Montag, 1. April 2013

17.1.1938: 75. Todestag von William Henry Pickering

Der Bruder des berühmten Veränderlichenbeobachters Edward Charles Pickering (1846 - 1919) wurde am 15. Februar 1858 in Boston geboren. Sein wissenschaftliches Interesse galt aber nicht den Veränderlichen Sternen, sondern den Planeten und Monden unseres Sonnensystems. 1891 vollendete er zusammen mit seinem Bruder den Bau einer Sternwarte bei Arequipa in Peru und drei Jahre später eines Observatoriums für Percival Lowell (1855 - 1916) in Flaggstaff, Arizona.

William H. Pickering gelang im Jahr 1899 auf Fotoplatten, die am 16. August 1898 von Delisle Stewart (1870-1941) mit Instrumenten der Sternwarte Arequipa belichtet worden waren, die Entdeckung des 9. Saturnmondes, den er Phoebe nannte (nach der Titanin Phoibe aus der griechischen Mythologie). Seinen Berechnungen zufolge war Phoebe 12.8 Mio. km vom Planeten entfernt, hatte einen Durchmesser von 320 km und benötigte rund 550 Tage für einen Saturnumlauf. Es hat sich gezeigt, dass diese Werte erstaunlicherweise gar nicht so sehr von denen abweichen, die wir heute kennen. Danach beträgt die große Halbachse 12.952.000 km, der mittlere Durchmesser 220 km und der Umlauf um den Ringplaneten 550,479 Tage. Pickering stellte zudem fest, dass Phoebe bei einer Neigung von 175,3° gegenüber der Ekliptik den Planeten retrograd, d. h. in umgekehrter Richtung zu den anderen Monden, umläuft. Bis zum Jahr 2000 war Phoebe als äußerster Mond des Planeten Saturn bekannt. In dem Jahr fand man weitere, außerhalb der mit 0,163 nur schwach exzentrischen Bahn befindliche Trabanten. Phoebe war der erste Mond, den man nicht visuell, sondern fotografische entdeckte. Dennoch gelang erst 1905 Frank Elmore Ross (1874 - 1960) die Bestimmung der Umlaufbahn des Saturnmondes. Dies war Ross´ erste bedeutende astronomische Arbeit. Wie viele Astronomen seiner Zeit befasste sich Pickerung auch mit der Morphologie des Mondes. 1903 veröffentlichte er mit dem ,,Photographic Atlas of the Moon" einen fotografischen Atlas, der Mondformationen unter fünf voneinander verschiedenen Beleuchtungswinkeln zeigte.

1905 vertrat er Darwins These von der Entstehung des Mondes aus dem Becken des Pazifischen Ozeans. Er vertrat noch vor Alfred Wegener (1880 - 1930) die Idee einer weltweiten Kontinentaldrift. Am 28. April 1905 glaubte er, auf Fotoplatten, die zwischen dem 17. April und dem 8. Juli 1904 ebenfalls in Arequipa aufgenommen worden waren, einen 10. Saturnmond entdeckt zu haben, dem er den Namen Themis gab. Er errechnete einen Abstand vom Saturn von 1.457.000 km, eine Bahnneigung von 39,1° gegenüber der Ekliptik und eine Bahnexzentrizität von 0,23. Er sollte den Saturn einmal in 20,85 Tagen in prograder Richtung umrunden. Den Durchmesser des Mondes legte er auf 61 km fest. Unter Berücksichtigung einer ähnlichen Albedo wie bei Phoebe – die eine annähernd gleiche Oberflächenbeschaffenheit voraussetzt – kam er sogar auf 200 km. Im April 1861 glaubte Hermann Goldschmidt (1802 - 1866), ein deutsch-französischer Astronom und Kunstmaler, der am Pariser Observatorium zwischen 1852 und 1861 insgesamt 14 Kleinplaneten entdeckt hatte, einen 10. Saturnmond, genannt Chiron, zwischen den Monden Titan und Hyperion aufgespürt zu haben. Pickering erhielt 1906 den Lalande-Preis der Französischen Akademie der Wissenschaften für die Entdeckung des 9. und des 10. Saturnmondes. Leider war er nur der Entdecker des Ersteren, denn bei Themis handelte es sich um eine Fehlbeobachtung, die nie verifiziert werden konnte. Was für ein Objekt da auf den Fotoplatten abgebildet wurde, ist bis heute unklar.

Der zehnte Saturnmond ist heute übrigens Janus, entdeckt am 15. Dezember 1966 durch Audouin Charles Dollfus (1924 - 2010). Am 1. September 1979 registrierte ihn die vorbeifliegende Raumsonde PIONEER 11, die Bestätigung gelang am 1. März 1980 der nachfolgenden Sonde VOJAGER 1. 1905 postulierte er überraschend, noch vor dem Ersten Weltkrieg, dass einmal Flugzeuge, die aus großer Höhe Dynamit abwerfen könnten, als entscheidend für die künftige Kriegführung. 1913 konnte man über Kanada einen intensiven Sternschnuppenschwarm, bei einigen in die Atmosphäre eindringenden Meteoriten auch verbunden mit einem sehr langen Feuerschweif, verfolgen. Pickering, der von dem Ereignis allerdings nur aus zweiter Hand erfuhr, da bei ihm der Himmel bewölkt war, vermutete aus den Schilderungen mehrerer Beobachter, dass hier einerseits Eisen-, andererseits aber auch Steinmeteorite auf die Erde gefallen waren.

Er veröffentlichte seine Überlegungen erstmals in der Zeitschrift ,,Popular Astronomy", Bd. 30 (1922) und Bd. 31 (1923). Darüber hinaus beteiligte sich Pickering, der am 17. Januar 1938 in Mandeville (Jamaica) verstarb, wie viele Kollegen seiner Zunft, an der Suche nach dem 9. Planeten des Sonnensystems, seinerzeit noch Transneptun genannt. Seine Berechnungen gehörten zu den besten Vorhersagen und wurden 1909 unter dem Titel ,,A Search for a Planet beyond Neptune" in einem Band des ,,Anals Astronomical Observatory, Harvard College" veröffentlicht. Er hatte sich bei seiner Suche auf Aufnahmen des Mount Wilson Observatory gestützt, war aber erfolglos geblieben, denn der „ehemals“ neunte Planet Pluto wurde erst 1930 durch Clyde W. Tombaugh (1906 - 1997) in Flaggstaff entdeckt. Auf der mitlerweile berühmten Sitzung der Internationalen Astronomischen Union 2006 wurde Pluto der Planetenstatus wieder aberkannt, nachdem man mehrere, teilweise größere Objekte gleicher Art in der Nähe des heutigen Zwergplaneten gefunden hatte. Nach seiner aktiven Zeit als Fachastronom betrieb Pickering, der gleich für Entwicklung und Bau mehrerer Sternwarten verantwortlich zeichnete, ein kleines privates Observatorium auf Jamaica. Nach ihm und seinem Bruder Edward Charles Pickering wurden der Kleinplanet (784) Pickeringia sowie je ein Krater auf dem Mond und auf dem Mars benannt.

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