Dienstag, 30. Oktober 2012

31. Boheta (Teil 2)

Nach der ausgiebigen Mittagspause und einem kleinen Einkauf im Uni-Center begaben wir uns wieder zurück zum Tagungsort – natürlich wieder über die ewig klappernden Gehwegplatten mit Kultstatus.

Im Programm ging es weiter mit dem Thema „Astronomische Bewegungen im Zeitraffer“. Michael Kunze aus Moers schilderte, wie er aus Einzelbildern kleine Animationen und Filmchen vom Jupiter und der Sonne im Weißlicht und Hα zusammenstellte und mit Minimalausrüstung auf Urlaubsreisen den Sternenhimmel aufnimmt und die Einzelbilder ebenfalls verarbeitet. So sind mittlerweile zahlreiche Sequenzen von der Marsopposition 2012, vom Kometen C/2009 P1 Garradd und Filme von einer Nacht auf dem 3500 m hohen Mittelallalin in der Schweiz, einer Nacht auf den Kanarischen Inseln und Sonnenuntergängen an verschiedenen Orten entstanden. Der Aufwand am Rechner bei der Addition der Einzelbilder (kein Stacking!) ist schon enorm, auch wenn es mittlerweile eine ganze Reihe von Programmen gibt, die einem die Arbeit abnehmen. Dazu muss man aber wissen, was diese Hilfsmittel bei der Aneinanderreihung der Einzelbilder zu einem Video so alles treiben.

Stefan Krause aus Bonn referierte danach über „Sonnenfinsternisse in Australien und der Saros 133“. Die nur wenige Tage nach der Boheta – für uns - in der Nacht vom 13. auf den 14. November in Australien zu beobachtende totale Sonnenfinsternis gehört diesem an. Anlass genug, einmal die Geschichte dieser mittlerweile rund 800 jährigen Sonnenfinsternisserie zu verfolgen. Eine der herausragenden Finsternisse war dabei jene von 1922, bei der Einsteins Relativitätstheorie sogar noch besser bestätigt werden konnte, als bei der legendäre 1919er Finsternis.

Anschließend gab es den alljährlichen Höhepunkt der Boheta: die Verleihung des Reiff-Preises 2012. Gestiftet von Hans Ernst Reiff (1932-2007) sollen mit dem Preisgeld Vereine und Schul-AGs bedacht werden, die ein besonderes astronomisches Projekt in Angriff nehmen wollen. Im Gegensatz zu den früheren Jahren wurde der Förderpreis weiter aufgeteilt, sodass neben dem 1., 2. und 3. Preis nun auch ein Sonderpreis vergeben wurde. Aufgrund der Witterungsbedingungen in Süddeutschland kam der Kurator Jakob Staude aus Heidelberg (Mit-Herausgeber der Zeitschrift Sterne und Weltraum) erst kurz vor Beginn seines Beitrages an der Ruhr-Universität an. Das zweckgebundene Preisgeld wurde in diesem Jahr vergeben an ein Berliner Gymnasium für die „Vermessung der Welt“ (3. Platz), an ein Gymnasium in Murrhardt für den „Bau einer mobilen Sternwarte im Kofferanhänger“ (2. Platz). Der 1. Platz ging an ein langfristiges Projekt der Senckenberg-Schule in Runkel/Villmar für die „Fotografische Dokumentation der Sonnenaktivität“. Der Sonderpreis wurde an eine Betreuungseinrichtung für Kinder in Heidelberg vergeben für ein Sternbilderpuzzle aus 42 Teilen und den Bau eines Spezialschranks zur Aufbewahrung (es ist nicht nur ein Puzzle allein, sondern enthält weitere didaktische Mittel für die Kleinsten).

Mit der Preisverleihung ist in jedem Jahr ein Fachvortrag verbunden, der dieses Mal von Dr. Sylvio Klose von der Thüringer Landessternwarte Tautenburg und Dr. Thomas Janka vom MPI für Astrophysik in Garching zum Thema „Kosmische Gammablitze und ihre Beobachtung“ gehalten wurde. Vorher stand aber noch eine längere Pause an, weil auch diese beiden Referenten Anreiseprobleme hatten – insbesondere in Thüringen hatte der plötzliche Wintereinbruch zu chaotischen Verkehrssituationen und einem Ausfall der Bahnverbindungen geführt.

Gammablitze (engl. Gamma-Ray-Bursts, GRBs) wurden erstmals von Überwachungssatelliten für Atomwaffentests auf der Erde entdeckt, doch schon bald stellte sich heraus, dass diese nicht irdischen, sondern kosmischen Ursprungs waren. Dabei ist bis heute nicht einwandfrei geklärt, wie diese eigentlich entstehen. Einen ersten großen Aufschwung nahm die GRB-Forschung in den 90er Jahren durch den satellitengestützte Messungen (mit dem Compton Gamma Ray Observatory, Beppo-SAX, und SWIFT) dessen Erkenntnis es war, dass die Bursts ziemlich regellos am Himmel verteilt erscheinen. Anhand einiger Beispiele erläuterten die Referenten aktuelle Theorien und gingen auch der Frage nach, wie man das immer wieder zu beobachtende Nachglühen erklären kann. Dabei tappen aber trotz aller Arbeiten immer noch weitgehend im Dunkeln, selbst so fantastische Modelle wie das von Stan Wossley, wonach sich in der Umgebung eines Schwarzen Lochs mehrere Neutronensterne befinden, die zerrissen werden, und deren Material sich erst auf einer Akkrektionsscheibe ansammelt, bevor es ins Loch fällt. Einige dieser GRBs konnten auch mit dem 2m-Teleskop der Sternwarte Tautenburg beobachtet werden. Für Amateure sind die GRBs allerdings kein wirkliches Betätigungsfeld, denn der logistische und instrumentelle Aufwand, Aufnahmen zu erstellen und diese auch fachgerecht auszuwerten, ist für Sternfreunde derzeit zu hoch.

Als anspruchsvoll, teuer oder gut zum „Verbrennen von Bonusmeilen“ geeignet, war eine Reise binnen „21 Tagen um die Welt“, die Jörg Schoppmeyer aus Freiburg unternommen hatte. Gestartet in Deutschland, sollte in dem geplanten Zeitrahmen die ringförmige Sonnenfinsternis am 20. Mai 2012 in den USA, die partielle Mondfinsternis vom 4. Juni und der Venustransit vom 5./6. Juni 2012 in Australien beobachtet werden. Dass dies durchaus machbar ist – bei vernünftiger vorheriger Planung – bewies der Referent auf eindrucksvolle Art und Weise. Zwischenzeitlich stand die Frage im Raum, ob man denn nach der Beobachtung der Sonnenfinsternis wieder nach Hause fliegt, oder die Zeit im Pazifikraum quasi überbrückt. Der Referent entschied sich für letzteres und so entstanden viele Bilder einer erstaunlichen Reise, die das Publikum begeisterten.

Jens Leich aus Wiehl präsentierte hiernach Aufnahmen von Sonne und Planeten (Venus, Mars, Jupiter und Saturn), die auf der heimischen „SOL-Sternwarte Marienhagen“ mit einem 5 Zoll-Refraktor – auch unter widrigen Umständen – entstanden und die deutlich machen, wie man mit einem Fernrohr mittlerer Größe hochaufgelöste Detailaufnahmen im Weißlicht und Hα anfertigen kann. Dazu gehören Sonnenzeichnungen, Mondfotos, Doppelstern-Zeichnungen, Fotos von Deep-Sky-Objekten sowie Animationen von Protuberanzen und eine Bewegungssequenz des Kometen 168P/Hergenrother.

Der nächste Höhepunkt der diesjährigen Boheta bildete ein Vortrag von Heiko Wilkens aus München, der das Projekt „Optisches Weltraumteleskop für Amateure, Bildung und Wissenschaft“ vorstellte. Demnach ist mit Unterstützung namhafter deutscher Raumfahrtfirmen, deutscher Raumfahrer und deutschen Institutionen wie Schulen, Universitäten und Max-Planck-Instituten geplant, ein – wie es hieß – „universelles optisches Weltraumteleskop für Bilder, Spektroskopie und Photometrie“ mit 80cm Öffnung zu konstruieren und in die Erdumlaufbahn zu schicken. Was sich zunächst einmal wie ein verspäteter April-Scherz anhörte, entpuppte sich sehr bald als ein von den Initiatoren ernsthaft in Erwägung gezogenes Vorhaben. Allerdings, zwei ähnliche Projekte in den USA sind vor Jahren gescheitert, da fragt man sich, wie das realisiert werden soll, wenn zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht mal die Finanzierung für die Projektstudien (geschätzt zwischen 500.000 und 1 Mio. EUR) steht. Man rechnet mit 130 Mio. EUR Gesamtkosten und hofft, die laufenden Betriebskosten durch Vergabe von Beobachtungsstunden (jede Stunde kostet dann mindestens 1.000 EUR) locker wieder hereinzubekommen. Überhaupt soll das Projekt ausschließlich durch Spenden aus Deutschland ausfinanziert werden, es wird angenommen, dass 7.000 Amateure ausreichen, um das Projekt finanziell zu stemmen (haben wir überhaupt so viele in Deutschland?). Realistisch erscheint das nicht, denn das vorgetragene Finanzierungsmodell weist so viele und so große Lücken und jede Menge Wenns und Abers und Annahmen auf (Motto: Passt scho …), dass es derzeit vollkommen unrealistisch erscheint, dass das Vorhaben jemals Wirklichkeit werden kann. Es ist ehrgeizig, erscheint derzeit aber vollkommen unrealistisch und wird wohl alsbald wieder in der Versenkung verschwinden, wenn sich schon die ersten Studien nicht finanzieren lassen. Wenn man sich anguckt, wie andere Großprojekte in Deutschland derzeit an die Wand gefahren werden, so klingt es wenig glaubhaft, wenn ausgerechnet für ein Amateurteleskop in der Umlaufbahn Millionenbeträge fließen sollen, wo doch die Wissenschaftsetats allerorts gestrichen und die Bildungsprogramme zu Lasten der Astronomie nach unten gefahren werden.

