Samstag, 6. Oktober 2012

50 Jahre ESO - wen interessiert´s?

Am 5. Oktober 1962 wurde in Paris offiziell durch Vertreter Belgiens, Deutschlands, Frankreichs, der Niederlande und Schwedens die Gründung einer gemeinsamt betriebenen Sternwarte auf der Südhalbkugel beschlossen.

Die Sternwartendichte auf der Nordhalbkugel war deutlich höher als auf der Südhalbkugel und man konnte von hier aus beispielweise das galaktische Zentrum, die Magellanschen Wolken, die Nachbarsterne Alpha und Proxima Centauri  nie beobachten und erforschen.

Erste Überlegungen für einen Standort auf der Südhalbkugel wurden durch Walter Baade (1893-1960) an- und ab etwa 1953 während verschiedener Vorträge in Europa - er war 1931 in die USA emigriert - vorgestellt. Hintergrund war auch die Situation der Sternwarten in den USA nach dem 2. Weltkrieg und die Tatsache dass - ähnlich wie heute - immer weniger staatliche Mittel für den Betrieb zur Verfügung gestellt wurden. Die Idee fiel offenbar auf fruchtbaren Boden, denn schon bald gründete sich ein ESO-Komittee und man traf sich regelmäßig, um die Idee zu besprechen, wobei mindestens eine Zusammenkunft auch auf der Bergedorfer Sternwarte stattfand.

1962 wurde der damalige Sternwartendirektor Otto Heckmann (1901-1983) zu ersten Direktor der ESO ernannt und er verlegte das Hauptquartier nach Bergedorf, jedoch nicht auf die Sternwarte, sondern in das Iduna-Haus in der Bergedorfer Straße Nr. 131. wo man einige Büroräume anmietete. Das hatte den Vorteil, dass Heckmann Sternwarte und ESO-Büros immer auf kurzem Wege rasch erreichen konnte. Nichtsdestotrotz hatte sich Heckmann von den Aufgaben als Sternwartendirektor beurlauben lassen.

Für die Astronomen war das allerdings kein Idealzustand, denn viel Unterstützung aus der Hamburger Politik gab es damals nicht - ähnlich wie heute. Als dann 1969 das CERN in Genf eröffnet wurde - versehen mit einer Wissenschaftsinfrastruktur, die man bis dahin noch nicht kannte -, kam das Angebot, auch die ESO-Zentrale dorthin zu verlagern. Damit war der Hamburger Standort erledigt, auch, weil man dem zwar amtierenden, aber beurlaubten Direktor nicht folgen wollte und auch, weil sich die Stadt in keinster Weise daran interessiert zeigte, das ESO-Hauptquartier in Hamburg zu halten. Und als man schon beim Packen der Umzugskisten war, meldete sich mit einem Mal die Stadt München, die gerade dabei war, in Garching eine kleine Wissenschaftsstadt aufzubauen, in der sich mehrere Max-Planck-Institute ansiedelten. Und so wurde kurzerhand beschlossen, die ESO-Zentrale dorthin zu verlagern. Mit etwas mehr Engagement seitens der Stadtväter hätte die weltweit größte Astronomieorganisation ihre Zentrale in Hamburg haben können. 1975 wurden die letzten Unterlagen aus der Bergedorfer Sternwarte nach Garching verlagert.

Inzwischen ist die ESO größer geworden, als man jemals dachte und konnte nun ihr 50jähriges Bestehen feiern.  Doch wie wurden die Feierlichkeiten, die an verschiedenen Standorten ausgetragen woredn, von der breiten Öffentlichkeit aufgenommen? Das lässt sich ohne Umfragen zwar nicht genau klären, doch bezeichnend scheint mir zu sein, dass bei einer Jubiläumsveranstaltung am 5. Oktober 2012 im Hamburger Planetarium - wie aus gut unterrichteten Kreisen berichtet wurde - weniger als 100 Besucher anwesend waren und das Fernsehen - sonst immer irgendwie "dabei" - brachte, nach dem, was ich gesehen habe, nichts darüber. Weder Tagesschau, noch heute, weder Planet Wissen noch nano hielten das Ereignis für erwähnenswert, auch n-tv und N 24 war das Jubiläum kein Beitrag wert, vermutlich war es schlicht nicht spektakulär genug. 

So wurde das 50 jährige Bestehen der ESO von Fachleuten bejubelt und den Medien - und damit wohl auch dem breiten Publikum - ignoriert. Immerhin berichteten einige Tageszeitungen darüber, wie man hier, hier und hier sehen kann. Bezeichnend für die Hamburger Tagespresse ist, dass das Thema völlig übergangen wurde, aber für die ist Bergedorf ja nicht Hamburg (obwohl Bergedorf ein Stadtteil von Hamburg ist).

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