Sonntag, 10. Juni 2012

Tag der offenen Tür auf der Sternwarte Bergedorf



Es war der denkbar ungünstigste Termin, den man sich aussuchen konnte: Mitten während der Fussball-EM 2012 und ausgerechnet am Tag des ersten Gruppenspiels gegen Portugal fand auf der Sternwarte Hamburg-Bergedorf anlässlich ihres 100 jährigen Bestehens ein Tag der offenen Tür statt. Überdies waren die Wetteraussichten eher typisch für den Juni, nämlich schlecht.

Aufgrund dieser Konstellation rechnete ich nicht mit einer großen Besucherzahl. Ursprünglich hatte ich nebenbei ein kleineres Treffen der GvA-Sonnenbeobachter geplant, die hier nicht nru ihre eigenen Sonnenfernrohre zeigen, sondern diese auch miteinander vergleichen konnte. Daraus wurde leider nichts, da ab Mittag der Himmel völlig zuzog und als ich André Wulff abholte es sogar nach einem kräftigen Gewitter aussah.

Zunächst war auch nur ein Sternfreund auf der Wiese vor dem Sonnenbau anwesend, der hier mutig sein Fernrohr aufgebaut hatte. Später kamen andere Mitglieder aus dem Förderverein hinzu und präsentierten ebenfalls ihre Instrumente. Man konnte die Fernrohre nur zeigen, aber an eine Sonnenbeobachtung war zu keinem Zeitpunkt auch nur zu denken.

Dafür nahmen wir uns die Zeit, in die einzelnen Kuppeln zu gehen und die Instrumente bei Tageslicht zu fotografieren, dazu hat an während der Führungen, die ich seit über einem Jahr dort auch mitmache, in der Regel nicht die Zeit. Auch das im Innern schon weitgehend fertig restaurierte Meridianhaus mit den Sockeln für das ehemalige Meridianfernrohr, das sich gegenwärtig im Archiv des Deutschen Museums in München befindet, konnte man erstmals nach langer Zeit mal wieder besichtigen – für mich war es sogar das erste Mal.

Sockel des Meridianfernrohres im Meridianhaus

Im Hauptdienstgebäude konnte man in der Bibliothek Fachvorträge über den aktuellen Stand der astronomischen Forschung der Hamburger Sternwarte, z. B. über Sternatmosphären, Hochenergieastrophysik, Galaxienforschung oder Exoplaneten hören. In der oberen Etage wurde die Arbeit der Sternwarte vorgestellt und im Parterre gab es wieder den beliebten Shop, wo man sich mit Jacken, Becher, Bilder und Büchern der Sternwarte eindecken konnte.

Rückseite des Hauptdienstgebäudes

Interessant war es auch im – anscheinend nur wenig besuchten – Laborgebäude, denn das ging es wahrlich ans Eingemachte. Im ersten Raum waren einige Platten aus dem Archiv der Hamburger Sternwarte ausgelegt, die von Bernhard Schmidt belichtet worden waren. Dazu konnte man drei seiner Originalschreiben an die Sternwarte einsehen. Mit A3-Scannern, die ebenfalls in dem Raum standen, wird derzeit das Plattenarchiv der Sternwarte digitalisiert. In einem weiteren Raum standen ein alter Blinkkomparator und das Hamburger Mikrodensitometer G1010 (PDS) war am arbeiten. Im Gang konnte man viele Hinweistafeln sowie ein altes Plattenmessgerät besichtigen, an dem 1219 Photoplatten für den AGK 2 und 1939 Platten des AGK 3 manuell mit dem Auge erfasst und katalogisiert wurden! Überdies konnte man hier viel über eines der Hauptarbeitsmittel des Astronomen, die Spektroskopie, erfahren.

Altes Plattenmessgerät

Blinkkomparator

In der Direktorenvilla hinter dem Hauptgebäude sind mehrere Arbeitsgruppen der Sternwarte untergebracht und diese stellten hier per Poster und Beamer ihre Arbeit etwa über Quasare, Gravitationslinsen, aktive Sterne und Exoplaneten vor und erläuterten, wie Spektren entstehen und was man alles aus ihnen herauslesen kann.

