Dienstag, 18. Dezember 2012

150. Todestag von Karl Kreil (1798-1862)

Der hierzulande wenig bekannte Astronom und Meteorologe Karl Kreil wurde am 4. November 1798 in Oberösterreich in der Kleinstadt Ried am Innkreis geboren. In der Benedektinerabtei Kremsmünster lernte er durch Pater Bonifaz Schwarzbrunner die Astronomie kennen und schätzen und war in der Vorstudienzeit häufig an der dortigen Sternwarte anzutreffen. Mehr aus finanziellen Gründen studierte er an der Universität Wien zunächst Rechtswissenschaften, gab dieses jedoch 1823 zugunsten der Astronomie auf und widmete sich fortan der Astronomie, Mathematik und Physik. 1827 wurde er Assistent an der Sternwarte der Universität Wien, 1831 Adjunkt – Assistent ohne Lehrtätigkeit - an der Sternwarte La Brera oberhalb von Mailand. 1838 wechselte er an die sich in einem sehr schlechten Zustand befindende Sternwarte am Prager Jesuitenkolleg Celmentinum. 1845 wurde er deren Direktor, musste jedoch vorwiegend repräsentative Aufgaben wahrnehmen.

Durch die Umstände und widrigen Rahmenbedingungen am Jesuitenkolleg war er gezwungen, sich statt mit astronomischen Fragen mehr und mehr mit terrestrischen Wissenschaften und dem Erdmagnetismus zu beschäftigen. So führte er in Österreich-Ungarn die terrestrische Physik ein. In der k.u.k.-Doppelmonarchie organisierte er die meteorologischen und magnetischen Beobachtungen, richtete verschiedene Messstationen ein und kümmerte sich um systematische Registrierung und Auswertung der Beobachtungen. Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) verlieh Kreil den Österreichisch-kaiserlichen Leopold-Orden und ab 1847 wurde er dann Mitglied der neu geschaffenen kaiserlichen Akademie der Wissenschaften in Wien, der er erstmals die Pläne für eine Zentralstation für magnetische und meteorologische Beobachtungen in Österreich-Ungarn vorlegte. Diese wurden erst 1851 verwirklicht und so lange blieb Kreil in Prag.

Noch heute kann dort der astronomische Turm und die Sternwarte in dem barocken Gebäude an der Karlsbrücke besichtigt werden, das auch die Tschechische Nationalbibliothek beherbergt. Insgesamt sechs Jahre war er in Prag tätig, und hatte hier 1843 eine Abhandlung über seine Beobachtungen des „Großen Kometen“ dieses Jahres „Über die Natur und Bewegung der Kometen“ veröffentlicht. Schon 1832 hatte er sich in Mailand den Kometen verschrieben und seine Beobachtungen in der Schrift „Cenni storici e teoretici sulle comete“ zusammengefasst. Weiter verfasste er mehrere Texte über den Einfluss des Mondes auf die Erde.

Im Juli 1851 war der Ruf der Universität Wien an die neu zu gründende Zentralanstalt für Meteorologie und Erdmagnetismus der folgt. Diese Berufung war gleichzeitig mit der Ernennung zum ordentlichen Universitätsprofessor für Physik verbunden. Die Kombination aus Direktorat einerseits und Professur andererseits hat sich übrigens bis zum heutigen Tage erhalten.

Die in Prag begonnenen und in Wien fortgesetzten systematischen  Beobachtungen wurden nun auf ganz Österreich-Ungarn und darüber hinaus ausgedehnt. So ließ er Stationen in  Böhmen, an den Ufern der Adria sowie in der Türkei und am Schwarzen Meer errichten. In dieser Zeit entstand dann auch eine intensive Korrespondenz mit berühmten Astronomen, Geodäten und Physiker Karl Friedrich Gauß (1777-1855), mit dem er sich hauptsächlich über geodätische Fragen austauschte. Dieser Briefwechsel wird heute – zusammen mit seinem weitgehend erhaltenen Nachlass in mehreren Kisten verpackt -, in der Fachbereichsbibliothek der Universität Wien, aufbewahrt. Hieraus entstand möglicherweise die Idee des Aufbaus eines Netzes aus automatisch arbeitenden Stationen im Kaiserreich und den angrenzenden Gebieten. Seine Ergebnisse veröffentlichte Kreil in mehreren Universitätsschriften wie "Magnetische und geographische. Ortsbestimmungen in Österreichischem Kaiserthum "(5 Ausgaben, Wien, 1846 bis 1851), „Anleitung zu magnetischen Beobachtungen"(2. Auflage, Wien, 1858), „Jahrbücher des Zentralinstituts für Meteorologie und Erdmagnetismus in den Jahren 1849-1862“.

Karl Kreil verstarb am 21. Dezember 1862 in Wien, doch seine Bemühungen wirken bis heute nach, so führte das vom ihm mitbegründete Institut ein meteorologisches Beobachtungssystem erst für Österreich-Ungarn, später für die Republik Österreich ein, es gab die ersten täglichen Wetterkarten des Landes heraus und wurde bis heute stetig aktuellen Aufgaben angepasst und mit den jeweils neuesten Instrumenten ausgestattet.

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