Mittwoch, 28. Dezember 2011

Blog-Parade: Welche (astronomischen) Ziele nehmt ihr Euch für 2012 vor?

Von dem bekannten Blogger Stefan Gotthold clearskyblog wurde eine Blog-Parade zum obigen Thema ins Leben gerufen. Hier nun mein Beitrag dazu:

Das Jahr 2012 ist ja schon länger in aller Munde, vor allem wegen des vermeintlichen und nicht stattfindenden Weltunterganges am 21.12.2012. Demgegenüber treten die ganzen schönen Himmelsereignisse des kommenden Jahres fast völlig in den Hintergrund.

Entgegen der Meinung meiner Großmutter mütterlicherseits, die immer meinte: „Nimm di nix vör, dann geit di nix fehl …“ (auf Hochdeutsch: Nimm Dir nichts vor, dann geht auch nichts schief) habe ich schon einiges für das kommende Jahr in der Planung. Manches noch grob, manches aber schon ziemlich konkret.

So möchte ich mir auf jeden Fall den Venustransit am 6. Juni anschauen, Mond- und Sonnenfinsternisse werden ja leider in Deutschland nicht sichtbar sein. Aber dafür gibt es eine ganze Reihe astronomischer Veranstaltungen wie das Norddeutsche Astrofotografentreffen (NAFT), der Astronomische Tausch- und Trödeltreff (ATT) in Essen, die Bochumer Herbsttagung der Amateurastronomen (BoHeTa), die SONNE-Tagung vom 17. bis 20. Mai in Bremen, die 2. Tagung Norddeutscher Sternwarten und noch so einiges mehr, das ich gerne besuchen möchte. Vielleicht ist auch mal ein Teleskoptreffen darunter, obwohl ich das „Campingleben“ nicht so toll finde. Luxus ist nicht erforderlich, aber eine feste Behausung wäre schon schön.

Für den Herbst habe ich darüber hinaus auch einen Astrourlaub auf der Volkssternwarte Kirchheim in Thüringen geplant.

Nachdem sich meine persönliche Situation (Pflege meines an Demenz erkrankten Vaters) insofern verbessert hat, dass er nun in einer Pflegeeinrichtung lebt, habe ich endlich mehr Freizeit, die ich unbedingt für Beobachtungs- und Fotoaktionen auf der Außensternwarte der GvA Hamburg in Handeloh nutzen möchte. Hierzu habe ich mir erst vor ein paar Tagen einen 80/520 mm Quadruplet von TS zugelegt, mit dem man sicher nicht nur Deep-Sky-Objekte, sondern auch den einen oder anderen Kometen fotografieren könnte. Auf die ersten Ergebnisse mit dem neuen Instrument bin ich schon sehr gespannt. Der Besuch der regelmäßigen GvA-Veranstaltungen steht sowieso immer auf meinem persönlichen Programm, was sich aber durch berufliche Termine nicht immer verwirklichen lässt.

Auch auf meinem Hauptinteressengebiet, der Sonnenbeobachtung, möchte ich mich gerne weiterentwickeln, d.h. die Beobachtung mit meinem Personal Solar Telescope (PST) intensivieren, am Hα-Programm von interstellarum teilnehmen und weiter meine Relativzahlen nach verschiedenen Systemen bestimmen. Auch einen Einstieg in die Sonnenfotografie könnte ich mir vorstellen.

Überdies mache ich Führungen auf der Sternwarte Hamburg-Bergedorf und auch das möchte ich 2012 natürlich fortsetzen und ggf. weiter ausbauen.

Darüber hinaus werden mir sicher noch etliche Projekte für das Schreiben von Artikeln einfallen, im Rahmen des 100jährigen Bestehens der Bergedorfer Sternwarte sind auch ein Vortrag über „Max Beyer und das Äquatorial“ und ein Artikel dazu in der Planung.

Was sich darüber hinaus im Laufe des Jahres ergibt, wird man sehen müssen, was sich von den obigen Planungen umsetzen lässt, ebenfalls. Aber viel zu planen ist immer noch besser, als gar keinen Plan zu haben.