Nachdem wir den großen Rundgang unternommen hatten, zu dem natürlich auch das älteste Instrument der Sternwarte, das Äquatorial mit seiner 26 cm Linse um 3 m Brennweite, das bereits auf der alten Sternwarte am Millerntor für vielfältige Beobachtungen von Kleinplaneten, Veränderlichen Sternen und für die Erstellung eines ersten Sternkatalogs genutzt worden war, suchten wir die Außengastronomie auf.

Außengastronomie

Man hätte sich auch einer der stündlich stattfindenden Führungen anschließen können, aber da man die ja selber macht, erschien und das als nicht sehr sinnvoll. Stattdessen war nach dem Würstchen vor dem Rundgang jetzt Kaffee und Kuchen danach angesagt. Hier trafen wir auch auf Sternfreunde aus Kiel, die extra zum Tag der offenen Tür angereist waren. Wer wollte, konnte sich verpflegungstechnisch zwischen den zwischen Großem Refraktor und Direktorenvilla aufgestellten Zelten oder dem Café „Raum und Zeit“ im Besucherzentrum entscheiden.

Und, was erstaunlich war, trotz der Fussball-EM, trotz des leichten Regens, der zwischendurch auf uns niederging, kamen sehr viele Besucherinnen und Besucher zur Sternwarte. Wesentlich mehr, als ich gedacht hatte. In der Hauptsache waren es Mütter mit ihren Töchtern und Söhnen, und gerade für die Kleinen wurde auch eine ganze Menge geboten. So gab es im Besucherzentrum beim 1m-Spiegel kleine Vorträge für Kinder ab 6 Jahren über das Sonnensystem, oder für 7jährige über die Frage, wie viel Sterne am Himmel stehen. Es gab außerdem eine Kinder-Rally sowie den Start von Wasserraketen zu bewundern. Und im Sonnenbau fanden Malwettberwerbe statt.

Der Start der Wasserrakete steht unmittelbar bevor

Kurz nach 18 Uhr, als das EM-Spiel Niederland gg. Dänemark begonnen hatte, leerte sich das Gelände sehr schnell. Waren davor noch spielende und tobende Kinder mit ihren Eltern anzutreffen, war es mit einem Mal fast leer. Kurz danach brachen wir auch dann auch auf. Doch das Besichtigungs- und Vortragsprogramm – im Besucherzentrum z.B. über die Sternwarte als Kulturdenkmal, Galaxienforschung und Sternentstehung, lief trotzdem weiter.

Der diesjährige Tag der offenen Tür dürfte die Sternwarte trotz der widrigen Umstände und der eher suboptimalen Witterungsbedingungen ein voller Erfolg gewesen sein.

Freitag, 8. Juni 2012

Venustransit am 06.06.2012 – reif für die Insel

Zum letzten Mal in unserem Leben wollten wir, das waren mehrere Leute aus der GvA Hamburg, einen Venustransit erleben. Aufgrund der Stellung der Erdbahn gegenüber der Venusbahn kommt es nur sehr selten zu einem Durchgang des Planeten vor der Sonne: Zweimal innerhalb von 8 Jahren, entweder im Juni oder im Dezember, danach ist entweder 105 oder 122 Jahre lang Pause. Aus diesem Grunde konnte man beispielsweise im 20. Jahrhundert gar keinen Transit beobachten.

Zum Glück haben wir es anders: Nachdem ich den 2004er Durchgang in der Nähe von Hildesheim beobachten konnte – wo uns die ortsansässige Bevölkerung noch mit Kuchenpaletten versorgte, weil wir sie durch die Fernrohre haben blicken lassen, wurde uns die Entscheidung, wo wir das 2012er-Ereignis beobachten konnten. Im Gegensatz zu 2004 war dieses Mal nur die Endphase und nicht der vollständige Transit zu beobachten.

