Dienstag, 29. Mai 2012

Astrotreffen im Mai – eine Betrachtung

Die Fachastronomie und die Amateurastronomie leben in erster Linie von Kommunikation, dem Austausch von Ergebnissen, der Beratung über neue Projekte und vielfältigen Diskussionen.

In diesem Mai hatte ich das Glück, an vielen Veranstaltungen teilnehmen zu können: Die ATT, das NAFT, die Lange Nacht der Museen auf der Bergedorfer Sternwarte, die SONNE-Tagung in Bremen und an den kommenden beiden Wochenenden das Treffen norddeutscher Sternwarten in Lübeck und der Tag der offenen Tür auf der Bergedorfer Sternwarte. Nehmen wir mal die beiden Bergedorf-Termine heraus (die ja überwiegend für die Öffentlichkeit gedacht sind), so fällt zweierlei auf:

· Immer weniger Besucherinnen und Besucher nehmen daran teil
· Die Besucherinnen und Besucher gehören häufig der Altersklasse 60+ an.

Eine Analyse dürfte schwierig werden, trotzdem will ich das aus meiner persönlichen Sicht einmal versuchen. Früher waren derartige Treffen wichtig, um in der Szene bekannt zu werden, um Kontakte zu knüpfen, Ergebnisse auszutauschen oder über Vorträge auf andere Sternfreunde aufmerksam zu werden. Allesamt Punkte, die heute über das Internet wesentlich schneller und effektiver ablaufen. Steigende Benzinkosten, die Wirtschaftskrise, astronomische und nichtastronomische Parallelveranstaltungen halten anscheinend viele potentielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Kommen ab.

So war das Norddeutsche Astrofotografentreffen das mit der geringsten Besucherzahl seit Langem, wenn nicht sogar überhaupt. In Hamburg gab es zeitgleich den Hafengeburtstag (viele schreckten wohl vor den Staus auf der Autobahn zurück). Die SONNE-Tagung glich einer Veranstaltung für die ältere Generation. Während am Freitag noch ein Lehrer mit seinen Schülern daran teilnahm, waren diese Leute am Samstag, wo es in den Amateurvorträgen darum ging, den Leuten zu zeigen, was sie selber machen können, nicht mehr da (mit meinen 51 Jahren war ich da fast schon der Jüngste und man wähnte sich im Altersheim  …). Desinteresse oder Alternative zur Schule am Freitag? Das verwundert umso mehr, als dass es in Foren wie dem Astrotreff jeden Tag viele hochklassige Sonnenbilder zu sehen gibt. Doch ist die Zahl der an den Beobachtungsprogrammen der Fachgruppe SONNE teilnehmenden Sternfreunde seit Jahren rückläufig und fast könnte man fragen, ob die SONNE-Tagung nicht irgendwann mal ausstirbt, weil es keine Besucher mehr gibt.

Auch auf der ATT war zu beobachten, dass zur Öffnung um 10 Uhr längst nicht mehr so viele Leute vor der Tür standen, als in den vergangenen Jahren, wo die Schlangen mehrere Hundert Meter lang waren. In diesem Jahr passten bei leichtem Nieselregen fast alle dicht gedrängt unter das Vordach. Auch später wurde das meinem Empfinden nach nicht wesentlich besser. Viele Händler hatten verkleinerte Stände, ein geringeres Angebot und manch ein Sternfreund wurde von seiner Liebsten am Stand weggezogen, damit er sich nicht „schon wieder so ein komisches Glasteil“ kauft. Aber auch die Amateurstände waren in diesem Jahr weit weniger gefüllt als früher. So konnte ich in diesem Jahr erstmals nichts mit dem „Haben-Wollen-Effekt“ finden, zumal auch ich mich frage, ob es sich überhaupt noch lohnt, Sachen für viel Geld zu kaufen, die man nur 1 oder 2x pro Jahr benutzt.

Mir scheint, dass das Interesse an astronomischen Veranstaltungen allgemein zurückgegangen ist. Ein Grund könnte sein, dass es im Mai einfach zu viele davon gibt und man jeden Samstag irgendwo unterwegs sein kann und mit Familienanhang ist das oft nicht machbar. Die gesamtwirtschaftliche Situation in Deutschland trägt sicher auch dazu bei, dass man sich überlegt, ob man für eine Tankfüllung irgendwo hinfährt oder für die Familie einkauft. Auch die Tatsache, dass man in diesem Land mehr oder weniger gezwungen werden soll, das Auto gegen das Fahrrad oder die Bahn zu tauschen, ist bei unserem Hobby nicht förderlich.

Als Quintessenz aus der Tatsache, dass die klassischen Veranstaltungen in der Astroszene – zumindest hier im Norden – offenbar immer weniger Zuspruch finden, muss man sich wohl doch mal fragen, ob die klassische Seminarform oder das reine Bilderzeigen noch zeitgemäß sind, oder ob man sich andere Formate ausdenken muss, die auch außerhalb des Internets funktionieren können.

Dienstag, 22. Mai 2012

35. SONNE-Tagung in Bremen

Seit 1977 veranstaltet die Fachgruppe Sonne der Vereinigung der Sternfreunde e.V. (VdS) regelmäßig einmal im Jahr an wechselnden Schauplätzen ihre SONNE-Tagung. In diesem Jahr fand die Zusammenkunft vom 17.-20.5. in Bremen statt.

