Dienstag, 29. Mai 2012

Astrotreffen im Mai – eine Betrachtung

Die Fachastronomie und die Amateurastronomie leben in erster Linie von Kommunikation, dem Austausch von Ergebnissen, der Beratung über neue Projekte und vielfältigen Diskussionen.

In diesem Mai hatte ich das Glück, an vielen Veranstaltungen teilnehmen zu können: Die ATT, das NAFT, die Lange Nacht der Museen auf der Bergedorfer Sternwarte, die SONNE-Tagung in Bremen und an den kommenden beiden Wochenenden das Treffen norddeutscher Sternwarten in Lübeck und der Tag der offenen Tür auf der Bergedorfer Sternwarte. Nehmen wir mal die beiden Bergedorf-Termine heraus (die ja überwiegend für die Öffentlichkeit gedacht sind), so fällt zweierlei auf:

· Immer weniger Besucherinnen und Besucher nehmen daran teil
· Die Besucherinnen und Besucher gehören häufig der Altersklasse 60+ an.

Eine Analyse dürfte schwierig werden, trotzdem will ich das aus meiner persönlichen Sicht einmal versuchen. Früher waren derartige Treffen wichtig, um in der Szene bekannt zu werden, um Kontakte zu knüpfen, Ergebnisse auszutauschen oder über Vorträge auf andere Sternfreunde aufmerksam zu werden. Allesamt Punkte, die heute über das Internet wesentlich schneller und effektiver ablaufen. Steigende Benzinkosten, die Wirtschaftskrise, astronomische und nichtastronomische Parallelveranstaltungen halten anscheinend viele potentielle Teilnehmerinnen und Teilnehmer vom Kommen ab.

So war das Norddeutsche Astrofotografentreffen das mit der geringsten Besucherzahl seit Langem, wenn nicht sogar überhaupt. In Hamburg gab es zeitgleich den Hafengeburtstag (viele schreckten wohl vor den Staus auf der Autobahn zurück). Die SONNE-Tagung glich einer Veranstaltung für die ältere Generation. Während am Freitag noch ein Lehrer mit seinen Schülern daran teilnahm, waren diese Leute am Samstag, wo es in den Amateurvorträgen darum ging, den Leuten zu zeigen, was sie selber machen können, nicht mehr da (mit meinen 51 Jahren war ich da fast schon der Jüngste und man wähnte sich im Altersheim  …). Desinteresse oder Alternative zur Schule am Freitag? Das verwundert umso mehr, als dass es in Foren wie dem Astrotreff jeden Tag viele hochklassige Sonnenbilder zu sehen gibt. Doch ist die Zahl der an den Beobachtungsprogrammen der Fachgruppe SONNE teilnehmenden Sternfreunde seit Jahren rückläufig und fast könnte man fragen, ob die SONNE-Tagung nicht irgendwann mal ausstirbt, weil es keine Besucher mehr gibt.

Auch auf der ATT war zu beobachten, dass zur Öffnung um 10 Uhr längst nicht mehr so viele Leute vor der Tür standen, als in den vergangenen Jahren, wo die Schlangen mehrere Hundert Meter lang waren. In diesem Jahr passten bei leichtem Nieselregen fast alle dicht gedrängt unter das Vordach. Auch später wurde das meinem Empfinden nach nicht wesentlich besser. Viele Händler hatten verkleinerte Stände, ein geringeres Angebot und manch ein Sternfreund wurde von seiner Liebsten am Stand weggezogen, damit er sich nicht „schon wieder so ein komisches Glasteil“ kauft. Aber auch die Amateurstände waren in diesem Jahr weit weniger gefüllt als früher. So konnte ich in diesem Jahr erstmals nichts mit dem „Haben-Wollen-Effekt“ finden, zumal auch ich mich frage, ob es sich überhaupt noch lohnt, Sachen für viel Geld zu kaufen, die man nur 1 oder 2x pro Jahr benutzt.

Mir scheint, dass das Interesse an astronomischen Veranstaltungen allgemein zurückgegangen ist. Ein Grund könnte sein, dass es im Mai einfach zu viele davon gibt und man jeden Samstag irgendwo unterwegs sein kann und mit Familienanhang ist das oft nicht machbar. Die gesamtwirtschaftliche Situation in Deutschland trägt sicher auch dazu bei, dass man sich überlegt, ob man für eine Tankfüllung irgendwo hinfährt oder für die Familie einkauft. Auch die Tatsache, dass man in diesem Land mehr oder weniger gezwungen werden soll, das Auto gegen das Fahrrad oder die Bahn zu tauschen, ist bei unserem Hobby nicht förderlich.