Im letzten Vortrag berichteten Heinz Niermann aus Hüsten und Dieter Petrich aus Menden über ihre gemeinsame Reise zum Nordkap, um dort den Venustransit zu beobachten. Es hätte ein fantastischer Vortrag werden können, denn der Venustransit war DAS astronomische Top-Ereignis des Jahres 2012. Leider ging der Eindruck durch technische Probleme vollkommen verloren. Immerhin konnte man aber  zumindest einen Hauch dessen erspähen, was die beiden Protagonisten an der nördlichen Spitze Europas erlebten.

Mit diesem Vortrag war denn auch die 31. Bochumer Herbsttagung schon wieder zu Ende. Sie bot dieses Mal eine Vielzahl von Anregungen für die eigene amateurastronomische Arbeit, auch wenn man kein Highend-Gerät verwenden kann.

Während Konni, Hartwig und Rainer schon vor dem letzten Vortrag den Hörsaal verließen, um sich in der Pizzeria Chianti für die Rückfahrt zu stärken, blieben André und ich bis zuletzt und bestellten in der Pizzeria lediglich ein Getränk, was aber auch schon fast 15 Minuten dauerte, bis es gebracht wurde. Chaotisch wurde es beim Bezahlen, denn die Bedienung ließ sich anfangs nicht auftreiben. Wir mussten aber zusehen, dass wir pünktlich am Bochumer Hauptbahnhof waren. Zwar hatte unser ICE nach Hamburg 20 Minuten Verspätung, die wurde aber fast vollständig aufgeholt. So war ich nach etwas mehr als 20 Stunden gegen 1 Uhr wieder zu Hause.

Montag, 29. Oktober 2012

Ein Weltraumteleskop für Amateure?

Es klingt ein wenig, wie ein verspäteter Aprilscherz, es ist aber trotzdem wahr: Es gibt derzeit in Deutschland Überlegungen, über einen Verbund aus Amateurastronomen, Bildungseinrichtungen und Raumfahrtfirmen ein eigenes „Mini-HST“ zu bauen und in die Erdumlaufbahn zu schicken, wie auf der Bochumer Herbsttagung vom letzten Samstag deutlich wurde.

Nachdem bereits zuvor im Astrotreff die Idee erstmals angestoßen wurde, gab es nun durch Heiko Wilkens aus München eine erste öffentliche Präsentation. Darin wurden Ziele und Konzepte des Vorhabens dargelegt – wie auch hier nachzulesen ist (wenngleich es dort auch nur wenig Detailinformationen gibt). Die Organisatoren – so ganz wurde nicht deutlich, wer das denn eigentlich im Endeffekt ist – konnten bislang bereits namhafte Raumfahrtfirmen, das MPI für Extraterrestrische Physik, der deutsche Raumfahrer Gerhard Thiele, der bekannte Optiker Richard Berry und der Raumfahrtexperte Harry Rutten als Unterstützer für die Idee gefunden werden. Das Ganze soll dann noch über eine Art „Space Telescope Science Institute“ light organisiert werden.

Finanzielle Unterstützung erhofft man sich durch etwa 7.000 Amateure in Deutschland und deutschen Institutionen wie Schulen, Universitäten und Max-Planck-Instituten. Allein durch Spenden soll das „universelle optisches Weltraumteleskop für Bilder, Spektroskopie und Photometrie“ mit 80 cm Öffnung konstruiert und in die Erdumlaufbahn geschickt werden. Allerdings, ähnliche Projekte in den USA sind schon vor Jahren gescheitert, getreu dem Motto: Als Tiger gesprungen und als Bettvorleger gelandet.

Was mich bei der Vorstellung am meisten erschreckte, war die vollkommene Naivität in Sachen Finanzierung. Die Gesamtkosten des Projekts sollen sich auf eine Summe zwischen 80 und 130 Mio. EUR belaufen. Eingedenk der Tatsache, dass Projekte dieser Art immer wesentlich teurer werden, darf man getrost sicher eine Summe von 200 Mio. als Minimum ansetzen. Dass alles aus Spenden zu finanzieren, die ausschließlich aus Deutschland kommen sollen (warum ist die Website dann in englisch?) – europäische Partner sollen vorerst nicht beteiligt werden – ist schon, gelinde gesagt, sehr optimistisch. Spätestens an diesem Punkt glitt das Ganze für mich in den Bereich des Fantastischen und des Unmöglichen ab.

Man geht davon aus, dass es eher billiger werden wird (seit wann tun das Großprojekte in Deutschland?). Und da sieht man mal wieder, mit welch grenzenloser Naivität so ein Projekt angegangen wird, weil noch nicht mal das Geld für erste Projektstudien eingeworben werden konnte. Und sollte der Satellit irgendwann doch mal im All sein, soll eine Beobachtungsstunde rund 1.000 EUR kosten. Ich glaube, angesichts der derzeitigen Wirtschaftssituation nicht daran, dass sich 7.000 Amateure finden lassen, die das bezahlen wollen.

Würde man das ernsthaft finanzieren wollen, müsste man sich neben den Kosten der Studien Gedanken über den Bau und die Ausgestaltung des Satelliten machen, hinzu kommen Kosten für den Start (einmalig) und den Betrieb des Teleskops (dauerhaft). Wer kommt für diese Kosten auf? Dann muss man Überlegen, wie hoch der Satellit fliegen soll, damit er bei höherer Sonnenaktivität in der Umlaufbahn nicht an Schwung verliert und abstürzt. Je höher, desto teurer (weil aufwändiger) werden Start und Betrieb.

Gesetzt den Fall, das würde alles klappen und man bekommt das nötige „Kleingeld“ zusammen, stellt sich die Frage, wer welche Projekte auswählt. Man müsste – wie bei den Profis – erst einmal einen Projektantrag stellen, woran schon eine Vielzahl der Amateure scheitern dürfte. Dazu müsste es ein Auswahlkomitee geben (wer macht das?), die die Projekte bewerten und am Ende genehmigen. Was aber, wenn es nicht genügend geeignete Vorschläge gibt?

Im schlimmsten Fall würden die Amateure alles bezahlen und nur die Profis mit ihrem Know-How ihre Beobachtungsprogramme durchbekommen. Wird eine Kampagne schließlich genehmigt, erfolgt danach eine Auswertung, die kaum durch Amateure erfolgen kann. Dafür braucht man Profis, die aber bezahlt werden müssen.

Und wie soll überhaupt die Organisationsstruktur des „Amateur-Science-Institute“ (ASI), wenn wir das mal so nennen wollen, denn aussehen? Direktorium, Sekretariat, AG-Leiter und AG-Mitglieder? Es ist völlig unrealistisch, davon auszugehen, dass das lediglich fünf (!) Leute machen könnten, wie in Bochum dargelegt. Ob die beteiligten Personen diese Arbeit ohne ein entsprechendes Entgelt machen, ist zumindest fraglich.

Dann stellt sich die Frage, wie und wo das „ASI“ untergebracht werden soll. Pachtet man dazu ein eigenes Gebäude, fallen Unterhaltungs- und Bewirtschaftungskosten an. Mietet man irgendwo Büroräume an, gilt das gleiche und es fällt noch die Miete inkl. Nebenkosten an.

Erwartet man, dass die Arbeit durch festangestellte Mitarbeiter erledigt wird, kommen Personalkosten und allgemeine Kosten für Rechner, Telefone etc. hinzu. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die ganze Arbeit durch Amateure in der Freizeit erfolgen kann. Das würde nämlich nach kurzer Zeit, wenn es richtig Arbeit macht, im Sande verlaufen.

Und wenn man die Betriebskosten durch Vergabe von Beobachtungsstunden á 1.000 EUR vergeben will (wie man naiver Weise annimmt), frage ich mich, wo das Geld herkommen soll. So viele begüterte Amateure gibt es in Deutschland nicht, die diese horrende Summe bezahlen könnten und selbst wenn, würden sie es auch tun? Da ist die Miete für jedes erdgebundene Remote-Teleskop deutlich billiger.

Die Idee, dass sich auch Schulen an dem Projekt beteiligen könnten, ist zwar ganz hübsch, doch wenn in den bundesdeutschen Bildungseinrichtungen das Thema Astronomie immer weiter zurückgefahren und Mittel auch bei den Volkshochschulen gekürzt werden, dürfte sich die Begeisterung für ein Amateur-HST in ganz engen Grenzen halten. Und wer als Firma dem Projekt Geld gibt, will daran auch verdienen oder anderweitig partizipieren. Noch ist die Wirtschaftskraft in Deutschland ganz ordentlich und es wird auch investiert, aber wehe, die nächste Krise kommt, dann fallen Mittel für die Astronomie als erstes weg.

Skurril und allen Bemühungen der Sternfreunde widersprechend war der Vorschlag, dass man für Werbezwecken den Satelliten blinken lassen könnte. Wer Astrofotos machen will, wenn der Satellit gerade den Beobachtungsstandort überfliegt, wird sich bedanken (schon die ISS, normale Satelliten und Flugzeuge stören da sehr). Die Startrakete mit Logos irgendwelcher Firmen zu bekleben, hilft nur bei den Startkosten, nicht aber beim laufenden Betrieb.

Wenn man sich ansieht, wie viele Großprojekte in Deutschland derzeit an die Wand gefahren werden – und wo es Geldgeber gibt (!) -, dann hat ein eigenes Weltraumteleskop in unserem Land nicht die geringste Chance, weil man das nie und nimmer wird durch Spenden finanzieren können. Selbst die Idee, das Ganze auf andere Bereiche auszudehnen, wird nicht ausreichen, denn welcher Unternehmer wird schon Geld in ein Weltraumteleskop investieren, wenn man damit keinen wirtschaftlichen Gewinn erzielen kann?