Die SONNE-Tagung begann bereits am 17. Mai mit der traditionellen SONNE-Redaktionssitzung und einem Fachvortrag von Ulrich von Kusserow von der Bremer Olbers-Gesellschaft. Wegen der hohen Übernachtungspreise in Bremen – manche Einrichtungen verlangten über 100 EUR pro Nacht ohne Frühstück – und auch aus anderen Gründen entschloss ich mich, nur am Freitag und am Samstag an der Tagung teilzunehmen.


So fuhr ich am Freitag um ca. 7:45 Uhr los und kam etwa zwei Stunden später auf dem Gelände des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt auf dem Bremer Unigelände an. Auf der Suche nach den anderen Teilnehmern der Tagung traf ich auf Klaus Bussian und später wurden wir dann eingesammelt und zu den anderen gebracht, wo wir dann auch Michael Delfs aus Berlin, einem der Organisatoren der Tagung, trafen.

Für den Vormittag war eine Führung über das Gelände des DLR und zwei Vorträge vorgesehen. Im ersten stellte Dr. Frank Jansen nach der offiziellen Begrüßung durch Ulrich von Kusserow sein „Institut für Raumfahrtsysteme“, dessen Organisationsstruktur und seine Aufgaben, etwa im Bereich der Systemanalyse, der Entwicklung von neuartigen Antriebsystemen und den raumfahrttechnischen Wissenschaftsmissionen vor. Im zweiten Beitrag berichtete Dr. Dirk Stiefs über das darin eingebettete DLR_School_Labs, dessen Aufgaben und Ziele. Dazu zählen u.a. Besuche von Schulklassen aus der Region, Lehrerfortbildungen und verschiedene Sonderveranstaltungen für Kinder und Jugendliche. Für dieses Projekt stehen auch zwei Teleskope, ein 60/500 mm Refraktor für die Weißlichtbeobachtung und ein 60 mm Hα-Teleskop zur Verfügung. Eindrucksvoll war die Schilderung des Myonen-Teleskops, das auf der Erde eintreffende und detektierte Teilchen per Beamer in eine kleine Halbkuppel – sie erinnerte an das legendäre Baader-Planetarium –. hinein simuliert. Zwischendurch wurde dann noch ein kleiner, selbstgebauter Spektrograf herumgegeben. In der anschließenden Führung ging es in einen anderen Gebäudetrakt, ins Rechenzentrum, wo neue Systemdesigns parallel an verschiedenen Rechnern entwickelt werden.





Vorbei an verschiedenen Laboreinrichtungen, in denen Geräte für künftige Marsmissionen getestet werden, am gar nicht so sauberen Reinraum bis hin zum Ausgang, wo unter der Decke ein riesiges 1:1 Modell eines Space-Shuttle-Haupttriebwerks hing.





Hier konnte auch ein kleiner, in Bremen entwickelter Rover als Technologiemodell besichtigt werden.




Nach dem gemeinsamen Antreten zum Gruppenfoto vor einem Marsbild und der Besichtigung der künstlichen Marslandschaft im Außengelände ging es in die Mittagspause, die Klaus Bussian, ein weitere Teilnehmer und ich im Café Sand verbrachten.


Nun war ein längerer, wohltuender Fußmarsch angesagt, da die Spektroskopie-Vorträge in den Räumen der Bremer Olbers-Gesellschaft (OG) abgehalten wurden. Der vorzügliche Catering-Service versorgte uns dabei mit Kaffee, Kuchen und anderen Leckereien.

Der gesamte Freitagnachmittag stand unter dem Thema Spektroskopie. Im ersten Referat erläuterte Ulrich von Kusserow kurz die Arbeit der Sonnengruppe der OG und deren ehrgeizigem Vorhaben, einen eigenen Spektrografen nur für die Sonnenbeobachtung zu entwickeln. Dass dies kein einfaches Unterfangen ist und man sehr viele physikalische Grundlagen kennen und beherrschen muss, darauf wies Dr. Eberhard Wiehr aus Göttingen hin, der hierzu den Göttinger Hainbergturm, den dortigen Littrow-Spektrografen und den Neubau einer Außenstelle in Locarno vorstellte. Am Beispiel einer Protuberanz, über die der Spektrografenspalt gelegt wurde, konnte er zeigen, wie man aus dem so gewonnenen Spektrum chemische Elemente wie Wasserstoff und Helium und die Absorptionslinien des Natriums (D1 und D2) herauslesen kann, und wie man anhand der gewonnenen Aufnahmen in den Linien und Strukturen des Zeeman-Effektes viel über den Temperaturverlauf innerhalb der Protuberanz lernen kann.

Dr. Klaus Reinsch führte danach in seinem Vortrag „Sternspektroskopie, oder die Kunst, aus dem Licht der Sterne zu lesen“ in dieses spannende, wissenschaftliche Arbeitsgebiet ein, das nach wie vor zu den meistgenutzten der Fachastronomen gehört. Neben den Grundlagen wie Typisierung von Sternspektren, der Analyse von Linienspektren, den Bewegungsmustern in Doppelsternsystemen oder der Kalibration und Auswertung von Instrumenten, zeigte und erläuterte er einige der an Großteleskopen verwendeten Spektrografensysteme und ging auch auf die Amateurspektrografie und deren Möglichkeiten ein.