Als Quintessenz aus der Tatsache, dass die klassischen Veranstaltungen in der Astroszene – zumindest hier im Norden – offenbar immer weniger Zuspruch finden, muss man sich wohl doch mal fragen, ob die klassische Seminarform oder das reine Bilderzeigen noch zeitgemäß sind, oder ob man sich andere Formate ausdenken muss, die auch außerhalb des Internets funktionieren können.

Kommentare:

  1. Ein Teil des Problems ist, dass man den Himmel Nachts nicht mehr sieht, nicht nur in den großen Städten. Wie soll da Interesse aufkommen? Bei den Kindern fängt es schließlich an - und dann weiß man nicht, welches Teleskop, es gibt keine Geschäfte, in denen man sie anschauen kann, alles wird aufwändiger, wenn Kommunikation nur über Internet stattfindet und die Tatsache, dass gute Geräte erheblich günstiger wurden, in den letzten Jahren, wird auch nicht gut genug vermittelt.

    Ein weiterer Punkt, der mich schon nervt ist: Es ist auch gar nicht so einfach, zu erfahren, was wo und wann ist! Ja, wie viele Blogs kann ich lesen, wie viele Portale? Termine stehen schön verteilt, irgendwo im Netz herum - Astrozeitschriften sind (mir) zu teuer, außerdem bin ich zu viel unterwegs für ein Abo - und die Portale bringen einem nicht viel, was Termine angeht. Es gibt halt ein paar zu viel(was eigentlich sehr gut ist) für einen schnellen Überblick.
    Die Art der klassischen Veranstaltung ... ist mir zu klassisch im Sinne von: Ja, man sollte allmählich auf Folien und übliche Präsentationen verzichten. Es geht auch anders - doch hat auch das wohl etwas mit dem Alter zu tun, auch mit der Zeit, die Vortragende investieren können.

    (Kleiner Nachtrag: Ich komme aus Berlin, scheue Vereine und besitze wie viele jüngere Leute kein Auto. Es ist trotzdem möglich mit dem Teleskop unterwegs zu sein - nur eben mit einem kleinen.)

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  2. Stimmt, die Lichtgverschmutzung in Großstädten ist ein extremes Problem, egrade auch hier in Hamburg, wo man jetzt in der Hafen_city zur beseeren Ausleuchtung sogenannte Lichtkästen aufstellen will.

    Fahrrad und Astro geht irgendwie nicht zusammen. Zwar kann man ein kleines Fernrohr mitnehmen, das geht dann aber auf Kosten der Montierung. Ich erlebe es leider sehr oft, dass die Leute sich z.B. einen kleinen Newton auf einer viel zu schwachen und wackeligen Montierung kaufen und sich wundern, wieso alles wackelt wie ein Lämmerschwanz. Schon der kleinste Windhauch bringt alles zum zittern. Und um einen richtig dunklen Himmel zu bekommen, muss man meistens 100 km und mehr vom Lichtkegel der Stadt entfernt sein.

    Astrotermine sind eigentlich nicht zu schwer in Erfahrung zu bringen, z.B. auf der Seite der VdS: http://www.vds-astro.de/fuer-mitglieder/termine.html, oder beim Astrotreff: http://www.astrotreff.de/forum.asp?FORUM_ID=6,

    Vereine sind nicht immer so schlimm, wie man denkt, sie bieten zumindest die Möglichkeit, etwas über aktuelle Termine, Astroereignisse etc. Aber da Du aus Berlin kommst, kann ich die Abneigung durchaus verstehen, weil ich da so einiges aus der Astroszene mitbekomme ...

    Viele Grüße

    Manfred

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    1. Dieselbe Anonym/a wie vorher - ohne passendes Konto ... und mit Namen und Url geht es nicht.

      Laufen, ÖPNV und Astro geht aber - wenn der Rucksack gut ist und alles möglichst unter zehn Kilo wiegt. Daran arbeite ich jedenfalls, und ne leichte, azimutale Monti ist auch in Ordnung für Draußen - das Stativ für die Kamera wird mal ausprobiert, damit hier keine drei Montierungen herumstehen. Aber so ganz überzeugt bin ich auch nicht, weil faul, und das, was leicht und gut ist, ist auch entsprechend teuer. Bis jetzt zitter jedenfalls überwiegend ich ;)

      Eigentlich wollte ich nur stöhnen vds - klar - die hatte ich glatt vergessen! Aua. Bin halt Anfängerin ...
      mit einer Pentaflex, Refraktor in Kurz und sehr praktisch. Ein besserer Okularauszug ... und "die Kleene" wär perfekt. Kommt ...
      Ich schaue mir die hiesigen Leute noch einmal an und entscheide dann, ob ich begeisterte Einzelgängerin bleibe oder nicht, jedenfalls thx für die Antwort.