Samstag, 10. Dezember 2011

Totale Mondfinsternis - Der Erfolg

Eigentlich hatte ich nach den heutigen Schneestürmen, Hagelschauern und Nervregen nicht mehr ernsthaft mit der Beobachtung der totalen Mondfinsternis gerechnet. Dennoch sind André Wulff und ich um 13:30 Uhr in Richtung Ostsee aufgebrochen. Im Bereich der Hohwachter Bucht sollte der Mond um 15:52 Uhr aufgehen, die Totalität hingegen um 15:58 Uhr beendet sein. Bei guter Horizontsicht quer über die Ostsee sollte also der Mond verfinstert aufgehen.Spannend war dabei, wie der Kontrast des verfinsterten Mondes gegenüber dem noch hellen Taghimmel ausfallen würde.

Auf der Suche nach einem geeigneten Standort fuhren wir bei Lübeck von der Autobahn ab, dann durch Timmendorf und stellten fest, dass der Winkel von hier aus nicht so ganz passen würde, zumindst nach dem online-Kompass vom iPhone. Also fuhren wir weiter in Richtung Grömitz, was aber immer noch zu weit südlich lag. Schließlich landeten wir in Kellenhusen und bekamen sogar direkt am Strand einen Parkplatz. 

Unweit davon gab es eine kleine Uferpromenade, von der aus man eine gute Sicht über die doch ziemlich aufgewühlte Ostsee erhielt. Unter dem vorgezogenen Dach einer kleinen Einkaufspassage fanden wir einen guten Platz, um unsere Gerätschaften, Videokameras, und DSLRs auf Fotostativen aufzubauen. Ich hatte neben meiner neuen Handycam meine Canon 1100D dabei, die ich an meinem 80/400er Skywatcher Refraktor anhängte.



Gespannt warteten wir auf den Mondaufgang und sahen zunächst - nichts! In Richtung Horizont stauten sich die Wolken, doch dann und wann tauchten Wolkenlücken auf, die aber die in Frage kommende Zone nicht erreichten. Per iPhone hatten wir versucht, die Nordrichtung zu finden, aber das klappte nicht wirklich gut und so schauten wir ein wenig in die falsche Richtung, nämlich zum Ende der Landzunge links von uns. In Wahrheit ging der Mond aber wesentlich weiter zum Land hin auf. Das bemerkten wir, als die Wolkenschicht dünner wurde und vom Mond eine schmale, auf dem Rücken liegende, orangefarbene Sichel sichtbar wurde. Wir richteten unsere Instrumente neu aus und konnten mit unseren Aufnahmeserie per Video und Foto beginnen. 

Je höher der Mond nun stieg, desto besser wurde die Sicht, es zogen zwar immer wieder Wolkenfetzen durch, doch mit zunehmender Dauer zog sich die Bewölkung immer mehr zurück. Schließlich stand der Mond an einem wolkenlosen Himmel. Per iPhone konnten wir sehen, dass Hamburg weiterhin unter einer dichten, schneereichen Wolkenschicht lag, während sich an unserem Standort die wolkenfreien Zonen zunehmend ausbreiteten.


So konnten wir die Mondfinsternis bis zum Austritt aus dem Kernschatten beobachten, wobei wir danach auch noch einen Teil der Halbschattenfinsternis erwischten. Die Erde wirft ja bekanntlich einen kegelförmigen Kernschatten hinter sich in den Raum, der heute Abend vom Mond durchlaufen wurde. Die rote Färbung ergibt sich durch Lichtbrechung an der Erdatmosphäre. Im Gegensatz dazu gibt es noch den fächerförmigen Halbschatten, den man ebenfalls beobachten kann, der aber nicht so auffällig ist, wie der Kernschatten und eigentlich nur durch die Abschwächung des gesamten Mondlichts zu erkennen ist. Kurz nach dem Ende der partiellen Phase kann man allerdings den Halbschatten, wie auf der folgenden Aufnahme, gut sehen.