In der nun anschließenden Pause konnte man sich beim Catering stärken, die Sternwarte besichtigen und in den wenigen Wolkenlücken auch mal die Hα-Sonne beobachten.

Ernst Pollmann berichtete in seinem Beitrag über „Spektroskopisch interessante Objekte, die mit Amateur-Spektrografen beobachtet“ werden können, von den Grundlagen, die man als Sternfreund beachten muss, über die technischen Varianten, die es gibt, und verschiedene Analysemethoden. Anhand ausgewählter Beispiele von Sternen und Doppelsternen wie β Lyr, VV Cephei, γ Cas, die regelmäßig spektroskopisch überwacht wurden, konnte er nochmals zeigen, dass auch Amateure mit verschiedensten Instrumenten auf diesem Gebiet sinnvoll arbeiten können.

Aufgrund der fortgeschrittenen Zeit wurde ein nun vorgesehener Vortrag auf den Samstagnachmittag verschoben, damit der Fachvortrag von Prof. Dr. Marcus Brüggen, Jacobs University Bremen, über „Radiobeobachtung mit LOFAR - Auf der Jagd nach kosmischen Magnetfeldern“ pünktlich beginnen konnte. Der künftig an der Hamburger Sternwarte arbeitende Astrophysiker, bislang Leiter der Forschungsgruppe Astrophysik der Jacobs University in Bremen, beschrieb neben den Grundlagen des Magnetismus und der Radioastronomie das große europäische LOFAR (Low Frequency Array): Entwickelt vom in den Niederlanden, besteht es heute aus mehreren, über ganz Europa verteilte Arrays – alle zusammen bilden ein großes digitales Radioteleskop -, und arbeitet hauptsächlich in den Frequenzen zwischen 10 und 80 MHz sowie 110 und 240 MHz. Damit will man neue Erkenntnisse über die Frühphase des Universums gewinnen, die langwellige Radiostrahlung ferner Galaxien und den Energieverlust von Elektronen, das interstellare Gas, kosmische Magnetfelder und Pulsare untersuchen. LOFAR ist aber aufgrund seiner Struktur und den verschiedenen Standorten prinzipiell in der Lage, komplette Radiodurchmusterungen vorzunehmen, die allgemeine kosmische Strahlung und die solar-terrestrischen Beziehungen vertiefend zu beobachten.

Kurz nach 19 Uhr war dann dieser Tagungsteil zu Ende und im Foyer wurde ein Abendbrot gereicht, an dem ich aber nur teilweise teilnahm, weil ich danach nach Hamburg zurückfuhr.

Am nächsten Tag fuhren Michael Steen und ich dann abermals nach Bremen und trafen rechtzeitig an der Sternwarte an der Werderstraße ein. Wir machten es uns vor dem Gebäude gemütlich, weil leider trotz guten Wetters nicht auf der Sternwarte beobachtet wurde. Wenig später traf auch Christian Harder ein.

Zu Beginn des heutigen Amateurblocks um 14 Uhr – die anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten vormittags eine Stadtführung unternommen – wurde der für den Freitag vorgesehene Vortrag von Lieselotte Balensiefer, OG, Bremen, üebr „Spektroskopische Berufserfahrungen - Ausbildung bei der spektroskopischen Abteilung von ZEISS und Arbeit im Fraunhofer-Institut Freiburg" nachgeholt. Gemeinsam mit Ulrich von Kusserow ging sie, inzwischen 90 Jahre alt geworden, durch verschiedene Stationen ihrer beruflichen Laufbahn, die sie vom Sudetenland bis nach Freiburg im Breisgau und zur Sternwarte auf dem Schauinsland führte, wo sie mit Karl-Otto Kiepenheuer zusammentraf und deren langjährige Assistentin wurde. Zu ihren Aufgaben gehörte damals neben den Untersuchungen des Sonnenpektrums im Spektrografenhaus, das Zählen und Klassifizieren von Sonnenflecken am Coelostaten sowie die Bestimmung von Fleckenpositionen. Viele zeitgenössische Fotos belegten, dass es damals auf der Sternwarte durchaus auch beschaulich zuging.

Ulrich von Kusserow setzte die Reihe der Amateurvorträge mit einer Vorstellung der Arbeit der AG Sonne der Olbers-Gesellschaft fort. Zusätzlich zur reinen Beobachtung gibt es regelmäßig Vorträge, man beteiligt sich am DLR_School_Labs-Projekt, betreut Besuchergruppen und erstellt eigene Sonnenaufnahmen in Weißlicht und Hα. Michael Delfs schilderte anschließend die Arbeit der nur noch aus ihm bestehenden Sonnengruppe der Wilhelm-Foerster-Sternwarte und die Probleme, die es vor Ort gibt.

Die leider nicht anwesenden Sonnenfotografen Anke Hamann und Manfred Heinrich hatten eine DVD mit ihren Aufnahmen der Sonne 2011 mit mittelalterlich anmutender Musik geschickt, die Bilder von Sonnenflecken, Protuberanzen, aber auch irisierenden Wolken und einer typischen Kiefernpollenkorona, enthielt.

Danach wurde die Kaffeepause vorgezogen, weil technische Probleme zunächst den Start des folgenden Vortrages verzögerten. In der Pause ging es um das leibliche Wohl, man konnte die Sternwarte besichtigen und ein wenig die Sonne zwischen den rasch vorüberziehenden Wolken beobachten. Leider wurde das nicht sehr intensiv genutzt, trotz der beiden F-Gruppen, die just an dem Tage auf der Sonne zu sehen waren.

