Mittwoch, 30. November 2011

Norddeutsches Astrofotografentreffen in Hannover


Nur eine Woche nach der gemeinsamen GvA-Tour zur BoHeTa machten wir, Konstantin, Hartwig, Wolfgang, André und ich uns am 19.11.2011 auf nach Hannover zum Norddeutschen Astrofotografentreffen.

Wieder ging es vom Hamburger Hauptbahnhof aus gen Süden. Wir trafen uns rechtzeitig vor der Abfahrt um kurz vor 10 Uhr vor dem Reisezentrum in der Wandelhalle. Die Karten wurden gelöst und kurz darauf saßen wir auch schon im Metronom nach Uelzen. Dort stiegen wir in einen anderen Zug nach Hannover um und fuhren dort mit dem Nahverkehr bis zur Haltstelle Sternwarte. Nun waren es nur noch ein paar Schritte, bis wir die Räume der „Volkssternwarte Geschister Herschel Hannover e.V.“ betreten konnten. Mathias Levens und seine Mitstreiter, die das Herbst-NAFT ausrichteten, waren schon vor Ort, das Büfett war aufgebaut und der Vortragsraum hergerichtet.

Da wir relativ frühzeitig angereist waren, konnten wir vor Beginn noch die Instrumente der Sternwarte – in zwei Kuppelbauten sind ein 200/3000 mm Refraktor, ein 30cm Schmidt-Cassegrain, ein Lichtenknecker Apo mit 20 cm Öffnung sowie weitere Teleskope untergebracht – besichtigen und bekamen durch Klaus Bussian auch noch eine kleine Führung. Die Sternwarte wurde 1947 von Hannoveraner Amateuren gegründet und seit 1968 residiert sie auf dem 89m hohen Lindener Berg, direkt auf einen riesigen Wasserspeicher gebaut.

Nach unserer Rückkehr in die Vereinsräumlichkeiten konnten wir uns in die offene Vortragsliste eintragen und zuvor noch am Büfett stärken. Ziemlich genau um 14 Uhr eröffnete Mathias Levens dann die Veranstaltung und leitete über zum ersten Vortrag von Uwe Freitag, der – wieder einmal – herausragende Bilder von Leuchtenden Nachtwolken, Polarlichtern und den Erlebnissen und Ergebnissen von Teleskoptreffen am Selenter See und in Lohmen in Mecklenburg-Vorpommern präsentierte. Auch hatte er einige sehenswerte Draconiden-Bilder, mit stehender Kamera aufgenommen, im Gepäck. Marco Ludwig von den Neumünsteraner Sternfreunden ergriff zwischendurch das Wort und berichtete über die Neuentwicklungen dort und über die Einweihung des ehemaligen Lübecker Hauptinstrumentes, bevor noch acht kurze Animationen von Polarlichtern und NLCs das Publikum in Erstaunen versetztem

Im Anschluss daran berichtete Hartwig Lüthen über die Astroreise nach Namibia, schilderte die Eindrücke von der Farm Tivoli und zeigte dann sehr schöne Aufnahmen von Deep Sky-Objekten wie NGC 247, NGC 4945, NGC 55, NGC 253, M 83, Centaurus a, M 8 und M 20, M 16 und M 17, die Antaresregion, den Darktower (NGC 6231),  eta carinae, IC 2994, NGC 6537, Omega Centauri und die Große Magellansche Wolke. Ein Teil der Aufnahmen ist auch mit einem H-Alpha-Filter enstanden.

Nach kurzer Pause, in der wir uns für das obligatorische Gruppenfoto zwischen den Kuppeln aufstellten, ging es dann weiter mit Konstantin von Poschinger, der seinerseits über Namibia berichtete, Deep Sky-Aufnahmen mit kurzen Brennweiten und mit CCD-Kamera durch die Teleskope vor Ort anfertigte. Davon führte er hier IC 1274, IC 2944, IC 434, NGC 1999, IC 4603, IC 4605, M 4, IC 4628, IC 4812, lDN 77, M 15 mit dem Kometen Garrad, verschiedene Galaxien des Südhimmels, die Kleine Magellansche Wolke, NGC 247, NGC 253, NGC 3199 nahe eta carinae, NGC 5128, NGC 6188, NGC 6231 (Darktower), NGC 6302, Strichspuraufnahmen und am Schluss Sternhimmelanimationen aus Murnau vor. Viele Aufnahmen davon entstanden ebenfalls mit einem Deep Sky-H-Alpha-Filter, der immer wieder erstaunliche neue Einsichten in bekannte Objekte ermöglicht.