Schließlich, als dieser Effekt schwächer wurde, bauten wir unsere Gerätschaften ab, aßen im Auto unsere Berliner und fuhren über die A 1 zurück nach Hamburg, wo wir bei leichtem Regen und einem durch die Wolken mühsam hindurch scheinenden Vollmond ankamen.

Die heutige Aktion zeigte, dass man trotz mieser Wetteraussichten durchaus Glück haben kann und dass man flexibel sein muss, um sich zumindest eine winzige Chance auf Erfolg zu bewahren.

Totale Mondfinsternis 10.12.2011 - Vor dem Start

Eine knappe halbe Stunde noch, dann werde ich aufbrechen, einen Kumpel abholen und zur Ostsee fahren. Die Hohwachter Bucht erscheint uns gegenwärtig als der geeignetste Standort, da wir von Hamburg aus nirgends einen freien Blick zum Horizont haben werden. Die Gegend um Timmendorf bietet die Möglichkeit, den dort noch voll verfinsterten Mond am taghellen Himmel über der See aufgehen zu sehen.

Voraussetzung ist allerdings, dass das Wetter mitspielt und da besteht derrzeit eher eine 50:50-Chance, etwas von der Finsternis zu sehen, die ohnehin nicht so beeindruckend sein wird, wie wenn sie mitten in der Nacht stattfinden würde. aber auch so ist mit einem interessanten Naturschauspiel zu rechnen.

Mittlerweile ist der Tee gekocht und in die 1L-Thermoskanne umgefüllt, die Berliner für den Nachmittag sind eingepackt, nun muss man sich nur noch warm genug anziehen.

Meine Ausrüstung für diesen Tag besteht aus einer DSLR, meinem 80/400er Skywatcher-Refraktor und einer Videokamera. Mit im Gepäck ist auch jede Menge Hoffnung, dass wir etwas zu sehen bekommen. Später werde ich mehr darüber berichten und twittern.

Mittwoch, 7. Dezember 2011

Die Sonne im November 2011

(Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)