Hans Pietsch aus Strausberg berichtete danach über die „Sonne 2011 und 2012“, stellte Instrumente und weiter Ausrüstung seiner Balkon-Sonnenwarte vor und präsentierte außergewöhnlich scharfe Aufnahmen der Sonne im Weißlicht und im Hα, die er mit einer DMK 31-Kamera aufgenommen hat. Ein weiteres, noch am Anfang stehendes, Projekt ist die Radioastronomie in Strausberg. Mit einer herkömmlichen, 1m durchmessenden Satellitenschüssel und jeder Menge elektronischer Hardware konnte er trotz bedecktem Himmel bei der Sonnenfinsternis am 4. Januar 2011 nachweisen, wie die Tageshelligkeit im Finsternisverlauf langsam zurück ging und dann wieder anstieg. Das hatten ein paar GvA-Sonnenbeobachter ja auch am Standort in der Festen Burg in Neu-Allermöhe beobachtet, aber nicht gemessen.

Weitere technische Probleme im Zusammenspiel zwischen Laptops und dem Beamer führten zunächst zu einer weiteren Pause und dann zum Ausfall der noch ausstehenden Vorträge von Thomas Jahan über „Die totale Sonnenfinsternis 2010 auf der Osterinsel“ und von Michael Delfs über die „Höhepunkte der Sonnenaktivität 2011 – Zeitrafferaufnahmen der Satelliten STEREO und SDO“.

Als Ersatz gab es einen Kurzvortrag von Ulrich von Kusserow über die Interpretation und Deutung von Daten der Website www.wetterzentrale.de sowie einen Film über das European Solar Telescope (EST), einem Gemeinschaftsprojekt von 14 Forschungsstätten und 15 industriellen Partnern aus Deutschland, Spanien, den Niederlanden, Italien, Schweden, Frankreich, Großbritannien, Tschechien und Slowenien. Auf den Kanarischen Inseln soll das 4m-Sonnenteleskop in den Jahren 2014-2020 errichtet werden und nach heutigen Schätzungen etwa 140 Mio. EUR kosten. Aber die Finanzierung ist nicht gesichert und derzeit ist unklar, ob das Projekt jemals Wirklichkeit wird.

Im Anschluss wurde das Resümee der Tagung in Form von Fotos und Videos gezogen und nach dem Aufräumen machten wir uns auf den Weg zum Abendessen im Café Sand. Einige Teilnehmer waren wegen den Champions League-Endspiels schon früher abgereist. Nach der sehr schmackhaften Mahlzeit fuhren wir wieder zurück über die weitgehend leere Autobahn nach Hamburg. Wo die nächste Tagung im Jahr 2013 ausgetragen wird, ist noch nicht sicher.

Die 35. SONNE-Tagung brachte viele neue Eindrücke und ein überaus interessantes Programm. Aber man muss sich Gedanken über den Beobachternachwuchs machen. Der Altersdurchschnitt der Teilnehmerinnen und Teilnehmer lag sehr hoch und leider war eine Gruppe Jugendlicher mit ihren Lehrer aus Verden (Aller) nur am Freitag zur Besichtigung der DLF und den mehr theoretischen Vorträgen über Spektroskopie anwesend, bei den praktischen Amateurvorträgen einen Tag später dann leider nicht mehr. Am Freitag zählte ich rund 30, am Samstag weniger als 30 Interessierte. Hier, wie auch bei anderen Veranstaltungen, scheint sich der Trend dahingehend zu entwickeln, dass solche Tagungsformen anscheinend nur noch für ältere eine Bedeutung haben. Jüngere fühlen sich dadurch offenbar nicht mehr angesprochen.

Montag, 14. Mai 2012

Norddeutsches Astrofotografentreffen in Hamburg

Die GvA rief, aber nur sehr wenige Astrofotografen fanden eine Woche nach der ATT und ein paar Tage vor dem ITV den Weg in das Gemeindezentrum Feste Burg in Neu-Allermöhe. Die rund 30 Anwesenden bekamen jedoch echte astrofotografische Höhepunkte geboten.

Da wir dieses Mal die Ausrichter des NAFTs waren, begann der Tag schon recht früh. Ich holte André Wulff um 9 Uhr ab und wir fuhren erst mal zu fegro in Oststeinbek, um dort das einzukaufen, was wir auf einer Vorstandssitzung etwa zwei Wochen vorher abgesprochen hatten. Schwer beladen kamen wir gegen 11 Uhr in Neu-Allermöhe an. Siegfried Weber, einer der fleißigen Helfer, war bereits anwesend, Wolfgang Moldenhauer kam ein wenig später. Dirk Eckhoff schleppte per Rucksack die Würstchen heran und dann trafen nach und nach auch Hartwig Lüthen, Konstantin von Poschinger und Sacha Kirchberger ein und brachten auch noch einiges, wie eine SEHR große Kaffeemaschine mit.

In der Küche hatten wir bereits erste Vorbereitungen getroffen, nun konnte auch der Gemeindesaal hergerichtet werden. Leider konnten wir den Raum nicht ganz abdunkeln und so musste überlegt werden, wohin man überhaupt projizieren würde. Bis Jürgen Mensing mit einer eigenen Leinwand vorbeikam und das Problem elegant löste. Wir hätten sonst mit der Sonne im Rücken die Bilder auf einer weißen Wand zeigen müssen. Auch so war es teilweise schon schwierig genug, denn auch die Leinwand gab alle Details der Bilder richtig wieder, weil es eben nicht vollständig dunkel war. Zwischendurch fuhren André und ich dann noch mal zu fegro, um fehlendes Zubehör einzukaufen.