Nun war ich an der Reihe mit einer kleine Präsentation meiner Aufnahmen aus dem Urlaub auf Usedom und von der GvA-Außensternwarte in Handeloh. Bei einer Aufnahme mit stehender Kamera, bei der ich das Milchstraßengegend im Schwan aufgenommen hatte, stellte sich ein vermeintlicher Fehler als Teil eines Mondhalos heraus.

Bruno Mattern berichtete kurz über seine Sternwarte und die darin enthaltenen Instrumente, bevor er seine neuesten, oft extrem lang belichteten, Aufnahmen vorführte. Mit mehreren DSLRs und Teleskopen mit unterschiedlich langen (oder kurzen) Brennweiten lichtete er M 27, M 31, NGC 4640, NGC 6823, Sharpless 112, den Bubblenebel, M 33, NGC 925, den Californianebel, den Cocoonnebel, den Irisnebel, M 74, NGC 1055, NGC 2174 und IC 405 ab. Dabei wurde deutlich, dass es eigentlich mehr bringt, pro Nacht nur ein oder zwei Objekte, oder ein Objekt über mehrere Nächte hinweg, aufzunehmen. Nur solche extrem lang belichteten Bilder können bislang unbekannte Details enthüllen – wie man eine Woche zuvor auch auf der BoHeTa sehen konnte.

Carsten Reese erläuterte kurz seine Instrumente (ein 10 Zoll F/5-Newton auf einer Losmandy G11-Montierung und eine ATIK 16HR-CCD-Kamera und zeigte seine neusten Bilder von NGC 7635, NGC 891, Sharpless 106, M 76 und erläuterte kurz das von ihm für die Bildbearbeitung verwendete Programm Theli. Auf eine Urlaubsreise nach Sardinien hatte er eine Astro 1-Montierung im Gepäck, auf die er seine Canon EOS 350Da gepackt und damit die Milchstraße im Schwan, die Antaresregion, M 8 und M 20 mit jeweils 20 bis 30 Sekunden Belichtungszeit aufgenommen hat.

Die nun folgende Pause wurde für „Umbauarbeiten“ genutzt, denn seit langem gab es mal wieder einen analogen Vortrag auf einem NAFT: Bernd Schatzmann führte mit Überblendtechnik Dias vom winterlichen Wald mit Sternenhimmel bei Vollmond, winterlichen Impressionen von Mond und Sternen, einzelne Sternbildaufnahmen und Leuchtende Nachtwolken, teilweise mit musikalischer Untermalung, vor. Ein würdiger Abschluss für das Herbst-NAFT, das um 18:30 Uhr endete.

Da hinterher nichts weiter geplant war und man selber nahe gelegene Lokalitäten aufsuchen konnte, wenn man es denn wollte, beschlossen wir, die Heimreise anzutreten. Zwischendurch hatten wir per Mobilfunk erfahren, dass in Hamburg dicker Nebel sein sollte; das war auch gegen 22 Uhr so, als wir die Süderelbbrücke passierten und kaum etwas sehen konnten. Aus dem wochenlangen Hochnebel war dicker Nebel geworden, ein leider schon gewohnter Anblick und weniger weitaus interessant als galaktische Nebel ...

Das kommende NAFT im Frühjahr wird möglicherweise in Hamburg oder St. Andreasberg stattfinden, eine endgültige Entscheidung wurde aber noch nicht getroffen.

30. Bochumer Herbsttagung

Sie ist fraglos die Hauptattraktion im astronomischen Jahreskalender: die Bochumer Herbsttagung. Seit 30 Jahren lockt sie stets mit einem hochkarätigen Programm in die Ruhrmetropole. So auch in diesem Jahr.

