Samstag, 20. Oktober 2012

Kirchheim: Endlich eine klare Nacht

Was seit Tagen versprochen, aber nie eingehalten wurde, traf am Abend des 19. Oktober 2012 ein: Nach einem sonnigen Tag war es am Abend endlich mal klar. André und ich wollten in der großen Kuppel neben dem aktuellen Kometen P168/Hergenrother, den wir aber nicht auf Anhieb finden konnten, einige Deep-Sky-Objekte länger belichten.

Schon am Nachmittag hatten wir mein Quadruplet per Klemme angebracht, die Kamera daran befestigt und schon mal alle Kabel für Kameras und Rechner verlegt. Als es dann am Abend dunkel wurde, begann André schon mal, die Teleskope am Mond scharf zu stellen. Später schwenkte wir dann um, damit wir am Alpha Andromedae auf einen Stern scharf stellen konnten. Und da offenbarte sich wieder mal bei mir das Astrofotografie-Dilemma, das mich seit Ewigkeiten verfolgt: Wir bekamen das Bild partout nicht scharf, weil der Kameraadapter zu lang ist und ich einen kürzeren nicht dabei hatte. Damit schied - mal wieder - jegliche Möglichkeit der Astrofotografie für mich aus. Gescheitert an einem nicht vorhandenen kurzen Adapter ...

Deshalb beschloss ich, die Fotografie sein zu lassen und mit meinem Dobson visuell zu beobachten. Auf der Agenda standen zunächst zwei Objekte, die im neuen, noch von mir Korrektur zu lesenden interstellarum-Heft Nr. 85 als Objekte der Saison ausgewiesen wurden: IC 1848 und NGC 1245.

Ersterer wird zusammen mit IC 1805 auch als "Heart and Soul Nebulae" bezeichnet und ist ein heller Emissionsnebel in der Cassiopeia, Entfernung: 7500 Lichtjahre. Meine erster Versuch, den Nebel ohne Filter zu finden, scheiterte. Also schwenkte ich zu NGC 1245 in den Perseus. Vor ein paar Jahren ist hier der helle periodische Komet P17/Holmes vorbeigezogen. NGC 1245 ist ein 10 Bogenminuten großer offener Sternhaufen, der mitten ein einem Dreieck heller Sterne liegt und daher leicht übersehen werden kann, weil die Sterne des Haufens deutlich lichtschwächer sind. Für den Achtzöller ist er schon eine harte Nuss, in der Stadt wird man ihn garantiert übersehen, doch hier auf der Sternwarte Kirchheim gelingt die Beobachtung trotz des an diesem Abend eher mäßigen Himmels mit deutlich geringerer Transparenz (SQM-L: 20,66). Im 36mm 2"-Okular bei 33facher Vergrößerung ist es nicht einfach, den Sternhaufen in Einzelsterne aufzulösen, selbst bei indirektem Sehen konnte ich keine Strukturen ausmachen, das Ganze blieb "nebulös".

Danach schwenkte ich erneut in Richtung auf NGC 1848 und bin auch der Meinung, die Gegend erwischt zu haben - es gibt hier einige auffällige Doppelsterne -, dennoch ist mir ohne Filter keine Beobachtung gelungen.

Nach so viel Frust ging es dann erst mal auf den Doppelsternhaufen h und chi im Perseus, der hier problemlos mit bloßem Auge zu sehen war und der einen schönen Anblick im Okular bot. 

Zwischendurch beobachtete ich dann auch wieder Jupiter mit meinem 9mm Okular (V=133x). Das Seeing war zum Augenblick der Beobachtung ganz ordentlich und ich sah neben den beiden Hauptbändern auch wieder Strukturen im südlichen und eine Abdunklung der Südpolregion.

Insgesamt waren die Beobachtungsbedingungen an diesem Abend jedoch eher durchschnittlich, die Milchstraße war mit bloßem Auge nicht annähernd so gut zu sehen, wie vor ein paar Tagen und von Westen schob sich auch wieder eine Syphschicht heran. Irgendwie schien der Himmelshintergrund auch heller zu sein, als beim letzten Mal.

Gegen zwei Uhr beendete dann zunehmende Feuchtigkeit die Beobachtung. Mein Schlussobjekt war wieder M 42, der große Orionnebel. Dieses Mal war nicht nur der Kernbereich mit einigen zarten Nebelspuren zu sehen, sondern der ganze Bogen mit Struktur in seinem inneren ereich. Ein Anblick, von dem ich mich erst losreißen konnte, als die filigranen Strukturen mit einem Mal schwächer wurden ...



Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen