Donnerstag, 1. März 2012

Paolo Maffei (1926-2009)

Über den 1926 in Foligno in Italien geborenen und am 1. März 2009 verstorbenen italienischen Astronomen ist im deutschen Sprachraum erstaunlich wenig bekannt. Das verwundert umso mehr, entdeckte er doch 1968 das erste Mitglied der nach ihm benannten  Maffei-Gruppe irregulärer Galaxien.

Nach dem Studium in Florenz, arbeitete er zunächst an verschiedenen Observatorien: Osservatorio Astrofisico di ArcetriLa Specola in Bologna und an der Sternwarte Hamburg-Bergedorfbevor er Leiter des Osservatorio Astrofisico di Catania wurde.

Seine Hauptarbeitsbiete waren Kometen, Veränderliche Sterne und Untersuchungen über die Entwicklung des Universums. Bei fotografischen Beobachtungen im Nah-IR (er belichtete unterschiedlich empfindliche Kodak-Fotoplatten für den infraroten sowie roten und blauen Bereich des Spektrums) entdeckte er 1968 mit dem 67/92/215 cm-Schmidtspiegel des erst 1942 gegründeten Asiago Observatory in den Dolomiten die elliptische Riesengalaxie Maffei 1 in der Cassiopeia. Er hielt sie zuerst für diffuse Infrarotobjekte, die durch die davor liegende Region um IC 1895 verdeckt werden. Selber gehörte er in er Zeit um 1968 dem Laboratorio di Astrofisica Frascati an. Die Vorarbeiten leistete er am damals noch in Hamburg stationierten Schmidtspiegel der Bergedorfer Sternwarte, der seit 1976 dauerhaft zum deutsch-spanischen Calar-Alto-Astronomical-Observatory ausgelagert wurde.

Es dauerte nicht lange, bis er mit Maffei 2 eine Sprialgalaxie mit wiederum ungewöhnlicher Form fand. Beide waren bislang als Emissionsnebel eingestuft und von Howard Sharpless als Sh191 und Sh197 in dessen bereits 1959 veröffentlichten Katalog mit HII-Regionen aufgenommen worden.

Zwischen 1971 und 1973 bestätigten zwei Forschergruppen unter der Leitung von Hyron Spinrad, dass Maffei 1 und 2 keine Emissionsgebiete, sondern Galaxien waren, und sie schlugen erstmals vor, diese der Lokalen Gruppe zuzuordnen. Erst spätere Entfernungsmessungen machten klar, dass sich beide Galaxien außerhalb der Lokalen Gruppe – diese endet bei 5 bis 10 Mio. Lichtjahren Abstand zur Erde – befanden. Im Jahr 1994 fanden Kraan-Korteweg, Loan, Burton, Lahav, Ferguson, Henning und Lynden-Bell heraus, dass Dwingeloo 1 und 2 (entdeckt mit dem 25cm-Radioteleskop in Dwingeloo, Niederlande) ebenfalls zur Maffei-Gruppe gehörten.

Schon bald stellte sich jedoch heraus, dass sie noch weitere Galaxien enthielt, die in einer Distanz von ungefähr 10 Millionen Lichtjahren zur Erde stehen damit eindeutig nicht mehr zur Lokalen Gruppe gehören. Zumindest stehen sie dieser aber näher als manch andere Galaxie oder Galaxiengruppe.

Die Maffei-Gruppe enthält heute insgesamt 17nach anderen Quellen 24 Galaxien vor allem des irregulären Typs.

Nebenher betätigte sich Maffei als Wissenschaftsautor mit Büchern u.a. über den Halleyschen Kometen zur Astronomiegeschichte und allgemeinen astronomischen Themen. Die beiden Werke Al di là della Luna (1973) und I mostri del cielo (1976) gehörten zu den auflagenstärksten in Italien. Außerdem schrieb er auch Science-Fiction-Geschichten. Paolo Maffei starb am 1. März 2009 im Alter von 82 oder 83 Jahren (da sein Geburtsdatum nicht genau bekannt ist).

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