Sonntag, 25. März 2012

Der 10. bundesdeutsche Astronomietag - erlebt in Handeloh

Die Vereinigung der Sternfreunde e.V. hatte bereits zum 10. Mal den bundesdeutschen Tag der Astronomie ausgerufen, der in diesem Jahr unter dem Motto „Die Nacht der Planeten“ stand. Zurecht, denn Venus, Jupiter standen gut sichtbar am West-, Mars im Löwen am Osthimmel.

Mein verein, die GvA Hamburg veranstaltete diesen Tag zusammen mit dem Arbeitskreis Astronomie (AKA) auf der Außensternwarte in Handeloh.

Este-Quelle bei Bödersheim
Das gute Wetter animierte André Wulff und mich, bereits am Vormittag in die Heide zu fahren und in Hanstedt beim Heidepeter Mittag zu essen. Danach suchten wir eine der Quellen der Este in Bödersheim bei Kakenstorf auf und fuhren weiter nach Handeloh. Die Sternwarte selbst liegt fast am Ende des Planetenpfades und da am Wegesrand bereits einige Sternfreunde ihr Instrumentarium aufgebaut hatten, parkten wir vorne, vor der Sonne.

Handeloher Sternfreunde am Anfang des Planetenpfades
Ich hatte dieses Mal kein Fernrohr dabei, sondern nur DLSR und Videokamera sowie iPhone und iPad, denn am Tag zuvor hatte ich zu einem kleinen tweet-up – eine Zusammenkunft von Twitterern im wahren Leben – aufgerufen und die sollten unter dem Hashtag (Schlüsselwort) #GvAASW alles rund um den Astronomietag twittern. Das kam zwar nicht zustande, aber den einen oder anderen Eindruck von der Veranstaltung konnte ich schon in 160 Zeilen Länge der digitalen Welt mitteilen.

Auf dem Weg zum Astrocontainer - 6 m lang und eine El Capitan-Montierung mit den beiden Hauptinstrumenten (14 Zoll Meade ACF und 31,7 cm Newton-Astrograf nach Wynne) sowie einen beheizbaren Aufenthaltsraum beherbergend - trafen wir einige Bekannte, die sich am Wegesrand hingestellt und ihr Fernrohr aufgebaut hatten. Zwischendurch fotografierte ich mit dem iPhone und twitterte die Bilder gleich weiter. Trotz eigentlich lahmer Datenverbindung klappte das ganz gut.


Sternfreunde und Teleskope sind bereit für den Astronomietag 

Rund um die Sternwarte hatten sich schon viele Sternfreunde ihre Teleskope aufgebaut und man beobachtete eifrig die Sonne im Weißlicht und im H-Alpha. Vor der Abfahrt hatte ich von Hamburg aus noch die Sonne beobachtet und war mit meinem kleinen 80/400er Refraktor auf fünf Fleckengruppen gekommen. In größeren Instrumenten in Handeloh sah ich, dass es insgesamt 9 Gruppen, vorwiegend der Waldmeierklasse A waren.

Man kam sich vor wie bei einem kleinen Teleskoptreffen, denn zunächst waren mehr Veranstalter als Besucher da. Da änderte sich aber bald, da von den Handeloher Sternfreunden Führungen entlang des Planetenpfades angeboten wurden. Und während man mit anderen Sternfreunden sprach und Leute durch die Sternwarte führte, die Teleskope erklärte und Wissen über astronomische oder Technikfragen beantwortete, begann ich, mit meiner Canon 1100 D nicht nur Leute und Teleskope, sondern auch Jupiter und Venus sowie die schmale Mondsichel mit aschgrauem Licht am Abendhimmel zu fotografieren. Später nahm ich dann noch mit stehender Kamera Orion und Löwe (mit Mars) auf.

Venus, Jupiter und die schmale Mondsichel am Westhimmel

Die schmale Mondsichel konnte man schon vorher in verschiedenen Teleskopen sehen - in einem sogar in so hoher Auflösung, dass man einzelne Kater und Mare am Mondrand klar erkennen konnte, und das am Taghimmel!