Das vorgetragene Finanzierungsmodell weist so viele und so große Lücken und jede Menge Wenns und Abers und nicht haltbare Grundannahmen auf (Motto: Passt scho …), dass es derzeit vollkommen unrealistisch erscheint, dass das Vorhaben jemals Wirklichkeit werden kann. Da sind die ganzen Fehleinschätzungen und falschen Voraussagen bei der Hamburger Elbphilharmonie und dem Berlin-Brandenburger Großflughafen – um nur zwei Beispiele zu nennen - noch konservativ und solide durchfinanziert.

Die Idee als solche sollte man vielleicht nicht vollkommen verdammen, denn ein Teleskop außerhalb der Erdatmosphäre hat viele Vorteile. Aber es muss auch regelmäßig überwacht werden (damit es z.B. nicht durch fehlerhaftes Schwenken auf die Sonne „verblitzt“ wird), Experten bei Lagekontrollzentren wie in Oberpfaffenhofen müssen da ran und das kostet auch wieder Geld. Zugegeben, das Projekt ist sehr ehrgeizig, erscheint derzeit aber vollkommen unrealistisch und ist in finanzieller Hinsicht nicht mal ansatzweise durchdacht.

Daher wird es nach meiner Einschätzung binnen kurzem wieder in der Versenkung verschwinden, wenn sich schon die ersten Studien nicht finanzieren lassen.

Sonntag, 28. Oktober 2012

31. Boheta (Teil 1)


Wochenlang hat man sich darauf gefreut und mit großer Spannung auf das Programm gewartet, und nun ist sie schon wieder vorbei: die Bochumer Herbsttagung, immer wieder das „Highlight“ im astronomischen Veranstaltungskalender eines jeden Jahres. Was in diesem Jahr besonders positiv auffiel war die Vielzahl der Vorträge mit Bezug auf die Möglichkeiten der Sternfreunde, die nicht über High-End-Ausrüstungen verfügten.

Einen Nachteil hatte das Ganze dann doch: um 4 Uhr klingelte der Wecker, wenige Augenblicke später rief mich André Wulff an – wir hatten gegenseitiges Wecken vereinbart. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre mit selbst in der Nacht stark verspäteten U-Bahnen nahm ich lieber einen Zug eher und saß schon um 4:43 Uhr in der U1 Richtung Hauptbahnhof. Schnell noch eine Tageszeitung und etwas Essbares eingekauft und schon wartete ich auf den Zug, der um 5:41 Uhr abfahren sollte. Irgendwann traf dann André, wenig später auch Hartwig und Konni ein (si ewaren vorsichtshalber mit der S-Bahn gekommen, weil die Fahrtrichtungsanzeiger bei der Bahn mal wieder nicht funktionierten, Rainer saß dann aber schon im Zug. So fuhren wir, André Wulff, Konstantin von Poschinger, Hartwig Lüthen, Rainer Malitsch und ich der Bochumer Herbsttagung entgegen. Um 9 Uhr trafen wir, nicht ohne vorher die kultigen Klappergehwegplatten auf dem Campus der Ruhr-Universität aufs Neue zu testen, beim Hörsaal der Medizinischen Fakultät ein. Damit waren wir das erste Mal – soweit ich mich erinnern kann – sogar vor dem Veranstalter Peter Riepe am Tagungsort. Hier war beispielsweise die Verinigung der Sternfreunde (VdS) gerade dabei, den Stand aufzubauen.

Um kurz nach 10 Uhr füllte sich der Hörsaal mit – nach meiner Einschätzung – mehr als 200 Personen (deutlich mehr als in den vorangegangenen Jahren) und die Tagung begann mit einem kurzen Grußwort von Peter Riepe im Namen der Bochumer Sternfreunde und der Fachgruppe Astrofotografie der VdS. Es folgten weitere kurze Statements durch den Leiter des Astronomischen Instituts der Ruhruniversität Prof. Dr. Ralf-Jürgen Dettmar und durch Dr. Werner Celnik, der auch einige Worte des VdS-Vorsitzenden Otto Guthier überbringen ließ. Danach gab es noch ein paar Regularien zu den Führungen in der Pause – wer wollte, konnte das Radioteleskop, das Labor für Plasmaphysik oder den Bochumer Ionenbeschleuniger besichtigen – begann die Tagung mit einem Beitrag über die Bewegung der Jupitermonde.

Prof. Dr. Thomas Hebbeker aus Aachen berichtete, wie man mit relativ einfachen fotografischen Mitteln und (viel) mathematischem Hintergrundwissen prinzipiell aus den Bewegungen der vier (galileischen) Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Callisto das 3. Keplersche Gesetz (die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich wie die dritten Potenzen (Kuben) der großen Bahnhalbachsen), die Jupitermasse und die Lichtgeschwindigkeit analog der Messungen von Ole Römer nachweisen kann. Das geht aber nur sehr grob, denn am Ende lag der Messfehler immerhin bei 20%. Außerdem wurden auch viele Annahmen wie die genaue Kenntnis der Lichtgeschwindigkeit gemacht, die zu Keplers und Römers Zeiten noch gar nicht bekannt war (geschweige denn, das man wusste, dass es so etwas wie eine LG gab).

Der erste Höhepunkt des Tages wurde bereits im zweiten Vortrag erreicht: Bernd Gährken zeigte dem staunenden Publikum wieder einmal, dass es möglich ist, Impakte von Sternschnuppen auf dem Mond aufzuzeichnen. Hierzu muss man wissen, dass zwischen Neumond und Vollmond der Mond der Erde hinterherläuft. Durchstreift die Erde nun einen größeren Meteoritenstrom, so ist dieser oft auch noch aktiv, wenn die Erde ihn passiert hat. Der der Erde nachfolgende Mond – es passiert äußerst selten, dass Höhepunkt eines Sternschnuppenschwarms und die Neumond/Vollmondphase zusammentreffen – nimmt dann noch ein paar „Reste“ des betreffenden Stroms mit und die Impakte auf dem Mond können, wie Bernd Gährken eindrucksvoll zeigte, mit Amateurmitteln nachgewiesen werden. Hierzu hatte er sich in die bayerischen Alpen begeben, während sein Mitbeobachter Otto Farago das Ganz von Stuttgart aus verfolgte. Fazit: Beiden gelang es, einen Impakt aufzuzeichnen – zwischen den Messorten ergab sich eine leichte Parallaxe – und sie sind somit die bislang einzigen europäischen Beobachter, denen das gelungen ist, inmitten all ihrer amerikanischen Kollegen, die das schon bis zu 250 mal zwischen 2005 und 2012 gelang.

Mit einem vermeintlichen einfacheren, aber nichtsdestotrotz sehr anregenden, Thema ging es weiter: Daniel Spitzer berichtete, mit welcher Technik der geneigte Sternfreund Sternhaufen, Nebel oder den Mond zeichnen kann und zeigte beispielhaft Zeichnungen von NGC 2169, NGC 772 und 770, vom Mondkrater Aristillus, die Gegend um Janssen, Lockyer und Fabricius oder Mons Piton, von M 42 und NGC 246. Er führte überdies aus, wie man Sternmuster zu Papier bringt und wie man das auf schwarzen Karton übertragen kann.

Im letzten Vortrag vor der Mittagspause ging es um ein ehrgeiziges, aber auch für den weniger begüterten Sternfreund nachvollziehbares und amchbares Projekt: die Erstellung eines Milchstraßenpanoramas. Mittels DLSR-Kameras nahm Jan Hattenbach fast alle Milchstraßengegenden vom El Leoncito National Park im Grenzgebiet zwischen Chile und Argentinien und vom Roque de los Muchachos auf La Palma auf und fügte die Bilder mit einem Autostitch-Progamm (Hugin) zusammen. Anhand eines Beispiels zeigte er, was das Programm kann und wie man damit Panoramen erstellt.

Damit war der erste Vortragsblock vorbei und wir begaben uns in die wohlverdiente Mittagspause, die André und mich zu einem Laden Namens Mr. Chicken führte und wo wir erst einmal für unser leibliches Wohl sorgten. 

Samstag, 20. Oktober 2012

Besuch in Sonneberg

Die Abende auf der Sternwarte Kirchheim begannen in den letzten Tagen oft viel versprechend, doch zog es spätestens bei Sonnenuntergang wieder zu und es taten sich nur noch wenige Lücken auf, durch die ich mit Feldstecher oder Dobson hätte hindurchspähen können. Noch bevor es überhaupt Sinn machte, mit dem  Aufbau des Teleskops zu beginnen, sah man nur noch vereinzelte Sterne - wie die hellsten Vertreter des Sommerdreiecks. Gestern Abend hoffte ich, noch mal Jupiter beobachten zu können, doch als ich soweit war, um beginnen zu können, war wieder alles dicht. Und das, obwohl der Wetterbericht seit Tagen bereits für den gestrigen Tag eine wolkenlose Nacht versprochen hatte. Momentan gilt eher die Regel: je näher das gute Wetter kommen sollte, desto mehr verschob es sich nach hinten.

Angesichts des bewölkten Himmels entschlossen André und ich uns, heute zur Sternwarte Sonneberg nahe der thüringisch-bayerischen Grenze zu fahren. Dieses traditionsreiche Observatorium wurde im Jahr 1925 auf dem 638 m hohen Erbisbühl im Sonneberger Stadtteil Neufang - damals die höchst gelegene Sternwarte in Deutschland - errichtet. Gründer des Observatoriums war der vor allem unter den Veränderlichenbeobachtern sehr bekannte Cuno Hoffmeister (1892-1968). Die wechselvolle Geschichte der Sonneberger Sternwarte kann man hier und hier nachlesen, wie es aktuell um sie steht hier und zum Astronomiemuseum geht es hier. Leider hatte Letzteres just an dem Tage aus organisatorischen Gründen geschlossen, als wir vor Ort waren.