Viel entscheidender aber war die Wettersituation und selbst am 5. Juni war noch immer nicht klar, wo es denn klar sein würde, weil von Westen ein kompaktes Tiefdruckgebiet heranzog. Die Frage war, wann dieses vor Ort sein würde. Auf den Mailinglisten wurde spekuliert, evtl. nach Rügen, Usedom oder Polen auszuweichen, es schlug sogar jemand vor, bis an die polnisch-weißrussische Grenze zu fahren.

André Wulff und ich hatten uns irgendwann auf die Ostküste der Insel Fehmarn festgelegt, weil das Wetter dort doch sehr eigen ist, wir aber in den Wetterberichten der Tage vorher immer mitbekamen, dass dort die meisten Sonnenscheinstunden verzeichnet wurden. Überdies gab es mehrere Quellen im Internet, über die sich die Entwicklung leicht per Handy verfolgen ließ.

Da der Sonnenaufgang auf der Insel um 4:48 Uhr MESZ erfolgen sollte, überlegten wir, ob wir nun morgens ganz früh losfahren sollten, oder am Abend vorher. Wir entschieden uns für letzteres, nachdem sich mit Klaus-Peter Daub, Michael Steen, Christian Harder und Ulrich Rieth uns angeschlossen hatten. Ulrich hatte vorher noch einen Parkplatz in der Nähe von Marienleuchte ausgemacht und die Koordinaten per Mail mitgeteilt. So kam es, dass außer uns noch weitere GvA-Mitglieder sowie Sternfreunde aus dem Süden auf der Insel auftauchten. Doch vorher traf sich die „Fehmarn-Gruppe“ auf dem Rastplatz Buddikate, von da aus ging es gemeinsam auf die Insel.

Nach einem kleinen Fahrmurph auf der Insel kamen wir kurz nach Mitternacht am Parkplatz an. Hier standen schon drei Wohnmobile, aber sie gehörten nicht zu den Astronomieinteressierten. Wir parkten die Fahrzeuge so, dass die Heckklappen in Richtung Ostsee zeigten und wir so bequem aus dem Auto heraus alles aufbauen konnten. Einige bauten zu dieser Stunde schon mal ihre Kameras auf und machen erste Testaufnahmen. Beeindruckend waren die vielen Lichter auf der Ostsee, die nachts auch nicht mehr vollständig dunkel wird und durch die blinkenden Warnlichter der Offshore-Windkraftanlagen erhellt wird.

Da es noch gut vier Stunden bis zum Sonnenaufgang dauerte, beschlossen wir, in den Autos ein wenig zu schlafen, was aber nur leidlich funktionierte. Ein paarmal – gerade als man wieder im leichten Schlummer versunken war - rief Hartwig Lüthen an, um die aktuelle Wolkenbewegung auf der Insel zu erfragen. Zwischendurch sahen wir noch einen Überflug der ISS (die Uhrzeit weiß ich nicht mehr, da ich irgendwann durch einen Anruf geweckt wurde, mich im undefinierten Zustand zwischen gediegenem Halbschlaf und Wachsein befand und dann nach draußen geschaut hatte).

Kurz nach drei waren aber alle wieder wach und wir bauten in aller Ruhe unsere Instrumente auf. Ich hatte sowohl meinen 80/400er Refraktor dabei (den sich André auslieh), als auch mein 80/520 mm-Quadruplet, an das ich meine Canon 1100 D hängte. Danach hieß es warten, nach dem vermeintlichen Aufgangspunkt der Sonne Ausschau halten und die blinkenden Lichter der Windkraftanlagen zu beobachten.

Inzwischen hatten sich auch die anderen Vereinskollegen endlich mal entschlossen, wohin sie fahren wollten; sogar aus Heidelberg kamen Sternfreunde angereist und bezogen nahe der neuen Seebrücke in Heiligenhafen zusammen mit den nachgereisten Kollegen aus Hamburg ihren Standort.

