Mittwoch, 21. November 2012

2012 – eine erste (negative) Bilanz

Nein, nicht wegen des vermeintlichen und nicht eintretenden Weltuntergangs in einem Monat – die Anhänger dieser abstrusen Theorie werden sich noch wundern -, sondern während einer scheinbar nicht enden wollenden Schlechtwetterperiode und einigen Dauermurpys, die mich das ganze Astrojahr hindurch begleitet haben.

Dabei fing alles eigentlich ganz ordentlich an, denn das alte Jahr schloss ich mit 214 Sonnenbeobachtungen ab, das fünfte Jahr in Folge mit so vielen Sonnenbeobachtungen. Zudem hatte ich mir einen kurzbrennweitigen Refraktor für die Astrofotografie zugelegt, den ich vorwiegend in der Außensternwarte der GvA in Handeloh und beim Astrourlaub in Kirchheim einzusetzen gedachte.

Doch schon der erste Einsatz des neuen Teleskops endete im Desaster, denn mein Adapter reichte nicht, um in den Fokus zu kommen, weil er zu lang war. Eigentlich nicht weiter schlimm, doch dieser erste Versuch, das Teleskop einzusetzen, erfolgte erst im Mai in der Außensternwarte – fünf Monate (!!!) nachdem ich es gekauft hatte. Rasch hatte ich mir einen kürzeren Adapter zugelegt und so bekam ich recht anständige Aufnahmen vom Venustransit auf einem Parkplatz auf Fehmarn.

Aber schon der nächste Versuch im Oktober, scheiterte  einer Klemme, die das Teleskop am Gestänge halten sollte, denn sie tat genau dieses nicht und so waren alle Aufnahmen vereiert und nicht brauchbar. In meinem Astrourlaub in Kirchheim hatte ich wieder den falschen Adapter dabei, weshalb ich auch hier keine einzige Aufnahme zustande brachte. Manchmal habe ich den Eindruck, dass trotz finanziellen und instrumentellen Aufwandes bei mir nie ein Astrofoto gelingen wird, weil IMMER etwas schief geht.

Irgendwie pflege ich dauerhaft einen Anfängerstatus, weil man beim ewig miesen Wetter in Norddeutschland nur alle paar Monate eine Chance hat, überhaupt etwas zu beobachten oder zu fotografieren.

Viel schief gegangen ist dieses Jahr bisher auch vieles bei der Sonnenbeobachtung. Nur in 6 Monaten (Januar bis November) sind mir mehr als 20 Beobachtungen gelungen, der November war bisher fast ein kompletter Totalausfall, nur eine Beobachtung, ähnlich wenig hatte ich zuletzt 2001 mit einer und 2002 mit 0 Beobachtungen. Für statistische Auswertung ist diese eine Beobachtung praktisch wertlos, auch wenn ich sie trotzdem einreichen werde. Damit macht man sich irgendwie auch lächerlich, da man weiß, dass die eine mickrige Beobachtung keinerlei statistische Relevanz besitzt, und selbst in einem Beobachternetz ist das entschieden zu wenig. Am Ende werde ich wohl aus sämtlichen Auswertungen herausfallen. Kein Wunder, dass gerade in Süddeutschland die Meinung weit verbreitet ist, dass sich im Norden kaum einer für Astronomie interessiert und man da auch nicht beobachten kann. Das Hamburger Wetter bestätigt dies mal wieder eindrucksvoll. Im laufenden Monat gab es hier nur etwas mehr als 25 Stunden Sonnenschein und keine einzige durchgängig klare Nacht. Nun hoffe ich auf den Dezember mit seinen Feiertagen. Da ich aber „zwischen den Jahren“ zur Arbeit muss, werden das mit hoher Wahrscheinlichkeit die einzigen sonnigen Tage des Monats sein.

Auch der Kauf eines 10x30 Fernglases mit Bildstabilisator von Canon hat sicher zu dem dauerhaft schlechten Wetter beigetragen. Ich konnte ihn bisher nicht am Sternenhimmel testen und auch gestern Abend, als der Mond endlich über die Hauskante kam, zog es rasend schnell zu, sodass auch dieser Versuch scheiterte.