Mittlerweile trafen auch die ersten Besucherinnen und Besucher ein, doch war deren Zahl eher gering. Am Ende waren wir ohne die Helfer vom GvA-Catering etwa 25 Leute. Diese bekamen aber dafür ein umfangreiches und qualitativ hochwertiges Vortragsprogramm mit vielen Bildern geboten.




Gegen 14 Uhr eröffneten Konstantin von Poschinger und Hartwig Lüthen den offiziellen Teil. Im ersten Vortrag sprach Stefan Rust über die in Hamburg immer mehr zunehmende Lichtverschmutzung (die am Abend durch den Hafengeburtstag und eine Schiffstaufe wieder extreme Ausmaße in Form tanzender Lichtfinger am Himmel annahm) und zeigte Aufnahmen, die er aus dem Hamburger Stadtteil Bergedorf heraus im heimischen Garten aufgenommen hatte. Man sah, wie sehr NGC 2294 unter den Bedingungen litt. Ein Vergleich mit einer Aufnahme von NGC 6888 während des 2011er AschbergTeleskopTreffens (AFT) zeigte die Welten auf, die zwischen diesen Standorten liegen. Noch bessere Bedingungen fand er während zweier Astroreisen nach Portugal 2010 und 2011 vor, wo naturgemäß die Lichtverschmutzung nicht so ausgeprägt war, wie in der Metropolregion Hamburg und er Objekte wie IC 1805, M 33, M 31, NGC 253, IC 1396, NGC 1499, M 45, IC 1318, ein Milchstraßenpanorama, bestehend aus nur vier Bildern, M 16 und 17, Nordamerika- und Pelikannebel als Panorama aufnehmen konnte.



Bruno Mattern stellte danach kurz seine Sternwarte und seine Ausrüstung vor und zeigte eine Auswahl seiner im astronomisch katastrophalen Winter 2011/2012 unter widrigen Bedingungen doch noch gewonnenen Deep-Sky-Fotos, die hauptsächlich mit DSLR-Kameras aufgenommen wurden: M 3, M 64, Leo-Triplett mit M 65, M 66 und NGC 3628   M 95 mit Supernova SN 2012aw, M 108, NGC 2419, NGC 2903, NGC 3486, NGC 3718, NGC 3726, die Markarian-Kette um M 84 und M 86, NGC 4535, NGC 4059 und diverse Kleinplaneten, NGC 4631 und 4656/4657, Comahaufen sowie NGC 5907.

Frank Wierny berichtete aus den Oldenburger Sumpfgebieten – passend dazu quakten die Frösche im Teich hinter dem Gemeindezentrum durch die geöffnete Tür herein. Nach der Schilderung der wahrhaft widrigen Bedingungen im „Oldenburger Flutgebiet“ präsentierte er seine Sternwarte, die darin befindlichen Instrumente und zeigte Aufnahmen Abell 1656, IC 405, M 78, NGC 1977, M 46 und NGC 2438, NGC 3344, M 108, NGC 4244, NGC 3184 und Hickson 44.

In der nun folgenden ersten längeren Pause konnte man sich mit Würstchen, Brötchen, warmen und kalten Getränken stärken. Das zwar recht kühle, aber immerhin weitgehend sonnige Hamburger Wetter lud dazu ein, einen Teil der Pause vor dem Gebäude zu verbringen und dort weiter zu klönen.

Der zweite Vortragsblock begann mit einem Beitrag von Konstantin von Poschinger, in dem er zahlreiche CCD-Aufnahmen, die er in Murnau/Bayern, in Namibia und im lichtverseuchten Hamburger Westen (Othmarschen) und der GvA-Außensternwarte in Handeloh gewinnen konnte. Nebenher gewährte er mit den Aufnahmen Einblicke auch in andere Spektralbereiche, die außerhalb des normal Sichtbaren und der H-Alpha-Wellenlänge lagen. So führte er u.a. Aufnahmen von NGC 6883, M 8, Pelikan im H-Alpha, M 101 mit der Supernova SN2011fe, dem Bubblenebel, die Gegend unterhalb vom Nordamerika- und Pelikannebel im H-Alpha, SH 171, Whalenebel NGC 4631, LDN 271, NGC 6303 vor. Weiter zeigte er Meteore über Schmalenbeck, IC 1396, Thors Helmet, M 3, die Markarian-Kette, NGC 4395, NGC 4725, Komet Garradd, IC 405, Konusnebel, NGC 4559, M 63, NGC 1931, Mond, Sonne, Saturn und IC 2574. Bei Aufnahmen aus Hamburg heraus lieferte bei einem LRGB-Bild nur der L-Kanal vernünftige Ergebnisse. Überdies berichtete er über die Neubearbeitung älterer Bilder, stellte seine Aufnahmetechnik und das Programm „CCD inspector“ als Fokussierhilfe vor.