Schließlich war es soweit: Zum vorhergesagten Zeitpunkt zeigte sich erst eine Aufhellung an der Unterkante einiger Wolken, dann folgte die deformierte Oberkante der Sonne, stieg höher und mit einem Mal war ein fetter dunkler Punkt zu sehen: die Venus vor der Sonne! Langsam stieg die aufgrund der Refraktion stark verformte Sonne höher (auch die Venus war mal quaderförmig, dann zweigeteilt, oval, insgesamt also sehr variabel in der Form) und bot einen fantastischen Anblick mit der Venus vor ihrer Scheibe. Sie durchwanderte Cirrus- und andere Bewölkung und konnte gerade am Anfang sehr bequem ohne Sonnenfilter fotografiert werden. Das ergab schöne Aufnahmen mit am Horizont vorbeifahrenden Schiffen vor der Sonne und mit der Venus als dicken, fetten, schwarzen, runden Fleck, bedeutend größer, als alle gerade sichtbaren Sonnenflecken!

Auch die Natur erwachte. Seit den frühen Morgenstunden nervten uns die Geräusche eines nahen Kuckucks – oder waren es mehr? - so sehr, dass wir schon Pläne machten, wie wir ihn zu einer schmackhaften Mahlzeit verarbeiten konnten. Auch verbale Drohungen und Beschimpfungen als „Hilfsgeier“ halfen da wenig.

Und als die Sonne höher stieg und man sie nicht mehr ohne Filter fotografieren konnte, zog mehrmals eine ausgesprochen geruchsintensive Güllewolke über uns hinweg, die dermaßen stank, dass wir schon ABC-Alarm ausrufen lassen wollten. Das war deutlich mehr, als ein bis zum Rand gefülltes Dixie-Klo herzugeben vermochte …

Die Zeit verging relativ schnell, bis sich die Venus dem Sonnenrand annäherte. Mit dem Wetter hatten wir unheimliches Glück, denn die aus Südwesten heranrückende Wolkenfront blieb in Höhe des nach Westen wandernden Mondes stehen. Nur Richtung Nordost - und somit der Sonne zugewandt - zogen mehr oder weniger dünne Wolkenschichten parallel zu unserem Standort vorbei.

Mit zunehmender Höhe stieß die Sonne dann aber in die Cirrusbewölkung vor und es zogen häufiger dünne Wolkenschichten an ihr vorüber. Und während Venus kurz davor war, den Rand zu berühren, bildete sich in der Tat das Tröpfchenphänomen. Dieses entsteht entweder bei zu schlechten Optiken oder schlechten Beobachtungsbedingungen. Man kann das auch anhand eines Experimentes selber nachprüfen, indem man Daumen und Zeigefinger so dicht vor das Auge hält, dass beide unscharf werden. Kurz vor der gegenseitigen Berührung bildet sich ein kleiner Steg: es liegt an der Unschärfe, der nicht klaren Trennung von Daumen und Zeigefinger. Und genauso ist es beim Tröpfchenphänomen. Doch hier war die Sachlage klar, die Cirren sorgten für eine starke Kontrastverminderung, sodass sich dieser scheinbare Effekt herausbildete.

Wir fotografierten den Vorübergang, bis nichts mehr von der Venus zu sehen war. Venustransit und untere Konjunktion waren vorüber, danach würde der zweitinnerste Planet wieder Morgenstern sein. Auch hier konnte man beobachten, dass der Transit im H-Alpha visuell noch zu verfolgen war, als man im Weißlicht schon längst nichts mehr gesehen hat.

Nun fiel schnell die innere Spannung von uns ab und wir freuten uns, dass wir dieses seltene Ereignis doch noch weitgehend beobachten konnten. Der ganze Aufwand, die lange Fahrt, die unbequeme Übernachtung, der Stress (und der Jetlag an den folgenden Tagen) waren mit einem Mal vergessen. Wir waren nur noch froh, dass wir alles gesehen hatten.

Inzwischen erwachte auch einer der ersten Bewohner eines der Wohnmobile und war scheinbar vollkommen unberührt von dem, was um ihn herum vor sich ging.

