Mit-)entdeckt hatte sowie einen Hauptgürtelasteroiden und einen Planetarischen Nebel, ist dabei völlig in Vergessenheit geraten. Kohoutek hat, was auch kaum bekannt sein dürfte, noch heute ein eigenes Büro auf der Bergedorfer Sternwarte und gilt nach wie vor als sehr geschätzter Astronom und Mensch.

Nach 1974 wurde es ruhiger auf der Raumstation, weil nach den drei Missionen und das nachfolgende ASTP, für die man die letzten Trägerraketen vom Typ Saturn 1B und die letzten APOLLO-Raumschiffe verwendet hatte, keine Hardware mehr zur Verfügung stand.

Am 8. Februar 1974 wurde mit SKYLAB 4 die Raumstation in ihrer Bahn angehoben  das war notwendig, weil die Reibung an den oberen Schichten der Erdatmosphäre die Station leicht abbremste, weshalb sie auf niedrigere Umlaufhöhen herabgesunken war. Ursprünglich sollte ab 1981 die Station durch die neuen Shuttles erneut angehoben werden, weil man erst r 1983 mit einem Absturz rechnete. Allerdings wäre die Station da schon überaltert gewesen und man hätte sie aufwendig sanieren müssen.

Doch es kam anders: Das Shuttle wurde nicht rechtzeitig fertig und die erhöhte Sonnenaktivität während des Maximums des 21. Sonnenfleckenzyklus sorgte überdies für eine Ausdünnung der irdischen Hochatmosphäre und damit für eine Ausdehnung in größere Höhen. SKYLAB traf aus seiner Richtung auf eine dichtere Atmosphäre  in der Umlaufhöhe der Raumstation war mit einem Mal die Teilchendichte wesentlich höher, als zuvor  und das führte zu einer stärkeren Reibung an der Unterseite der Station und so zu einer Verringerung der Umlaufgeschwindigkeit, was wiederum zu einem Absinken auf eineniedrigere Höhe und schließlich zum Absturz der Station führte.

Soweit die historischen Umstände, warum aber die Überschrift? Das Jahr 1979 war, wie hier schon mal beschrieben, r mich ein ganz besonderes, denn nach der Schulzeit und dem Beginn meiner Ausbildung hatte ich ja drei Monate frei und just in diese Zeit fiel dann auch der Absturz der Raumstation. Ich hing fast den ganzen Tag vor dem Radio und zeichnete viele Sendungen von den Nachrichten- und Magazinsendungen von NDR 2, dem Deutschlandfunk und auch der nur verrauscht auf Mittelwelle wahrzunehmenden Stimme der DDR auf Cassette auf (leider sind diese heute nicht mehr vorhanden, die 120er Bänder waren einfach zu dünn).

Zwischendurch fuhr ich dann immer wieder in das Hamburger Planetarium, wo mein Verein, die GvA Hamburg, bis 2001 seinen Vereinssitz hatte, um da die neuesten Informationen zu bekommen. Das war damals alles anders als heute: Man bekam die Infos nicht via Internet frei Haus und Livestreams existierten noch nicht einmal in den Köpfen von Science-Fiction  Autoren. Wenn ich mich recht entsinne, gab es damals im Planetarium aktuelle Vorträge zu dem Thema, die ich teilweise kostenlos durch den HVV-Ferienpass besuchen konnte. Wenn gerade nichts möglich war, gab es halt eine kleine Sonnenführung vor dem Planetarium. Es war eine wilde Zeit, man war voll in der Astronomie drin und in dem zarten Alter von 18 Jahren auch voller Begeisterung dabei.

Abends wurden dann die Eltern solange genervt, bis sie den Fernseher für die heute-Sendung und die Tagesschau anmachten. Tage vor dem Ereignis rissen die Spekulationen über den Aufschlagort nicht ab und auch Tage nach dem Aufprall mehrerer Teile in einer Gegend süstlich von Perth in Australien waren die Nachrichten voll von SKYLAB. 

Auch wenn es jetzt etwas merkwürdig klingen mag: Dieses Ereignis und das ganze Drumherum ist mir bis heute im Gedächtnis geblieben und ich denke auch immer wieder gerne daran zurück. In der Rückschau verdichten sich diese lebhaften Tage zu einem einzigartigen Erlebnis, wenn es auch das Ende einer Ära kennzeichnete, der Phase der ersten großen Zeit der amerikanischen Raumfahrt und bei mir der Beginn des Ernstes des Lebens, wie man immer so schön sagt. Eine Interimszeit, die so nie wiederkommen wird!

Kommentare:

  1. a.) Ich kann mich daran auch noch erinnern und
    b.) auch damals hat man schon nicht die 120er Bänder genommen ;-))

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  2. Hallo Karsten: Stimmt, aber schon damals gab es auch ein gewisses Speicherproblem, ich wollte ALLES aufnehmen und hatte nachher mehrere Kassetten voll mit den Live-Berichten. Leider sind diese Kassetten alle nicht mehr vorhanden. Und was sollte man machen, wenn eine Sondersendung 55 Minuten dauerte, bei den 60er oder 90er Cassetten aber nur 30 oder 45 Minuten pro Seite zur Verfügung standen. War schon echt ne "schwierige" Zeit :-)))

    Viele Grüße

    Manfred

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  3. Auch wenn es mit der Information in Echtzeit noch nicht so weit her war wie heute: Der Skylab-Crash - an den ich mich ähnlich lebhaft erinnere, hach ... - war am Ende ein weitaus "befriedigenderes" Erlebnis als z.B. die von ähnlichem Medienrummel begleiteten Abstürze von UARS, ROSAT und Fobos-Grunt in den letzten Jahren. Denn der Reentry von Skylab wurde tatsächlich - aus einem Flugzeug - fotografiert, und jede Menge Trümmer wurden in Australien eingesammelt und feierlich ausgestellt (ich habe 1999 mal in Zeitungsarchiven in Perth wühlen können - köstlich). Hingegen jetzt: alle drei spurlos verschwunden, und die einzigen Infos über die mutmaßlichen (feuchten) Absturzregionen stammen aus militärischen Quellen, die aber die eigentlichen Daten, auf denen die z.T. auch noch widersprüchlichen Angaben basieren, nicht offenlegen.

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