Das Haupttor zur Sternwarte stand jedoch offen und um nicht unverrichteter Dinge wieder zurück fahren zu müssen, rief ich kurzerhand per Mobiltelefon an, nachdem ich mir die Nummer aus dem Internet herausgesucht hatte. Ein freundlicher Herr sagte uns, wo wir parken durften und wenige Minuten später saßen wir im Büro vom Chef, der uns ein wenig über die aktuelle Situation berichtete und die Möglichkeit offerierte, eine kleine private Führung zu bekommen. So bekamen wir einige der "Heiligtümer" der Sternwarte zu sehen, die bestimmt nicht Bestandteil der normalen Führungen sind.


Das Hauptgebäude der Sonneberger Sternwarte

Neben den Räumen der Fa. 4pi GmbH, die heute der Betreiber der Sternwarte ist, befinden sich in den Kuppeln und der Rolldachhütte eine Schmidt-Kamera 500/700/1720 mm, ein Cassegrain 600/1800 mm, ein Cassegrain 600/1800/7500 mm und ein Schmidt-Astrograph GC 400/1600 mm. Sieben hier aufgestellte Kameras á 56/250 mm sowie der einst von Hoffmeister mit an die Sternwarte gebrachte, mittlerweile historische Refraktor 135/2030 mm, dienten der systematischen Überwachung und der Suche von und nach Veränderlichen Sternen. 


Mit Instrumenten wie diesem wurde in Sonneberg systematisch der
Himmel überwacht und nach Veränderlichen gesucht

 Das Plattenarchiv der Sonneberger Sternwarte umfasst um die 300.000 Aufnahmen, die derzeit digitalisiert werden.


Blick ins ein "Heiligtum": das Plattenarchiv

Auch die Bibliothek hat einige Kostbarkeiten aufzuweisen:




Vom Quergang zur Rolldachhütte hat man einen guten Überblick auf das Sternwartengelände:



Rechts im Bild sind verschiedene Gehwegplatten mit Markierungen zu sehen. Wenn man zum Schaukasten in der Mitte geht, kann man sein Smartphone dagegen legen und per QR-Code sich anzeigen lassen, welcher Stern von welcher Platte aus über die in der Mitte angebrachte Stange anvisiert werden kann. Ein Projekt, mit dem man das Weltall "zu Fuß" erlaufen kann und das bei Interesse auch an andere Stätten exportiert werden soll.

Nach der Führung machten wir noch einen Rundgang über die Sternwarte und kamen dabei auch an einer Büste des Sternwartengründers Cuno Hoffmeister vorbei:


Danach kehrten wir wieder - voller positiver Eindrücke - an die Kirchheimer Sternwarte zurück.


Kirchheim: Endlich eine klare Nacht

Was seit Tagen versprochen, aber nie eingehalten wurde, traf am Abend des 19. Oktober 2012 ein: Nach einem sonnigen Tag war es am Abend endlich mal klar. André und ich wollten in der großen Kuppel neben dem aktuellen Kometen P168/Hergenrother, den wir aber nicht auf Anhieb finden konnten, einige Deep-Sky-Objekte länger belichten.

Schon am Nachmittag hatten wir mein Quadruplet per Klemme angebracht, die Kamera daran befestigt und schon mal alle Kabel für Kameras und Rechner verlegt. Als es dann am Abend dunkel wurde, begann André schon mal, die Teleskope am Mond scharf zu stellen. Später schwenkte wir dann um, damit wir am Alpha Andromedae auf einen Stern scharf stellen konnten. Und da offenbarte sich wieder mal bei mir das Astrofotografie-Dilemma, das mich seit Ewigkeiten verfolgt: Wir bekamen das Bild partout nicht scharf, weil der Kameraadapter zu lang ist und ich einen kürzeren nicht dabei hatte. Damit schied - mal wieder - jegliche Möglichkeit der Astrofotografie für mich aus. Gescheitert an einem nicht vorhandenen kurzen Adapter ...

Deshalb beschloss ich, die Fotografie sein zu lassen und mit meinem Dobson visuell zu beobachten. Auf der Agenda standen zunächst zwei Objekte, die im neuen, noch von mir Korrektur zu lesenden interstellarum-Heft Nr. 85 als Objekte der Saison ausgewiesen wurden: IC 1848 und NGC 1245.

Ersterer wird zusammen mit IC 1805 auch als "Heart and Soul Nebulae" bezeichnet und ist ein heller Emissionsnebel in der Cassiopeia, Entfernung: 7500 Lichtjahre. Meine erster Versuch, den Nebel ohne Filter zu finden, scheiterte. Also schwenkte ich zu NGC 1245 in den Perseus. Vor ein paar Jahren ist hier der helle periodische Komet P17/Holmes vorbeigezogen. NGC 1245 ist ein 10 Bogenminuten großer offener Sternhaufen, der mitten ein einem Dreieck heller Sterne liegt und daher leicht übersehen werden kann, weil die Sterne des Haufens deutlich lichtschwächer sind. Für den Achtzöller ist er schon eine harte Nuss, in der Stadt wird man ihn garantiert übersehen, doch hier auf der Sternwarte Kirchheim gelingt die Beobachtung trotz des an diesem Abend eher mäßigen Himmels mit deutlich geringerer Transparenz (SQM-L: 20,66). Im 36mm 2"-Okular bei 33facher Vergrößerung ist es nicht einfach, den Sternhaufen in Einzelsterne aufzulösen, selbst bei indirektem Sehen konnte ich keine Strukturen ausmachen, das Ganze blieb "nebulös".

Danach schwenkte ich erneut in Richtung auf NGC 1848 und bin auch der Meinung, die Gegend erwischt zu haben - es gibt hier einige auffällige Doppelsterne -, dennoch ist mir ohne Filter keine Beobachtung gelungen.

Nach so viel Frust ging es dann erst mal auf den Doppelsternhaufen h und chi im Perseus, der hier problemlos mit bloßem Auge zu sehen war und der einen schönen Anblick im Okular bot. 

Zwischendurch beobachtete ich dann auch wieder Jupiter mit meinem 9mm Okular (V=133x). Das Seeing war zum Augenblick der Beobachtung ganz ordentlich und ich sah neben den beiden Hauptbändern auch wieder Strukturen im südlichen und eine Abdunklung der Südpolregion.

Insgesamt waren die Beobachtungsbedingungen an diesem Abend jedoch eher durchschnittlich, die Milchstraße war mit bloßem Auge nicht annähernd so gut zu sehen, wie vor ein paar Tagen und von Westen schob sich auch wieder eine Syphschicht heran. Irgendwie schien der Himmelshintergrund auch heller zu sein, als beim letzten Mal.

Gegen zwei Uhr beendete dann zunehmende Feuchtigkeit die Beobachtung. Mein Schlussobjekt war wieder M 42, der große Orionnebel. Dieses Mal war nicht nur der Kernbereich mit einigen zarten Nebelspuren zu sehen, sondern der ganze Bogen mit Struktur in seinem inneren ereich. Ein Anblick, von dem ich mich erst losreißen konnte, als die filigranen Strukturen mit einem Mal schwächer wurden ...



Donnerstag, 18. Oktober 2012

Kirchheim: Beobachten für zwei Stunden

Das Wetter in Thüringen ist derzeit wenig astronomenfreundlich. Fast täglich werden klare Nächte vorhergesagt, nur um am kommenden Morgen um einen Tag verschoben zu werden. Noch haben wir ein paar Tage vor uns, aber wenn das mit Vorhersage und Wirklichkeit so weitergeht ...

Immerhin: Gestern Abend riss die Bewölkung dann doch mal auf und ich stellte erst mal meinem 8 Zoll-Dobson zum Auskühlen raus. Aus Richtung Süden schob sich eine Syphschicht heran, doch ein Bereich rund um Fuhrmann, Stier, Perseus und Cassiopeia blieb frei.

Also richtete ich mich erst einmal darauf ein, Deep-Sky-Objekte vorwiegend in dieser Himmelsgegend zu beobachten. Da der Jupiter zu Beginn der Beobachtung um ca. 23 Uhr schon recht hoch stand, schwenkte ich das Teleskop erst einmal auf den größten Planeten des Sonnensystems. Das Seeing war nicht berauschend, doch deutlich besser als noch einen Tag zuvor. Neben dem immer sichtbaren nördlichen und südlichen Band konnte mit meinem 9 mm TS-Planetary-Okular bei 133x Strukturen im SEB, und die südpolare Wolkenzone sehen. Beeindruckend war auch die gerade stattfindende Konjuntktion zwischen den Monden II (Europa) und IV (Kallisto). Gleichzeitig warf I (Io) seinen Schatten auf die Jupiteratmosphäre.

Von Westen her näherte sich bedrohlich die Syphschicht, doch sie schien mit einem Mal abzustoppen und leicht zurück zu weichen.

Daher konzentrierte ich mich erst einmal auf die Deep Sky-Beobachtung. Hierzu nahm ich mein 36mm-Zweizollokular und beobachtete erst einmal bekannte Showpieces wie die offenen Sternhaufen M 36, M 37 und M 38. Den 4500 Lichtjahre entfernten und etwa 30 Mitglieder enthaltenden offenen Sternhaufen NGC 1907 nahm ich dann auch gleich mit.

Im Stier visierte ich M 1 ein, den berühmten Supernovaüberrest im Stier, der für den Achtzöller schon eine etwas härtere Nuss war. Leicht zu finden, blieb er auch bei indirektem Sehen nur ein schwacher Schemen an Nachthimmel. Ein wohl eher seltener beobachteter Sternhaufen ist NGC 1647 im Stier. Obwohl 6,40 mag hell, wischt man beim Suchen eher über diese lockere, rd. 1800 Lichtjahre von der Erde entfernte Sternanhäufung hinweg. Schuld daran ist seine völlig regellos erscheinende Sortierung der Sterne. Erst im zweiten Anlauf fand ich zu ihm und der in der Nähe stehende Sternhaufen NGC 1746 war noch schwerer zu finden. Hier muss aber beachtet werden, dass die Sterne von NGC 1746 nach heutigen Erkenntnissen physikalisch nicht zusammen gehören, sondern eine zufällige Ansammlung, einen sogenannten Asterismus, darstellen.