In den ersten Novembertagen setzte sich die erhöhte Sonnenaktivität weiter fort. Gleich am 1. erschienen mit den Aktiven Regionen 11338 und 11339 zwei, zunächst als D-Gruppen eingestufte Fleckengruppen, die sich bis zum 4. in die Klasse E vorarbeiteten. Aber schon am 5. wandelte sich das Bild: die Zahl der Fleckengruppen hatte sich quasi über Nacht halbiert, weil sich viele kleine Gruppen aufgelöst haben. Die AR 11338 war auf die Stufe D zurückgefallen, die AR 11339 hingegen zu einer beeindruckenden F-Gruppe geworden und nahm immerhin an diesem Tage eine Fläche von 1540 Millionstel Hemisphären (MH) ein. Damit war damit sie auch mit bloßem Auge (und Sonnenfilter!) zu sehen. Sie blieb erst einmal die dominierende Fleckengruppe in dieser Phase und war umgeben von einer Vielzahl kleinerer Gruppen der Klassen A bis D, H und J. Am 6. erschien die AR 11342 am Ostrand als wenig auffällige D-Gruppe, die am 8. nach Angaben der NOAA die Stufe E erreicht haben soll, auf den Zeichnungen des Sonnenobservatoriums Kanzelhöhe ist davon aber nichts zu sehen. Die in Frage kommende Gruppe hat hier nach der Stufe C nur die D erreicht. Ein schon eigenartiges Bild bot sich zwischen dem 10. und dem 13, als alle Gruppen nach Westen gerückt waren, aber um den Ostrand keine neue Gruppe mehr herum rotierte. Die geschah erst am 13. mit der AR 11346, dann bildeten sich aber mit einem Mal wieder viele kleinere Gruppen, die Gesamtzahl der Aktivitätsgebiete stieg auf bis zu 15, die am 14. die Sonne schon sehr gesprenkelt aussehen ließen. Die höchste Waldmeierklasse, die in diesem Zeitraum erreicht wurde, war die Klasse D. Eine merkwürdige Einstufung erfolgte – mal wieder – durch die NOAA bei der Aktiven Region 11352. Erstmals am 17. um den Ostrand herumgekommen, hatte zwar eine klare bipolare Struktur, aber nur im nachfolgenden Teil eine Penumbra. Die Kanzelhöhe blieb bei der Einstufung als C-Gruppe, die NOAA machte aber ab dem 18. eine E-Gruppe daraus, die noch nicht mal die erforderliche Längenausdehnung, geschweige denn die Komplexität einer Gruppe dieser Klasse aufwies. Ähnlich diffus verhielt es sich mit den Regionen 11355 und 11356, die nach der Kanzelhöhe E-Gruppen waren, von der NOAA dieses Mal aber niedriger eingestuft wurden. Erst am 23. stufte sie die AR 11355 als F-Gruppe ein, ein paar Tage später auch die AR 11356 (die unverständlicherweise auch dann noch als F bezeichnet wurde, als sie sich längst wieder zurück entwickelt hatte). Einen Tag später fiel die AR 11355 wieder auf D zurück (die Kanzelhöhe hatte das schon am 21. nachvollzogen). Auch die AR 11358 machte der NOAA zu schaffen, sie tauchte am 21. als H-Gruppe am Ostrand auf, zeigte sich schon einen Tag später als große D und ab 23. als kleinere (aber ausreichend lange) F-Gruppe. Bei der NOAA war dies erst am 26. der Fall. In den Tagen ab dem 20. bot sich das in letzter Zeit sehr häufig zu beobachtende Bild, dass fast alle Gruppen über die Nordhalbkugel der Sonne liefen und der Süden eher inaktiver war. Bis zum Monatsende war ein deutlicher Fleckenüberschuss im Norden bemerkbar, wo zum wiederholten Male die einzelnen Fleckengruppen wie in einer Perlschnur aufgereiht über ihre Oberfläche dahinzogen. Am 28. und 29. war der Süden sogar wieder völlig fleckenfrei. Erst einen Tag später kam hier wieder eine H-Gruppe zum Vorschein.

Erste Anzeichen der weiterhin hohen Sonnenaktivität auch im Hα machten sich am 3. bemerkbar, als um 20:27 UT ein X1/2B-Flare aus der Region 11339 aufstieg, nachdem diese Gruppe am 2. um 22:01 UT einen M4- und am 3. um 11:11 Uhr einem M2-Flare hervorgebracht hatte. Keines dieser Ereignisse führte, da die Gruppe nah am Ostrand standen, zu Polarlichtern. Diese waren bis auf eine Ausnahme am 21. ohnehin nicht zu sehen. An dem Tag konnte - ausgelöst durch Plasma, das einem Koronaloch entwichen war -, ein leicht fotografisches Polarlicht wahrgenommen werden. In der übrigen Zeit gab es zwar eine ganze Reihe mehr oder minder heftiger M-Flares, die aber alle nicht das Potenzial hatten, wirklich spektakulär zu sein. Wie der M1-Flare vom 9., der mit einem schwachen CME verbunden war. Aufgestiegen um 13:35 UT strebten die Teilchen des koronalen Massenauswurfes als Folge eines eruptiven Filamentes zwischen den Aktiven Regionen 11342 und 11343 mit 750 km/s in Richtung Erde. Die Teilchendichte reichte aber nur zu einer leichten Störung des Erdmagnetfeldes und konnte damit keine auch in Deutschland zu beobachtenden Polarlichter erzeugen. Und so ging ein Monat mit zwar vielen kleineren Ausbrüchen, auch mit CMEs (die aber nicht erdgerichtet waren), wundervoll geschwungenen Filamenten und beeindruckenden Protuberanzen zu Ende. Im Vergleich zur Sonnenaktivität im Weißlicht war die im Hα aber erstaunlich gering.