Samstag, 22. September 2012

2. Astro-Tag bei Conrad in Hamburg-Wandsbek

Lange genug wurde der 2. Astro-Tag bei der Fa. Conrad in der Filiale in Hamburg-Wandsbek angekündigt, doch da ich just heute arbeiten musste, konnte ich nicht von Anfang an dabei sein. Im Gegenteil, da ich nicht wusste, wann der zusätzliche Arbeitstag zu Ende sein würde, hatte ich einen Besuch gar nicht erst eingeplant. Doch es kam anders. Der "Samstags-Einsatz" war kürzer als gedacht und so machte ich auf dem Nachhauseweg einen kurzen Abstecher in die Filiale an der Wandsbeker Zollstraße.




Zunächst war ich ein wenig enttäuscht, weil man von außen keine Aktivitäten bemerkte - ich hatte irgendwie erwartet, dass hier Teleskope für die Sonnenbeobachtung aufgestellt sein würden. Das änderte sich aber sofort nach dem Betreten der Filiale, man stieß erst auf den Stand des Hamburger Planetariums. Daneben wurde gerade der Vortrag von Stefan Seip über die "Faszination Astrofotografie" vorbereitet. Weiter hinten befand sich der Stand der GvA. Gegenüber standen die Teleskope der Fa. Meade/Bresser, außerdem wurde am heutigen Tag die neue Canon 60 Da präsentiert.




In seinem Vortrag, der fast drei Stunden andauerte, schöpfte Stefan Seip aus dem Vollen und zeigte fantastische Aufnahmen aus seinem umfangreihen Repertoire, gab viele Tipps für die Astrofotografie, Instrumente und Bildbearbeitung. Schade, dass nur so wenige Zuhörer da waren. 



Dieser Vortrag hätte wesentlich mehr verdient. Da ich erst so spät vorbeischauen konnte, habe ich die Teleskope und Stände etwa der GvA leider nur am Rande streifen können. Anscheinend hat sich aber nach meinem kurzen Eindruck die Veranstaltung gelohnt.

Mittwoch, 5. September 2012

Mit der historischen S-Bahn nach Aumühle


Fahrten mit historischen Bussen oder Zügen haben ihren eigenen, ganz speziellen Reiz. Zum einen werden Kindheitserinnerungen wach, zum anderen genießt man die Kurzreise mit Low-Tech-Verkehrsmitteln, bei dem sich die Konstrukteure beim Design noch echt Mühe gegeben haben und die darum nicht so steril und funktional wirken, wie bei modernen Bussen und Bahnen. Mein absoluter Liebling bei den Bussen ist der gute alte Magirus Deutz Saturn II, der in den 60er Jahren durch Hamburg fuhren, luftdruckgefedert waren und schon einen recht ordentlichen Komfort boten. Die später von der Hamburger Hochbahn AG beschaffte erste und die zweite Serie des Ende der 60er Jahre neu entwickelten Standard-Linienbusses Mercedes O 305 fand ich ob ihrer Zierleiste an der Fronseite potthässlich. Ohnehin war das Dach seinerzeit bei dem Bustyp sehr problematisch, durch Verwendung ungeeigneten Materials kam es dort sehr häufig zu Rostfraß und Korrosion, was beim häufigen Hamburger Regen immer sehr schnell ging. Dennoch setzte man in Hamburg auf die Fa. Mercedes, auch weil es etwa bei den neuentwickelten Magirus-Deutz 170 S 10-Schnellbussen häufige Bremsenversager gab. Mehrere Fahrer wurden damals bei Unfällen schwer verletzt oder sogar getötet.