Seit einigen Jahren ist es fast schon eine kleine Tradition, dass sich mehrere GvA-Mitglieder per Bahn auf die Reise nach Bochum machen. Hartwig Lüthen als Reiseleiter hatte schon frühzeitig die Fahrkarten gebucht und so hieß es am 12. November 2011 erst einmal um 4:15 Uhr aufstehen. Die Reisegruppe bestand aus Hartwig, Konstantin von Poschinger, André Wulff, Oliver Rensch, Claudia Barstorfer und mir. André hatte mich per Telefon geweckt und in dunkler, klirrend kalter, aber klarer Vollmondnacht ging es kurz vor 5 Uhr zur U-Bahn, die natürlich wieder mal Verspätung hatte. Da auch der ICE leicht Verspätung hatte, glich sich das dann wieder aus. Schließlich saßen wir alle im Zug und fuhren durch die Nacht und die beginnende Dämmerung unserem Tagesziel entgegen. In Dortmund stiegen wir in einen Regionalzug um und in Bochum in die U-Bahn bis zur Ruhr-Universität. Über die schon seit Jahren klappernden Gehwegplatten, vorbei an Unibausünden der 70er Jahre gelangten wir schließlich in das Gebäude der Medizinischen Fakultät und dort in den bekannten Hörsaal 10 A. Es waren bereits einige Sternfreunde aus der näheren Umgebung anwesend (wir hatten, glaube ich, die weiteste Anreise), der VdS-Stand und die kleine Cafeteria befanden sich noch im Aufbaustadium. Wir lösten – da der Hörsaal mittlerweile auch nicht mehr kostenlos zur Verfügung gestellt wird - ein kleines Eintrittsgeld und warteten gespannt auch den Beginn der Veranstaltung.

Schließlich war es soweit: Peter Riepe als Organisator der BoHeTa eröffnete die diesjährige Jubiläumstagung mit warmherzigen Worten und einem kleinen Rückblick. Ihm folgte Prof. Dr. Ralf-Jürgen Dettmer von der Fakultät für Physik und Astronomie der Ruhr-Universität Bochum mit einleitenden Worten. Er führte auch durch das weitere Programm. Werner Celnik von der Vereinigung der Sternfreunde e.V. (VdS) richtete danach seine Begrüßungsworte an das Plenum.

Das Programm hatte ein paar echte Höhepunkte aufzuweisen, der erste war ein Vortrag von Eberhard Bredner über die Bedeckung eines Sterns durch einen Kleinplaneten. Vor vielen Jahren noch eine Domäne für den Profiastronomen, ist es mittlerweile möglich, selbst mit kleinen Teleskopen solche zwar nicht häufigen, aber auch nicht seltenen Ereignisse zu beobachten. Dazu muss man sich natürlich, wie bei einer Sonnenfinsternis, nahe der Zentrallinie aufhalten. Der Referent war hierfür im Juli nach Madeira gereist. Am 19.7.2011 bedeckte der Doppelasteroid (90) Antiope - hier umkreisen einander zwei kleine Felsbrocken –, er wurde am 1. Oktober 1865 durch Karl Theodor Robert Luther (1822-1900) an der Sternwarte Düsseldorf entdeckt – den Stern HIP 112420, auch bekannt unter dem Namen V* LQ Aqr, einem Pulsationsveränderlichen. Leider hatte der Referent Pech: Er war nur einen Kilometer von der nicht ganz genau bekannten Zentrallinie entfernt, an einem Ort, wo das Ereignis nur 4° über dem Horizont stattfand und hat nichts gesehen.

Die Beobachtung von Jupitermondereignissen ist sowohl mit den einfach instrumentierten, als auch für den besser ausgerüsteten Sternfreund ein immer wieder lohnendes Ziel. Je nach Stellung der Jupiterachse im Kontext zur Erdachse kann man neben den Bewegungen der Monde auch besondere Ereignisse wie gegenseitige Bedeckungen, die Bedeckung von Sternen durch Jupitermonde etc. beobachten. In seinem diesjährigen Vortrag stellte Bernd Gährken die Kallistoverfinsterung vom 12./13.11.2010 vor. Hierbei tauchte der 4821 km große und 5m7 helle Mond teilweise in den Jupiterschatten ein. 1,8 Mio. km vom ihm entfernt, kann man solch ein Ereignis immer nur dann sehen, wenn wir exakt von vorn auf den Planeten schauen. Ist der Sehwinkel dagegen irgendwie geneigt, geht der Mond wegen seiner großen Entfernung von der Erde aus gesehen über den Jupiterschatten hinweg oder unter ihm hindurch. In dem Zusammenhang stellte sich die Frage, ob man nicht nur partielle oder totale Verfinsterungen beobachten kann, sondern auch so genannte Halbschattenfinsternisse. Dies klappt ja beim irdischen Mond, der annähernd den gleichen Durchmesser wie Kallisto besitzt, recht gut. Nimmt man die Entfernung des Jupitersystems zur Erde, kommt man auf annähernd gleiche Verhältnisse. Und siehe da, Bernd Gährken schaffte es, mit dem 80cm Refraktor der Volkssternwarte München, einen der partiellen Verfinsterungen vorausgehenden Helligkeitsabfall um 0,3 mag für eine Dauer von 3 Minuten und 25 Sekunden zu beobachten. Damit ist ihm der Nachweis gelungen, dass man Halbschattenfinsternisse auch bei Jupitermonden mit Amateurinstrumenten nachweisen kann.