Langsam frage ich mich, ob praktische Himmelsbeobachtung in unseren Breiten überhaupt noch irgendeinen Sinn macht. Klar ist es anscheinend nur noch, wenn man in der Woche arbeiten muss und wenn es dann doch mal gut aussieht und die Nacht klar wird, ist man nur mit streikender Technik beschäftigt, sodass man am Ende wieder nichts zustande bringt außer Frust. Systematische Beobachtungen etwa der Sonne oder von Veränderlichen Sternen sind kaum noch möglich. Es gelingen immer nur Momentaufnahmen, aber kein durchgängiges Bild mehr. Die aktuell vergleichsweise hohe Sonnenaktivität (mit mindestens zwei großen koronalen Massenauswürfen) verpasst man hier ebenso wie alle gerade sichtbaren Kometen. Und da das Wetter im kommenden November sicher auch kaum anders sein wird als 2012, wird man vom Kometen C/2012 S1 (ISON) dann hier auch nichts zu sehen bekommen, wie so vieles am Himmel, was einem hier dank Wolken oder Dauernebel entgeht.

Kommentare:

  1. Tja, klingt ein bisschen resignierend. Aber waren systematische Beobachtungen, bei denen man nicht mal einige Wochen(!) Wetterpause verkraften kann, bei uns jemals möglich? Ich glaube dass nicht.

    Wenn man nur auf die Wochenende angewiesen ist, hat man tatsächlich ganz schlechte Karten. Die Mondphase berücksichtigt, hat man da im Monat vielleicht vier möglich Beobachtungsnächte, da wundert es kaum, wenn man da plötzlich mal ein halbes Jahr Pause zwischen zwei Nächten hat.

    Meine Strategie ist daher als "ernsthafter" Astroamateur:

    -Beruflich möglichst flexibel sein, um auch die Nächte unter der Woche nutzen zu können (das geht sicher nicht immer, aber bei einigen schon),

    -objekttechnisch flexibel sein, um auch Nächte mit Mondlicht zu nutzen (langbrennweitige Fotografie von planetarischen Nebeln geht auch bei Vollmond, genauso wie Schmalbandfotografie und natürlich Planetenbeobachtung),

    -eine Art instrumentelle Routine entwickeln, damit man im Falle einer klaren nacht schnell und möglichst ohne Reibungsverluste mit Mechanik und Elektronik beobachten kann (natürlich einfacher für Leute mit fester Beobachtungsstation),

    -im Falle von besonderen Ereignissen: reisebereit sein. Ich machs mittlerweile konsequent so, dass ich für wirklich seltene Ereignisse von vornherein (Kurz-)reisen plane, denn ich seh es einfach nicht mehr ein, dass ich mir von dem Mistwetter hier sämtliche Specials am Himmel verderben lassen soll. Geht natürlich nur in Verbindung mit Punkt 1. Beispiel: Die Jupiterbedeckung durch den Mond im Juli. Donnerstag gebucht, Samstag Mittag nach Rom geflogen, abends rauf in die mittelitalienischen Berge, beobachtet, nachmittags ans Meer, am nächten Tag noch mal Rom gesehen, Montag anden zurück. Kosten. ca. 400 Euro. Es ist einem eben wichtig...

    Dann gehts doch ganz gut. Und man ist für eine Schlechtwetterphase irgendwann dankbar, weil man da mal zu anderen Dingen kommt (arbeiten z.B.) ;-)


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  2. Hallo Jan,

    leider bin ich, was die Arbeitszeit angeht, nur wenig flexibel, da "abhängig beschäftigt". Ich kann mir meine Arbeitszeit leider nicht aussuchen und bin meistens zwischen 7 und 15/16/17 Uhr im Dienst. Für eine irgendwie geartete systematische Sonnenbeobachtung, gerade im Winter, ist das absolut tödlich.

    Aber auch nachts geht es nicht besser, zu unserer Außensternwarte brauche ich eine Stunde Hin- und eine Stunde Rückfahrt, in Hamburg haben wir seit dem Rauswurf aus dem Planetarium 2002 keine Beobachtungsstation mehr. Zwar können wir im Gemeidnezentrum Feste Burg beobachten, aber nur, wenn sich das nicht mit anderen kirchlichen Terminen überschneidet.

    Einen Balkon habe ich leider auch nicht, sodass ich immer darauf angewiesen bin, rauszufahren. Um einigermaßen weit weg von Hamburg zu sein, muss man immer mindesten eine halbe Stunde weit fahren, besser noch eine Stunde.

    Da mit mein Arbeitgeber, die Stadt Hamburg, ab kommenden Jahr vier Tage Urlaub streichen wird, kann ich Kurzreisen auch nicht mehr zu planen, wie das bisher möglich war, mal abgesehen von einer im Raum stehenden Gehaltsverschlechterung.

    So bleiben auch weiterhin nur die Wochenenden für die Nachtbeobachtung und - im Winter - für die Sonnenbeobachtung. Das wäre schon gar nicht schlecht, wenn dann mal am Wochenende das Wetter gut wäre und nicht nur in der Woche.

    Viele Grüße

    Manfred


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