Zu Bahnen hatte ich damals wie heute eher ein gestörtes Verhältnis, man fährt durch den Tunnel, sieht nicht, was vor oder hinter einem passiert und wenn man mal wieder irgendwo zwischen zwei Haltestellen festhängt, hat man keine Alternativen. Schon als Kind bin ich nur äußerst ungern Bahn gefahren, lieber mit Bus und Straßenbahn. Die Abneigung hat sich bis heute erhalten, obwohl ich täglich mit der U-Bahn zur Arbeit fahre. Dennoch besteht zumindest ein Grundinteresse an den alten Hamburger S-Bahnen, die ich seinerzeit entweder auf der Strecke zwischen Friedrichsberg und Ohlsdorf/Klein Borstel/Hoheneichen oder zwischen Friedrichsberg und Wedel benutzte. Die Fahrt nach Wedel war immer verbunden mit einem Besuch meiner Großeltern in Grünendeich. D.h. man fuhr mit der S-Bahn bis Wedel, von dort mit dem Postbus (!) zur Lühe-Schulau-Fähre und ließ sich dann übersetzen. So erstaunlich es klingt: Die Verbindung klappte immer, egal ob man mit der zur Deutschen Bundesbahn gehörenden S-Bahn, mit dem Postbus oder der Fähre fuhr. Der Bus fuhr erst los, wenn die S-Bahn-Passagiere umgestiegen waren und die Fähre fuhr erst los, wenn der Postbus die Fahrgäste abgeliefert hatte. Auch umgekehrt funktionierte es tadellos. Und musste die Fähre wegen Hochwasser in den Wedeler Tonnenhafen umgeleitet werden, wartete da der Bus auf die Fahrgäste. In der Gewinn orientierten heutigen Zeit undenkbar. Privatisierungen staatlicher Aufgaben sind eben nicht immer ein Gewinn!

Am 22. Juli 2012 rollte nun mal wieder der Museumszug ET/EM 171 082 zwischen Altona und Aumühle hin und her und man konnte die Fahrt dann noch mit einem Besuch des Lokschuppens in Aumühle verbinden.



Kurz nach 14 Uhr stieg ich dann zusammen mit André Wulff in den alten S-Bahnzug ein. Wir nahmen die 1. Klasse mit den etwas gepolsterten Sitzen. Etwas insofern, weil sie dann gegenüber den heutigen Sitzen noch recht unbequem waren. Auch dem Interieur sah man an, dass es eben kein moderner Zug war, angefangen von den Türen und den manuell zu öffnenden Türen bis hin zu Raucherabteilen, Nichtraucherwagen, der Gepäckablage oder dem alten Linienplan, worin noch elektrischer und Dampfbetrieb eingezeichnet war und es in Harburg noch die alte Haltestelle „Tempo-Werk“ gab. Der Zug enthielt sogar ein eigenes Abteil für mitreisende Hunde!



In Aumühle angekommen, war erst einmal ein kleinerer Fußmarsch zum Museum angesagt, der inmitten des Sachsenwaldes liegt. Auf dem Außengelände des Museums fanden sich diverse alte Loks und Wägen, darunter auch ein Exponat der Hamburger Wechselstrom S-Bahn (ET 99 1624 a+b), die bis 1954 auf der Strecke zwischen Ohlsdorf und Blankenese fuhr, dessen Innenleben aber leider nicht mehr vorhanden ist. 



Dafür gibt es im Wagen noch bis zum 9. September eine sehr sehenswerte Foto-Sonderausstellung zu dem Thema "Mit dem Schienenbus durch Marsch, Geest und Dünen".



Gegenüber stand ein 3-achsiger preußischer Durchgangswagen 2. und 3. Klasse, der 1914 bei der Waggonfabrik Steinfurt in Königsberg gebaut, 1935 umgebaut und dann bis 1962 in Schleßwig-Holstein im regulären, fahrplanmäßigen Einsatz war.



Weiters fand sich noch ein 3-achsiger preußischer Abteilwagen 3. Klasse, der 1905 bei der Waggonfabrik Hofmann in Breslau gebaut und 1919 als Reparationsleistung an Belgien ausgeliefert wurde.

Im eigentlichen Lokschuppen waren verschiedene Stände aufgebaut und man konnte neben dem 1956 bei MAN in Nürnberg gebauten „Uerdinger Schienenbus“, dessen Typus auch bei der ehemaligen Alsternordbahn (ANB) und der AKN (Altona-Kaltenkirchen-Neumünster Eisenbahn AG) im Einsatz war, auch ein noch zwei in der Restaurierungsphase befindlichen Exemplare der Wohldorfer Kleinbahn besichtigen. Schlussendlich gab es hier dann auch noch die „Nebenbahn Tenderlok der Prenzlauer Kreisbahn Nr. PK 3“, erbaut 1902 bei den Stahlbahnwerken Freudenstein in Berlin.



