Dienstag, 5. Juni 2012

2. Norddeutsches Sternwartentreffen

Der Arbeitskreis Sternwarte Lübeck (ASL) in der Johannes-Kepler-Realschule im Stadtteil Eichholz hatte schon im vergangenen Jahr zum Treffen in die „Stadt der Wissenschaft 2012“ eingeladen. Überschattet wurde das Ganze durch eine Großdemonstration in meinem Stadtteil, die ein früheres Losfahren erzwang.

Gegen 8:15 Uhr hatte ich meine Fahrgäste – Michael Steen und André Wulff – eingeladen und wir fuhren auf Umwegen zur A 1, kamen dann aber recht zügig voran und standen um 9:20 Uhr im leichten Regen vor der Sternwarte, wo die Lübecker Sternfreunde schon kräftig mit dem Aufbau des Catering und der Herrichtung des Vortragsraumes beschäftigt waren.


Bis zum Beginn des Vortragsprogramms um 11 Uhr stärkten wir uns mit Kaffee und Keksen und wir besichtigten die 3,25m-Kuppel mit dem 50-cm Astrographen von Planwave auf der Astro-Physics-El Capitan-Montierung. Der alte 48cm Newton-Cassegrain war 2010 samt Montierung abgebaut worden – das Teleskop ist heute das Hauptgerät der Neumünsteraner Sternfreunde.


Oliver Paulien und Torsten Lohf eröffneten pünktlich die Veranstaltung, begrüßten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer – etwa 30 Personen – und gaben ein paar Regularien für den Tag sowie das Veranstaltungsprogramm bekannt. In der Zwischenzeit waren auch Jürgen Prahl und Hartwig Lüthen eingetroffen.


Das Treffen begann mit einem Fachvortrag von Prof. Dr. Lienhard Pagel vom Institut für Gerätesysteme und Schaltungstechnik der Fakultät für Informatik und Elektrotechnik der Universität Rostock über „Instrumentelle Voraussetzungen für die Beobachtung Veränderlicher Sterne“. Darin vermittelte er Grundlagen über Sternhelligkeiten, ging auf die geeigneten Instrumente vom bloßen Auge bis zur CCD-Kamera (inkl. Vor- und Nachteile bzw. Begrenztheit der jeweiligen Systeme) ein und stellte unterschiedliche Typen von Veränderlichen Sternen (Eruptive, Pulsierende, Rotierende, Kataklsysmische, Bedeckungs- und sonstige Sterne) vor. Er berichtete aus der Arbeit der Bundesdeutschen Arbeitsgemeinschaft Veränderlicher Sterne e.V. (BAV) und stellte Lichtkurven einiger ausgewählter Veränderlicher vor.


Nach der ersten Pause, die die meisten zur Stärkung in der im Erdgeschoss eingerichteten Cafeteria nutzten, begann der erste Vortragsblock mit den Sternwarten, die sich bisher noch nicht auf der Tagung vorgestellt hatten.


Wolfgang Bergt, Schriftführer des Astronomischen Vereins Rostock e.V. berichtete über die astronomischen Aktivitäten in der alten Hansestadt, die von Beobachtungsabenden und Vorträgen über die Beteiligungen an Aktionen wie die Lange Nacht der Wissenschaften 2012, die Mitarbeit am Zustandekommen des Planetengartens, den Betrieb der Astronomischen Station „Tycho Brahe“ bis hin zur regelmäßigen Organisation der Teleskoptreffen in Lohmen. 20 km südlich von Güstrow reichen. Er gab einen kurzen Abriss der Geschichte des Vereins, erwähnte die Astrorunde - den Rostocker Astrostammtisch -, die Sonntagsvorträge im Planetarium der Stadt und erläuterte auch kurz die Astronomische Uhr in Rostock.


Michael Schomann, Schriftführer der Sternfreunde Braunschweig-Hondelage e.V. zeigte danach in lockerer Form Bilder aus den Anfangstagen des Vereins von der ersten Bauwagen-Sternwarte bis hin zur 1996 neu eröffneten Sternwarte – sie entstand mit der Hilfe von Sponsoren und viel Eigenarbeit. Die 5,3m-Baaderkuppel sitzt auf einem gemauerten Gebäude, in dem sich ein Vortragsraum befindet. Unter der Kuppel wurde ein 500mm-Spiegel mit 5000mm Brennweite von Philipp Keller mit einer Optik von Lomo installiert. Amüsant war auch der kurze Videofilm über die Sternwarte.