Über die Beobachtung der „Periastron-Passage des Doppelsternsystems δ Scorpii in den Monaten Juli und August 2011 berichtete anschließend Ernst Pollmann. Hier ging es um die Frage, inwieweit man mit Amateurmitteln die Annäherung eines Begleitsterns an seine Hauptkomponente verfolgen kann. δ Scorpii besteht aus einem B0-Hauptstern und einem Begleiter vom Typ B mit einer Bahnexzentrizität von 0,94. Mit dem an der Arbeitssternwarte der VdS-Köln vorhandenen LHRES III-Spektrographen sollte das Ereignis verfolgt werden und zwar im Hα. Zeitgleich erstellte Anatoly Miroshnichenko an der University of Greensboro in den USA Messungen der Hα-Radialgeschwindigkeiten der beiden Komponenten des δ Scorpii.Systems. Die VdS-Spektroskopiker hatten zwischen Januar und November 2011 zusammen mit anderen Stationen gemessen. Ergebnis: Das Linienprofil weist einen seltsamen Buckel auf, dessen Ursache derzeit darin vermutet wird, dass es sich hier nicht um ein Doppelstern, sondern um ein Dreifachsystem handeln könnte, wobei die dritte Komponente nur spektroskopisch nachzuweisen ist. Eine fast unglaubliche Leistung von Amateuren!

Im letzten Vortrag vor der Pause stellte Josef Pöpsel seinen Weg zur Verwendung eines Remote-Teleskops vor. Nach schlechten Erfahrungen mit dem Wetter in Deutschland, hatte sich der Referent nach der Möglichkeit der Aufstellung eines Fernrohres unter günstigeren Witterungsbedingungen umgesehen und war dabei auf eine Gruppe von Leuten gestoßen, die noch einen Mitstreiter für ein Remote-Teleskop auf La Palma suchten. Dieses Ziel zerschlug sich dann ebenso wie die Bemühungen, auf dem Kupferberg bei Windhoek in Namibia dauerhaft eine Sternwarte zu errichten. Zwar konnte man in einem Schutzbau dort das verwendete Teleskop unterbringen und auch für einige Zeit ferngesteuert betreiben, doch waren stets einige Probleme mit der Technik und mit der schwachen Internetanbindung zu lösen. Nachdem einer der Leute die Gruppe verließ, stieß jemand hinzu, der die Möglichkeit eröffnete das Remote-Teleskop auf dem Gipfel des Berges Shinakas auf Kreta zu betreiben. Vor Ort fand man eine deutlich bessere Infrastruktur, als in Namibia. Hier konnte der 60cm Hypergraph mit einer Brennweite von 4938 mm im Sekundärfokus auf einer K 140-(Deutschen)Montierung von Michael Knopf betrieben werden. Mit dem inzwischen Ganymed getauften Teleskop sind nun per CCD-Kamera über das Internet ferngesteuert Aufnahmen möglich. Der Referent ging dann, leider eher nur am Rande, auf die typischen Probleme bei Remote-Teleskopen ein, machte aber trotzdem klar, welche Möglichkeiten sich dem heutigen Amateur bieten, vom heimischen Sofa aus unter bedecktem Himmel ein Fernrohr unter klarem Himmel an einem besseren Standort zu nutzen.

