Dienstag, 18. Dezember 2012

Was kommt nach dem Weltuntergang?



Am kommenden Freitag soll nun die Welt untergehen und es gibt kein Szenario, das die Anhänger der verschwurbelten Theorie auslassen: Meteore, die auf die Erde fallen sollen (bislang aber nicht entdeckt wurden), Sonnenstürme (die bei der derzeit sehr geringen Sonnenaktivität nicht zu erwarten sind), ein Planet auf der anderen Seite der Sonne (der sich durch seine Gravitationskräfte schon längst verraten hätte) oder auch geheimnisvolle Strahlen aus dem Milchstraßenzentrum, vor dem die Erde am 21.12. stehen soll (was aber nicht der Fall ist), nichts ist absonderlich genug, um als Grund für den Weltuntergang herzuhalten.

Schon werden die Ausbrüche der Vulkane Tungurahua (Equador) und Lokon (Indonesien) sowie der Abbruch eines Eisbergs am Petermann-Gletscher in Grönland als Zeichen für den bevorstehenden Weltuntergang gesehen. Meine iPhone-App Earthquake lite zeigt mir gerade zwei 5.0-Erdbeben vor Japan (zwischen Fukushima und Mito) an. Aber: Ohne das vermeintliche Ereignis wäre niemand auf die Idee gekommen, beides miteinander zu verbinden! Manches wäre noch nicht mal ein Beitrag in einer der Nachrichtensendungen Wert gewesen. So aber sieht man Zusammenhänge, wo keine sind.

Was den im Dresdner Codex abgebildeten Maya-Kalender angeht, so gibt es gerade unter den Anhängern des Weltuntergangs seltsam uninformierte Geister, die sich wie alle auf die einzig verfügbare Quelle berufen, die überdies noch stark interpretationsbedürftig ist, aber sich mit diesem nicht auseinandergesetzt hat. So ist schon der eigentliche Startpunkt des Maya-Kalenders unbekannt, man weiß also gar nicht, wann welche Zählung zu Ende geht, wann welche anfängt, doch das schreckt einen wahren Weltuntergangsanhänger natürlich nicht ab.

Doch was machen die Esoteriker und Weltuntergangsjünger eigentlich, wenn – wie zu erwarten – nichts passiert. Was, wenn Menschen aus Panik Suizid begehen, wenn Kinder nachts nicht mehr schlafen können, weil sie Angst haben vor einem nahen Ende haben? Ausgelöst durch die unverantwortliche Panikmache von Esoterikern? Entschuldigen diese sich? Übernehmen sie Verantwortung, wenn sich Leute deswegen umbringen oder Haus und Hof verkaufen, um sich in einem Bunker einzugraben? Stellen sie sich vor die Kameras und sagen: „Sorry, war alles falsch?“ Was, wenn Sektenanhänger aus lauter Furcht vor dem nicht eintretenden Weltuntergang Massenselbstmord begehen, wie seinerzeit die Irregeleiteten beim Kometen Hale-Bopp, die im Schweif ein UFO vermuteten, das sie mitnehmen sollte?

Auf jeden Fall kann man damit noch gut Geschäfte machen und vielleicht ein Überlebenspaket verkaufen, eine Reise an einen sicheren Ort unternehmen oder eine Versicherung abschließen. 

Ein gestandener Esotriker wird natürlich nicht von seinem Glauben abschwören, sondern frei und frank behaupten, die Mayas hätten sich verrechnet. Ein neuer Termin ist auch schon gefunden: Es ist der 15. Februar 2013wenn der nur 44m durchmessende Asteroid 2012 DA14 die Erde im Abstand von nur 24.000 km passieren wird. Natürlich wird auch dann nicht die Welt untergehen, es darf aber ein spektakuläres Himmelsereignis erwartet werden. Mehr nicht.

Was aber ist denn nun, wenn man – wie zu erwarten – am 22.12.2012 aufwacht und es ist nichts passiert? Kann man die Damen und Herren Esoteriker vor einem ordentlichen Gericht auf Schadenersatz verklagen? Wie ist die Rechtssituation, wenn man wegen des vermeintlichen Weltunterganges sinnloses Zeug gekauft oder sich gar verschuldet hat? Kann man dafür Esoteriker wegen Irreführung anzeigen?

Ich weiß es nicht, vermute aber, dass niemand verklagt werden wird und diejenigen, die sich haben verblenden lassen, mit ihrem (selbstgewählten) Elend zurückbleiben. Auch dafür werden Esoteriker und Weltuntergangsfanatiker mit Sicherheit keinerlei Verantwortung übernehmen, oder sich gar öffentlich entschuldigen. Sie werden in ihrem schändlichen Treiben einfach unbeeindruckt weitermachen und den nächsten Termin anvisieren, wo dann auch nichts passiert, wetten?

1 Kommentar:

  1. Weltuntergang

    Kulturhistorisch bedeutet "Weltuntergang" nicht den Untergang der natürlichen Welt, sondern den Untergang der kulturellen Welt. Es geht also um den Untergang der Kultur bzw. der Zivilisation durch den Zusammenbruch der zugrunde liegenden Makroökonomie, der subjektiv von der jeweiligen Gesellschaft als "Weltuntergang" empfunden wird. Solche Zusammenbrüche hat es in der Kulturgeschichte immer wieder gegeben, und die Ursache war immer die gleiche:

    Der Untergang der Römer

    Jetzt sollte man annehmen, dass die Menschheit daraus etwas gelernt hat. Für einzelne Menschen trifft das zu, aber noch nicht für die Masse, die religiös ist und bis heute an den "lieben Gott" glaubt. Dabei handelt es sich um den künstlichen Archetyp Jahwe = Investor, der vor über drei Jahrtausenden programmiert wurde, um die halbwegs zivilisierte Menschheit "wahnsinnig genug" für die Benutzung von Zinsgeld zu machen. Das Geld ist die unbedingte Voraussetzung entwickelter Arbeitsteilung und somit die Grundvoraussetzung für Zivilisation. Weil das Wissen aber noch nicht zur Verfügung stand, um das Geld an den Menschen anzupassen, wurde der Kulturmensch durch selektive geistige Blindheit an ein darum bis heute fehlerhaftes Geld (Zinsgeld) angepasst:

    Der Zins – Mythos und Wahrheit

    Die Religion (Rückbindung auf den künstlichen Archetyp Jahwe) bewirkt, dass der Massenmensch – ob "gläubig" oder "ungläubig" – bis heute unfähig geblieben ist, die "banalsten Selbstverständlichkeiten" zu verstehen:

    "Wenn wir einmal die Natürliche Wirtschaftsordnung erleben, dann braucht man sie nicht mehr in Büchern zu studieren, dann wird alles so klar, so selbstverständlich. Wie bald wird dann auch die Zeit kommen, wo man den Verfasser bemitleiden wird, nicht aber, wie es heute noch geschieht, weil er solch utopischen Wahngebilden nachstrebt, sondern weil er seine Zeit der Verbreitung einer Lehre widmete, die ja doch nur aus einer Reihe banalster Selbstverständlichkeiten besteht."

    Silvio Gesell (Vorwort zur 5. Auflage der NWO, 1921)

    Was für den selbständig denkenden Menschen selbstverständlich ist, begreift der Massenmensch erst in einer akuten Angstsituation. Damit wird der bevorstehende Weltuntergang (globale Liquiditätsfalle nach J. M. Keynes, klassisch: Armageddon) zur Voraussetzung dafür, dass die Religion überwunden und das Geld (Freigeld) an den Menschen angepasst werden kann:

    Geld – wie es (noch) ist und wie es sein soll

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