Montag, 15. Oktober 2012

Sternwarte Kirchheim - erste Beobachtungen

Der erste Tag auf der Sternwarte Kirchheim brachte zunächst mal starken Wind und Regen und ließ kaum auf astronomische Aktivitäten hoffen. Zeit genug also, die Einkaufzentren Thüringenpark und in der Erfurter City aufzusuchen. Während der Rückfahrt sahen wir aber schon, wie sich im Südosten die Wolkendecke auflockerte, der schnelle Durchzug von Wolken sorgte aber alsbald für ein Ende der Hoffnungen. Übrig blieb lediglich eine beständige Wolkenlücke im Westen.





Nach dem Abendessen sah die Situation jedoch ein wenig anders aus. Vorsorglich stellte ich meinen 200/1200 mm Dobson vor die Tür und ließ ihn auskühlen. Gegen 20 Uhr war der Himmel dann völlig klar, die Milchstraße bis hinab zur Schildwolke sichtbar. 

Da ich annahm, dass sich die Fotografie nicht lohnen würde, beschränkte ich mich auf visuelle Beobachtungen. Da ich leider aus den unterschiedlichsten Gründen ewig lange nicht mehr beobachtet habe, fange ich, was das Beobachten angeht, praktisch schon wieder bei null an. Es ist eine altbekannte Erfahrung, dass man das Beobachten jederzeit lernen, aber auch wieder verlernen kann, wenn man lange nichts mehr gemacht hat. Und genau das ist mir - zwangsweise durch persönliche Umstände in den letzten Jahren - passiert.

Daher genoss ich es, mal wieder unter einigermaßen dunklem Himmel - mein SQM-L zeigte einen Wert von 20,66 an - zu sitzen und einfach mal nur spazieren zu gucken.

Mein erstes Beobachtungsobjekt war der Doppelsternhaufen h und chi im Perseus, danach folgte die Andromedagalaxie M 31. Der Versuch, den offenen Sternhaufen M 103 in der Cassoppeia zu finden, scheiterte irgendwie, obwohl seine mittlere Helligkeit von +7,4 mag eigentlich kein Problem für den Achtzöller darstellen sollte. Vermutlich habe ich einfach zu hektisch über ihn hinweg geschwenkt und ihn nicht als Sternhaufen wahrgenommen. 

Nicht weit entfernt davon befindet sich der +6,4 mag helle offene Sternhaufen NGC 457. Ihn zu finden, war ebenfalls etwas anspruchsvoll, weil ich im langsam zulaufenden Telrad die Region nur grob einstellen konnte. Die Nacht versprach, sehr feucht zu werden. Der Hauptspiegel blieb allerdings davon zunächst verschont. Doch kurz nach 21 Uhr - ich sah den Jupiter schon dicht über dem Horizont stehend im Osten aufgehen - kamen wieder Wolken in mehreren Schichten auf. André Wulff stellte noch die Galaxie M 33 im Dreieck ein, die aber nur bei indirektem Sehen einigermaßen zu erkennen war. Außer einem dicken Matschfleck - der Achtzöller stößt hier deutlich an seine Grenzen - war nichts zu sehen und mit zunehmender Bewölkung verschwand auch dieser Eindruck. Kurze Zeit später musste ich die Beobachtung dann erst einmal einstellen. Zwischendurch konnten wir überdies noch drei sporadische Meteore sehen.

Etwa eine Stunde später war der Himmel wieder völlig wolkenfrei, aber das Seeing schlecht, wie sich am Jupiter zeigte. Lediglich das nördliche und das südliche Band waren zu sehen und alle vier galileischen Monde und zunehmende Feuchtigkeit - ich habe leider keinen akkubetriebenen Fön dabei - wurde zu einem Problem. Erst beschlug das Telrad, dann die Okulare und zuguterletzt der Hauptspiegel. Und als ich den Dobson wieder reingetragen hatten, lief das Wasser nur so an ihm und am Telrad herab ...



Eine Erkenntnis brachte der Beobachtungsabend: Die neu eingekauften Jacken, Schuhe, Handschuhe etc. erfüllten ihren Zweck und trotz hoher Luftfeuchtigkeit musste ich nicht frieren.

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