An der Stirnseite der Halle befand sich dann noch eine Wand mit alten, zum Teil beleuchteten, Haltestellenschildern, auch von solchen, die es heute in Hamburg nicht mehr gibt. Wie die ehemalige Haltestelle Tempo-Werk (sie bestand von 1935 bis 1984, wurde durch die neue S-Bahnlinie S 3 ersetzt und zurückgebaut) oder der frühere Endpunkt der Linie U 2 am Hellkamp (die liegt heute zwischen den Haltestellen Osterstraße und Lutterothstraße und wurde von 1914 bis 1965 genutzt – erkennbar an dem sich deutlich ausweitenden Tunnelwänden).

Auch gibt es hier Tafeln mit der Geschichte der ehemaligen Rothenburgsorter U-Bahnstrecke, die seit 1915 betrieben und während der alliierten Luftangriffe im Juli 1943 im Rahmen der Operation Ghomorra völlig zerstört wurde. Während des Feuersturms wurde praktisch der ganze Stadtteil ausgelöscht, ca. 90% der Gebäude zerstört. Wie viel Tote es damals in Rothenburgsort gegeben hat, weiß man bis heute nicht. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Stadtteil nur noch in Ausnahmefällen für die Wohnbebauung freigegeben. Zum Einen, weil man eine andere Planung für den Stadtteil vorsah (u.a. eine geplante, aber nie realisierte Erweiterung eines bis heute dort nicht errichteten Binnenhafens) und zum Anderen, weil in mehreren Metern Tiefe auch heute noch Restfundamente und in diesen nie geborgene, sterbliche Überreste vorgefunden werden können. Somit wurde auch die U-Bahnstrecke nicht wieder aufgebaut. Viel ist davon nicht übrig geblieben. Durch die Anordnung der Häuser an der Billstraße kann man den ehemaligen Streckenverlauf erkennen und beim Bahnhof Rothenburgsort findet sich noch ein Brückenwiderlager. Erst 1958 wurde die von der S-Bahn  betriebene Linie S 2 mit Gleichstrombetrieb eröffnet, die 1969 nach Aumühle erweitert wurde.



Im Freien konnte man denn entweder im kleinen Café pausieren, für Kinder wurden Draisine-Fahrten und Kurzstrecken mit einer kleinen Bimmelbahn angeboten. Ein Tag, der Lust machte auf mehr, zum Beispiel auf den Verkehrshistorischen Tag in Hamburg am 21. Oktober 2012.

Meteoriten-Ausstellung in Oldenburg



Erst zum Ende der seit Mai laufenden Ausstellung mit dem bombastischen Titel „Meteoriteneinschlag – Außerirdische Steine im Landesmuseum Natur und Mensch“ schaffte ich es, gemeinsam mit André Wulff, mir das ganze einmal anzuschauen.


Ein Parkplatz war am Samstag, den 1. September 2012, leicht in der Nähe des zentrumsnah gelegenen Museums zu finden. Der Eintrittspreis war erstaunlich niedrig und so begannen wir unseren Rundgang.

Als erstes stießen wir auf ein Fundstück aus der Region: den Benthullen-Meteoriten. Der war bereits 1944 oder 1945 beim Torfstechen in Benthullen, einem Ortsteil der Gemeinde Wardenburg, im Oldenburger Land gefunden worden. Genauer gesagt, im Hochmoor der Region. Und dieses war es denn auch, der den 4,56 Mrd. Jahre alten L6-Chondriten mit einem Gewicht von 17,25 kg (mit einem mit Steinen gefüllten Sack vor der Vitrine konnte man mal ausprobieren, wie schwer das ist) erhalten hat. Normalerweise wäre er, da Chondrite sehr viel Eisen erhalten, an der Oberfläche verrostet gewesen, doch der Stein wies bei seinem Auffinden, da lag er – wie spätere Untersuchungen, u.a. am Mineralogischen Institut der Universität Hamburg ergaben – schon seit mindestens 120 Jahren schon im Moor und war durch einen Bauern bereits ein Jahr zuvor aus dem Boden geholt worden und wies noch die Spuren des Durchgangs durch die Erdatmosphäre auf. Dieser Stein ist der größte, jemals in Deutschland gefundene und befindet sich seit 1949 im Museum.


