Sonntag, 28. April 2013

27.04.2013: Norddeutsches Astrofotografentreffen in Lübeck




Rund 60 Sternfreundinnen und Sternfreunde aus dem norddeutschen Raum kamen am Vormittag des 27. April 2013 in die Hansestadt an der Ostsee, um die neuesten Astrofotos anzuschauen, Ergebnisse zu diskutieren.

Für uns (André Wulff, Michael Steen und mich) begann der Morgen mit einem ausgiebigen Frühstück bei mir und der anschließenden Fahrt nach Lübeck, die trotz mehrerer Baustellen problemlos vonstatten ging. Gegen 11:30 Uhr kamen wir auf der Lübecker Sternwarte an.

Ein festes Programm gab es bekanntermaßen nicht und so trug sich jeder in eine Liste ein, der was erzählen wollte. Hauptthemen waren der Venustransit 2012 und der Komet PANSTARRS. Zuvor konnte man schon den kleinen Flohmarkt besuchen oder klönen.

Kurz nach 12 Uhr wurde das Frühjahrs-NAFT mit einer Bilderschau der Treffen seit Herbst 2010 – als es das letzte Mal in Lübeck stattfand – mit musikalischer Untermalung eingeleitet. Aufnahmen der Treffen in Wardenburg, Hannover, Hamburg und Neumünster riefen viele Erinnerungen wach.

Dem folgte ein Film von Marcus Meier über den Venustransit vom 6. Juni 2012 mit Impressionen von einer gemeinschaftlichen Beobachtung am Brodtener Ufer.

Carsten Jonas wartete anschließend mit einem eindrucksvollen Bericht über seine eigenen PANSTARRS-Beobachtungen und vor allem dem von Eclipse-Reisen veranstaltete „Kometenflug“ auf. Am 16.3. versammelten sich Sternfreunde und zahlreiche Medienvertreter zu einem mehrstündigen Flug vom Flughafen Köln-Bonn, der über mehrere Flugschleifen ging, eine spezielle Sitzordnung im Flieger erforderte und schließlich wieder am Startflughafen endete. Überdies konnte er noch Aufnahmen der Begegnung des Kometen mit M 31 zeigen.

Marco Ludwig war der nächste, der von Letzterer Bilder vorführen konnte, wofür er den sinnigen Titel „Pandromeda“ wählte. Mit dem 5 Zoll Lichtenknecker-Refraktor der Sternwarte Neumünster konnte er bei der endlich wieder angestiegenen Sonnenaktivität einige Sonnenflecken in hoher Auflösung fotografieren. Außerdem gelang ihm eine Aufnahme eines großen Sonnenhalos vom am 7.3.2013 und am 1.4. konnten er in Neumünster und Jost Jahn auf Amrum fast zeitgleich bei einer Aufnahme von PANSTARRS und M 31 einen durch das Bild ziehenden Satelliten erwischen, dessen Bahn aufgrund der Distanz zwischen Amrum und Neumünster schon einen deutlichen Versatz aufwies.

Im letzten Vortrag vor der ersten Pause sprach Erik Wischnewski über das spannende Thema der Sternspektroskopie mittels eines Blaze-Gitters. Er zeigte einen kurzen Film über den Einbau in eine Kamera und ging kurz auf die theoretischen Grundlagen ein, bevor er die mit einer Canon EOS 60Da die Spektren der Plejaden, von P-Cygni, Atair, Capella, delta Sge, SAO 105329, gamma Cassiopeia, den Wolf-Rayet-Stern WR 133 (WN 4) besprach und darstellen konnte, wie man mit vergleichsweise einfachen Mitteln wissenschaftlich verwertbare Ergebnisse erzielen kann.

Nach der Pause ging es weiter mit einem Beitrag von Torsten Brinker über die „Magic-Lantern“-Firmware für Canon EOS-Kameras, wie man diese installiert und welche Funktionen sie enthält. Dazu gab es eine praktische Vorführung. Diese Software wurde zwar nicht ausschließlich für astronomische Zwecke geschrieben – und ist Open Source, man kann also daran mitprogrammieren - , bietet aber im Hinblick auf Serienaufnahmen oder bizarr klingende Timerauslösungen durch Klatschen oder Winken (!!!) einige interessante Features.

Herr Pauli verwies kurz auf das Teleskoptreffen in Lohmen vom 6.-9.9.2013 und schilderte die Beobachtungsbedingungen.