Die meisten von uns waren sich einig, dass wir den Transit mit einem gemeinsamen Frühstück beenden wollten. Zunächst hatten wir überlegt, irgendwo auf Fehmarn einzukehren, doch Hartwig und Konni meinten, dass es schöner wäre, wenn beide Gruppen gemeinsam frühstücken würden. So vereinbarten wir ein Treffen auf der ersten Raststätte auf dem Festland – es war der Parkplatz Neustädter Bucht. Während sich schon die „Gruppe Heiligenhafen“ gestärkt hatte, kam verspätet auch die „Gruppe Fehmarn“ hinzu. Wir tauschten unsere Erlebnisse und Erfahrungen aus (die man in diesem Leben nie mehr wird gebrauchen können). Danach löste sich die „Gemeinschaft der Transitbeobachter“ auf und jeder ging seines Weges.

Die Rückfahrt auf der A 1 gestaltete sich dann aufgrund eines Staus kurz hinter Reinfeld dann doch noch sehr nervig, weil wir dadurch etwa eine Stunde verloren. Gegen 11:30 Uhr kam ich dann endlich bei mir zu Hause an und ich ging dann erst mal ins Bett. Um 17:05 Uhr wurde ich wieder wach und um 17:10 Uhr rief André an, weil wir noch zur Bergedorfer Sternwarte fahren wollten. Nach einer Fast-Food-Mahlzeit bei einer Kette mit großem Buchstaben, wo wir die Bilder für einen Kurzvortrag zusammenstellten, ging es dann zur Sternwarte. Hier gab es einen Fachvortrag über die Geschichte der Venustransite. Im Anschluss daran berichtete André über unsere heutige Tour. Einen Tag später gab es beim Videoworkshop der GvA in Hamburg-Neu Allermöhe eine wahre Bilderflut mit vielen Ergebnissen von vielen Standorten. Dabei zeigte sich, dass man den Transit auch gut von Hamburg aus hätte beobachten können. Hier war das Wetter, entgegen aller Vorhersagen, doch ein wenig besser gewesen und man konnte unterschiedliche Phasen des Vorübergangs beobachten.

Der letzte Venustransit in unser aller Leben war beinahe spannender, als das Ereignis von 2004, weil man gerade bei Sonnenaufgang sehr viele interessante Phänomene bobachten konnte. Und es bewahrheitete sich mal wieder, dass man auch trotz widriger Umstände und ungünstiger Vorhersagen einfach Risiken eingehen muss. Am Ende wird man dann doch irgendwie belohnt.

Dienstag, 5. Juni 2012

Venustransit -8,5 Stunden


Momentan, kurz nach 20 Uhr, scheint in Hamburg die Sonne und es schiebt sich ein Hochdruckkeil herein. In der Nacht soll es sich aber zuziehen und morgen früh anfangen, zu regnen. Soweit die Theorie. Wie es kommen wird, werde ich auf einem Parkplatz bei Marienleuchte auf Fehmarn erleben. Es haben sich hier schon mehrere Beobachter aus der GvA-Hamburg angemeldet, das Ganze scheint sich gerade zu einem richtigen Treffpunkt zu entwickeln.

Wir werden die ersten sein, aber der ausgewählte Parkplatz inmitten von Windkraftanlagen ist lt. Google-Maps (mal die Koordinaten 54.470605 11.25324 eingeben) sieht sehr gut aus, bietet viel Platz und eine fast ideale Sicht nach Nordosten. Nun muss nur noch das Wetter mitspielen und das könnte in der Tat sehr spannend werden.

Theoretisch wäre auch die Beobachtung eines fotografischen Polarlichts denkbar. Auf jeden Fall verspricht der Venustransit zu einem kleinen Teleskoptreffen zu werden. Soweit es möglich ist, werde ich weiter von dort berichten.

Inzwischen ist alles verpackt und muss nur noch ins Auto geladen werden, dazu gehören zwei kleine Teleskope samt Sonnenfilter, eine 1100 D von Canon – die verleihe mein 80/400-Sonnenfernrohr und nehme stattdessen mein TS 80mm f/6,5 Quadruplet Astrographen. Ist zwar nicht dessen First Light – das misslang ja neulich auf der GvA-Außensternwarte in Handeloh -, aber das lag nicht am Instrument. Der Venustransit wird das Second Light und ich bin schon sehr gespannt auf die Ergebnisse, wenn wir denn welche zustande bekommen.

