Sonntag, 28. Oktober 2012

31. Boheta (Teil 1)


Wochenlang hat man sich darauf gefreut und mit großer Spannung auf das Programm gewartet, und nun ist sie schon wieder vorbei: die Bochumer Herbsttagung, immer wieder das „Highlight“ im astronomischen Veranstaltungskalender eines jeden Jahres. Was in diesem Jahr besonders positiv auffiel war die Vielzahl der Vorträge mit Bezug auf die Möglichkeiten der Sternfreunde, die nicht über High-End-Ausrüstungen verfügten.

Einen Nachteil hatte das Ganze dann doch: um 4 Uhr klingelte der Wecker, wenige Augenblicke später rief mich André Wulff an – wir hatten gegenseitiges Wecken vereinbart. Nach den Erfahrungen der letzten Jahre mit selbst in der Nacht stark verspäteten U-Bahnen nahm ich lieber einen Zug eher und saß schon um 4:43 Uhr in der U1 Richtung Hauptbahnhof. Schnell noch eine Tageszeitung und etwas Essbares eingekauft und schon wartete ich auf den Zug, der um 5:41 Uhr abfahren sollte. Irgendwann traf dann André, wenig später auch Hartwig und Konni ein (si ewaren vorsichtshalber mit der S-Bahn gekommen, weil die Fahrtrichtungsanzeiger bei der Bahn mal wieder nicht funktionierten, Rainer saß dann aber schon im Zug. So fuhren wir, André Wulff, Konstantin von Poschinger, Hartwig Lüthen, Rainer Malitsch und ich der Bochumer Herbsttagung entgegen. Um 9 Uhr trafen wir, nicht ohne vorher die kultigen Klappergehwegplatten auf dem Campus der Ruhr-Universität aufs Neue zu testen, beim Hörsaal der Medizinischen Fakultät ein. Damit waren wir das erste Mal – soweit ich mich erinnern kann – sogar vor dem Veranstalter Peter Riepe am Tagungsort. Hier war beispielsweise die Verinigung der Sternfreunde (VdS) gerade dabei, den Stand aufzubauen.

Um kurz nach 10 Uhr füllte sich der Hörsaal mit – nach meiner Einschätzung – mehr als 200 Personen (deutlich mehr als in den vorangegangenen Jahren) und die Tagung begann mit einem kurzen Grußwort von Peter Riepe im Namen der Bochumer Sternfreunde und der Fachgruppe Astrofotografie der VdS. Es folgten weitere kurze Statements durch den Leiter des Astronomischen Instituts der Ruhruniversität Prof. Dr. Ralf-Jürgen Dettmar und durch Dr. Werner Celnik, der auch einige Worte des VdS-Vorsitzenden Otto Guthier überbringen ließ. Danach gab es noch ein paar Regularien zu den Führungen in der Pause – wer wollte, konnte das Radioteleskop, das Labor für Plasmaphysik oder den Bochumer Ionenbeschleuniger besichtigen – begann die Tagung mit einem Beitrag über die Bewegung der Jupitermonde.

Prof. Dr. Thomas Hebbeker aus Aachen berichtete, wie man mit relativ einfachen fotografischen Mitteln und (viel) mathematischem Hintergrundwissen prinzipiell aus den Bewegungen der vier (galileischen) Jupitermonde Io, Europa, Ganymed und Callisto das 3. Keplersche Gesetz (die Quadrate der Umlaufzeiten zweier Planeten verhalten sich wie die dritten Potenzen (Kuben) der großen Bahnhalbachsen), die Jupitermasse und die Lichtgeschwindigkeit analog der Messungen von Ole Römer nachweisen kann. Das geht aber nur sehr grob, denn am Ende lag der Messfehler immerhin bei 20%. Außerdem wurden auch viele Annahmen wie die genaue Kenntnis der Lichtgeschwindigkeit gemacht, die zu Keplers und Römers Zeiten noch gar nicht bekannt war (geschweige denn, das man wusste, dass es so etwas wie eine LG gab).

Der erste Höhepunkt des Tages wurde bereits im zweiten Vortrag erreicht: Bernd Gährken zeigte dem staunenden Publikum wieder einmal, dass es möglich ist, Impakte von Sternschnuppen auf dem Mond aufzuzeichnen. Hierzu muss man wissen, dass zwischen Neumond und Vollmond der Mond der Erde hinterherläuft. Durchstreift die Erde nun einen größeren Meteoritenstrom, so ist dieser oft auch noch aktiv, wenn die Erde ihn passiert hat. Der der Erde nachfolgende Mond – es passiert äußerst selten, dass Höhepunkt eines Sternschnuppenschwarms und die Neumond/Vollmondphase zusammentreffen – nimmt dann noch ein paar „Reste“ des betreffenden Stroms mit und die Impakte auf dem Mond können, wie Bernd Gährken eindrucksvoll zeigte, mit Amateurmitteln nachgewiesen werden. Hierzu hatte er sich in die bayerischen Alpen begeben, während sein Mitbeobachter Otto Farago das Ganz von Stuttgart aus verfolgte. Fazit: Beiden gelang es, einen Impakt aufzuzeichnen – zwischen den Messorten ergab sich eine leichte Parallaxe – und sie sind somit die bislang einzigen europäischen Beobachter, denen das gelungen ist, inmitten all ihrer amerikanischen Kollegen, die das schon bis zu 250 mal zwischen 2005 und 2012 gelang.

Mit einem vermeintlichen einfacheren, aber nichtsdestotrotz sehr anregenden, Thema ging es weiter: Daniel Spitzer berichtete, mit welcher Technik der geneigte Sternfreund Sternhaufen, Nebel oder den Mond zeichnen kann und zeigte beispielhaft Zeichnungen von NGC 2169, NGC 772 und 770, vom Mondkrater Aristillus, die Gegend um Janssen, Lockyer und Fabricius oder Mons Piton, von M 42 und NGC 246. Er führte überdies aus, wie man Sternmuster zu Papier bringt und wie man das auf schwarzen Karton übertragen kann.

Im letzten Vortrag vor der Mittagspause ging es um ein ehrgeiziges, aber auch für den weniger begüterten Sternfreund nachvollziehbares und amchbares Projekt: die Erstellung eines Milchstraßenpanoramas. Mittels DLSR-Kameras nahm Jan Hattenbach fast alle Milchstraßengegenden vom El Leoncito National Park im Grenzgebiet zwischen Chile und Argentinien und vom Roque de los Muchachos auf La Palma auf und fügte die Bilder mit einem Autostitch-Progamm (Hugin) zusammen. Anhand eines Beispiels zeigte er, was das Programm kann und wie man damit Panoramen erstellt.

Damit war der erste Vortragsblock vorbei und wir begaben uns in die wohlverdiente Mittagspause, die André und mich zu einem Laden Namens Mr. Chicken führte und wo wir erst einmal für unser leibliches Wohl sorgten. 

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