Montag, 1. April 2013

3.3.2013: 175. Geburtstag von George William Hill


Die klassische Astronomie mit ihren umfangreichen Arbeiten zur Positionsbestimmung von Planeten, Monden, Sternen, Sternsystemen und Galaxien sowie die Ephemeridenrechnung, bildete im 19. Jahrhundert im Wesentlichen das Rückgrat aller himmelskundlichen Bestrebungen. Und so verwundert es kaum, dass sich viele Mathematiker auch mit astronomischen Fragen auseinander setzten und manche sogar ganz die Disziplin wechselten. Nicht selten befruchteten gut ausgebildete und talentierte Mathematiker den Fortschritt in der Astronomie in weitaus größerem Maße, als das in unserer Zeit der Fall ist. George William Hill, hier zu Lande kaum bekannt, war ein solcher mathematischer Astronom.

Hill wurde am 3. März 1838 in New York geboren. 1846 zog seine Familie in die ländliche Gegend von West Nyack im US-Bundesstaat New York, wo er die George School besuchte und hier erstmals sein mathematisches Talent offenbarte. Im Jahr 1859 hatte er bereits sein Studium der Mathematik an der Rutgers University, der State University of New Jersey, abgeschlossen und begann 1860 mit Studien über die Theorie der Mondbewegung nach Delauney und Hansen. 1861 trat er nach dem Erwerb des B.A. dem Mitarbeiterstab des ,,American Ephemeries and Almanac Office“ in Cambridge, Massachusetts, bei, kehrte aber schon 1863 wieder nach West Nyack zurück, wo er auf einer Farm lebte, um seine Studien in privater Umgebung fortzusetzen. Das sollte er, mit Ausnahme der Zeit zwischen 1882 und 1892, auch als „Arbeitsprinzip“ beibehalten. In jener Dekade war er, wenn auch äußerst ungern, aber deswegen nicht minder erfolgreich, in Washington vorwiegend mit der Berechnung der Bahnen von Jupiter und Saturn beschäftigt.

Hill war der klassische Typ des Wissenschaftlers, der in einem selbst gewählten Elfenbeinturm residierte und nur wenig Kontakt zu Berufskollegen pflegte. Dennoch hatte er sich in der wissenschaftlichen Welt einigen Respekt erworben. Er hatte einige mathematische Formeln entworfen, die auch in anderen Wissenschaftsgebieten Berücksichtigung fanden. Die Hillsche Differenzialgleichung beispielsweise bot einen Ansatz zur Lösung des Dreikörperproblems. Dabei waren seine mathematischen Arbeiten ausschließlich zielgerichtet. Er entwickelte sie nur so weit, als das sie für seine Studien erforderlich waren, an grundlegenden mathematischen Forschungen hatte er kein Interesse.

Seit 1877 unterstand er am „Almanac Office“ dem Astronomen Simon Newcomb (1835 - 1909), mit dem er zusammen ab 1897 an der Verbesserung der so genannten Planetentafeln, den Ephemeriden der Planeten, arbeitete. Aber auch die Vervollkommnung der Mondtheorie war Teil seiner Arbeit, ebenso die Untersuchung der gravitativen Einflüsse der Planeten auf die Mondbewegung.

Von 1898 bis 1901 lehrte er an der renommierten Columbia University, gab danach aber das verdiente Geld wieder zurück, als sich kaum Studenten in seine Kurse eingeschrieben hatten.

Viele seiner Arbeiten fanden Anerkennung weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus. So erhielt er 1867 die Goldmedaille der Royal Astronomical Society, gewann 1898 den Prix Damoiseau des Institut de France und bekam 1909 die Copley Medaille der Royal Society, deren Mitglied er seit 1902 war und die Bruce Medaille der Astronomical Society of the Pacific. Von 1894 bis 1896 war er Präsident der American Mathematical Society. 1908 wurde er Mitglied der Royal Society of Edinburgh und wurde an mehrere Universitäten berufen, 1909 nach Belgien, 1910 an die Christiania-Universität und 1913 an die schwedische Akademie der Wissenschaften.

Am 16. April 1914 starb er im Alter von 76 Jahren auf seiner geliebten Farm in West-Nyack, die schon seine Eltern bewirtschafteten.

Der britische Amateurmondbeobachter H. P. Wilkins (1896 - 1960) hat nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur einige, zum Teil sehr detaillierte Mondkarten erstellt und veröffentlicht, sondern einen bislang namenlosen, gerade mal 16 x 16 km großen Krater am Rande der Formation Sinus Amoris nördlich von Mare Tranquillitatis nach George William Hill benannt. Der Namensvorschlag wurde jedoch zunächst von den Generalversammlungen der Internationalen Astronomischen Union (IAU) in den Jahren 1948, 1952 und 1955 nicht akzeptiert, sondern erst sehr viel später.

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