Mit zunehmender Dämmerung kam auch die Kälte wieder und wer nicht hinreichend gekleidet war oder – wie ich – zu dünne Schuhe anhatte, dem wurde schnell kalt. Auch war die Luft sehr feucht und ich musste zwischendurch immer wieder die Kamera in den Container bringen, damit der Taubeschlag auf dem Objektiv zurück ging.

Dafür war der Himmel teilweise sehr klar, obwohl ich ihn an dem Standort im Oktober letzten Jahres schon transparenter erlebt hatte. Die Milchstraße kam nicht ganz so gut durch, was auch an den zeitweise durchziehenden Cirren lag.

Sternbild Orion

An den draußen aufgestellten Teleskopen wurden den Besuchern der Krebsnebel (M 1), oder Orionnebel (M 42) sowie viele weitere Showpieces des frühjährlichen Galaxienhimmels gezeigt. Und natürlich immer wieder die drei Planeten Venus, Jupiter und Mars. In allen Fernrohren sahen sie sehr beeindruckend aus, Venus am Taghimmel, Jupiter mit seinen dicken Wolkenbändern und Mars (bei dem ich in ruhigen Momenten im ACF locker die Polkappe sehen konnte).

Ziemlich genau um 22:10 Uhr MEZ konnten wir noch einen sehr hellen Boliden beobachten, der etwa von Nord nach Süd dahinzog, am Ende der Leuchtspur in mehrere Teile zerbrach und nach meinem Empfinden leicht grünlich leuchtete. Ein  himmlisches Feuerwerk zum Astronomietag!

Zwischen Handelohern und Hamburgern ergaben sich zwischendurch immer wieder lockere und sehr interessante Fachgepräche und vergingen die Stunden zwischen den Sternfreunden, Besuchern, Fernrohren und Beobachtungen. Teilweise herrschte echter Hochbetrieb und viele der Besucherinnen und Besucher waren sehr interessiert. So vergingen die Stunden, bis André und ich beschlossen, den Heimweg anzutreten.

Auf der Rückfahrt bemerkten wir bereits auf der B 3, wie die Sicht immer schlechter wurde und eine erste, dicke Nebelfront durchfuhren wir in Sprötze. Das wurde noch eine spannende Rückfahrt, denn wir mussten ein paarmal durch dicken Nebel durch. In Hamburg kamen wir dann bei einer geschlossenen Hochnebeldecke an. Der Astronomietag, irgendwie eine Mischung aus Teleskoptreffen und Tag der offenen Tür, war zu Ende und wir freuten uns, dass wir dabei waren!




Donnerstag, 1. März 2012

Paolo Maffei (1926-2009)

Über den 1926 in Foligno in Italien geborenen und am 1. März 2009 verstorbenen italienischen Astronomen ist im deutschen Sprachraum erstaunlich wenig bekannt. Das verwundert umso mehr, entdeckte er doch 1968 das erste Mitglied der nach ihm benannten  Maffei-Gruppe irregulärer Galaxien.

Nach dem Studium in Florenz, arbeitete er zunächst an verschiedenen Observatorien: Osservatorio Astrofisico di ArcetriLa Specola in Bologna und an der Sternwarte Hamburg-Bergedorfbevor er Leiter des Osservatorio Astrofisico di Catania wurde.

Seine Hauptarbeitsbiete waren Kometen, Veränderliche Sterne und Untersuchungen über die Entwicklung des Universums. Bei fotografischen Beobachtungen im Nah-IR (er belichtete unterschiedlich empfindliche Kodak-Fotoplatten für den infraroten sowie roten und blauen Bereich des Spektrums) entdeckte er 1968 mit dem 67/92/215 cm-Schmidtspiegel des erst 1942 gegründeten Asiago Observatory in den Dolomiten die elliptische Riesengalaxie Maffei 1 in der Cassiopeia. Er hielt sie zuerst für diffuse Infrarotobjekte, die durch die davor liegende Region um IC 1895 verdeckt werden. Selber gehörte er in er Zeit um 1968 dem Laboratorio di Astrofisica Frascati an. Die Vorarbeiten leistete er am damals noch in Hamburg stationierten Schmidtspiegel der Bergedorfer Sternwarte, der seit 1976 dauerhaft zum deutsch-spanischen Calar-Alto-Astronomical-Observatory ausgelagert wurde.