Marco Ludwig berichtete danach über die Neuerungen auf der Neumünsteraner Sternwarte und die gute Kooperation mit der Sternwarte Lübeck. Neumünster hat heute die größte Kuppel und Lübeck das größte Fernrohr in ganz Schleswig-Holstein. Der mit einem neuen Anstrich versehene Spiegel wurde anlässlich der 40-Jahr-Feier der Sternwarte Neumünster unter der frisch renovierten Kuppel der Öffentlichkeit präsentiert.


Die zweite Pause folgte und im ersten Beitrag wurde ein Grußwort des Vorsitzenden der Sternwarte St. Andreasberg, Utz Schmidtzko, durch Torsten Lohf verlesen. Dabei gab es bestürzende Nachrichten, denn auch im Harz machen sich die Freunde der nächtlichen Illumination breit. So soll es neue Skigebiete geben, um Touristen anzulocken und die Pisten sollen nachts voll ausgeleuchtet werden!


Hartwig Lüthen berichtete anschließend über die Außensternwarten der GvA Hamburg, zunächst in Neu-Wulmstorf (wo man wegen eines Spuash-Centers vertrieben wurde), in Bardenhagen (wo man einem Wellness-Center weichen musste) bis zum heutigen Standort in Handeloh. Er gab einen kurzen Überblick über die dortigen Aktivitäten der GvA mit den Handeloher Sternfreunden.


Im nächsten Vortrag gaben Karl Engeldinger und der 2. Vorsitzende des Regionalen Volks- und Schulsternwarte Tornesch Einblicke in ihre Arbeit, blickten zurück auf die erste Tagung 2011, stellten ihre Sternwarte vor, berichteten von diversen Veranstaltungen (wie der Ferienaktion mit Kindern) und Beobachtungsaktionen etwa zu den Perseiden auf dem Flugplatz Tornesch. Auch Besuche des MPI für Meteorologie in Hamburg, der Emberger Alm, der ATT und der Halde Hoheward gehörten 2011/2012 zu den Aktivitäten des Vereins.


Die dritte Pause folgte, danach standen noch drei kurze Beiträge auf dem Programm. Oliver Paulien und Torsten Lohf berichteten über eine Wanderausstellung in Lübeck aus Anlass des Wissenschaftsjahres 2012: Hochaufgelöste eigene Astrofotos wurden auf Alu Dibionds gezogen und gaben die Bilder mit hoher Brillanz wieder. Es wurde überlegt, die Ausstellung zu erweitern und auch über die Stadtgrenzen hinweg zu zeigen.


Michael Schomann gab einen kurzen Eindruck vom Sternfreundetreffen am 3. März 2012 im Planetarium Wolfsburg und die dortigen Möglichkeiten der Darstellung mit Fulldome-Projektoren und berichtete über die Veranstaltung. Schön zu sehen, dass es zwischen Planetarien und astronomischen Vereinen auch eine Zusammenarbeit geben kann, ganz im Gegensatz zu Hamburg, wo seit 2002 hierauf kein Wert mehr gelegt wird.


Marco Ludwig kam im letzten Beitrag auf die Website http://www.astronomie-nord/ zu sprechen, stellte die Neuerungen vor, zu denen die deutlich erweiterte interaktive Karte mit den Orten der einzelnen Sternwarten, Planetarien und Vereinen und die Übernahme des NAFT-Archivs gehören. Er rief auch zur Mitarbeit im Allgemeinen und bei der Pflege der NAFT-Seite auf.


In der abschließenden Bilanz der Veranstaltung wurde die Organisation gelobt, die Zusammenarbeit der norddeutschen Astronomievereine hervorgehoben und kurz über den nächsten Austragungsort diskutiert. Im Jahr 2013 könnte danach die 3. Tagung Norddeutscher Sternwarten (NST) vielleicht in Braunschweig oder Wolfsburg stattfinden.


Im Anschluss an die Veranstaltung bestand noch die Möglichkeit, beim Griechen in der Nähe zu Abend zu essen. Wir entschlossen uns aber, den Heimweg anzutreten, setzten Hartwig in Ahrensburg aus und fuhren dann am Rande der Demo wieder nach Hause. Die Reste durften am nächsten Tag „bewundert“ werden …

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