Mittwoch, 5. September 2012

Meteoriten-Ausstellung in Oldenburg



Erst zum Ende der seit Mai laufenden Ausstellung mit dem bombastischen Titel „Meteoriteneinschlag – Außerirdische Steine im Landesmuseum Natur und Mensch“ schaffte ich es, gemeinsam mit André Wulff, mir das ganze einmal anzuschauen.


Ein Parkplatz war am Samstag, den 1. September 2012, leicht in der Nähe des zentrumsnah gelegenen Museums zu finden. Der Eintrittspreis war erstaunlich niedrig und so begannen wir unseren Rundgang.

Als erstes stießen wir auf ein Fundstück aus der Region: den Benthullen-Meteoriten. Der war bereits 1944 oder 1945 beim Torfstechen in Benthullen, einem Ortsteil der Gemeinde Wardenburg, im Oldenburger Land gefunden worden. Genauer gesagt, im Hochmoor der Region. Und dieses war es denn auch, der den 4,56 Mrd. Jahre alten L6-Chondriten mit einem Gewicht von 17,25 kg (mit einem mit Steinen gefüllten Sack vor der Vitrine konnte man mal ausprobieren, wie schwer das ist) erhalten hat. Normalerweise wäre er, da Chondrite sehr viel Eisen erhalten, an der Oberfläche verrostet gewesen, doch der Stein wies bei seinem Auffinden, da lag er – wie spätere Untersuchungen, u.a. am Mineralogischen Institut der Universität Hamburg ergaben – schon seit mindestens 120 Jahren schon im Moor und war durch einen Bauern bereits ein Jahr zuvor aus dem Boden geholt worden und wies noch die Spuren des Durchgangs durch die Erdatmosphäre auf. Dieser Stein ist der größte, jemals in Deutschland gefundene und befindet sich seit 1949 im Museum.


Ein paar Meter weiter fanden wir in einer weiteren Vitrine den Oldenburg-Meteoriten, ebenfalls ein Chondrit der Klasse L 6 war, aber nicht mit obigem verwechselt werden darf, da er bedeutend weniger Silikate enthielt. Seine Entdeckung war durchaus spektakulär. Am 10. September 1930 hörten um 14:15 Uhr Anwohner in Oldenburg einen lauten Knall: Ein Meteorit war in, wie man heute annimmt, zwei große Teile zerborsten und in der Nähe von Bissel in der Gemeinde Großenkneten und in Brevenbruch, in der Gemeinde Garrel, niedergegangen. Wie man später abschätzte, war er in rund 4 km Höhe auseinandergefallen und 23 km südlich von Oldenburg, bzw. 4,4 km nordwestlich von Bissel auf die Erde gefallen. Interessant am Rande: Das Auffinden der Bruchstücke war nicht einfach und 1995 wurde eines davon zum Verkauf angeboten und befindet sich heute in Privatbesitz.

Neben den Originalen aus der Region fanden sich im Museum zahlreiche Leihgaben, z.B. des Naturkundemuseums in Berlin oder des Mineralogischen Instituts der Uni Hamburg. Dazu zählen ein 9,2g schweres Endstück des Peetskill H 6 Chondriten. Was hier so harmlos aussieht, machte durchaus Schlagzeilen. Am 9. Oktober 1992 war ein 12,4 kg schwerer H6-Chondrit, der von den Draconiden abstammte. Benannt nach einem kleinen Ort im US-Bundesstaat New York, fiel er gegen 19:50 Uhr Ortszeit in den Kofferraum eines schon betagten 1980er Chevrolet Malibu Classic V 8 der 18jährigen Studentin Michelle Knapp und hinterließ ein 15 cm tiefes Loch im Asphalt unter dem Auto. Dieses wurde später vom Meteoritensammler Allan Langheinrich aufgekauft und ist seit dem regelmäßig auf Ausstellungen zu besichtigen, und das auch in Oldenburg!


Unser weiterer Weg führte zu weiteren Ausstellungsstücken, wie dem Bruchstück des Mondmeteoriten Dar al Gani 262, der 1997 in der libyschen Wüste gefunden worden war sowie ein Dünnschliff – winzige Abschliffe, die der näheren mikroskopischen Untersuchung dienen -, der Einblick in den inneren Aufbau des Achondriten (Steinmeteorite ohne Silikateinschlüsse) gewährt. In der gleichen Vitrine fand sich auch ein Teil des etwas mehr als 1,4 kg schweren Dar al Gani 400-Mondmeteoriten, der am 10. März 1998 unweit der Nr. 262 gefunden worden war. Ein anderes Bruchstück davon lag in einem der anderen Schaukästen, neben der Nr. 476, die am 1. Mai 1998 gefunden wurde.




Neben den vielen kleinere Steinen – es fanden sich noch viele weitere Steinmeteorite – die weltweit am häufgsten gefundenen Meteorite – winzige kohlige Chondrite, große Impaktgesteine, Tektite, Suevite etc. Hinweistafeln wiesen auf die Entstehung von Glaskügelchen beim Meteoriteneinschlag oder die unterschiedlichsten Untersuchungsmethoden bei Meteoriten hin. In kleinen Videos konnte man hier viel über die Bearbeitung von Fundstücken und deren Analyse erfahren. In der hinteren Ecke der 1. Etage informierten die Oldenburger Sternfreunde über ihre Arbeit, es waren ein Refraktor und mehrere Fototafeln aufgestellt.


Im darüber gelegenen Stockwerk ging es schon ein wenig spaßig zu. Im Rundgang ging man durch zwei offene Tunnel und konnte sich hier auf Bildern diverse Einschlagkrater, apokalyptische Vorstellungen, Massenaussterben von Pflanzen und Tieren, die Bedeutung und Nutzung von Meteoriten etc. anschauen ... und wenn man wollte, sich von Space-Musik berieseln lassen. Weitere Räumlichkeiten luden zu Filmbeiträgen oder abchillen mit Weltraummusik und Astrobildern ein. 



Zur letzten Station der Meteoritenausstellung gehört im Erdgeschoss der bereits oben erwähnte 1980er Chevrolet Malibu Classic V 8, für den die ehemalige Besitzerin angeblich 69.000 US-Dollar erhalten haben soll und der durch viele Museen der Welt tourt (zur Ausstellungseröffnung war er noch nicht dabei, weil der deutsche Zoll ihn nicht freigeben wollte …).



Wenn man Zeit genug mitbringt, kann man sich noch weitere Teile dieses interessanten Museums anschauen. So ist der Bereich über die Moore mindestens ebenso spannend, wie die Mineraliensammlung im Kellergewölbe oder das Aquarium. 

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