Es dauerte nicht lange, bis er mit Maffei 2 eine Sprialgalaxie mit wiederum ungewöhnlicher Form fand. Beide waren bislang als Emissionsnebel eingestuft und von Howard Sharpless als Sh191 und Sh197 in dessen bereits 1959 veröffentlichten Katalog mit HII-Regionen aufgenommen worden.

Zwischen 1971 und 1973 bestätigten zwei Forschergruppen unter der Leitung von Hyron Spinrad, dass Maffei 1 und 2 keine Emissionsgebiete, sondern Galaxien waren, und sie schlugen erstmals vor, diese der Lokalen Gruppe zuzuordnen. Erst spätere Entfernungsmessungen machten klar, dass sich beide Galaxien außerhalb der Lokalen Gruppe – diese endet bei 5 bis 10 Mio. Lichtjahren Abstand zur Erde – befanden. Im Jahr 1994 fanden Kraan-Korteweg, Loan, Burton, Lahav, Ferguson, Henning und Lynden-Bell heraus, dass Dwingeloo 1 und 2 (entdeckt mit dem 25cm-Radioteleskop in Dwingeloo, Niederlande) ebenfalls zur Maffei-Gruppe gehörten.

Schon bald stellte sich jedoch heraus, dass sie noch weitere Galaxien enthielt, die in einer Distanz von ungefähr 10 Millionen Lichtjahren zur Erde stehen damit eindeutig nicht mehr zur Lokalen Gruppe gehören. Zumindest stehen sie dieser aber näher als manch andere Galaxie oder Galaxiengruppe.

Die Maffei-Gruppe enthält heute insgesamt 17nach anderen Quellen 24 Galaxien vor allem des irregulären Typs.

Nebenher betätigte sich Maffei als Wissenschaftsautor mit Büchern u.a. über den Halleyschen Kometen zur Astronomiegeschichte und allgemeinen astronomischen Themen. Die beiden Werke Al di là della Luna (1973) und I mostri del cielo (1976) gehörten zu den auflagenstärksten in Italien. Außerdem schrieb er auch Science-Fiction-Geschichten. Paolo Maffei starb am 1. März 2009 im Alter von 82 oder 83 Jahren (da sein Geburtsdatum nicht genau bekannt ist).

George Ogden Abell (1927-1983)

Heute vor 85 Jahren, am 1. März 1927 wurde in Los Angeles im US-Bundesstaat Kalifornien George Ogden Abell geboren. Bekannt wurde sein Name vor allem durch den unter Deep-Sky-Beobachtern und –fotografen bestens bekannten Abell-Katalog, einem Verzeichnis von heute 4073 Galaxienhaufen. Abell schloss sein Astronomiestudium 1951 mit dem Bachelor of Science ab, dem 1952 der Master of Science folgte. 1957 erwarb er am California Institute of Technology (CalTech) den Doktortitel. Später war er Professor am den University of California in Los Angeles.

