Donnerstag, 1. März 2012

George Ogden Abell (1927-1983)

Heute vor 85 Jahren, am 1. März 1927 wurde in Los Angeles im US-Bundesstaat Kalifornien George Ogden Abell geboren. Bekannt wurde sein Name vor allem durch den unter Deep-Sky-Beobachtern und –fotografen bestens bekannten Abell-Katalog, einem Verzeichnis von heute 4073 Galaxienhaufen. Abell schloss sein Astronomiestudium 1951 mit dem Bachelor of Science ab, dem 1952 der Master of Science folgte. 1957 erwarb er am California Institute of Technology (CalTech) den Doktortitel. Später war er Professor am den University of California in Los Angeles.

Seine erste Anstellung fand er am als Beobachter Palomar Observatory (das mit dem 5m-Hale-Teleskop) im nördlichen San Diego County. Er wurde dem Team für die Bearbeitung des „Palomar Observatory Sky Survey“ (POSS) zugeteilt. Der erste POSS war mit finanzieller Unterstützung der National Geographic Society zustande gekommen: mit dem 180/120/300 cm-Schmidtspiegel der Sternwarte wurde der gesamte nördliche Sternenhimmel inklusive einiger Bereiche des Südhimmels (bis -33° Deklination) durchmustert. Hierzu wurden 6x6° große Abschnitte des Himmels jeweils einmal mit einer Kodak 103a-O- (blauempfindlichen) und einer Kodak 103a-E (rotempfindlichen)-Fotoplatte fotografiert. Insgesamt 936 Paare von Fotoplatten umfasste der erste POSS und ging im Blauen bis zur 22. Größenklasse. In späteren Versionen wurden nicht nur Bereiche bis -45° Deklination erfasst, ab 1994 ist auch eine vollständig digitalisierte Version verfügbar, deren Qualität erst in unseren Tagen durch den SDSS (Sloan Digital Sky Survey) - nur teilweise – übertroffen wurde und daher nach wie vor für die Astronomie eine große Bedeutung besitzt. Mit ihm sind immer noch Entdeckungen ebenso möglich wie neue Erkenntnisse zur Stellarstatistik, dem Auffinden von Prä- und Postnovae, der Analyse von Veränderlichen Sternen oder bei der Erforschung von Galaxienhaufen.

Und so entstand aus den Arbeiten am POSS der Abell-Katalog: Der Namensgeber durchforstete die rotempfindlichen Fotoplatten nur mit einer Lupe, zog Aufnahmen des UK Schmidt-Teleskops (1,24/1,83/3,07m) des Anglo-Australien Observatory / Siding-Spring-Observatory in Australien hinzu und legte die Parameter für den Katalog fest. Die Mindestgröße eines jeden Galaxienhaufen betrug mindestens 50 Galaxien, wiesen eine Hubble-Konstante von H=70 km/s/MPC bei einer Rotverschiebung bis maximal z=0,2 auf und sollten in einem Radius (genannt auch Abell-Radius) von zwei Megaparsec liegen. Für die Helligkeit der Objekte legte er fest, dass diese zwischen der dritthellsten Haufenmitgliedes und zwei Stufen darunter liegen sollte. Spätere Nachmessungen für die Objekte des Katalogs ergaben aber leicht abweichende Werte. 1958 veröffentlichte Abell seine Zusammenstellung (Abell catalog of rich clusters of galaxies), die auch Aussagen über die Struktur des Universums ermöglicht und darum bis heute von besonderer Bedeutung für die Astronomie ist. Amateurastronomen schätzen den Katalog und seine Objekte vor allem wegen der oft exotischen Form der Haufenmitglieder, die es besonders einigen Astrofotografen angetan haben.

Die erste Fassung des Abell-Katalog enthielt 2712 Galaxienhaufen, der 1989 um 1361 Haufen des Südhimmels erweitert wurde.

Weitere Forschungsgebiete Abells betrafen die Beobachtung Planetarischer Nebel (PN) (und deren Zentralsterne) – hier arbeitete er zeitweise mit dem Astrophysiker Peter Goldreich vom zusammen - und seine Arbeiten zur Kosmologie. 86 von ihm untersuchte PNs fanden auch Eingang in seinen in der Hauptsache nur Galaxienhaufen umfassenden Katalog.

Abell war aber nicht nur reiner Wissenschaftler, sondern auch – wie man heute sagt – in der Wissenschaftskommunikation tätig und beliebt. So trat er in vielen TV-Shows auf, leitete regelmäßig astronomische Sommercamps oder auch für viele Jahre die Ojai summer school in Kalifornien. Außerdem war er von 1968 bis 1975 Vorsitzender des UCLA Astronomy Department und Vorsitzender des American Astronomical Society Education Committee. Als Mitglied der Skeptics Society der USA trat er für skeptisches Denken und Aufklärung gegenüber pseudowissenschaftlichem Dogmatismus ein.

Am 22. März 1955 entdeckte er zusammen mit Robert G. Harrington den periodischen Kometen 52P (Harrington-Abell), außerdem wurde der am 7. November 1978 von Eleanor F. Helin (1932-2009) und Schelte J. Bus (geb. 1956) auf dem Mt. Palomar Observatory entdeckte Kleinplanet 1978 VR9 (3449) nach Abell benannt. Grund war sein über Jahre andauernde Engagement beim Summer Science Program.

Für alle überraschend verstarb George Ogden Abell am 7. Oktober 1983 im Alter von nur 56 Jahren.
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