Nach so vielen inhaltsschweren Vorträgen tat eine Pause gut und wir, André, Stefan van Ree (Astronomie.de) und ich, gingen in das kleine Einkaufszentrum auf der anderen Seite der Bahngleise und landeten in einem Hähnchen-Laden. Nach der Mahlzeit ein kurzer Spaziergang und schon bald saßen wir wieder im Hörsaal, denn es ging weiter mit einem Beitrag von Stefan Krause über die Astroereignisse des Jahres 2012. Global gesehen stechen dabei drei Sachen besonders heraus: die ringförmige Sonnenfinsternis am 20. Mai, der Venustransit am 6.Juni, und die totale Sonnenfinsternis von 13./14.11. Neben einer grundsätzlichen Erläuterung, wie Vorübergänge des zweitinnersten Planeten entstehen, wurden Möglichkeiten der fotografischen Beobachtung beschrieben und die einzelnen möglichen Beobachtungsstandorte auf Hawaii und Island, in Ägypten, Australien oder in Nordeuropa (z.B. nahe des europäischen Raketenstartgeländes Kiruna) analysiert und mit Frankfurt am Main verglichen. Im zweiten Teil ging der Vortragende auf die totale Sonnenfinsternis 2012 ein. Kurios: der Kernschatten wird dabei am 14.11. im nördlichen Australien erstmals Kontakt mit dem Erdboden haben und dann über einige kleinere Inseln und Inselgruppen hinweg ostwärts am Abend des 13.11.2012 800 km vor Chile enden. Grund für diese paradoxe Situation: der Kernschatten überschreitet die Datumsgrenze in Richtung Osten, daher beginnt er am 14. Und endet (regional gesehen) am 13. Außerdem gibt es am 4. Juni eine partielle Mondfinsternis sowie eine Halbschatten-Mondfinsternis am 28. November.

Aktuelle Jupiteraufnahmen, die Erst im Oktober bei bestem Seeing in Recklinghausen an einem 8 Zoll Newton mit f/6 "aus den siebziger Jahren des vorigen Jahrhunderts" auf einer Losmandy G11-Montierung entstanden waren, präsentierte danach Wolfgang Bischof. Für seine Aufnahmen des Riesenplaneten verwendete er eine alten DMK 21-SW-Kamera. Dabei zeigte sich, dass auch "Uralt"-Geräte in den Händen eines versierten Amateurs kein Schattendasein fristen müssen. Ein beredtes Beispiel dafür waren seine Jupitervideos, die er nachträglich mit Giotto bearbeitete und sich beim RGB-Bild vor allem auf den Grünkanal konzentrierte und am Ende daraus sogar Jupiter-Gesamtkarten erstellen konnte. Nebenbei nahm er dann auch noch die Monde Io und Ganymed auf. Es ist erstaunlich, welch Leistungen viele Amateure sozusagen im Verborgenen vollbringen.

Im Programm hieß es, dass nun eine besondere Bekanntmachung bevorstand. Werner Celnik kündigte an, dass es künftig keine VdS-Medaille mehr geben würde, dafür aber alle zwei Jahre den „Deutschen Preis für Astronomie – verliehen durch die Vereinigung der Sternfreunde e.V.“, der mit einem Geldbetrag in Höhe von 1.000 EUR verbunden ist. Als erste Preisträger wurde Peter Riepe, der Organisator der BoHeTa und langjähriger Leiter der VdS-Fachgruppe Astrofotografie mit dieser ehrenvollen Auszeichnung bedacht. Die anschließende Laudatio wurde von Bernd Koch gehalten.

Ein weiterer Programmpunkt stellte die Verleihung des „Reiff-Preises für Amateur- und Schulastronomie 2011“ dar, den die Astrogruppe des Realgymnasiums Bruneck in Südtirol, regelmäßige Leser der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“, für die Bestimmung der Lichtgeschwindigkeit aus photometrischen Beobachtungen des Sterns CY Aquarii erhielt. Da der Förderpreis in Höhe von 3.000 EUR zur Unterstützung der weiteren Arbeiten gedacht ist, werden die Mittel in neue Forschungsprojekte der Astro-AG fließen. Dr. Jakob Staude, Herausgeber der Zeitschrift „Sterne und Weltraum“ stellte in seiner Laudatio die Arbeit der Reiff-Stiftung und deren Ziele vor und beschrieb die Arbeit der diesjährigen Preisträger, die leider bei der Verleihung des Preises nicht anwesend waren.

Da das Kuratorium der Reiff-Stiftung der Ansicht ist, dass es wesentlich mehr förderungswürdige Projekte, gerade an Schulen mit Astronomie-Arbeitsgemeinschaften, gibt, soll es künftig einen 1., 2. und 3. Preis geben, die mit 1.500, 1.000 und 500 EUR dotiert sein werden.

Vor der nun anstehenden Pause, versammelten wir uns alle vor der großen Tafel für das Gruppenbild anlässlich des 30jährigen Jubiläums der BoHeTa.

