Montag, 14. Mai 2012

Norddeutsches Astrofotografentreffen in Hamburg

Die GvA rief, aber nur sehr wenige Astrofotografen fanden eine Woche nach der ATT und ein paar Tage vor dem ITV den Weg in das Gemeindezentrum Feste Burg in Neu-Allermöhe. Die rund 30 Anwesenden bekamen jedoch echte astrofotografische Höhepunkte geboten.

Da wir dieses Mal die Ausrichter des NAFTs waren, begann der Tag schon recht früh. Ich holte André Wulff um 9 Uhr ab und wir fuhren erst mal zu fegro in Oststeinbek, um dort das einzukaufen, was wir auf einer Vorstandssitzung etwa zwei Wochen vorher abgesprochen hatten. Schwer beladen kamen wir gegen 11 Uhr in Neu-Allermöhe an. Siegfried Weber, einer der fleißigen Helfer, war bereits anwesend, Wolfgang Moldenhauer kam ein wenig später. Dirk Eckhoff schleppte per Rucksack die Würstchen heran und dann trafen nach und nach auch Hartwig Lüthen, Konstantin von Poschinger und Sacha Kirchberger ein und brachten auch noch einiges, wie eine SEHR große Kaffeemaschine mit.

In der Küche hatten wir bereits erste Vorbereitungen getroffen, nun konnte auch der Gemeindesaal hergerichtet werden. Leider konnten wir den Raum nicht ganz abdunkeln und so musste überlegt werden, wohin man überhaupt projizieren würde. Bis Jürgen Mensing mit einer eigenen Leinwand vorbeikam und das Problem elegant löste. Wir hätten sonst mit der Sonne im Rücken die Bilder auf einer weißen Wand zeigen müssen. Auch so war es teilweise schon schwierig genug, denn auch die Leinwand gab alle Details der Bilder richtig wieder, weil es eben nicht vollständig dunkel war. Zwischendurch fuhren André und ich dann noch mal zu fegro, um fehlendes Zubehör einzukaufen.



Mittlerweile trafen auch die ersten Besucherinnen und Besucher ein, doch war deren Zahl eher gering. Am Ende waren wir ohne die Helfer vom GvA-Catering etwa 25 Leute. Diese bekamen aber dafür ein umfangreiches und qualitativ hochwertiges Vortragsprogramm mit vielen Bildern geboten.




Gegen 14 Uhr eröffneten Konstantin von Poschinger und Hartwig Lüthen den offiziellen Teil. Im ersten Vortrag sprach Stefan Rust über die in Hamburg immer mehr zunehmende Lichtverschmutzung (die am Abend durch den Hafengeburtstag und eine Schiffstaufe wieder extreme Ausmaße in Form tanzender Lichtfinger am Himmel annahm) und zeigte Aufnahmen, die er aus dem Hamburger Stadtteil Bergedorf heraus im heimischen Garten aufgenommen hatte. Man sah, wie sehr NGC 2294 unter den Bedingungen litt. Ein Vergleich mit einer Aufnahme von NGC 6888 während des 2011er AschbergTeleskopTreffens (AFT) zeigte die Welten auf, die zwischen diesen Standorten liegen. Noch bessere Bedingungen fand er während zweier Astroreisen nach Portugal 2010 und 2011 vor, wo naturgemäß die Lichtverschmutzung nicht so ausgeprägt war, wie in der Metropolregion Hamburg und er Objekte wie IC 1805, M 33, M 31, NGC 253, IC 1396, NGC 1499, M 45, IC 1318, ein Milchstraßenpanorama, bestehend aus nur vier Bildern, M 16 und 17, Nordamerika- und Pelikannebel als Panorama aufnehmen konnte.



Bruno Mattern stellte danach kurz seine Sternwarte und seine Ausrüstung vor und zeigte eine Auswahl seiner im astronomisch katastrophalen Winter 2011/2012 unter widrigen Bedingungen doch noch gewonnenen Deep-Sky-Fotos, die hauptsächlich mit DSLR-Kameras aufgenommen wurden: M 3, M 64, Leo-Triplett mit M 65, M 66 und NGC 3628   M 95 mit Supernova SN 2012aw, M 108, NGC 2419, NGC 2903, NGC 3486, NGC 3718, NGC 3726, die Markarian-Kette um M 84 und M 86, NGC 4535, NGC 4059 und diverse Kleinplaneten, NGC 4631 und 4656/4657, Comahaufen sowie NGC 5907.

Frank Wierny berichtete aus den Oldenburger Sumpfgebieten – passend dazu quakten die Frösche im Teich hinter dem Gemeindezentrum durch die geöffnete Tür herein. Nach der Schilderung der wahrhaft widrigen Bedingungen im „Oldenburger Flutgebiet“ präsentierte er seine Sternwarte, die darin befindlichen Instrumente und zeigte Aufnahmen Abell 1656, IC 405, M 78, NGC 1977, M 46 und NGC 2438, NGC 3344, M 108, NGC 4244, NGC 3184 und Hickson 44.