André meinte noch, ich sollte mal M 76, den 10 mag hellen, "Kleinen Hantelnebel", im Perseus probieren, einen kleinen, aber feinen Planetarischen Nebel, doch seine sehr zenitnahe Stellung und eine unmögliche Körperhaltung - über Kopf durchs Telrad anvisieren und dann den Dobson in aufrechter Position schwenken - führten dazu, dass ich ihn nicht zu Gesicht bekam. Dann doch lieber noch mal auf Jupiter und Okular gewechselt. Das Seeing hatte sich leicht verbessert, aber bei 133x konnten nicht mehr Details herausgearbeitet werden.

Nun näherte sich die Syphschicht doch wieder an und ich schwenkte noch mal auf den nur wenige Grad über dem Horizont stehenden M 42 im Orion. Nach einem ersten Eindruck sah ich, wie die filigranen und nur mit indirektem Sehen zu beobachtenden Strukturen verschwanden und nur noch den Kernbereich zeigten: Die Cirrusschicht hatte den Himmel endgültig geschlossen und die Beobachtung um kurz nach 1 Uhr beendet.

Montag, 15. Oktober 2012

Sternwarte Kirchheim - erste Beobachtungen

Der erste Tag auf der Sternwarte Kirchheim brachte zunächst mal starken Wind und Regen und ließ kaum auf astronomische Aktivitäten hoffen. Zeit genug also, die Einkaufzentren Thüringenpark und in der Erfurter City aufzusuchen. Während der Rückfahrt sahen wir aber schon, wie sich im Südosten die Wolkendecke auflockerte, der schnelle Durchzug von Wolken sorgte aber alsbald für ein Ende der Hoffnungen. Übrig blieb lediglich eine beständige Wolkenlücke im Westen.





Nach dem Abendessen sah die Situation jedoch ein wenig anders aus. Vorsorglich stellte ich meinen 200/1200 mm Dobson vor die Tür und ließ ihn auskühlen. Gegen 20 Uhr war der Himmel dann völlig klar, die Milchstraße bis hinab zur Schildwolke sichtbar. 

Da ich annahm, dass sich die Fotografie nicht lohnen würde, beschränkte ich mich auf visuelle Beobachtungen. Da ich leider aus den unterschiedlichsten Gründen ewig lange nicht mehr beobachtet habe, fange ich, was das Beobachten angeht, praktisch schon wieder bei null an. Es ist eine altbekannte Erfahrung, dass man das Beobachten jederzeit lernen, aber auch wieder verlernen kann, wenn man lange nichts mehr gemacht hat. Und genau das ist mir - zwangsweise durch persönliche Umstände in den letzten Jahren - passiert.

Daher genoss ich es, mal wieder unter einigermaßen dunklem Himmel - mein SQM-L zeigte einen Wert von 20,66 an - zu sitzen und einfach mal nur spazieren zu gucken.

Mein erstes Beobachtungsobjekt war der Doppelsternhaufen h und chi im Perseus, danach folgte die Andromedagalaxie M 31. Der Versuch, den offenen Sternhaufen M 103 in der Cassoppeia zu finden, scheiterte irgendwie, obwohl seine mittlere Helligkeit von +7,4 mag eigentlich kein Problem für den Achtzöller darstellen sollte. Vermutlich habe ich einfach zu hektisch über ihn hinweg geschwenkt und ihn nicht als Sternhaufen wahrgenommen. 

Nicht weit entfernt davon befindet sich der +6,4 mag helle offene Sternhaufen NGC 457. Ihn zu finden, war ebenfalls etwas anspruchsvoll, weil ich im langsam zulaufenden Telrad die Region nur grob einstellen konnte. Die Nacht versprach, sehr feucht zu werden. Der Hauptspiegel blieb allerdings davon zunächst verschont. Doch kurz nach 21 Uhr - ich sah den Jupiter schon dicht über dem Horizont stehend im Osten aufgehen - kamen wieder Wolken in mehreren Schichten auf. André Wulff stellte noch die Galaxie M 33 im Dreieck ein, die aber nur bei indirektem Sehen einigermaßen zu erkennen war. Außer einem dicken Matschfleck - der Achtzöller stößt hier deutlich an seine Grenzen - war nichts zu sehen und mit zunehmender Bewölkung verschwand auch dieser Eindruck. Kurze Zeit später musste ich die Beobachtung dann erst einmal einstellen. Zwischendurch konnten wir überdies noch drei sporadische Meteore sehen.

Etwa eine Stunde später war der Himmel wieder völlig wolkenfrei, aber das Seeing schlecht, wie sich am Jupiter zeigte. Lediglich das nördliche und das südliche Band waren zu sehen und alle vier galileischen Monde und zunehmende Feuchtigkeit - ich habe leider keinen akkubetriebenen Fön dabei - wurde zu einem Problem. Erst beschlug das Telrad, dann die Okulare und zuguterletzt der Hauptspiegel. Und als ich den Dobson wieder reingetragen hatten, lief das Wasser nur so an ihm und am Telrad herab ...



Eine Erkenntnis brachte der Beobachtungsabend: Die neu eingekauften Jacken, Schuhe, Handschuhe etc. erfüllten ihren Zweck und trotz hoher Luftfeuchtigkeit musste ich nicht frieren.

Sonntag, 14. Oktober 2012

Angekommen auf der Sternwarte Kirchheim

... und festgestellt, dass ich eines der wichtigen Dinge vergessen habe: Meinen Laptop für die Bildbearbeitung, denn dieser Astrourlaub soll auch im Zeichen der Astrofotografie stehen. Aber daraus wird zumindest am heutigen Abend nichts, denn der thüringische Himmel ist bedeckt und es regnet leicht.


Für die kommenden Tagen ist jedoch eine deutliche Wetterbesserung angekündigt - aus der Erfahrung in Hamburg und hier in Thüringen muss das aber nicht viel heißen.

Die Volkssternwarte Kirchheim wurde 1977 gegründet und seit 1992 bin ich mehr oder weniger regelmäßig zum Beobachten hierhin gefahren. Das letzte Mal war ich 2010 hier gewesen und seit dem hat sich viel verändert. Die größte Neuerung besteht in der Inbetriebnahme des 60cm Spiegels im neuen Gebäude, das auf einer DDM160-Montierung sitzt.

Mein Ziel für diesen Astrourlaub ist aber, Aufnahmen durch mein eigenes 80/520 mm F 6.5-Quadruplet zu machen. Einige Aufnahmen mit diesem Instrument hatte ich im letzten Jahr mal bei einem Norddeutschen Astrofotografentreffen gesehen und war begeistert von der Schärfe des Instrumentes. Erste eigene Aufnahmen konnte ich im Mai auf der Außensternwarte der GvA in Handeloh machen, aber durch eine nicht richtig funktionierende Klemme, waren die Sterne leider vereiert. Nun hoffe ich auf bessere Ergebnisse.

Dabei will ich aber nicht die ganze Nacht durch den Himmel hetzen und viele nur mäßig belichtete Bilder bekommen, sondern nur maximal drei Gegenden fotografieren, die dafür aber entsprechend lang belichtet sind. Mit André Wulff - wir sind gemeinsam hierher gereist - stimme ich mich da ab, sodass wir mit zwei Teleskopen die gleiche Himmelgegend fotografieren.

Vor kurzem habe ich dann noch einen H-Alpha-Filter für die Deep-Sky-Beobachtung erworben, den ich hier ebenfalls einzusetzen gedenke. Dazu muss "nur" noch das Wetter mitspielen. Die Wolken draußen aber verhindern genau das, zumindest in der vor uns liegenden Nacht. Spätestens ab Dienstag soll es aber besser werden. Hoffen wir das Beste.



Freitag, 12. Oktober 2012

Astrourlaub – eine Herausforderung für Geist und Körper

„Ich und mein Teleskop im Urlaub“, so übertitelte ein langjähriger Freund mal sarkastisch einen Bericht in einer längst untergegangenen Zeitschrift über Sternfreunde, die im Urlaub ihre astronomische Ausrüstung zusammenpacken und in südliche Gefilde verreisen, um unter günstigeren Himmelsbedingungen dem Hobby zu frönen.

Damals, das war so in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts, waren Astrourlaube allerdings kaum anders als heute und glichen auch da schon eher einer Expedition in ferne Regionen der Erde. Oft war das eher mit einem Campingurlaub innerhalb des Polarkreises zu vergleichen. Zwar sind heute andere Ziele wie Astrofarmen in Nordafrika oder Namibia erreichbar, doch die Grundprinzipien sind gleich geblieben.

Da nachts die Temperatur absinkt und der menschliche Körper sich über Kopf, Hände und Füße rasch auskühlt, musste man schon früher dicke Klamotten auch im Sommer einpacken, damit die Beobachtungsnacht nicht schon frühzeitig völlig durchgefroren endet.

Das ist auch heute noch so, nur dass sich die Qualität der Bekleidung inzwischen deutlich verbessert hat. Mit Funktionsunterwäsche, langen Unterhemden und Unterhosen, Thermobekleidung, Wollmützen etc. hält man heute schon ein deutlich länger durch. Hinzu kommen natürlich noch Eigenschaften des eigenen Körpers, wie der nächtliche Tiefpunkt (jemand nannte das gestern Abend auf BR-Alpha in der Sendung "W wie Wissen" die „nächtliche Depression“), der um etwa 2 Uhr herum kommt, oder das Absinken des Zuckerspiegels, womit man als Diabetiker durchaus seine Probleme bekommen kann. Auch funktionieren einige Dinge in der durchbeobachteten Nacht nicht mehr: Trinke ich abends spät starken Kaffee, liege ich danach die halbe Nacht wach. Trinke ich vor der Beobachtung starken Kaffee, bringt der gar nichts, außer, dass ich von den darin enthaltenen Gerbstoffen kräftiges Sodbrennen bekomme. Die nächtliche Kühle wirkt offenbar der Wirkung des Kaffees entgegen.