Zur Verleihung des Reiff-Preises gehört auch ein Reiff-Vortrag, der die Zusammenarbeit zwischen Amateuren und Profis würdigen soll. Dieser Vortrag wurde von Dr. Thomas Eversberg von der Bonner Sternwarte gehalten. Sehr lebhaft und lebendig beschrieb er zunächst wesentliche Arbeiten von Amateuren für die Profis wie die Entdeckung der beiden Weselowski-Galaxien, die Arbeiten am Hubble Deep Field von Jörg Zborowska und die fotografische Entdeckung von Strukturen rund um NGC 5907 durch Jay Gabany. Ein Feld, in dem Amateure sehr viel Unterstützungsarbeit leisten können, stellt die Spektroskopie dar, wobei schon mit dem StarAnalyzer die Spektren von Supernovae (Thomas Hansen) oder Strukturen bei Wolf-Rayet-Sternen untersucht werden können. So konnte beispielsweise von Buil und Desnoux die Rotation von NGC 7331 bestimmt werden. Lohnende Ziele für den Amateur sind auch Langzeitbeobachtungen etwa an massereichen Sternen, an hellen Be-Sternen, an ausgesuchten Objekten wie ε Aur, oder die Periastronpassage von WR 140. Das Betätigungsfeld ist weit gestreut und ernsthaft arbeitende Sternfreunde können heute durchaus den Profis zuarbeiten oder sogar neue Objekte auffinden, wenn sie bereit sind, wirklich wissenschaftlich zu arbeiten! In dem Zusammenhang stellte Peter Riepe kurz noch das VdS Projekt Sternströme vor.

Über das sehr spezielle Thema der Amateur-Infrarot-Astronomie sprach danach Hans-Günther Diederich. Zunächst einmal klärte er darüber auf, welche Quellen es mit Informationen über lohnende Objekte für ambitionierte Sternfreunde gibt. Auch räumte er mit der Mär auf, CCD-Kameras seien für IR-Aufnahmen nicht geeignet. Bei LRGB-Bildern kann man einen IR-Sperrfilter als Helligkeitsfilter einsetzen und es gibt darüber hinaus eine Menge Tricks und Kniffe, wie man z.B. Helligkeitsmessungen vornehmen kann. Als Beispiel hierfür gilt χ Cygni, ein Mira-Veränderlicher in 350 Lichtjahren Entfernung. Möglichkeiten für aussagekräftige Bilder bieten auch Objekte wie NGC 2024 (mit verschiedenen Filtern untersucht), das Zentrum der Milchstraße, Exoten wie 2MASS J04151954-0935066, ein T8-Zwerg im Eridanus, nur 19 Lichtjahre entfernt, Liller 1, ein Kugelsternhaufen der Milchstraße im Skorpion, oder Altbekanntes wie M 16. Es hilft dabei auch, Luminosity-Filter durch einfache Klarglasfilter zu ersetzen oder einen IR-Durchlassfilter zu verwenden und schon eröffnen sich dem Amateur bislang unbekannte Dimensionen.

Dass die visuelle Beobachtung der Sonne auch mit kleineren Instrumenten möglich ist, ist allgemein bekannt. Was man aber mit 5 Zoll Öffnung, Filtern, Herschelkeil, Protuberanzenansatz und Solarspectrum-Filter alles sehen und fotografieren kann, darüber informierte Jens Leich, der nicht nur seinen sonnenbeobachterischen Werdegang, sondern auch die über die Jahre hinweg von ihm eingesetzten Instrumente und Verfahren beschrieb. Neben der Fotografie widmet er sich auch immer wieder der Zeichnung von Flecken und Protuberanzen und gab so viele Anregungen, sich auf verschiedene Weise mit unseren Tagesgestirn auseinander zu setzen.

Michael Kunze, der erstmals auf der BoHeTa einen öffentlichen Vortrag hielt, berichtete dem staunenden Publikum von seinen, auch astronomisch orientierten, Reisen in die USA. Eine führte ihn nach Hawaii, wo er das Mauna Kea-Observatorium auf Big Island und den Vulkankrater Haleakala aufsuchte und beeindruckende Fotos und Zeitraffervideos mit der Canon EOS 5d aufnahm. Ein weiteres Mal besuchte der Referent die Westküste der USA und besuchte dabei das Griffith Park Observatory, das Mt. Wilson, Observatory, den Barringerkrater, das Monument Valley, den Grand Canon. Auf dem Rückflug konnte er dann vom Flugzeug aus noch ein Polarlicht über Grönland festhalten.