In der nun folgenden ersten längeren Pause konnte man sich mit Würstchen, Brötchen, warmen und kalten Getränken stärken. Das zwar recht kühle, aber immerhin weitgehend sonnige Hamburger Wetter lud dazu ein, einen Teil der Pause vor dem Gebäude zu verbringen und dort weiter zu klönen.

Der zweite Vortragsblock begann mit einem Beitrag von Konstantin von Poschinger, in dem er zahlreiche CCD-Aufnahmen, die er in Murnau/Bayern, in Namibia und im lichtverseuchten Hamburger Westen (Othmarschen) und der GvA-Außensternwarte in Handeloh gewinnen konnte. Nebenher gewährte er mit den Aufnahmen Einblicke auch in andere Spektralbereiche, die außerhalb des normal Sichtbaren und der H-Alpha-Wellenlänge lagen. So führte er u.a. Aufnahmen von NGC 6883, M 8, Pelikan im H-Alpha, M 101 mit der Supernova SN2011fe, dem Bubblenebel, die Gegend unterhalb vom Nordamerika- und Pelikannebel im H-Alpha, SH 171, Whalenebel NGC 4631, LDN 271, NGC 6303 vor. Weiter zeigte er Meteore über Schmalenbeck, IC 1396, Thors Helmet, M 3, die Markarian-Kette, NGC 4395, NGC 4725, Komet Garradd, IC 405, Konusnebel, NGC 4559, M 63, NGC 1931, Mond, Sonne, Saturn und IC 2574. Bei Aufnahmen aus Hamburg heraus lieferte bei einem LRGB-Bild nur der L-Kanal vernünftige Ergebnisse. Überdies berichtete er über die Neubearbeitung älterer Bilder, stellte seine Aufnahmetechnik und das Programm „CCD inspector“ als Fokussierhilfe vor.

Das war eine gute Überleitung zum nächsten Vortrag, in dem Hartwig Lüthen das Programm Astrostakkert erklärte. Dabei bearbeitete er live ein Planetenvideo, das am 14 Zöller der GvA-Außensternwarte in Handeloh entstanden war, kam auf besondere Punkte des Programms zu sprechen, bearbeitete nebenher ein Mondvideo und verglich am Ende Ergebnisse der Bearbeitung eines ausgewählten Mondvideos mit Giotto, Avistack, Registax und Autostakkert, wobei letzteres nicht nur die besten Bilder lieferte, sondern auch am einfachsten zu handhaben war.

In der nächsten Pause konnte weiter geschlemmt und geklönt werden. Es wurde das Gruppenfoto aufgenommen und schließlich ging es zum Endspurt.

Mathias Levens berichtete in seinem zweiteiligen Vortrag zunächst über den Bau seiner Gartensternwarte mit Säule, die aus einer Standardgartenhütte vom Baumarkt besteht und ein C11 auf einer Astrophysics 900-Montierung überdacht. Unter dem auch in der Randlage Hannovers stark lichtverschmutzten Himmel konnte er nur wenige Deep-Sky-Objekte wie M 35, M 1, oder den Sturmvogel aufnehmen. Dafür gelangen ihm aber viele beeindruckende Aufnahmen mit einer DMK 31 von Mars, Venus, Jupiter (die er zu Animationen zusammensetzte), den Mondregionen um Aristillus, Maurolycus und Moretus und von der Mondfinsternis am 10.12.2011. Im zweiten Teil folgte ein Bericht über eine Reise mit den Hurtigrouten im Oktober 2011, wo ihm fantastische Aufnahmen von Polarlichtern inkl. Polarlichtoval, Vorhängen, Girlanden etc. gelangen, die er rund um die Lofoten auf der MS Finnmarken erhielt.

Jürgen Mensing hatte sich im Februar 2012 in nördliche Gefilde begeben, genauer gesagt in ein Haus 25 km nördlich von Tromsö, und konnte in seinen mit absolut sehenswerten Bildern ausgestatteten Vortrag zunächst höchstauflösende Sonnenfotos im Weißlicht und H-Alpha (umgebautes PST am 4 Zoll Chromaten) und dann Aufnahmen von Polarlichtern in all der Vielfalt ihrer Formen, Farben und Strukturen zeigen. Das war ein würdiger Abschluss dieses leider nur wenig besuchten NAFTs, das kurz vor 18:21 Uhr endete. Zuvor gab es noch ein paar Ankündigungen, u.a. die, dass das Herbst-NAFT in Neumünster stattfinden wird, voraussichtlich im November.

Nach dem Ende der Veranstaltung – der Saal leerte sich dann schon sehr schnell – mussten wir noch aufräumen, sodass ich gegen 20 Uhr wieder zu Hause war. Dass nur so wenige Sternfreundinnen und Sternfreunde teilgenommen hatten, mag auch an der Tatsache gelegen haben, dass es durch den Hafengeburtstag sehr schwer war, in die Stadt zu kommen. Es gab kilometerlange Staus und manch einer mag deswegen gar nicht erst losgefahren sein, hat dann aber viele interessante Bilder verpasst. Schade war auch, dass viele GvA-Mitglieder, die dieses Mal einen echten Heimvorteil hatten, nicht die Gelegenheit nutzten, das NAFT einmal kennen zu lernen.

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