Freitag, 26. April 2013

Die Mondfinsternis vom 25.04.2013 und der Astrofrust

Ich habe durchaus einige Zeit mit mir gerungen, ob ich auch zu dieser verpatzten Gelegenheit wieder einen kleinen Frustbericht bloggen sollte, oder nicht. Man sagt mir - zurecht - nach, dass ich wohl ein persönliches Tiefdruckgebiet habe, dass mir immer und überall hin folgt. Auch meinten schon Kollegen scherzhaft, dass es schade sei, dass ich vorbeigekommen bin, denn eigentlich wollten sie beobachten ...

In der Tat ist praktische Astronomie für mich eine sonderbare Aneinanderreihung von Pleiten, Pech und Pannen. Wo andere fast alles beobachten können, habe ich bedeckten Himmel. Wo andere Fotos hinbekommen, versagt bei mir die Technik. Auch etliche finanzielle Aufwändungen haben letztlich nur zum Leeren des Geldbeutels geführt, aber nicht zu mehr Erfolgen.

Daher habe ich ja auch schon mehrfach die Frage gestellt, wie sinnvoll der Kauf neuer Astroinstrumente ist, wenn nur andere Kollegen einen Erfolg in Form gelungener Bilder oder spezieller oder auch simpler Beobachtungen vorweisen können und man - von einigen Ausnahmen abgesehen - meist das Nachsehen hat.

So war es auch gestern wieder. Am Tage war es in Hamburg durchaus sonnig und warm, rechtzeitig zur Abenddämmerung rückte aus Südwesten eine massive Wolkenschicht und zerstörte alle Hoffnungen. Wolkenlücken taten sich bei mir nicht auf, wohl aber bei einem Vereinskollegen, der nur wenige Kilometer weit entfernt wohnt. Wieso passiert immer mir das? Ich habe trotz aller Bemühungen von der Mondfinsternis nichts gesehen. Zwischenzeitlich hatte es einmal sogar geregnet und ein paar Graupel klatschten gegen die Fenster. Aber gegen 3 Uhr schien der verschleierte Vollmond in mein Fenster hinein und tauchte das Zimmer in ein gespenstisches Zwielicht. Irgendwie meinte ich, den berühmten Mittelfinger zu sehen ...

Mit dem Kometen PANSTARRS war es ähnlich: Nach kurzen Anfangserfolgen erhielt ich keine weitere Gelegenheit für eine Beobachtung, teils, weil es der bedeckte Himmel verhinderte oder weil ich in der Woche zu früh aufstehen und zur Arbeit gehen musste und keinen freien Blick in Richtung Nordosten habe, wo alles durch Häuser und Bäume zugestellt ist.

Fast schon symptomatisch ist die Hatz nach der täglichen Sonnenbeobachtung: Kaum nach der Arbeit zu Hause angekommen, zieht der Himmel zu, nachdem ich den ganzen Tag im aufgeheizten Büro gesessen hatte. Dabei spielte es auch überhaupt keine Rolle, ob ich früh oder spät nach Hause kam. Manchmal ergaben sich kleine Wolkenlücken, doch war das Seeing dann oft so grausam, dass man kaum etwas sehen konnte. Oder es klarte erst nach Sonnenuntergang, oder in der Dämmerung, auf. So wurde, was diesen Teil des Hobbys angeht, bislang das schlechteste Ergebnis der letzten 4 oder 5 Jahre erzielt. Während ich stets vom Februar bis September pro Monat mehr als 20 Beobachtungen erreichen konnte, ist mir das 2013 noch nicht einmal gelungen; derzeit habe ich rund 40% weniger beobachtet, als im Vorjahr, was ich bis Ende des Jahres nicht mehr aufholen kann. So werde ich wohl erstmals seit 2007 wieder weniger als 200 Beobachtungstage erreichen.

Das Wetter in den nördlichen Breiten scheint wirklich in den letzten Jahren permanent schlechter geworden zu sein. Schaut man sich mal alte Berichte über Beobachtungen auf der Bergedorfer Sternwarte an, so gab es noch in den 60er Jahren in Hamburg deutlich mehr als 100 nutzbare Beobachtungsnächte. Heute sind gute Jahre die, in denen man 50 klare Nächte hat. Oft sind es noch erheblich weniger.

Inwieweit das mit möglichen Klimaveränderungen zusammenhängt, darüber möchte ich hier nicht spekulieren, aber die Aussichten sind im wahrsten Sinne des Wortes trübe.

Letztlich stelle ich mir immer häufiger die Frage, welchen Sinn die praktische Astronomie hier noch hat. Zwar bin ich überzeugt davon, bei klarem Himmel wieder aktiv zu werden, andererseits artet das aber immer öfter in sinnlose Sprit- und Zeitverschwendung aus, ohne am Ende ein Erfolgserlebnis zu haben. Investitionen in die Ausrüstung haben ebenso wenig gebracht, wie in ein neues, größeres Auto. Ich habe jetzt in meinem VW Caddy mehr Platz für Astrosachen, als in meinem alten VW Golf, fahre aber erheblich weniger raus, als früher.

Dafür genieße ich es, Veranstaltungen wie das morgige Norddeutsche Astrofotografentreffen in Lübeck, den ATT in Essen, die Bochumer Herbsttagung oder die Geschichtstagung der Vereinigung der Sternfreunde zu besuchen und darüber zu schreiben. Auch Recherchen über astronomiegeschichtliche Themen und die daraus resultierenden Texterstellungen erscheinen mir sehr befriedigend. Nur bei der praktischen Beobachtung will es partout nicht klappen, trotz aller Anstrengungen.

Und nun habe ich doch wieder länger gebloggt als gedacht, über ein astronomisches Ereignis, das mir verborgen blieb und das wohl trotz gegenläufiger Vorhersagen sehr prägnant gewesen sein soll!

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