Samstag, 20. Oktober 2012

Besuch in Sonneberg

Die Abende auf der Sternwarte Kirchheim begannen in den letzten Tagen oft viel versprechend, doch zog es spätestens bei Sonnenuntergang wieder zu und es taten sich nur noch wenige Lücken auf, durch die ich mit Feldstecher oder Dobson hätte hindurchspähen können. Noch bevor es überhaupt Sinn machte, mit dem  Aufbau des Teleskops zu beginnen, sah man nur noch vereinzelte Sterne - wie die hellsten Vertreter des Sommerdreiecks. Gestern Abend hoffte ich, noch mal Jupiter beobachten zu können, doch als ich soweit war, um beginnen zu können, war wieder alles dicht. Und das, obwohl der Wetterbericht seit Tagen bereits für den gestrigen Tag eine wolkenlose Nacht versprochen hatte. Momentan gilt eher die Regel: je näher das gute Wetter kommen sollte, desto mehr verschob es sich nach hinten.

Angesichts des bewölkten Himmels entschlossen André und ich uns, heute zur Sternwarte Sonneberg nahe der thüringisch-bayerischen Grenze zu fahren. Dieses traditionsreiche Observatorium wurde im Jahr 1925 auf dem 638 m hohen Erbisbühl im Sonneberger Stadtteil Neufang - damals die höchst gelegene Sternwarte in Deutschland - errichtet. Gründer des Observatoriums war der vor allem unter den Veränderlichenbeobachtern sehr bekannte Cuno Hoffmeister (1892-1968). Die wechselvolle Geschichte der Sonneberger Sternwarte kann man hier und hier nachlesen, wie es aktuell um sie steht hier und zum Astronomiemuseum geht es hier. Leider hatte Letzteres just an dem Tage aus organisatorischen Gründen geschlossen, als wir vor Ort waren.

Das Haupttor zur Sternwarte stand jedoch offen und um nicht unverrichteter Dinge wieder zurück fahren zu müssen, rief ich kurzerhand per Mobiltelefon an, nachdem ich mir die Nummer aus dem Internet herausgesucht hatte. Ein freundlicher Herr sagte uns, wo wir parken durften und wenige Minuten später saßen wir im Büro vom Chef, der uns ein wenig über die aktuelle Situation berichtete und die Möglichkeit offerierte, eine kleine private Führung zu bekommen. So bekamen wir einige der "Heiligtümer" der Sternwarte zu sehen, die bestimmt nicht Bestandteil der normalen Führungen sind.


Das Hauptgebäude der Sonneberger Sternwarte

Neben den Räumen der Fa. 4pi GmbH, die heute der Betreiber der Sternwarte ist, befinden sich in den Kuppeln und der Rolldachhütte eine Schmidt-Kamera 500/700/1720 mm, ein Cassegrain 600/1800 mm, ein Cassegrain 600/1800/7500 mm und ein Schmidt-Astrograph GC 400/1600 mm. Sieben hier aufgestellte Kameras á 56/250 mm sowie der einst von Hoffmeister mit an die Sternwarte gebrachte, mittlerweile historische Refraktor 135/2030 mm, dienten der systematischen Überwachung und der Suche von und nach Veränderlichen Sternen. 


Mit Instrumenten wie diesem wurde in Sonneberg systematisch der
Himmel überwacht und nach Veränderlichen gesucht

 Das Plattenarchiv der Sonneberger Sternwarte umfasst um die 300.000 Aufnahmen, die derzeit digitalisiert werden.


Blick ins ein "Heiligtum": das Plattenarchiv

Auch die Bibliothek hat einige Kostbarkeiten aufzuweisen:




Vom Quergang zur Rolldachhütte hat man einen guten Überblick auf das Sternwartengelände:



Rechts im Bild sind verschiedene Gehwegplatten mit Markierungen zu sehen. Wenn man zum Schaukasten in der Mitte geht, kann man sein Smartphone dagegen legen und per QR-Code sich anzeigen lassen, welcher Stern von welcher Platte aus über die in der Mitte angebrachte Stange anvisiert werden kann. Ein Projekt, mit dem man das Weltall "zu Fuß" erlaufen kann und das bei Interesse auch an andere Stätten exportiert werden soll.

Nach der Führung machten wir noch einen Rundgang über die Sternwarte und kamen dabei auch an einer Büste des Sternwartengründers Cuno Hoffmeister vorbei:


Danach kehrten wir wieder - voller positiver Eindrücke - an die Kirchheimer Sternwarte zurück.


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