Mittwoch, 10. Oktober 2012

13.10.2012: 325. Todestag von Geminiano Montanari



Geminiano Montanari wurde am 1. Juni 1633 in der italienischen Universitätsstadt Modena im Norden des Landes geboren. Schon sehr früh zeigte sich bei ihm ein grundlegendes Interesse an der Astronomie. Dennoch zog er es vor, 1653 nach Florenz zu gehen, um dort Jura zu studieren – das Verfahren gegen Galileo Galilei und die Anklage wegen Ketzerei (kopernikanisches Weltbild) und die Verurteilung und Verbannung durch die katholische Inquisition wirkten offenbar nach. 1656, nur wenige Jahre nach Beendigung des Dreißigjährigen Krieges, ging er dann nach Salzburg, wo er sein Rechtsstudium abschloss. Die Stadt war seinerzeit Fürsterzbischöfliche Residenzstadt und ein Zentrum der Gegenreformation.

1658 zog er nach Wien, wo er auf den Florentiner Paolo del Buono (1625 - 1659) traf, einen der letzten Schüler von Galilei und im Exil Mathematiker im Dienste des Kaisers Ferdinand III. (1608 - 1657). Bei ihm studierte er Mathematik und Astronomie und lernte in der Zeit auch intensiv die praktische Seite dieser Wissenschaft kennen. Noch einmal kehrte Montanari zu einem kurzen Aufenthalt nach Florenz zurück, wobei er gemeinsam mit Kardinal Leopoldo de Medici (1617 - 1675) und Mitgliedern der Akademie del Cimento viele Nächte am Teleskop verbrachte und den Saturn mit seinem Ringsystem beobachtete. Dessen wahre Natur war erst 1655 durch Christian Huygens (1629 - 1695) enthüllt worden, der auch den größten Saturnmond Titan entdeckt hatte.

1661 kehrte Montanari nach Modena zurück. Hier wurde er auf Empfehlung des Senators Marquis Cornelio Malvasia (1603 - 1664) zum Philosophen und Mathematiker des Herzogs Alfonso IV d’Este (1634 - 1662) ernannt. Nach dem Tod des Herzogs übersiedelte Montanari nach Bologna in das Haus des Marquis, der aber eher an der Astrologie interessiert war, und konnte hier und an der nahe der Ortschaft Panzano gelegenen Sternwarte weiterführende Studien unternehmen, zu denen hauptsächlich die Planeten zählten. Er beobachtete aber auch sehr intensiv den Mond und erstellte erstmals sehr genaue Ephemeriden. Mit seinen Beobachtungen, vor allem des Mondes mit einem hierfür selbst konstruierten Messokular, wurde er zu einem der ersten wissenschaftlich arbeitenden Selenographen, der auch eine erste, detailgenaue Mondkarte erstellte.

Kurz nach dem sehr frühen Tod des Senators im Jahr 1664, wählte der Senat von Bologna ihn auf den Lehrstuhl für Mathematik der dortigen Universität. In Bologna blieb er immerhin für volle 14 Jahre. In dieser Zeit und wohl auch schon in Padua, widmete er sich zusammen mit seiner Ehefrau Elisabeth Dürer der Entwicklung von Optiken und dem Schleifen von Linsen. In den persönlichen Archiven des Marquis Cornelio Malvasia wurde ein Objektiv mit der Inschrift „Geminianus Montanarius mathematicus Professor Bononiae, 1676“ gefunden. Montanari zeichnete sich auch durch die Einführung von Experimenten in die Wissenschaft aus, die seit dem zu einem der Hauptarbeitsmittel der Naturwissenschaftler wurden. Montanari stellte experimentelle Studien zum Verhalten von Flüssigkeiten an und stellte die These auf, dass deren Viskosität von der Form der darin befindlichen Moleküle abhängt.

Montanari beschäftigte sich außerdem mit ökonomischen und medizinischen Fragen. In der Hauptsache war er jedoch Astronom und als solcher verfolgte er in den Jahren 1667 bis 1670 speziell Algol, den zweithellsten Stern im Perseus, und berechnete die Variation in der Helligkeit dieses Sterns. Zwar war die Variabilität der Helligkeit schon länger bekannt, Montanari war jedoch der Erste, der sie systematisch untersuchte und Aufzeichnungen darüber anfertigte. Algol ist, wie wir heute wissen, ein so genannter Bedeckungsveränderlicher, bei dem sich zwei Sterne in der Sichtlinie zu uns gegenseitig bedecken: ein blauer Riese der Spektralklasse B8 und ein rot-gelber Zwerg der Spektralklasse K2 umrunden einander. Eigentlich ist Algol ein Dreifachsternsystem, denn weiter außen gibt es noch einen weiteren, nur im Infraroten sichtbaren, dritten Stern, der die beiden umkreist. Freilich gelang es erst John Goodricke (1764 - 1786) im Jahr 1783 die Periode der Helligkeitsschwankung zu bestimmen. In diesen Jahren beobachtete Montanari sehr viele stellare Objekte. 1669 wurde er als Astronomielehrer Nachfolger Giovanni Domenico Cassinis (1625 - 1712) am Observatorium zu Panzano. Hiermit war auch die regelmäßige Veröffentlichung eines Almanachs verbunden. In jener Zeit veröffentlichte er auch eine Schrift, in der er über eine thermische Komponente des Mondlichts nachdachte. Im Jahre 1678 erreichte ihn der Ruf der Universität zu Padua, wo er den Lehrstuhl für Astronomie, eigens für ihn geschaffenen, bekleidete.

Diese Ehrung war verbunden mit einer Vielzahl von öffentlichen Ämtern im Namen der Republik Venedig. 1680 beobachtete er intensiv den Großen Kometen des Jahres und referierte hierüber mit Isaac Newton (1643-1727), der voll des Lobes war ob der Qualität der Montanarinischen Beobachtungen. Leider sind viele Beobachtungsaufzeichnungen Montanaris nicht überliefert und gelten als verschollen. Daher weiß man nicht ganz genau, was er im Einzelnen beobachtet und niedergeschrieben hat. Aus einem Briefwechsel mit Edmond Halley geht jedoch hervor, dass er dessen Schweifstern um 1682 herum auch regelmäßig beobachtet haben muss. 1683 machte Montanari sich in einer weiteren Schrift grundlegende Gedanken über das Münzwesen und die Geldtheorie. Er starb am 13. Oktober 1687 in im Alter von nur 54 Jahren in seiner Geburtsstadt.

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