Donnerstag, 26. Januar 2012

Eine Ära geht zu Ende: Die Insolvenz der Fa. Kodak

Anfang Januar kam es über den Presseticker: Die Traditionsfirma Kodak hat in den USA Insolvenz angemeldet mit Folgen, die für den deutschen, oder besser, den europäischen Markt noch nicht abzusehen sind. Zwar heißt es offiziell, dass sich für Europa zunächst einmal nichts ändert, weil durch das Insolvenzrecht in den USA (das aber nur in Details vom deutschen abweicht) frische Kredite (man munkelt von einem Kreditumfang von rund 1. Mrd. US-Dollar) gewährt werden können. Die Insolvenz eröffnet aber auch die Möglichkeit, dass unwirtschaftliche Produktbereiche verkauft werden können. Das hat man schon zu spüren bekommen, denn beispielsweise ist oder wird die Produktion der Kodak-Chips für CCD-Kameras eingestellt (Sony wird’s freuen), auch legendären Filmen wie Kodak Technical Pan 2415 oder 6415, mit denen man die ohnehin kaum noch im Einsatz befindlichen (aber mit genialen Abbildungseigenschaften versehenen) Schmidtkameras für die Astrofotografie bestücken konnte.

Auch soll oder wird der für Astrofotografen interessante Kodak 200 professional wohl nicht mehr hergestellt. Gesundschrumpfen heißt dieses Gebaren, das vor allem den „Heuschrecken“ nutzt, Leute, die Firmen auf- und dann nach erfolgter Sanierung weiter verkaufen, dicken Profit machen, aber verbrannte Erde hinterlassen.

Schuld an allem sei die digitale Revolution und leider auch die Tatsache, dass das Management der Firma Kodak den Trend zur digitalen Fotografie schlicht verschlafen hat. Man hat lange an einem Produkt festgehalten, das heute niemand mehr (und ich zähle mich auch dazu) so wirklich braucht. Allein die Beschaffung der Filme ist schon teuer. So habe ich in Hamburg letztes Jahr für einen 36er Kodak Professional Film Preise zwischen 13 und 25 EUR (!!!) gesehen. Auch die Filmentwicklung darf man heutzutage einiges berappen, weil sich das Geschäft nicht mehr lohnt und die Absätze stark zurückgegangen sind. Günstig sind nur noch Photoabzüge von Digibildern. Aber mal ehrlich? Wer macht das noch in größerem Umfang? Ich jedenfalls habe bisher kein einziges meiner Digitalbilder abziehen lassen.

Dabei hatte die Fa. Kodak zu Beginn der digitalen Fotografie mit den Kodak Picture CDs, als man statt Photoabzüge digitale Bilder auf CD brennen lassen konnte, noch ein gutes Geschäft gemacht, doch Preiserhöhungen und die Tatsache, dass die Aufnahmen gleich auf Speicherkarten gesichert wurden und man den Negativ- oder den Diafilm nicht mehr brauchte, führten alsbald dazu, dass dieses Verfahren für den Endverbraucher unattraktiv wurde.

Früher, als man nur den chemischen Film kannte, war ich eher der Kodak-, als der Agfa-Typ. Jaja, auch die deutsche Firma Agfa brachte chemischen Film heraus, der sogar für die Herstellung von Spielfilmen Verwendung fand. Auch gab es Agfa-Kameras, die in den 50er und 60er Jahren weit verbreitet waren. Zwei Exemplare der legendären „Ritsch-Ratsch-Klick“, die Agfamatic Pocket 4000, die den 110er Kassettenfilm bestückt wurden, habe ich bei der Auflösung der Wohnung meines Vaters wiederentdeckt.

Doch auch Kodak war auf dem Gerätemarkt aktiv, so fand ich auch im Schrank bei meinem Vater eine Kodak Instamatic, für die es von Kodak den 126er Kassettenfilm gab.

Grundsätzlich konnte man beide Filme gut unterscheiden, der Agfa war immer rot- bis braunstichig, Kodak war blaustichig und der später aufkommende Fujifilm grünstichig. Der Farbstich war beim kurzfristig für den Amateursektor beliebten 3M-1000 undefinierbar, dafür war der Film sehr grobkörnig, oder, wie man heute sagen würde, sehr rauschig, aber man erreichte erstmals Grenzgrößen, die man vom Amateurteleskopen bisher nicht kannte.

So kam es, dass ich eigentlich für die normale Fotografie alle möglichen Kodakfilme, gerne auch den sehr bunten Kodachrome 64, verwendete. Ein paar Versuche mit dem Agfa Ortho 25 am Mond scheiterten an der mangelnden Entwicklung beim Fotohändler oder meiner eigenen Dusseligkeit, wenn ich nicht richtig scharfgestellt hatte. Und die Panscherei mit allen möglichen Chemikalien war mir stets zuwider.

Heute zeigt sich, dass beispielsweise die Photos in alten Alben, die ich ebenfalls bei meinem Vater gefunden habe, schon sehr ins rotbraune gehen, während meine Dias bislang nur wenig Farbstiche zeigen.

So geht mit dem (voraussichtlichen) Ende der Fa. Kodak auch eine persönliche Ära zu Ende. Zwar verwende ich schon seit Jahren keinen Film mehr (trage also auch dazu bei, dass der Filmabsatz dramatisch zurückgegangen ist). Grund dafür ist auch die Tatsache, dass klassische Fotoalben sehr viel Platz wegnehmen und sehr viel mehr Bilder auf eine CD oder DVD passen, als in ein Fotoalbum. Und mit digitalen Bilderrahmen oder den Fotosammlungen auf Geräten wie dem iPad kann man bequem digitale Bilder zeigen, ohne gleich Diaprojektor und Leinwand aufzubauen und so die Stimmung auf der nächsten Geburtstagsfeier auf den Nullpunkt zu bringen.

Die digitale Revolution ist auch ein Zeichen der Zeit, das man bei Kodak leider vollkommen verpennt hat. Andere Firmen sind jetzt vorne und man muss sich schon fragen, warum man nicht längst umgesteuert hat, statt an veralteten Produkten festzuhalten. Aber diese Frage können nur die Unternehmensstrategen beantworten.

PS: Bei der Durchsicht fällt auf, dass die Rechtschreibkorrektur von Word den Begriff Photoabzüge nicht mehr kennt …

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