Am wichtigsten in der Vorbereitung eines Astrourlaubes ist aber die Technik. Ein Astrourlaub beinhaltet nicht nur, dass man vielleicht ein größeres Fernglas mitnimmt - für das ist immer noch Platz genug -, es geht um mehr. Will man Astrofotografie betreiben, muss man seine diversen Kameras, meistens DSLRs -  es können aber auch Webcams und CCD-Kameras zum Einsatz kommen - betriebsbereit haben, an alle Kabelverbindungen denken (etwa, um die Bilder von der Kamera auf ein Netbook zu übertragen) oder um die Stromversorgung der Kamera aufrecht zu erhalten. Das geht zwar auch mit Akkus, da muss man dann aber Ersatz parat haben, da die Akkus nachts weniger lang durchhalten, als am Tage. Im Gegensatz zu früher braucht man sich heute wenigstens nicht mehr über geeignete Filme und deren Entwicklung vor Ort inkl. der dazu gehörigen Chemie Gedanken machen.

Dafür gilt es, jede Menge Rechnerhardware mitzunehmen, einen für die Arbeit am Teleskop, einen schnelleren für die Auswertung der Bilder oder von Planetenvideos, dann vielleicht noch einen weiteren Rechner oder ein Tablet wie das iPad. In der Folge muss man natürlich auch die Kabel für die Videokamera und/oder die Webcam dabei haben. Und man muss ein Kartenlesegerät einpacken, damit die unterschiedlichen Formate gelesen werden können. Die heutigen Rechner haben zwar meistens Slots für SD-Karten, aber wenn man mit älteren Kameras arbeitet, die z.B. XD-Karten benötigen, braucht man eben jenes oben erwähnte Zusatzteil. Ganz wichtig sind in dem Zusammenhang auch die Adapter, um die Kamera überhaupt am Strahlengang des Teleskops anbringen zu können, dass da quasi als Riesentele fungiert.

Am kommenden Sonntag werde ich zusammen mit zwei Freunden wieder einmal die Sternwarte Kirchheim nahe Erfurt in Thüringen besuchen. Aus alter Zeit schwört man da auf Zeiss-Instrumente und Zubehör, allerdings neben anderen, neueren, Geräten. Und da fängt die nächste Problematik an: Die Zeiss-Instrumente genügten durchweg hohen Ansprüchen, allerdings waren sie nur zu sich selbst kompatibel, d.h., alle im Westen gängigen Adapter, Kameraanschlüsse etc. können bis heute nicht direkt an Zeiss-Geräten verwendet werden (m.E. der Hauptgrund, weshalb Zeiss-Fernrohr so gut wie vom Markt verschwunden sind), weil nämlich die Durchmesser der Anschlüsse unterschiedlich waren. So waren früher Okulardurchmesser von 24,5 mm üblich, während Zeiss auf 28,5 mm schwörte. Hervorragende Zeissokulare konnten daher nur an Zeiss-Teleskopen verwendet werden (ähnlich wie bei Lichtenknecker-Fernrohren). Mit 1 1/4- und 2 Zoll Okularen kamen sie gar nicht mehr zurecht. Heute gibt es hierfür allerdings Adapterlösungen, die sehr gut funktionieren, die man danna ber auch mitnehmen muss.

Viel schlimmer ist es, wenn man die Kamera an den Okularauszug anschrauben möchte, da fehlen meist ein paar Millimeter und schon passt nichts mehr zusammen. Schlimmstenfalls führt das dazu, dass man astrofotografische Ambitionen schlicht vergessen kann.

Für diese Fälle muss man gerüstet sein, um trotzdem mit den vor Ort vorhandenen Instrumenten arbeiten zu können. Also muss man alles an Equipment, was sich so angesammelt hat, auch einpacken, inklusive Filter für die Astrofotografie (wie z.B. ein H-Alpha-Filter für die nächtliche Fotografie, die aber nicht an der Sonne verwendet werden dürfen, weil zu schwach dafür).

Es sind vor allem die kleinen Dinge, die eine große Sache zum Scheitern bringen können, wie vergessene Kabel oder, noch schlimmer, zu Hause gelassene Netzteile für Computer. Ohne die geht nichts. So kann es passieren, dass man nur Aufnahmen bis zu dem Zeitpunkt machen kann, wo der Akku zur Neige geht, und das ist nachts sehr schnell der Fall. Also muss man nicht nur ALLE Ladegeräte, sondern auch diverse Verteilersteckdosen und zur Sicherheit noch eine Kabeltrommel mitnehmen. Strom kann man - allen Ökos zum Trotz - bei der Astrofotografie nie genug haben. Und so hat man dann schnell mehrere Metallkoffer etc. zusammen, ohne auch nur einen Rollkoffer mit Klamotten gefüllt zu haben.

Und wenn man, wie ich, dann noch einen 8 Zoll-Dobson zur reinen visuellen Beobachtung dabei haben wird, erweitert sich der Umfang der mitgenommenen Ausrüstung noch mehr, denn dann müssen auch Okulare, Justierlaser usw. eingepackt werden. Da ich auch gerne mal Planeten zeichnen möchte, bedarf es Bleistiften, Radierer und Zeichenvorlagen, die man aber im Web herunterladen und ausdrucken kann.

Am Ende hat man dann soviel Gepäck zusammen, dass das Auto überfüllt ist. Und wenn man zu zweit unterwegs ist, kommt man sich vor wie bei der Kugelmessung zur Bestimmung des Rauminhaltes vom Fahrzeug. Jeder Platz ist ausgefüllt. Hatte ich früher das alles in einen dann künstlich tiefer gelegten VW Golf gepackt, steht mit heute ein geräumiger VW Caddy zur Verfügung. Nur: Wenn man mehr mitnehmen kann, nimmt man auch mehr mit!

Da die Sternwarte Kirchheim auch im Aufenthaltsraum ganz gut bestückt ist, packt man natürlich noch DVDs, Zeitschriften und Bücher mit ein, nimmt bequeme Campingstühle, Schlafsack und Luftmatratze mit. Und Unterlagen, die man braucht, wenn man vor Ort in aller Ruhe den einen oder anderen Artikel schreiben und ein wenig die Erlebnisse bloggen will.

Und so gleicht der Astrourlaub dann am Ende doch wieder einer Expedition: Die Herausforderung für den Geist besteht darin, an alles zu denken und alles mitzunehmen, was man braucht. Die körperliche Herausforderung ist die nächtliche Kühle, gegen die man sich wappnen muss. Dennoch: Der Astrourlaub kann nun kommen!

Mittwoch, 10. Oktober 2012

13.10.2012: 325. Todestag von Geminiano Montanari



Geminiano Montanari wurde am 1. Juni 1633 in der italienischen Universitätsstadt Modena im Norden des Landes geboren. Schon sehr früh zeigte sich bei ihm ein grundlegendes Interesse an der Astronomie. Dennoch zog er es vor, 1653 nach Florenz zu gehen, um dort Jura zu studieren – das Verfahren gegen Galileo Galilei und die Anklage wegen Ketzerei (kopernikanisches Weltbild) und die Verurteilung und Verbannung durch die katholische Inquisition wirkten offenbar nach. 1656, nur wenige Jahre nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges, ging er dann nach Salzburg, wo er sein Rechtsstudium abschloss. Die Stadt war seinerzeit Fürsterzbischöfliche Residenzstadt und ein Zentrum der Gegenreformation.

1658 zog er nach Wien, wo er auf den Florentiner Paolo del Buono (1625 - 1659) traf, einen der letzten Schüler von Galilei und im Exil Mathematiker im Dienste des Kaisers Ferdinand III. (1608 - 1657). Bei ihm studierte er Mathematik und Astronomie und lernte in der Zeit auch intensiv die praktische Seite dieser Wissenschaft kennen. Noch einmal kehrte Montanari zu einem kurzen Aufenthalt nach Florenz zurück, wobei er gemeinsam mit Kardinal Leopoldo de Medici (1617 - 1675) und Mitgliedern der Akademie del Cimento viele Nächte am Teleskop verbrachte und den Saturn mit seinem Ringsystem beobachtete. Dessen wahre Natur war erst 1655 durch Christian Huygens (1629 - 1695) enthüllt worden, der auch den größten Saturnmond Titan entdeckt hatte.

1661 kehrte Montanari nach Modena zurück. Hier wurde er auf Empfehlung des Senators Marquis Cornelio Malvasia (1603 - 1664) zum Philosophen und Mathematiker des Herzogs Alfonso IV d’Este (1634 - 1662) ernannt. Nach dem Tod des Herzogs übersiedelte Montanari nach Bologna in das Haus des Marquis, der aber eher an der Astrologie interessiert war, und konnte hier und an der nahe der Ortschaft Panzano gelegenen Sternwarte weiterführende Studien unternehmen, zu denen hauptsächlich die Planeten zählten. Er beobachtete aber auch sehr intensiv den Mond und erstellte erstmals sehr genaue Ephemeriden. Mit seinen Beobachtungen, vor allem des Mondes mit einem hierfür selbst konstruierten Messokular, wurde er zu einem der ersten wissenschaftlich arbeitenden Selenographen, der auch eine erste, detailgenaue Mondkarte erstellte.