Venustransit -15 Stunden

Fast hätte man es vorhersagen können: Die Situation im Norden verschlechtert sich, je näher das Ereignis heranrückt, die Vorhersagen bei meteoblue sehen jetzt plötzlich ab 6 Uhr viele hohe Wolken, ab 7 Uhr viele mittelhohe Wolken und ab 8 Uhr eine 100 %ige Bewölkung, die sollte eigentlich später kommen. Derzeit sieht es so aus, dass das ganze Wolkengeschmodder doch wieder schneller vorankommt, als bislang vorhergesagt. Noch bestehen ein paar Chancen, dass wir zumindest einen Teil des Venustransits auf Fehmarn sehen werden, doch diese schrumpfen anscheinend von Minute zu Minute. Dennoch halten wir an den Plänen fest, heute Abend noch nach Fehmarn zu fahren, nur die Hoffnung, den kompletten Verlauf vom Sonnenaufgang bis zum 4. Kontakt zu beobachten, können wir wohl aufgeben.

2. Norddeutsches Sternwartentreffen

Der Arbeitskreis Sternwarte Lübeck (ASL) in der Johannes-Kepler-Realschule im Stadtteil Eichholz hatte schon im vergangenen Jahr zum Treffen in die „Stadt der Wissenschaft 2012“ eingeladen. Überschattet wurde das Ganze durch eine Großdemonstration in meinem Stadtteil, die ein früheres Losfahren erzwang.

Gegen 8:15 Uhr hatte ich meine Fahrgäste – Michael Steen und André Wulff – eingeladen und wir fuhren auf Umwegen zur A 1, kamen dann aber recht zügig voran und standen um 9:20 Uhr im leichten Regen vor der Sternwarte, wo die Lübecker Sternfreunde schon kräftig mit dem Aufbau des Catering und der Herrichtung des Vortragsraumes beschäftigt waren.


Bis zum Beginn des Vortragsprogramms um 11 Uhr stärkten wir uns mit Kaffee und Keksen und wir besichtigten die 3,25m-Kuppel mit dem 50-cm Astrographen von Planwave auf der Astro-Physics-El Capitan-Montierung. Der alte 48cm Newton-Cassegrain war 2010 samt Montierung abgebaut worden – das Teleskop ist heute das Hauptgerät der Neumünsteraner Sternfreunde.


Oliver Paulien und Torsten Lohf eröffneten pünktlich die Veranstaltung, begrüßten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – etwa 30 Personen – und gaben ein paar Regularien für den Tag sowie das Veranstaltungsprogramm bekannt. In der Zwischenzeit waren auch Jürgen Prahl und Hartwig Lüthen eingetroffen.


Das Treffen begann mit einem Fachvortrag von Prof. Dr. Lienhard Pagel vom Institut für Gerätesysteme und Schaltungstechnik der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik der Universität Rostock über „Instrumentelle Voraussetzungen für die Beobachtung Veränderlicher Sterne“. Darin vermittelte er Grundlagen über Sternhelligkeiten, ging auf die geeigneten Instrumente vom bloßen Auge bis zur CCD-Kamera (inkl. Vor- und Nachteile bzw. Begrenztheit der jeweiligen Systeme) ein und stellte unterschiedliche Typen von Veränderlichen Sternen (Eruptive, Pulsierende, Rotierende, Kataklsysmische, Bedeckungs- und sonstige Sterne) vor. Er berichtete aus der Arbeit der Bundesdeutschen Arbeitsgemeinschaft Veränderlicher Sterne e.V. (BAV) und stellte Lichtkurven einiger ausgewählter Veränderlicher vor.


Nach der ersten Pause, die die meisten zur Stärkung in der im Erdgeschoss eingerichteten Cafeteria nutzten, begann der erste Vortragsblock mit den Sternwarten, die sich bisher noch nicht auf der Tagung vorgestellt hatten.


