Montag, 9. Januar 2012

Pro 7 - Doku: 2012 - das Geheimnis der Mayaprophezeihung

Gleich nach dem Film 2012 von Ronald Emmerich am gestrigen Sonntag Abend legte Pro 7 mit einer sogenannten Dokumentation nach, worin nach dem Begleittext in meiner TV-Zeitschrift "Experten erklären, wie das Ende der Welt nach dem heutigen Stand der Wissenschaft aussehen wird." Man durfte gespannt, aber nicht voller Erwartung gewesen sein. Um es vorweg zu nehmen, es war wieder mal eine der unsäglichen Filmbeiträge der Privatsender, die einfach alles, was das Web aktuell so an Weltuntergangsfantasien hergibt, in einen Topf werfen und kräftig umrühren. Diese Doku, sollte sie irgendwann wiederholt werden, braucht man sich ernsthaft nicht anzusehen. In weiten Teilen ist sie nahezu identisch mit der bereits von mir besprochenen Spiegel TV-Dokumentation, die vor einigen Monaten auf Vox lief.

Einige Punkte greife ich dennoch mal heraus:


Gleich zu Beginn wird geschildert, dass Astronomen festgestellt (und die Maya vorhergesagt) hätten, ist, dass genau am 21.12.2012 Erde-Sonne und das Milchtraßenzentrum eine gerade Linie bilden, was nur alle 26.000 Jahr vorkäme. Dies würde durch den Astronomen Adam Maloof (der aber Geologe der Princeton University ist, was auch später bestätigt wird) bestätigt.


Hier wird das näher untersucht, Ergebnis: So ein Ereignis wird nicht eintreten (wie im Übrigen es auch nicht zum Weltuntergang am 21.12.2012 kommen wird)


Als Grundlage für die Maya-Prophezeihungen muss wieder mal der Codex Dresdensis herhalten: Er ist eine der vier weltweit noch vorhandenen Handschriften der Maya und ist auf obskuren Wegen in den Besitz des Buchmuseums der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek gelangt. Tatsächlich identifiziert sind darin Venusbeobachtungen, die Deutung der Symbole für das Weltende sind umstritten. Der im Film zitierte Wissenschaftler Prof. Nikolai Grube ist Altamerikanist und hatte mehrere lt. Wikipedia mehrere Forschungsaufenthalte im Lebensbereich der Maya, zumindest an dieser Stelle werden keine Forschungen zum Weltuntergang zitiert. Auch die anscheinend so epochale Entdeckung im Kodex kommt hier nicht zur Sprache (und auch nicht die Spekulationen um zerstörerischen Regen, geheimnisvolle Lichter am Himmel und dass jeder Kalenderzyklus mit einer Katastrophe endet).


Auch gefährliche Sonnenstürme, die die Erde zerstören, werden erwähnt. Dass das nächste Sonnenfleckenmaximum nicht 2012 sondern, nach aktuellen Vorhersagen, wohl erst 2013/14 stattfinden wird, verschweigt man ebenso, wie die sich immer mehr andeutende, nur sehr geringe Höhe des Maximums. Immerhin gibt man zu, dass Polumschwünge des Erdmagnetfeldes zwar möglich sind, aber Tausende von Jahren andauern.


Und wenn man schon die Sonnenstürme aus Filmen wie "2012" oder "2012 - wenn die Sonne explodiert" nicht ausreichen, nimmt man noch die Supervulkane wie den unter dem Yellowstone National Park oder unter ganz Europa (aha!) als Katastrophenszenario zur Hand. Wo man grad beim Thema ist, dürfen Asteroideneinschläge nicht fehlen, als deren einziger Herkunftsort der Asteroidengürtel zwischen Mars und Jupiter (andere Bereiche im Sonnensystem kennen die wohl nicht und auch von außerhalb kommende, sich auf hyperbolischen Bahnen bewegende Objekte kennen die wohl nicht) herhalten muss. Hier wird die - inzwischen längst überholte - These durchgekaut, dass die dortigen Felsbrocken zu einem ehemaligen Planeten gehören.


Ein kurzer Schritt ist es dann zu Apophis, erst wird Panik geschürt, dann zugegeben, dass er nach neueren Bahnberechnungen nun doch nicht die Erde treffen wird. Dann kommt, wie sollte man es anders erwarten, natürlich auch der Chiemgau-Komet zur Sprache, obwohl man auch hier längst weiß, dass es diesen niemals ab.


Statistiken sind immer beliebt und so gibt es die unkommentierte Aussage, dass in den kommenden 70 Jahre mit einer Wahrscheinlichkeit von 1:30 mit einem schweren "Meteoritentreffer" zu rechnen sei.


Zum Ende hin wird dann zugegeben, dass man eigentlich gar nicht weiß, wann es den Weltuntergang geben wird und dass ihn weder Mayas, noch Astronomen, Vulkanologen und Geologen wirklich vorhersagen könnten.


Da fragt man sich am Ende doch, was das Ganze soll. Anscheinend geht es den Privaten hier in erster Linie um Einschaltquoten und nicht um Information, sonst würde man diesen Quatsch, den Pro 7 gestern Abend per sogenannter Dokumentation verbreitet hat, eigentlich als nicht sendefähig deklarieren.


1 Kommentar:

  1. Ich halte das ganze auch für totalen Schwachsinn. Aber Filme und eben auch ein Fernsehsender sind zur Unterhaltung da. Ansprechendere Dokus findet man dann auf ARD/ZDF. Deswegen finde ich das total in Ordnung, dass Pro 7 das gezeigt hat.

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