Im letzten Vortrag, dem traditionellen „Rausschmeißer“ mit vielen Bilder zeigte Stefan Binnewies dieses Mal Bilder von eher selten aufgenommenen Objekten, die mit dem Remote-Teleskop Ganymed auf Kreta entstanden:  M 57, M 1, NGC 613, NGC 6543, Kronberger 61, Du 1 (ein Planetarischer Nebel (PN) im Schwan), die PN Kohoutek 1972 und KjPn8 in der Cassiopeia, NGC 6960, die Supernovae SN 2011dh in M 51 und die SN 2011fe M 101, NGC 5364, NGC 5363, Arp 65/NGC 90 und NGC 93, NGC 5900 und NGC 5899, NGC 2264 LBN 437 mit Lkhalpha 233 lac, HH 34, und NGC 6947 mit Einsteinkreuz. Ein wahrer Bilderregen mit phantastischen Aufnahmen und ein würdiger Abschluss der 30.ten Bochumer Herbsttagung!

Mittlerweile war es 19:10 Uhr geworden und Peter Riepe verabschiedete die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und dankte den Referenten für ihre Beiträge. Insgesamt rund 150 Interessierte waren in die Ruhrstadt gekommen, deutlich weniger als in den vergangenen Jahren und auch der Altersdurchschnitt war ein wenig Besorgnis erregend, denn weit über 80 oder 90% entstammten den nach 1960 geborenen Generationen, nur einer war dabei, der 1990 und später geboren wurde, ein paar stammten aus den Jahrgängen vor 1960. Die Entwicklung, dass anscheinend die junge „Twitter-Generation“ sich anscheinend für Tagungen in Form der BoHeTa nicht interessiert, wurde anschließend noch heiß diskutiert Man wird für die Zukunft Strategien entwickeln müssen, um die jungen Sternfreunde an systematisches wissenschaftliches Arbeiten heranzuführen und bei ihnen die Begeisterung für die praktische Astronomie am Fernrohr zu wecken.

Da wir um 20:41 Uhr die Stadtbahn erreichen mussten, unser Zug sollte um 21:11 Uhr vom Bochumer Hauptbahnhof abfahren, mussten wir uns ein wenig beeilen, um noch in der Pizzeria „Chianti“ im Uni-Center eine kleine Mahlzeit zu uns zu nehmen. Das gelang auch und pünktlich saßen wir in der Bahn. Der ICE 514 hatte zwar eine Viertelstunde Verspätung, aber da wir bis Hamburg nicht mehr umsteigen mussten, war es uns egal. Im Zug verging die Zeit dann auch relativ schnell und ziemlich genau um 1:15 Uhr war ich wieder zu Hause angekommen. Ein ereignisreicher Tag lag hinter uns, die Vorträge waren ausgewogen und gut aufbereitet, sodass man den Referenten gut folgen und auch Anregungen für die eigene Astrotätigkeit mitnehmen konnte. Ob die dann tatsächlich praktisch umgesetzt werden, das steht freilich auf einem ganz anderen Blatt. Die 31. BoHeTa wird am 27. Oktober 2012 stattfinden, ein Reiseziel, das man sich jetzt schon vormerken sollte.

Die Sonne im Oktober 2011

(Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)