Wolfgang Bergt, Schriftführer des Astronomischen Vereins Rostock e.V. berichtete über die astronomischen Aktivitäten in der alten Hansestadt, die von Beobachtungsabenden und Vorträgen über die Beteiligungen an Aktionen wie die Lange Nacht der Wissenschaften 2012, die Mitarbeit am Zustandekommen des Planetengartens, den Betrieb der Astronomischen Station „Tycho Brahe“ bis hin zur regelmäßigen Organisation der Teleskoptreffen in Lohmen. 20 km südlich von Güstrow reichen. Er gab einen kurzen Abriss der Geschichte des Vereins, erwähnte die Astrorunde - den Rostocker Astrostammtisch -, die Sonntagsvorträge im Planetarium der Stadt und erläuterte auch kurz die Astronomische Uhr in Rostock.


Michael Schomann, Schriftführer der Sternfreunde Braunschweig-Hondelage e.V. zeigte danach in lockerer Form Bilder aus den Anfangstagen des Vereins von der ersten Bauwagen-Sternwarte bis hin zur 1996 neu eröffneten Sternwarte – sie entstand mit der Hilfe von Sponsoren und viel Eigenarbeit. Die 5,3m-Baaderkuppel sitzt auf einem gemauerten Gebäude, in dem sich ein Vortragsraum befindet. Unter der Kuppel wurde ein 500mm-Spiegel mit 5000mm Brennweite von Philipp Keller mit einer Optik von Lomo installiert. Amüsant war auch der kurze Videofilm über die Sternwarte.


Marco Ludwig berichtete danach über die Neuerungen auf der Neumünsteraner Sternwarte und die gute Kooperation mit der Sternwarte Lübeck. Neumünster hat heute die größte Kuppel und Lübeck das größte Fernrohr in ganz Schleswig-Holstein. Der mit einem neuen Anstrich versehene Spiegel wurde anlässlich der 40-Jahr-Feier der Sternwarte Neumünster unter der frisch renovierten Kuppel der Öffentlichkeit präsentiert.


Die zweite Pause folgte und im ersten Beitrag wurde ein Grußwort des Vorsitzenden der Sternwarte St. Andreasberg, Utz Schmidtzko, durch Torsten Lohf verlesen. Dabei gab es bestürzende Nachrichten, denn auch im Harz machen sich die Freunde der nächtlichen Illumination breit. So soll es neue Skigebiete geben, um Touristen anzulocken und die Pisten sollen nachts voll ausgeleuchtet werden!


Hartwig Lüthen berichtete anschließend über die Außensternwarten der GvA Hamburg, zunächst in Neu-Wulmstorf (wo man wegen eines Spuash-Centers vertrieben wurde), in Bardenhagen (wo man einem Wellness-Center weichen musste) bis zum heutigen Standort in Handeloh. Er gab einen kurzen Überblick über die dortigen Aktivitäten der GvA mit den Handeloher Sternfreunden.


Im nächsten Vortrag gaben Karl Engeldinger und der 2. Vorsitzende des Regionalen Volks- und Schulsternwarte Tornesch Einblicke in ihre Arbeit, blickten zurück auf die erste Tagung 2011, stellten ihre Sternwarte vor, berichteten von diversen Veranstaltungen (wie der Ferienaktion mit Kindern) und Beobachtungsaktionen etwa zu den Perseiden auf dem Flugplatz Tornesch. Auch Besuche des MPI für Meteorologie in Hamburg, der Emberger Alm, der ATT und der Halde Hoheward gehörten 2011/2012 zu den Aktivitäten des Vereins.


Die dritte Pause folgte, danach standen noch drei kurze Beiträge auf dem Programm. Oliver Paulien und Torsten Lohf berichteten über eine Wanderausstellung in Lübeck aus Anlass des Wissenschaftsjahres 2012: Hochaufgelöste eigene Astrofotos wurden auf Alu Dibionds gezogen und gaben die Bilder mit hoher Brillanz wieder. Es wurde überlegt, die Ausstellung zu erweitern und auch über die Stadtgrenzen hinweg zu zeigen.