Bruno Mattern stellte in seinem Vortrag zunächst die neue Canon EOS M-Kamera vor, die zwar nur 300g leicht ist, aber aufgrund fehlender Anschlussmöglichkeiten am Rechner oder für einen Fernauslöser keine Eignung für die Astrofotografie hat und präsentierte erste Ergebnisse von Tests des zweistufigen Peltierkühlelements von Geoptik vor. Und natürlich durften bei ihm auch nicht seine hervorragenden, teilweise extrem lang belichteten Aufnahmen mit der Canon EOS 20Da und vor allem mit der 60Da von Galaxien wie NGC 2146, NGC 2174, NGC 2805, M 106, NGC 2403, NGC 3227, M 91, M 65 und M 66 mit Supernova fehlen. Von jedem Objekt hatte er jeweils eine Übersichts- und eine Detailaufnahme dabei. Beeindruckend waren auch seine Aufnahmen des Sternbilds Löwe und Ursae Majoris. Am Ende gab es noch ein absolutes Highlight: langbelichtete Aufnahmen von M 51, die einen gigantischen Materiebogen rund um die Galaxie zeigten und ganz neue Einblicke in die Astrophysik dieser Region gaben.

Hartwig Lüthen hatte es da schon sichtlich schwieriger, mit Bildern aus dem lichtverseuchten Altona das Publikum in den Bann zu ziehen. Doch auch er schaffte es, konnte er doch zeigen, wie man unter Zuhilfenahme von viel Technik und der „Passt-scho“-Methode detailreiche Aufnahmen von Jupiter, Details auf Jupitermonden, der Gegend um den Mondkrater Theophilus, den Kometen P168/Hergenrother und 260p/McNaught hinbekommt. Und natürlich durfte auch bei ihm PANSTARRS nicht fehlen.

Vor der zweiten Pause gab es noch einen entspannenden Film mit Bildern vom Venustransit, von Beobachtern und der über der Ostsee aufgehenden Sonne mit der dunklen Venus und musikalischer Untermalung von Uwe Freitag.

In der Pause versammelten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer für das obligatorische Gruppenfoto vor der Sternwarte. Danach setzte Uwe Freitag mit einem weiteren „Astro-Musik“-Film über die Beobachtung von PANSTARRS und die schmale Mondsichel vom März 2013 das Programm fort.

Michael Schomann zeigte als nächstes an diesem „Filmnachmittag“ Zeitrafferaufnahmen vom Nachthimmel über der Haute Provence, die für die Fulldome-Projektion im Planetarium Wolfsburg produziert wurden. Entstanden waren die Einzelbilder mit der Canon 6D-Vollformatkamera und einem 8-15mm Fisheye-Objektiv; etwa 6000 Aufnahmen wurden pro Film verarbeitet. Im Anschluß gab es dann noch einen Film über die Beobachtung des Venustransits aus der nähe des polnischen Wroclaws, der mittels einer iPhone-Kamera entstand, die Bildqualität war dabei gar nicht mal so schlecht, wie man erwarten würde.

Den letzten Vortrag des Tages hielt Thorsten Schipmann und er schilderte die Erstellung eines Vollmondbildes aus 12 Einzelbildern, die er mit dem Programm „Hugin“ zu einem Mosaik verarbeitete. Aufgenommen wurden die Einzelbilder mit dem 500/5000er Cassegrain der Braunschweiger Sternfreunde. Die Bilder waren aufwändig mit Paintshop Pro vorverarbeitet worden (Anpassung der Gradation, Anlegen eines Hochpassfilters und die obligatorische Tonwertkorrektur).

Viel zu schnell war auch dieses NAFT wieder zu Ende gegangen, die Stunden wie im Fluge vorübergezogen. Einige Sternfreunde gingen danach noch in ein nahe gelegenes griechisches Restaurant, wir allerdings fuhren alsbald nach Hamburg zurück. Das nächste Treffen wird mit großer Wahrscheinlichkeit in Wardenburg stattfinden, ein genauer Termin noch bekannt gegeben.

Der Dank geht an die Lübecker Sternfreunde und ihren Helferinnen und Helfer, die nicht nur für das Kulinarische, sondern auch für einen stressfreien und problemlosen Ablauf der ersten NAFTs im Jahr 2013 gesorgt haben.

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