Das war eine gute Überleitung zum nächsten Vortrag, in dem Hartwig Lüthen das Programm Astrostakkert erklärte. Dabei bearbeitete er live ein Planetenvideo, das am 14 Zöller der GvA-Außensternwarte in Handeloh entstanden war, kam auf besondere Punkte des Programms zu sprechen, bearbeitete nebenher ein Mondvideo und verglich am Ende Ergebnisse der Bearbeitung eines ausgewählten Mondvideos mit Giotto, Avistack, Registax und Autostakkert, wobei letzteres nicht nur die besten Bilder lieferte, sondern auch am einfachsten zu handhaben war.

In der nächsten Pause konnte weiter geschlemmt und geklönt werden. Es wurde das Gruppenfoto aufgenommen und schließlich ging es zum Endspurt.

Mathias Levens berichtete in seinem zweiteiligen Vortrag zunächst über den Bau seiner Gartensternwarte mit Säule, die aus einer Standardgartenhütte vom Baumarkt besteht und ein C11 auf einer Astrophysics 900-Montierung überdacht. Unter dem auch in der Randlage Hannovers stark lichtverschmutzten Himmel konnte er nur wenige Deep-Sky-Objekte wie M 35, M 1, oder den Sturmvogel aufnehmen. Dafür gelangen ihm aber viele beeindruckende Aufnahmen mit einer DMK 31 von Mars, Venus, Jupiter (die er zu Animationen zusammensetzte), den Mondregionen um Aristillus, Maurolycus und Moretus und von der Mondfinsternis am 10.12.2011. Im zweiten Teil folgte ein Bericht über eine Reise mit den Hurtigrouten im Oktober 2011, wo ihm fantastische Aufnahmen von Polarlichtern inkl. Polarlichtoval, Vorhängen, Girlanden etc. gelangen, die er rund um die Lofoten auf der MS Finnmarken erhielt.

Jürgen Mensing hatte sich im Februar 2012 in nördliche Gefilde begeben, genauer gesagt in ein Haus 25 km nördlich von Tromsö, und konnte in seinen mit absolut sehenswerten Bildern ausgestatteten Vortrag zunächst höchstauflösende Sonnenfotos im Weißlicht und H-Alpha (umgebautes PST am 4 Zoll Chromaten) und dann Aufnahmen von Polarlichtern in all der Vielfalt ihrer Formen, Farben und Strukturen zeigen. Das war ein würdiger Abschluss dieses leider nur wenig besuchten NAFTs, das kurz vor 18:21 Uhr endete. Zuvor gab es noch ein paar Ankündigungen, u.a. die, dass das Herbst-NAFT in Neumünster stattfinden wird, voraussichtlich im November.

Nach dem Ende der Veranstaltung – der Saal leerte sich dann schon sehr schnell – mussten wir noch aufräumen, sodass ich gegen 20 Uhr wieder zu Hause war. Dass nur so wenige Sternfreundinnen und Sternfreunde teilgenommen hatten, mag auch an der Tatsache gelegen haben, dass es durch den Hafengeburtstag sehr schwer war, in die Stadt zu kommen. Es gab kilometerlange Staus und manch einer mag deswegen gar nicht erst losgefahren sein, hat dann aber viele interessante Bilder verpasst. Schade war auch, dass viele GvA-Mitglieder, die dieses Mal einen echten Heimvorteil hatten, nicht die Gelegenheit nutzten, das NAFT einmal kennen zu lernen.

Montag, 7. Mai 2012

Der 28. ATT in Essen

Der 5. Mai 2012 war wieder mal mit sehr frühem Aufstehen um 4 Uhr verbunden, weil an diesem Tag in der Ruhrmetropole Essen der 28. Astronomische Tausch- und Trödeltreff stattfand: Europas größte Astronomiemesse.

Da ich erstaunlicherweise schon um kurz nach 3 Uhr wach wurde – und nicht mehr einschlafen konnte – weckte ich André um 4 Uhr und machte mich dann kurze Zeit später auf den Weg zur U-Bahn, die mich zum Hauptbahnhof brachte, wo ich mich mit Tageszeitung und Essbarem versorgte. Auf dem Bahnsteig 14a/b in der Wandelhalle sollte der Zug um 5:36 Uhr abfahren und während ich mir noch einen Kaffee holen wollte, traf bereits Maik Petersdorf ein, später kamen Wolfgang Moldenhauer und André Wulff. Im ICE 515 saßen schon Konstantin von Poschinger und Hartwig Lüthen. Als Gruppe machten wir uns zu früher Stunde auf den entspannten Weg per Bahn nach Essen. In Dortmund kamen wir mit Verspätung an, sodass wir den eigentlichen Anschlusszug verpassten. Mit einem Regional-Express konnten wir dann kurzfristig unsere Fahrt fortsetzten und erreichten das Ziel in Essen-Frohnhausen dieses Mal ohne GvA-Wandertag.

Leider wurden wir am Eingang abgewiesen und nicht zum GvA-Stand vorgelassen, weil wir keine schriftliche Händler-Genehmigung hatten. Auch der Hinweis, dass wir beim Aufbau des Vereinsstandes helfen wollten und keine kommerziellen Händler, sondern Vereinsleute waren, half wenig. Man forderte immer wieder ein schriftliches Papier, das wir natürlich nicht hatten. Und da wir auch keine Mitgliedsausweise vorweisen konnten, die wir in der GvA nicht mehr haben, ließ man uns erst um 10 Uhr rein, was natürlich zu spät war, um noch mithelfen zu können. Auch der Einlass gestaltete sich als überaus chaotisch, man teilte die Besucherinnen und Besucher nach denen, die bereits gezahlt hatten und durch die linke Tür eingelassen wurden, und denen, die noch keinen Eintritt gezahlt hatten und durch die rechte Tür mussten, auf. Das erinnerte schon ein wenig an den berühmten Hammelsprung. Auch später wurde man, wenn man nur kurz vor die Tür ging – an der Aufsichtsperson vorbei – beim Hereinkommen erneut aufgefordert, die Karte vorzuzeigen. Da gab es bald mehr Kontrollen als beim HVV.

Da wir nun beim Standaufbau nicht mehr helfen konnten und die vor uns angereisten Sternfreunde um Christian Harder und Martin Jacobsen mit einem Mal zwei Stände hatten (die Organisation war an diesem Tag wohl leicht überfordert, da man angeblich von der Anmeldung der GvA nichts wusste, man sich aber trotzdem irgendwo hinstellen durfte), machten André und ich uns auf zu einem ersten Rundgang. Dieser führte uns zunächst über die Amateur- und Vereinsstände im Seitentrakt durch den Hauptweg am großen Saal vorbei zu den Ständen von Astronomie.de, der Archenhold-Sternwarte und der Vereinigung der Sternfreunde (VdS), wieder zurück zum Eingang und am Stand von Gerd Neumann jr. und den Berlebach-Stativen vorbei.

In der Haupthalle waren die üblichen Händler – zum Teil jedoch mit deutlich verkleinerten Ständen und auffällig verringertem Angebot – vertreten. In der Mitte der Baader-Stand und weiter hinten die Teleskope erst von Vixen Europe, dann vom Astroshop, an der Seite die Stände des Spektrum-Verlages und Sterne und Weltraum, Teleskop-Service Ransburg, der Fa. Lunt Sonnenteleskope und vom Oculum-Verlag sowie eine ganze Reihe kleinerer Anbieter. Da es draußen leicht regnete, konnte auch beim Stand von Wolfgang Lille an der Seite zum Nebenausgang keine Teleskope aufgebaut werden.

Das Vortragsprogramm zur ATT konnte sich sehen lassen und wartete mit einem kaum zu überbietenden Höhepunkt auf: Optik Guru Al Nagler war zu Gast und berichtete unter dem Titel. „Giant Eyepieces That Swallow Spacecraft“ über seine Tätigkeit bei der NASA, wo er Optiken für die APOLLO-Mondflüge – wie zuvor schon für die GEMINI-Missionen - entwickelt hatte, wie aus seinen Erfahrungen verbesserte Okulare (die „Nagler“) entstanden, als kein Optikhersteller mehr daran glaubte, dass man da noch was verbessern konnte. Al Nagler ist auch Begründer der Teleskop-Firme Tele Vue Optics, die seit 1977 besteht. Im Anschluss daran gab der freundliche ältere Herr am Stand von Intercon-Spacetec in der großen Halle eine Autogrammstunde.

Die weiteren Vortragsthemen befassten sich mit dem Venustransit vom 6. Juni 2012 und Reisen zu den Sternwarten auf den Kanarischen Inseln. Für die musikalische Untermalung des Tages sorgte der westfälische Astromusiker Stefan Erbe mit seiner Spaceworks-Lounge.

Um 13 Uhr hatten André und ich dann noch einen Besprechungstermin bei Astronomie.de, André um 14 Uhr den nächsten, während ich mit Stefan van Ree von Astronomie.de zur gleichen Zeit einiges besprach und am Stand der VdS Mit Otto Guthier, Dr. Werner Celnik und Astrid Gallus – langjährige Mitarbeiterin bei STERNZEIT, zusammentraf. Nebenbei traf man noch ein paar weitere Bekannte wie Carolin Liefke, Erich Kopowski, der mir immer fleißig seine Sonnenbilder für meine diversen Sonnenrubriken zusendet, Bodo Hübner und Co. von den Tornescher Sternfreunden und auch unser GvA-Schriftführer Jürgen Prahl trieb sich auf der Messer herum. So war auch die ATT 2012 in diesem Jahr wieder eher eine Zusammenkunft, um sich mit anderen auszutauschen, Leute zu treffen, die man sonst eher nicht sieht, und Termine abzuarbeiten, als dass das reine Kaufinteresse im Vordergrund stand. Denn leider war es in diesem Jahr so, dass ich von dem, was ich mir eventuell zulegen wollte, kein vernünftiges Angebot gab, denn auch die Zahl der Schnäppchen war deutlich zurückgegangen.

Noch in einer Besprechung mit Stefan van Ree befindlich, kam leider schon um kurz nach 16 Uhr der Wunsch auf, zum Essener Hauptbahnhof aufzubrechen, um dort noch zu eine Kleinigkeit zu sich zu nehmen. Um 17:59 brachte uns dann ein EC aus der Schweiz wieder zurück nach Hamburg. Hinter Münster legte der Zugführer dann plötzlich eine Vollbremsung hin und wir standen auch ein Weilchen auf den Gleisen. Am Ende kamen mir mit fast 40 minütiger Verspätung wieder in Hamburg an. Trotz der etwas chaotischen Organisation und der Tatsache, dass ich nicht das auf der ATT gefunden habe, was ich suchte, war es ein schöner Tag und ich werde mich 2013 bestimmt wieder mit einer GvA-Reisegruppe auf den Weg machen.