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  3. Guten Morgen,

    mit meiner Montierung käme ich da nicht weit, die wiegt allein schon 14 kg (ne alte SP) inkl. Gegengewichte, hinzu kämen noch ein Batteriepack, Kabel, Rechner etc. Hab das zwar noch nicht alles gewogen, aber selbst der 8Zoll Dobson kommt auf gut 10 kg, wobei aber die Rockerbox auf dem Rad nicht mehr zu transportieren ist, weil sie zu sperrig ist, Durchmesser ca. 600 mm, Höhe ca. 800 mm. Und kleinere, noch transportable Teleskope zeigen mir viel zu wenig. Denne s gilt: Je mehr Öffnung, desto mehr sieht man. Wichtig ist dabei aber der Standort, denn ein großes Teleskop bringt unter Großstadtbedingungen leider auch nicht viel.

    Eine azimutale Montierung ist mir zu umständlich, um ein Objekt längere Zeit zu halten. Eine parallaktische ist da schon einfacher, aber eben auch schwerer und man braucht mehr Zubehör.

    Hier in Hamburg funzt das mit dem ÖPNV leider nicht, man kommt abends raus, aber erst morgens wieder rein.

    Was hast Du denn für ein Instrument?`

    Viele Grüße

    Manfred

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  4. Moin, sagt die anonyma von oben :)
    Mein bescheidenes Eigentum hält keinen Vergleich mit deinem aus.
    Ich habe drei Teleskope inzwischen - Sammlerwut -
    Pentaflex 102/500 (baugleich mit den Skywatchern)auf einer doch zu schweren EQ1 (war günstig, mit Motoren, aber noch übe ich finden ohne), Bressier/ Newton 130/1000 gebraucht gekauft auf einer stabileren azimutalen Monti, mit heftigen Fokusproblemen. Mit ihm übe ich noch, sozusagen. Streulichtempfindlich ist der Dicke auch, doch der Mond ... ja! Der Newton ist nur für zuhause, zu sperrig zum Mitnehmen, und weil ich nicht wiederstehen konnte, mondsüchtig bin ich zudem. Der Mond ist auch bequem vom Wintergarten aus zu beobachten, teils über Tag, wo es noch warm ist. Dann hätte ich noch das Firstscope - ein Geschenk und niedlich. Macht sich gut im Regal :)

    Das Pentaflex ist bewusst "zum Mitnehmen" gekauft worden, leicht, war preiswert, bildet knackscharf ab und ich bin sehr für Refraktoren. Deep Sky in Berlin ist ja ... eher ein Witz, doch immerhin, Sternhaufen sehe ich ganz gut, Nebel nur ein paar, Galaxien sind nicht drin, dafür müsste ich rausfahren.

    Nachtverkehr ist ausnehmend wichtig bei so etwas, das ist wohl wahr. Die zwei Städte, in denen ich unterwegs bin, bieten den Service zum Glück.
    Teleskop, Montierungen, Okulare und was man sonst so braucht, gehen doch ins Geld, und ein Auto nur fürs Hobby ... Nein, das kommt nicht infrage. Es würde ohnehin nur herum stehen, was ebenfalls kosten würde ... Ich probiere aber noch rum, was den Transport angeht und schaue nach guten Stellen mit Parkbänken im Umland, damit das Holzstühlchen zuhause bleiben kann - Gewicht einsparen, wo es nur geht für unterwegs.

    So ganz ausgegoren ist das noch nicht :)
    Aber das wird ...
    Noch gucke ich quasi durch jede Wolkenlücke, wenn es nur geht, sonst hätte ich kaum Übung bekommen, bevor es nicht mehr richtig dunkel wird, in dieser Stadt. Außerdem gibt es in der Nähe Berlins gleich zwei Skyparks (im Werden einer), und dort sollte sich das ein oder andere Wochenende verbringen lassen.

    Dieses Mal denke ich sogar an:
    Viele Grüße
    Martina

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