Kurz nach dem sehr frühen Tod des Senators im Jahr 1664, wählte der Senat von Bologna ihn auf den Lehrstuhl für Mathematik der dortigen Universität. In Bologna blieb er immerhin für volle 14 Jahre. In dieser Zeit und wohl auch schon in Padua, widmete er sich zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth Dürer der Entwicklung von Optiken und dem Schleifen von Linsen. In den persönlichen Archiven des Marquis Cornelio Malvasia wurde ein Objektiv mit der Inschrift „Geminianus Montanarius mathematicus Professor Bononiae, 1676“ gefunden. Montanari zeichnete sich auch durch die Einführung von Experimenten in die Wissenschaft aus, die seit dem zu einem der Hauptarbeitsmittel der Naturwissenschaftler wurden. Montanari stellte experimentelle Studien zum Verhalten von Flüssigkeiten an und stellte die These auf, dass deren Viskosität von der Form der darin befindlichen Moleküle abhängt.

Montanari beschäftigte sich außerdem mit ökonomischen und medizinischen Fragen. In der Hauptsache war er jedoch Astronom und als solcher verfolgte er in den Jahren 1667 bis 1670 speziell Algol, den zweithellsten Stern im Perseus, und berechnete die Variation in der Helligkeit dieses Sterns. Zwar war die Variabilität der Helligkeit schon länger bekannt, Montanari war jedoch der Erste, der sie systematisch untersuchte und Aufzeichnungen darüber anfertigte. Algol ist, wie wir heute wissen, ein so genannter Bedeckungsveränderlicher, bei dem sich zwei Sterne in der Sichtlinie zu uns gegenseitig bedecken: ein blauer Riese der Spektralklasse B8 und ein rot-gelber Zwerg der Spektralklasse K2 umrunden einander. Eigentlich ist Algol ein Dreifachsternsystem, denn weiter außen gibt es noch einen weiteren, nur im Infraroten sichtbaren, dritten Stern, der die beiden umkreist. Freilich gelang es erst John Goodricke (1764 - 1786) im Jahr 1783 die Periode der Helligkeitsschwankung zu bestimmen. In diesen Jahren beobachtete Montanari sehr viele stellare Objekte. 1669 wurde er als Astronomielehrer Nachfolger Giovanni Domenico Cassinis (1625 - 1712) am Observatorium zu Panzano. Hiermit war auch die regelmäßige Veröffentlichung eines Almanachs verbunden. In jener Zeit veröffentlichte er auch eine Schrift, in der er über eine thermische Komponente des Mondlichts nachdachte. Im Jahre 1678 erreichte ihn der Ruf der Universität zu Padua, wo er den Lehrstuhl für Astronomie, eigens für ihn geschaffenen, bekleidete.

Diese Ehrung war verbunden mit einer Vielzahl von öffentlichen Ämtern im Namen der Republik Venedig. 1680 beobachtete er intensiv den Großen Kometen des Jahres und referierte hierüber mit Isaac Newton (1643-1727), der voll des Lobes war ob der Qualität der Montanarinischen Beobachtungen. Leider sind viele Beobachtungsaufzeichnungen Montanaris nicht überliefert und gelten als verschollen. Daher weiß man nicht ganz genau, was er im Einzelnen beobachtet und niedergeschrieben hat. Aus einem Briefwechsel mit Edmond Halley geht jedoch hervor, dass er dessen Schweifstern um 1682 herum auch regelmäßig beobachtet haben muss. 1683 machte Montanari sich in einer weiteren Schrift grundlegende Gedanken über das Münzwesen und die Geldtheorie. Er starb am 13. Oktober 1687 in im Alter von nur 54 Jahren in seiner Geburtsstadt.

Mit APOLLO 7 erstmals in den Orbit

Es gibt in der Raumfahrtgeschichte einige Erst- und Pionierleistungen, die heute längst in Vergessenheit geraten sind, gerade auch vor dem Hintergrund diverser Mondverschwörungstheorien. Da „kennt“ man nur noch APOLLO 11 als vermeintlichen Fake und APOLLO 13. Alle anderen Missionen sind den meisten Leuten der heutigen Generation nicht mehr bekannt oder man hält sie allenfalls für „schöne Geschichten“, die sich jemand ausgedacht hat. Dabei ist besonders die APOLLO-Geschichte, wie sie wirklich war, überaus interessant. Schon die Tatsache, dass es zwischen der Brandkatastrophe am 27. Januar 1967, bei der während eines simulierten Starts der neuen APOLLO-Kapsel die Astronauten Roger B. Chaffee, Virgil Grissom und Edward White den Tod fanden, unbemannte APOLLO-Missionen (APOLLO 4, 5 und 6) mit Saturn 1B und Saturn V-Trägerraketen im erdnahen Orbit gab, ist heute weitgehend unbekannt.

Der ursprüngliche Plan der NASA sah einen erstmaligen bemannten Start einer APOLLO-Kapsel für den Zeitraum Ende 1966 bis Anfang 1967 vor. Dies war am 21. April 1966 der Öffentlichkeit bekannt gegeben worden.

Die Brandkatastrophe führte dann zu diversen Änderungen und Verbesserungen an der APOLLO-Kapsel. Die nachfolgenden, unbemannten Missionen, bei der sie, die Mondlandefähre und die 3. Stufe der Saturn V, die sog. S-IVB, ausgiebig getestet wurden, stimmten die NASA zuversichtlich, doch noch das vom 1963 in Dallas/Texas ermordeten Präsidenten John F. Kennedy vorgegebene Ziel zu erreichen, bis zum Ende des Jahrzehnts einen Menschen auf den Mond zu befördern und heil wieder zur Erde zurückzubringen. Eine erfolgreiche bemannte Mission war aber auch in anderer Hinsicht ungemein wichtig für die NASA, denn bei einer neuerlichen, schwerwiegenden Panne bestand die große Gefahr, dass das ganze Projekt, ungeachtet der –inzwischen vermeintlichen- Erfolge der Sowjets eingestellt werden würde, zumal sich dann die milliardenschweren Ausgaben vor dem amerikanischen Kongress nicht mehr rechtfertigen ließen.

Die Besatzung
Die "primary crew" der APOLLO 7 bestand aus Walter M. Schirra (commander), Donn F. Eisele (command module pilot) und Walter Cunningham (2. Pilot anstelle des LM-Piloten). Sie war ursprünglich die back-up-crew, d.h. die Ersatzmannschaft für APOLLO 1 (die Mission hieß ursprünglich AS-204) und kam nun bei APOLLO 7 zum Zuge. Ursprünglich sollte sie kurz nach APOLLO 1 – wenn alles gut gegangen wäre – in die Umlaufbahn starten, was aber schon im Dezember 1966 wieder aufgegeben wurde.

Während Schirra bereits mit MERCURY-ATLAS 8 und GEMINI 6 in den Weltraum geflogen war, war es für seine beiden Teamkollegen der erste Weltraumeinsatz. Zur "backup-crew" gehörten Thomas Stafford, John Young und Eugene Cernan, die später mit APOLLO 10 (Cernan auch mit APOLLO 14) zum Mond flogen. Schirra schied danach zum 1. Juli 1969 auf eigenen Wunsch aus der NASA aus, um eine Tätigkeit in der Privatwirtschaft aufzunehmen.

Erstmals gab es bei APOLLO 7 eine sogenannte „support-crew“, eine sogenannte Unterstützungsmannschaft, die aber im Gegensatz zur Ersatzmannschaft während der Mission nicht im Kontrollzentrum in Houston saß. Ihre Aufgaben bestanden vielmehr darin, Flugpläne, Checklisten zu optimieren und mit der Besatzung - auch während des Trainings - abzugleichen und vor dem Start mit ihnen die einzelnen Missionsschritte zu simulieren. Ihr gehörten Jack Swigert (er flog später bei APOLLO 13 mit), Ronald Evans (er flog mit APOLLO 17 zum Mond) und William Pogue (er wurde später im Rahmen der SKYLAB-4-Mission eingesetzt) an.

Die Trägerrrakete
Zum ersten und zugleich einzigen Mal wurde bei einem APOLLO-Start eine Saturn 1B eingesetzt. Hierbei handelte es sich um ein zweistufiges Trägersystem, das samt APOLLO-Raumschiff und Rettungsturm eine Höhe von 68,2 m erreichte und am Startturm auf einer Art Sockel stand. Entwickelt am Marshall Space Flight Center, war sie bis dato DAS Arbeitspferd der NASA mit 14 erfolgreichen Starts (10 als Saturn 1, 4 als Saturn 1B) seit 1966.

Der Start
Bei T -6 h am frühen Morgen des 11. Oktober 1968 wurden die 1. und die 2. Stufe der Saturn 1B mit flüssigem Sauerstoff betankt, nachdem bereits einige Stunden zuvor das Kerosin eingefüllt worden war. Bei T -4 h wurde der flüssige Wasserstoff in die 2. Stufe gepumpt. Bei T -2 h und 27 m bestiegen die Astronauten die APOLLO-Kapsel und bei T -2 h wurde die neukonstruierte Außenluke von Außen verschlossen. Innerhalb der Kabine befand sich jetzt ein Luftgemisch aus 60% Sauerstoff und 40% Stickstoff bei 1 atm. Druck, während die Astronauten in ihren Raumanzügen reinen Sauerstoff einatmeten.

Die Untersuchungen der APOLLO 1-Katastrophe hatte dazu geführt, dass die NASA während des Starts auf eine reine Sauerstoffatmosphäre verzichtete, da diese leichter entflammbar war als ein Sauerstoff-Stickstoff Gemisch. Bei T -7m wurde der Countdown unterbrochen, weil Messgeräte anzeigten, dass die mit flüssigem Wasserstoff gefüllte Brennkammer der 2. Stufe nicht die erforderliche Temperatur von -120° C aufwies. Erst als diese erreicht war, wurde der Countdown nach 2 m 45 s wieder aufgenommen. Bei T -3 s zündeten die J2-Triebwerke der Saturn 1B und hoben APOLLO 7 vom Startkomplex 34 um 11:02:45 a.m. EST empor.