Wie an einer Perlenkette aufgereiht, wanderten Anfang Oktober gleich mehrere Fleckengruppen über die Nordhemisphäre der Sonne. Die größte davon war die AR 11302, die der höchsten Waldmeierklasse F zugerechnet wurde. An einigen Tagen war sie auch mit Hilfe geeigneter Filter mit bloßem Auge zu beobachten. Täglich veränderte sich ihr Aussehen, kleinere Flecken verschwanden, neue kamen hinzu und auch die Penumbren zeigten Veränderungen oft binnen Stunden. Nebenher entwickelte sich die AR 11307, erstmalig am 29.9. zu sehen, langsam zur E-Gruppe mit ebenfalls interessanten Pernumbren. Allerdings zerfiel sie dann innerhalb weniger Stunden zur Klasse C, mit immer noch imponierenden Ausmaßen. Überdies bevölkerten dann noch weitere kleinere Gruppen die Sonne, so dass man fast bis zum Ende des Monats immer auf Gruppenzahlen zwischen 7 und 10 kam. Nach dem 5. trat ein wenig Ruhe ein, die hohen Relativzahlen resultierten ein ums andere Mal aus einer Vielzahl kleinerer Aktivitätsgebiete. Vom 9. bis zum 11. brach die Aktivität sogar ein wenig ein um man konnte nur noch 5 bis 6 Gruppen finden. Danach war wieder ein deutlicher Anstieg zu bemerken. Am 13. erschien die AR 11319 am Ostrand und entwickelte sich schon am 15. zur Klasse E, die sie bis zu ihrem Verschwinden am Westrand am 23. beibehielt. Zwischenzeitlich konnte man in dieser Gruppe mehr als 50 Einzelflecken zählen. Sie blieb aber nicht die einzige hochklassige Fleckengruppe. Die AR 11324 erschein als eine Art kleinem Fleckensammelsurium am 18. Oktober am Ostrand. Schon bald ließ sich durch ihre Längsausdehnung erkennen, dass sie mindestens der Waldmeierklasse E angehören musste. Allerdings waren die Penumbren reichlich konfus organisiert, eine klare Trennung zwischen dem f-Teil und dem p-Teil nahezu unmöglich. Ab dem 20. wurde sie von der NOAA der Klasse F zugeordnet, während die Kanzelhöhe weiterhin bei E blieb. Die Anzahl der Einzelflecken stieg hier fast ebenso sprunghaft an, wie bei der AR 11319 und man kam hier mit dem Zählen kaum noch nach. Bei mir waren es fast jeden Tag, an dem ich beobachtete, über 50 Einzelflecken. Bis zum 31. Oktober konnte man die AR 11324 noch beobachten, zwischenzeitlich verlor sie aber wesentliche Teile ihre Penumbren und so war sie schon nach wenigen Tagen auf die Stufe D zurück gefallen. Aber für Nachschub war gesorgt: Die AR 11330 tauchte am 23. Als D-Gruppe am Ostrand auf, entpuppte sich aber schon einen Tag später als E-Gruppe, steig dann zur F auf (das sah nur die Kanzelhöhe so) und behielt diese Klasse bis Anfang November bei. Auffällig an dieser Gruppe war die enorme Ausdehnung der Penumbra im voranschreitenden Teil, die ich unter Zuhilfenahme einer Sofibrille locker mit bloßem Auge sehen konnte. In der obigen Aufzählung unerwähnt blieben die vielen kleinen Gruppen, die vorwiegend auf der derzeit dominanteren Nordhalbkugel der Sonne zu sehen waren.

Dass die Sonnenaktivität im Oktober deutlich angestiegen ist, bemerkte man nicht nur im Weißlicht, sondern vor allem anderen im Hα. Die Zahl der Flareereignissen hat dabei ebenso zugenommen wie die der Protuberanzen und Filamente, deren dynamisches Wirken sich sehr gut in einem Personal Solar Telescope (PST) verfolgen lassen. Gleich am 1. gab es um 9:59 UT in der AR 11305 einen M1/1n-Flare, der mit einem erdgerichteten CME verbunden war. Aus der AR 11302 war um 9:17 UT ein M1-Flare aufgestiegen, der aufgrund einer Lage aber das Erdmagnetfeld hätte treffen können. Die beiden Aktiven Regionen 11302 und 11305 blieben in der ersten Dekade des Oktobers ein Quell der Freude für den Hα-Beobachter. Sie produzierten sehr viele Flares, wie den M3/1n am 2. um 0:50 UT (11305), den C7/2 Röntgenflare am 3. um 0:30 UT (11302) und den c7/Sf am 4., 9:23 UT (11302). Die AR 11303 steuerte am 5. einen C9/Sf-Flare bei. Vom 7. bis zum 19. verzeichnete man entweder gar keine, oder nur kleinere Ausbrüche, die maximal bis zur Klasse c reichten. Am 20. um 3:19 UT erzeugte die AR 11318 dicht am Westrand einen M1.1-Flare. Die AR 11319 hingegen schaffte am 21. um 13:00 UT einen M1. Aus der AR 11314 stieg einen Tag später um 11:10 UT ein dicker M1-Flare samt CME auf, der in der Nacht vom 24. auf den 25. Oktober, dem einzigen Abend, als es über Hamburg bewölkt war, Polarlichter auslöste. Trotz der zentralen Position gleich mehrerer größerer Aktivitätsgebiete, die AR 11330 stand gerade richtig, um erdwärts gerichtete CMEs auszuschütten, tat sich leider relativ wenig. Bis zum Monatsende verzeichnete man lediglich eine leicht erhöhte Anzahl an c-class-flares, ein großer koronaler Massenauswurf, deren Teilchen- und Plasmawolken auch noch genau in Richtung Erde in Bewegung gesetzt wurden, waren nicht darunter.