Donnerstag, 18. Oktober 2012

Kirchheim: Beobachten für zwei Stunden

Das Wetter in Thüringen ist derzeit wenig astronomenfreundlich. Fast täglich werden klare Nächte vorhergesagt, nur um am kommenden Morgen um einen Tag verschoben zu werden. Noch haben wir ein paar Tage vor uns, aber wenn das mit Vorhersage und Wirklichkeit so weitergeht ...

Immerhin: Gestern Abend riss die Bewölkung dann doch mal auf und ich stellte erst mal meinem 8 Zoll-Dobson zum Auskühlen raus. Aus Richtung Süden schob sich eine Syphschicht heran, doch ein Bereich rund um Fuhrmann, Stier, Perseus und Cassiopeia blieb frei.

Also richtete ich mich erst einmal darauf ein, Deep-Sky-Objekte vorwiegend in dieser Himmelsgegend zu beobachten. Da der Jupiter zu Beginn der Beobachtung um ca. 23 Uhr schon recht hoch stand, schwenkte ich das Teleskop erst einmal auf den größten Planeten des Sonnensystems. Das Seeing war nicht berauschend, doch deutlich besser als noch einen Tag zuvor. Neben dem immer sichtbaren nördlichen und südlichen Band konnte mit meinem 9 mm TS-Planetary-Okular bei 133x Strukturen im SEB, und die südpolare Wolkenzone sehen. Beeindruckend war auch die gerade stattfindende Konjuntktion zwischen den Monden II (Europa) und IV (Kallisto). Gleichzeitig warf I (Io) seinen Schatten auf die Jupiteratmosphäre.

Von Westen her näherte sich bedrohlich die Syphschicht, doch sie schien mit einem Mal abzustoppen und leicht zurück zu weichen.

Daher konzentrierte ich mich erst einmal auf die Deep Sky-Beobachtung. Hierzu nahm ich mein 36mm-Zweizollokular und beobachtete erst einmal bekannte Showpieces wie die offenen Sternhaufen M 36, M 37 und M 38. Den 4500 Lichtjahre entfernten und etwa 30 Mitglieder enthaltenden offenen Sternhaufen NGC 1907 nahm ich dann auch gleich mit.

Im Stier visierte ich M 1 ein, den berühmten Supernovaüberrest im Stier, der für den Achtzöller schon eine etwas härtere Nuss war. Leicht zu finden, blieb er auch bei indirektem Sehen nur ein schwacher Schemen an Nachthimmel. Ein wohl eher seltener beobachteter Sternhaufen ist NGC 1647 im Stier. Obwohl 6,40 mag hell, wischt man beim Suchen eher über diese lockere, rd. 1800 Lichtjahre von der Erde entfernte Sternanhäufung hinweg. Schuld daran ist seine völlig regellos erscheinende Sortierung der Sterne. Erst im zweiten Anlauf fand ich zu ihm und der in der Nähe stehende Sternhaufen NGC 1746 war noch schwerer zu finden. Hier muss aber beachtet werden, dass die Sterne von NGC 1746 nach heutigen Erkenntnissen physikalisch nicht zusammen gehören, sondern eine zufällige Ansammlung, einen sogenannten Asterismus, darstellen.

André meinte noch, ich sollte mal M 76, den 10 mag hellen, "Kleinen Hantelnebel", im Perseus probieren, einen kleinen, aber feinen Planetarischen Nebel, doch seine sehr zenitnahe Stellung und eine unmögliche Körperhaltung - über Kopf durchs Telrad anvisieren und dann den Dobson in aufrechter Position schwenken - führten dazu, dass ich ihn nicht zu Gesicht bekam. Dann doch lieber noch mal auf Jupiter und Okular gewechselt. Das Seeing hatte sich leicht verbessert, aber bei 133x konnten nicht mehr Details herausgearbeitet werden.

Nun näherte sich die Syphschicht doch wieder an und ich schwenkte noch mal auf den nur wenige Grad über dem Horizont stehenden M 42 im Orion. Nach einem ersten Eindruck sah ich, wie die filigranen und nur mit indirektem Sehen zu beobachtenden Strukturen verschwanden und nur noch den Kernbereich zeigten: Die Cirrusschicht hatte den Himmel endgültig geschlossen und die Beobachtung um kurz nach 1 Uhr beendet.

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