Seine erste Anstellung fand er am als Beobachter Palomar Observatory (das mit dem 5m-Hale-Teleskop) im nördlichen San Diego County. Er wurde dem Team für die Bearbeitung des „Palomar Observatory Sky Survey“ (POSS) zugeteilt. Der erste POSS war mit finanzieller Unterstützung der National Geographic Society zustande gekommen: mit dem 180/120/300 cm-Schmidtspiegel der Sternwarte wurde der gesamte nördliche Sternenhimmel inklusive einiger Bereiche des Südhimmels (bis -33° Deklination) durchmustert. Hierzu wurden 6x6° große Abschnitte des Himmels jeweils einmal mit einer Kodak 103a-O- (blauempfindlichen) und einer Kodak 103a-E (rotempfindlichen)-Fotoplatte fotografiert. Insgesamt 936 Paare von Fotoplatten umfasste der erste POSS und ging im Blauen bis zur 22. Größenklasse. In späteren Versionen wurden nicht nur Bereiche bis -45° Deklination erfasst, ab 1994 ist auch eine vollständig digitalisierte Version verfügbar, deren Qualität erst in unseren Tagen durch den SDSS (Sloan Digital Sky Survey) - nur teilweise – übertroffen wurde und daher nach wie vor für die Astronomie eine große Bedeutung besitzt. Mit ihm sind immer noch Entdeckungen ebenso möglich wie neue Erkenntnisse zur Stellarstatistik, dem Auffinden von Prä- und Postnovae, der Analyse von Veränderlichen Sternen oder bei der Erforschung von Galaxienhaufen.

Und so entstand aus den Arbeiten am POSS der Abell-Katalog: Der Namensgeber durchforstete die rotempfindlichen Fotoplatten nur mit einer Lupe, zog Aufnahmen des UK Schmidt-Teleskops (1,24/1,83/3,07m) des Anglo-Australien Observatory / Siding-Spring-Observatory in Australien hinzu und legte die Parameter für den Katalog fest. Die Mindestgröße eines jeden Galaxienhaufen betrug mindestens 50 Galaxien, wiesen eine Hubble-Konstante von H=70 km/s/MPC bei einer Rotverschiebung bis maximal z=0,2 auf und sollten in einem Radius (genannt auch Abell-Radius) von zwei Megaparsec liegen. Für die Helligkeit der Objekte legte er fest, dass diese zwischen der dritthellsten Haufenmitgliedes und zwei Stufen darunter liegen sollte. Spätere Nachmessungen für die Objekte des Katalogs ergaben aber leicht abweichende Werte. 1958 veröffentlichte Abell seine Zusammenstellung (Abell catalog of rich clusters of galaxies), die auch Aussagen über die Struktur des Universums ermöglicht und darum bis heute von besonderer Bedeutung für die Astronomie ist. Amateurastronomen schätzen den Katalog und seine Objekte vor allem wegen der oft exotischen Form der Haufenmitglieder, die es besonders einigen Astrofotografen angetan haben.

Die erste Fassung des Abell-Katalog enthielt 2712 Galaxienhaufen, der 1989 um 1361 Haufen des Südhimmels erweitert wurde.

Weitere Forschungsgebiete Abells betrafen die Beobachtung Planetarischer Nebel (PN) (und deren Zentralsterne) – hier arbeitete er zeitweise mit dem Astrophysiker Peter Goldreich vom zusammen - und seine Arbeiten zur Kosmologie. 86 von ihm untersuchte PNs fanden auch Eingang in seinen in der Hauptsache nur Galaxienhaufen umfassenden Katalog.

Abell war aber nicht nur reiner Wissenschaftler, sondern auch – wie man heute sagt – in der Wissenschaftskommunikation tätig und beliebt. So trat er in vielen TV-Shows auf, leitete regelmäßig astronomische Sommercamps oder auch für viele Jahre die Ojai summer school in Kalifornien. Außerdem war er von 1968 bis 1975 Vorsitzender des UCLA Astronomy Department und Vorsitzender des American Astronomical Society Education Committee. Als Mitglied der Skeptics Society der USA trat er für skeptisches Denken und Aufklärung gegenüber pseudowissenschaftlichem Dogmatismus ein.

Am 22. März 1955 entdeckte er zusammen mit Robert G. Harrington den periodischen Kometen 52P (Harrington-Abell), außerdem wurde der am 7. November 1978 von Eleanor F. Helin (1932-2009) und Schelte J. Bus (geb. 1956) auf dem Mt. Palomar Observatory entdeckte Kleinplanet 1978 VR9 (3449) nach Abell benannt. Grund war sein über Jahre andauernde Engagement beim Summer Science Program.

Für alle überraschend verstarb George Ogden Abell am 7. Oktober 1983 im Alter von nur 56 Jahren.
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