Michael Schomann gab einen kurzen Eindruck vom Sternfreundetreffen am 3. März 2012 im Planetarium Wolfsburg und die dortigen Möglichkeiten der Darstellung mit Fulldome-Projektoren und berichtete über die Veranstaltung. Schön zu sehen, dass es zwischen Planetarien und astronomischen Vereinen auch eine Zusammenarbeit geben kann, ganz im Gegensatz zu Hamburg, wo seit 2002 hierauf kein Wert mehr gelegt wird.


Marco Ludwig kam im letzten Beitrag auf die Website http://www.astronomie-nord/ zu sprechen, stellte die Neuerungen vor, zu denen die deutlich erweiterte interaktive Karte mit den Orten der einzelnen Sternwarten, Planetarien und Vereinen und die Übernahme des NAFT-Archivs gehören. Er rief auch zur Mitarbeit im Allgemeinen und bei der Pflege der NAFT-Seite auf.


In der abschließenden Bilanz der Veranstaltung wurde die Organisation gelobt, die Zusammenarbeit der norddeutschen Astronomievereine hervorgehoben und kurz über den nächsten Austragungsort diskutiert. Im Jahr 2013 könnte danach die 3. Tagung Norddeutscher Sternwarten (NST) vielleicht in Braunschweig oder Wolfsburg stattfinden.


Im Anschluss an die Veranstaltung bestand noch die Möglichkeit, beim Griechen in der Nähe zu Abend zu essen. Wir entschlossen uns aber, den Heimweg anzutreten, setzten Hartwig in Ahrensburg aus und fuhren dann am Rande der Demo wieder nach Hause. Die Reste durften am nächsten Tag „bewundert“ werden …

Venustransit -23 Stunden

Es ist nicht mal mehr einen Tag hin bis zum Venustransit und die Spannung steigt ob des Wetters: In den letzten Tagen war zwar zu beobachten, dass um den Sonnenaufgang herum der Himmel über Hamburg klar war, es danach aber rasch zuzog. Ein ähnliches Szenario ist nach den derzeitigen Prognosen für morgen früh zu erwarten. Allerdings werden in Hamburg wohl hohe Wolken das Himmelsschauspiel stören.

Die Frage ist, wohin man sich begibt. Da ich heute noch arbeiten muss, scheidet die Variante aus, ein oder zwei Tage vorher am Ziel anzureisen und da vom Hotelbalkon aus zu beobachten. Wäre zwar bequemer, aber als Arbeitsnehmer hat man das Problem, dass die Zahl der Urlaubstage begrenzt ist und ein Vielfaches davon habe ich schon durch die Auflösung der Wohnung meines Vaters und die Zeit nach seinem Tod inkl. Beerdigung verbraucht, sodass in diesem Jahr nicht mal mehr ein Sommerurlaub drin ist.

In den letzten Tagen hat sich die Region rund um Fehmarn  als die stabilste Wetterzone herausgestellt. Allerdings werden wir morgen früh wohl mit aus Westen heranrückenden Wolken zu kämpfen haben und der Frage, wann diese ankommen werden. Wir werden nach meteoblue wohl hohe bis mittelhohe Wolkenschichten bei Sonnenaufgang haben, die lassen aber prinzipiell noch Möglichkeiten für größere Lücken zu.

Wie zur Einstimmung, konnte ich heute Morgen schon mal einen kompletten Regenbogen sehen, der auch schön farbintensiv war.

Die grobe Planung für den morgigen Tag steht aber schon: Um 22:30 Uhr treffe ich mich mit anderen Vereinskollegen, die aus sehr unterschiedlichen Richtungen kommen, auf der Raststätte Buddikate an der A 1, dann geht es mit vier Fahrzeugen nach Fehmarn, dort Standort aussuchen (wahrscheinlich Marienleuchte), ein paar Stunden schlafen und dann in der beginnenden Morgendämmerung aufbauen und beobachten. Nach Ende des Venustransits soll dann in Burg auf Fehmarn gefrühstückt werden. Was sich davon nachher umsetzen lässt, wird man dann sehen müssen.