Zum ersten Mal wurde diese Trägerrakete eingesetzt, um Menschen in den Orbit zu befördern und sie arbeitete perfekt, nur in der ersten Startphase etwas laut, wie die Astronauten über Funk meldeten. Ihre 2. Stufe war die S-IVB, die als 3. Stufe beim späteren Mondflug das lunar module enthalten würde und voll manövrierfähig war. 2 m 25 s nach dem Start erfolgte die Trennung von der 1. Stufe. Die Zündung der 2. Stufe war ebenfalls erfolgreich und brachte den nötigen Schub, um die Astronauten nach 5 m und 54 s auf die vorgesehene Umlaufbahn mit einem Perigäum von 222 km und einem Apogäum mit 280 km zu transportieren.

Die Mission
Im leicht Orbit angekommen, wurden zunächst etwa eineinhalb Erdumkreisungen durchgeführt, bevor die S-IVB vom APOLLO-Raumschiff (C/SM-Konfiguration = command und service module) getrennt wurde und vorausflog. Die Umlaufhöhe varrierte leicht zwischen 227 km in Perigäum und 285 km im Apogäum.

Danach begann das erste von insgesamt 20 Rendezvous-Manövern, bei dem das C/SM gedreht wurde und sich der S-IVB annäherte. Diese Tests waren notwendig, da später in der 3. Stufe der Saturn V die Mondlandefähre untergebracht war (aber nicht bei dieser Mission!) und die Aufgabe der Besatzung darin bestand, das LM mit Hilfe des Andockstutzens herauszuziehen, zu drehen und mit ihm voran in Richtung Mond zu fliegen.

Bei der Rückkehr vom Mond war geplant, dass sich das LM auf der Parkbahn dem APOLLO-Raumschiff annähert und schließlich an diesem andockt. Für den Fall, dass dieses aufgrund eines technischen Defekts nicht möglich war, wurde das umgekehrte Manöver, nämlich das Andocken des C/SM an das LM geprobt - mit Erfolg.

Eine danach geplante TV-Übertragung mittels einer speziell von RCA (Radio Corporation of America) bereit gestellten Kleinstkamera mit 160°-Weitwinkel musste entfallen, da man den Astronauten Ruhe gönnen wollte für ihre nächsten Aufgaben. Schließlich war ihr Flugplan ziemlich dicht gedrängt, bei einem 16 h-"Arbeitstag" und 8 h "Nachtruhe", wobei letztere aber oft genug nicht eingehalten werden konnte. So kam es erst am 14. Oktober um 10:45:00 a.m. EST zu einer Live-Sendung aus dem Weltraum.

Zwischenzeitlich ergaben sich eine Reihe kleinerer Probleme. Die Anzeigen der CapCom-Konsole in Houston (control-team: Glynn Lunney, Eugene Kranz und Gerald D. Griffin) meldeten, der Andockstutzen sei nicht voll funktionsfähig und ein Kopplungsmanöver könne daher nicht eingeleitet werden. Das aber war lediglich ein Softwarefehler, der aber bereits bei GEMINI 9 fast zum Abbruch der Mission geführt hatte. Derartige Fehlermeldungen sollten indes auch spätere APOLLO-Missionen begleiten und stellten ein nicht zu unterschätzendes Risiko dar, denn wenn ein per Computer angezeigter Fehler tatsächlich vorhanden war, konnte unter Umständen eine Gefährdung der Astronauten eintreten. Hier entschloss man sich, die Meldung zu ignorieren und die Tests einfach weiterzuführen. Als weniger unbegründet stellte sich wenig später der Stromabfall in einer der Brennstoffzellen heraus. Dieser konnte zwar vorübergehend eingedämmt werden, ließ dann aber den Wiedereintritt zunächst problematisch erscheinen. Letztlich blieb aber die Sorge ebenfalls unbegründet, dass man für das Zünden des Haupttriebwerks kurz vor dem Wiedereintritt, nicht genügend Strom haben würde.

Außerdem zeigte das APOLLO-Raumschiff während des gesamten Fluges seitliche Kursabweichungen, die, wie sich erst sehr viel später herausstellte, ihre Ursache in der Restatmosphäre hatten, die das Schiff abbremste und die Besatzung zu häufigen Kurskorrekturen zwang.

Am 16. Oktober, dem 5. Tag der Mission von APOLLO 7, wurde aufgrund der bis dahin erfolgreich abgeschlossenen Tests und Experimente beschlossen, den Flug noch um einige Tage zu verlängern. Einige Stunden später dann gab es wiederum eine Live-TV-Schaltung zur Erde, am nächsten Morgen die nächste.

Ein wesentlicher Teil der Aufgaben der drei Astronauten entfiel auf Tests der elektrischen Systeme an Bord des C/SM und diese arbeiteten, von wenigen Ausnahmen abgesehen, hervorragend. Eine dieser Ausnahmen war, dass sich eine der drei im service module befindlichen Brennstoffzellen überhitzte, was aber durch entsprechende Eingaben in den Bordcomputer bereinigt werden konnte.

Das nächste Problem war die hohe Feuchtigkeit innerhalb der Kommandokapsel, die drei der fünf Fenster immer wieder beschlagen ließ, was vor allem die Erdbeobachtung und -fotografie behinderte, für die Andockmanöver und der Navigation mittels einem kleinen mitgeführten Teleskop und einem Sextanten anhand von 37 ausgewählten "APOLLO-Sternen" aber nur wenig hinderlich war. Donn Eisele, der diese Beobachtungen ausführte, konnte durch die Scheiben des APOLLO-Raumschiffs ungefähr 50 Sterne anpeilen.

Auch in anderer Hinsicht gab es reichlich Störungen während des Fluges, so war der Schutz vor (von einem der Astronauten) eingeschleppten Viren in der Atemluft nur unzureichend (man fand insgesamt 12 Mängel in den Filtersystemen), und alle bekamen eine Erkältung; und außerdem war die Entsorgung menschlicher Exkremente noch nicht zufriedenstellend gelöst. Diese Fehler wurden aber allesamt bis zum Start von APOLLO 8 behoben.

Dennoch kann die Mission von APOLLO 7 insgesamt als erfolgreich angesehen werden, erstmals war eine dreiköpfige amerikanische Besatzung in den Weltraum geflogen, erstmals wurde die komplette APOLLO-Konfiguration (C/SM Block II) getestet, erstmals kamen die APOLLO space suits zum Einsatz, erstmals gab es warme Speisen an Bord, erstmals verbrachten amerikanische Astronauten mehr Zeit im Weltraum als bis dahin alles sowjetischen Kosmonauten zusammen, erstmals atmeten sie während einer Mission ein Gemisch aus 60% Sauerstoff und 40% Stickstoff und erstmals gab es landesweite TV-Übertragungen von den Arbeiten der Astronauten im All.

Die Landung
Nach der Fernsehübertragung am 17. Oktober 1968 um 8:17 a.m. EST wurden noch einige Versuche durchgeführt. Am 18. um 5:30 a.m. EST verglühte die nunmehr leergebrannte S-IVB in der Atmosphäre über dem Indischen Ozean und knapp 3 Stunden später zündete Walter Schirra für 66 Sekunden das Haupttriebwerk des C/SM und veränderte die Flugbahn auf ein Perigäum von 188 km und einem Apogäum von 517 km. Wenige Stunden später zog man über das Startgelände Cape Canaveral hinweg, wo man vom Weltraum aus die bereits auf der Startplattform stehende Saturn V erkennen konnte, die APOLLO 8 kurz vor Weihnachten in den Orbit in Richtung Mond befördern sollte.

Am 21. Oktober gab es eine letzte TV-Übertragung um 8:21 a.m. EST, danach setzte Schirra das Haupttriebwerk abermals für wenige Sekunden in Betrieb und senkte das Apogäum auf 490 km herab. Für die erkälteten Astronauten ergab sich derweil ein ganz anderes Problem. Aufgrund ihres Schnupfens waren ihre Nebenhöhlen verstopft und im Innern der Kabine herrschte nur ein Druck von 0,33 Atmosphären. Damit ihnen die Trommelfelle bei Druckanstieg während des Wiedereintritts nicht platzten, gingen sie das Risiko ein, ohne Schutzhelm, dafür aber mit zugehaltener Nase und mit von den Lungen erzeugtem Gegendruck, die Landung einzuleiten.

Am 22. Oktober 1968 um 7:11:30 wasserte APOLLO 7 an drei rot-weißen Fallschirmen hängend im Atlantik, südöstlich der Bermudas in knapp 14 km Distanz zur U.S.S: Essex.

Besonderheiten:
 - APOLLO 7 war die einzige APOLLO-Mission, die im    Atlantik endete, alle anderen wasserten im Pazifik.
- Die Kapsel wurde während der Amtseinführung von Präsident Richard M. Nixon auf einem Floß vorbeigeführt.
- 30 Jahre lang befand sie sich danach in Kanada, im National Museum of Science and Technology.
- Heute steht sie zusammen mit Walter Schirras Raumanzug im Frontiers of Flight Museum nahe Love Field/Texas.
- Die offensichtlichen menschlichen Spannungen in der Mannschaft führten zu einer Neustrukturierung der Arbeiten am Boden und zur Beteiligung der Astronauten schon während der Phase der Missionsplanung
- APOLLO 7 war in fast jeder Hinsicht ein voller Erfolg. Alle Missionsziele wurden erreicht und so verzichtete man darauf– auch aus anderen Gründen, weil z.B. die Mondfähre nicht rechtzeitig fertig war – die nächste Mission ebenfalls im Erdorbit durchzuführen: APOLLO 8 flog 1968 in der Weihnachtszeit zum Mond, ohne jedoch dort zu landen.

Literatur (für diejeniegen, die noch Bücher kennen):
A. Chaikin: "A man on the moon", New York (1995)
T. M. Wilding-White: Jane´s Pocket Book 11: Space Exploration, London (1976)
Jesco von Puttkamer, Der erste Tag der neuen Welt, Frankfurt am Main (1981)
F. G. Delius: APOLLO 13 - Flucht aus dem All, München (1970)