Ein paar Meter weiter fanden wir in einer weiteren Vitrine den Oldenburg-Meteoriten, ebenfalls ein Chondrit der Klasse L 6 war, aber nicht mit obigem verwechselt werden darf, da er bedeutend weniger Silikate enthielt. Seine Entdeckung war durchaus spektakulär. Am 10. September 1930 hörten um 14:15 Uhr Anwohner in Oldenburg einen lauten Knall: Ein Meteorit war in, wie man heute annimmt, zwei große Teile zerborsten und in der Nähe von Bissel in der Gemeinde Großenkneten und in Brevenbruch, in der Gemeinde Garrel, niedergegangen. Wie man später abschätzte, war er in rund 4 km Höhe auseinandergefallen und 23 km südlich von Oldenburg, bzw. 4,4 km nordwestlich von Bissel auf die Erde gefallen. Interessant am Rande: Das Auffinden der Bruchstücke war nicht einfach und 1995 wurde eines davon zum Verkauf angeboten und befindet sich heute in Privatbesitz.

Neben den Originalen aus der Region fanden sich im Museum zahlreiche Leihgaben, z.B. des Naturkundemuseums in Berlin oder des Mineralogischen Instituts der Uni Hamburg. Dazu zählen ein 9,2g schweres Endstück des Peetskill H 6 Chondriten. Was hier so harmlos aussieht, machte durchaus Schlagzeilen. Am 9. Oktober 1992 war ein 12,4 kg schwerer H6-Chondrit, der von den Draconiden abstammte. Benannt nach einem kleinen Ort im US-Bundesstaat New York, fiel er gegen 19:50 Uhr Ortszeit in den Kofferraum eines schon betagten 1980er Chevrolet Malibu Classic V 8 der 18jährigen Studentin Michelle Knapp und hinterließ ein 15 cm tiefes Loch im Asphalt unter dem Auto. Dieses wurde später vom Meteoritensammler Allan Langheinrich aufgekauft und ist seit dem regelmäßig auf Ausstellungen zu besichtigen, und das auch in Oldenburg!


Unser weiterer Weg führte zu weiteren Ausstellungsstücken, wie dem Bruchstück des Mondmeteoriten Dar al Gani 262, der 1997 in der libyschen Wüste gefunden worden war sowie ein Dünnschliff – winzige Abschliffe, die der näheren mikroskopischen Untersuchung dienen -, der Einblick in den inneren Aufbau des Achondriten (Steinmeteorite ohne Silikateinschlüsse) gewährt. In der gleichen Vitrine fand sich auch ein Teil des etwas mehr als 1,4 kg schweren Dar al Gani 400-Mondmeteoriten, der am 10. März 1998 unweit der Nr. 262 gefunden worden war. Ein anderes Bruchstück davon lag in einem der anderen Schaukästen, neben der Nr. 476, die am 1. Mai 1998 gefunden wurde.




Neben den vielen kleinere Steinen – es fanden sich noch viele weitere Steinmeteorite – die weltweit am häufgsten gefundenen Meteorite – winzige kohlige Chondrite, große Impaktgesteine, Tektite, Suevite etc. Hinweistafeln wiesen auf die Entstehung von Glaskügelchen beim Meteoriteneinschlag oder die unterschiedlichsten Untersuchungsmethoden bei Meteoriten hin. In kleinen Videos konnte man hier viel über die Bearbeitung von Fundstücken und deren Analyse erfahren. In der hinteren Ecke der 1. Etage informierten die Oldenburger Sternfreunde über ihre Arbeit, es waren ein Refraktor und mehrere Fototafeln aufgestellt.


Im darüber gelegenen Stockwerk ging es schon ein wenig spaßig zu. Im Rundgang ging man durch zwei offene Tunnel und konnte sich hier auf Bildern diverse Einschlagkrater, apokalyptische Vorstellungen, Massenaussterben von Pflanzen und Tieren, die Bedeutung und Nutzung von Meteoriten etc. anschauen ... und wenn man wollte, sich von Space-Musik berieseln lassen. Weitere Räumlichkeiten luden zu Filmbeiträgen oder abchillen mit Weltraummusik und Astrobildern ein. 



Zur letzten Station der Meteoritenausstellung gehört im Erdgeschoss der bereits oben erwähnte 1980er Chevrolet Malibu Classic V 8, für den die ehemalige Besitzerin angeblich 69.000 US-Dollar erhalten haben soll und der durch viele Museen der Welt tourt (zur Ausstellungseröffnung war er noch nicht dabei, weil der deutsche Zoll ihn nicht freigeben wollte …).



Wenn man Zeit genug mitbringt, kann man sich noch weitere Teile dieses interessanten Museums anschauen. So ist der Bereich über die Moore mindestens ebenso spannend, wie die Mineraliensammlung im Kellergewölbe oder das Aquarium.