Freitag, 1. Februar 2013

Space - eine neue Astrozeitschrift

Heute habe ich mir am Hamburger Hauptbahnhof die Erstausgabe der neuen Astrozeitschrift "Space - Das Weltraummagazin" gekauft und war auf den ersten Blick ein wenig erschrocken. Dieses Magazin ist ausgesprochen bildorientiert mit wenig Text, zudem ist bei keinem der durchaus interessant klingenden Artikel ein Autorenname, geschweige denn eine Quelle oder ein Überblick über weiterführende Literatur zu finden. Auch sind die nur im Impressum genannten Autorinnen und Autoren offenbar keine ausgewiesenen Fach- oder Amateurastronomen, was man den Texten leider auch anmerkt. Manch eine Erläuterung wirkt wie direkt aus wikipedia übernommen, wenn auch modifiziert.

Das neue Heft erscheint mir bunt wie der alte Star Observer und inhaltlos wie das Galileo Magazin oder PM. Nachdem ich einige Texte gelesen hatte, fiel mir der einheitlich sehr einfach gehaltene Stil auf, wo tiefergehende Informationen nicht auszumachen sind. Einiges ist sehr schwammig (es wird z.B. die Chandresakar-Grenze genannt, aber nur oberflächlich erläutert), oder undeutlich (Erläuterung des Lagrangepunktes L2) beschrieben. Bei den Supernovae wird deren Entstehung und Typen und die Hintergünde, warum ihre Identifikation für verschiedene astronomische Parameter wichtig sind, nur sehr vereinfacht angerissen. Anderes ist schlicht falsch, so die Erklärung zu einer seitlich von der Sonne weggehenden Protuberanz vom August 2012, die im September zu hoher Polarlichtaktivität geführt haben soll.

Es gibt auch einen kleinen Amateurteil, in dem es unter der Überschrift "Blick ins All" Tipps für das richtige Teleskop (inkl. Aufbauhilfen für einen Dobson) und ein paar Sternkarten zu finden sind, die wahllos irgendwelche Deep-Sky-Objekte enthalten. Warum aber auf Beobachtungsobjekte hingewiesen wird, die bei uns unter dem Horizont stehen, bleibt mir ein Rätsel. Der Teil über Jupiterbeobachtung ist praktisch wertlos, da die Details wie abgebildet so nie im Teleskop gesehen werden können (auch Einschläge in die Jupiteratmosphäre sind nicht gerade alltäglich). Astro-Apps und -Gadgets sind dem Profi auch nicht so ganz neu.

Alles scheint mir nur ein wenig die jeweiligen Themen zu streifen, nichts geht wirklich in die Tiefe, es scheint sich hier eher um eine B...-Zeitung über Astronomie zu handeln. Von daher gibt es eigentlich keine Konkurrenz zu richtigen astronomischen Zeitschriften wie interstellarum oder Sterne und Weltraum, die richtige und weiterführende Informationen bieten.

Oder vielleicht ist die Konkurrenz auch gerade deswegen gegeben, weil hier offenbar der typische, von Vorkenntnissen freie Zeitschriftenleser angesprochen werden soll, dem andere Astrozeitschriften zu viel Praxis oder zu viel Wissenschaft enthalten. Ich vermag nicht zu sagen, ob sich dieses neue Blatt langfristig am Markt etablieren und halten wird, da es sicher den einen oder anderen Leser oder die Leserin ansprechen wird, der oder die kein tiefgehendes Wissen hat und nur astronomisch berieselt werden will.

Ob ich bei dieser Zeitschrift bleiben werde, weiß ich nicht, sie erinnert mich, wie eingangs erwähnt, zu sehr an den alten Star Observer, und den mochte ich auch nicht.

PS: Bei näherer Durchsicht, ist mir auf S. 125 die seltsame Darstellung der Erklärung für Reflektoren und Refraktoren aufgefallen: es mag künstlerische Freiheit sein, aber die Spiegel im Reflektor sind bei näherer Betrachtung Linsen, beim Refraktor sind die Linsen gleichzeitig Taukappen, außerdem ist die Brennpunktlage falsch dargestellt. Auch die Erläuterung, was ein Okular ist, ist sehr seltsam. Auf Seite 124 ist das Glossar auch überarbeitungsbedürftig, man fragt sich, warum der veraltete Begriff Äquatorial für die parallaktische Montierung verwendet wird, wieso man von Halterung, statt Montierung spricht. Merkwürdig ist auch, dass auf S. 127 auf einen Starwave-Refraktor hingewiesen wird. Diese Marke ist meines Wissens - man möge mich korrigieren - in Deutschland nicht erhältlich. Wurde hier eine amerikanische Zeitschrift "blind" ins Deutsche übersetzt?

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