Freitag, 4. Mai 2012

12. Lange Nacht der Museen in Hamburg

Am 28. April 2012 gab es in Hamburg die inzwischen schon 12. Lange Nacht der Museen, in der man zwischen 18 und 2 Uhr morgens so viel Hamburger Museen besuchen konnte, wie man wollte. Auch die Sternwarte Hamburg-Bergedorf, obwohl wahrlich kein reines Museum, sondern nach wie vor eine international renommierte Forschungsstätte, war wieder mit einem umfangreichen Besichtigungsprogramm und mehreren Vorträgen daran beteiligt.

Es gab mehrere, gut besuchte, Führungen über die Sternwarte, die von den Mitgliedern des Fördervereins der Sternwarte organisiert wurden und eine ganze Reihe interessanter Kurzvorträge im Hauptgebäude der Sternwarte. Vom Besucherzentrum aus wurden die im Takt des Busverkehrs – der HVV hatte Sonderlinien eingerichtet, die von Museum zu Museum fuhren – hereinströmenden Besucherinnen und Besucher kulinarisch bestens versorgt. Und während die Sonderausstellungen zu den Themen „Mensch und Himmel“, „Der Hamburger Zeitball 1865 und sein Modell“, „Kosmologie und 100 Jahre Forschung“, „80 Jahre Schmidtspiegel“, „Bau astronomischer Modelle und Messinstrumente von der Antike bis heute”, “500 Jahre Wandel des Weltbildes”, “Sterne über Hamburg” und “Bibliophile Kostbarkeiten aus 400 Jahren” liefen, konnten auf der Wiese vor dem Sonnenbau gegenüber dem Beamtenwohnhaus die Teleskope der Sternfreunde des Fördervereins der Sternwarte Bergedorf und der GvA Hamburg besichtigt und durch sie hindurch beobachtet werden.

Wesentliche Voraussetzung hierfür war jedoch gutes Wetter und noch am Freitag vorher gab es Horrormeldungen, wonach man an diesem Tage mit 80%iger Regenwahrscheinlichkeit rechnen musste. Danach richtete sich dann auch die Auswahl meiner Ausrüstung, die ich mitnehmen wollte. Neben meinen Sonnenteleskopen, einem 80/400er Refraktor und dem PST für die H-Alpha-Beobachtung wollte ich ursprünglich auch meinen 8“ Dobson mitnehmen. Angesichts der Vorhersagen verzichtete ich aber darauf. Kurz vor der Abfahrt aus Wandsbek wurde aber das Wetter mit einem Mal deutlich besser. Doch wie lange würde das anhalten?

Ich holte einen Vereinskollegen in Lohbrügge ab – vorher hatten wir uns telefonisch darauf verständigt, dass er seinen 80/900er Refraktor samt Zubehör mitnehmen würde. Gegen 16 Uhr kamen wir auf der Sternwarte an und luden erst einmal Gerätschaften, Tisch und Stühle, aus. Rasch wurde alles aufgebaut und wir konnten bei immer klarer werdendem Himmel die Sonne im Weißlicht und H-Alpha beobachten. Langsam füllte sich das Gelände und am Ende sah es typischerweise aus wie bei einem Teleskoptreffen. Es gab eine bunte Mischung aus kleinen und großen Instrumenten, vom kleinen Refraktor bis zum großen Dobson.



Schon vor 18 Uhr kamen erste Besucherinnen und Besucher auf die Sternwarte und zeigten sich sehr interessiert beim Beobachten der Sonne. Auch der Mond konnte schon am frühen Nachmittag eingestellt werden, wenngleich er auch sehr – am Taghimmel stehend - kontrastarm im Okular erschien, aber man war begeistert und konnte Begeisterung wecken, gerade bei Kindern und Jugendlichen. Die Witterung brachte es mit sich, dass wir nicht nur Sonne und Mond, sondern auch eine Nebensonne und ein halbes Sonnenhalo beobachten konnten. Zum Zeitpunkt des vorhergesagten Regens – es blieb übrigens die ganze Nacht trocken -  kamen dann viele Wolken auf, die aber noch große Lücken hatten, durch die man erst Venus mit deutlicher Sichelgestalt und den schon sehr kleinen und keine Oberflächendetails mehr zeigenden Mars anvisieren konnte, später kam dann noch der immer wieder beeindruckende Saturn hinzu. Leider war das Seeing grottenschlecht, sodass die Beobachtungen doch sehr unter den Bedingungen litten. Immerhin konnte man so die Wirkung der Erdatmosphäre erklären.

Als es dann nach 21 Uhr endlich richtig dunkel wurde, schlossen sich die Wolkenlücken wieder und  selbst der Mond schimmerte nur noch schemenhaft durch. Dafür sah man in Richtung Hamburger City die Lichtverschmutzung als orange Verfärbung der Wolken im Westen. Später gab es dann wieder größere Wolkenlücken, durch die man zwar keine Deep-Sky-Objekte, dafür aber Planeten, zeigen konnte.


Gegen 22:30 Uhr bauten Michael und ich langsam ab und fuhren wieder nach Hause. Die Sternfreunde aus der Bergedorfer Astroszene hielten da noch deutlich länger aus. Ein interessanter Abend, der Lust auf mehr, am Tag der offenen Tür auf der Sternwarte am 9. Juni 2012, machte.