Donnerstag, 29. September 2011

Wissen ist Macht ... nichts Wissen macht auch nichts

Manchmal kann man ob der Vorstellungen, die manche Leute über das Universum oder die Astronomie haben, nur den Kopf schütteln. Bei öffentlichen Führungen begegnet man des Öfteren wirklich skurrilen Ideen. Da hatte ich mal Gothicmädels, die, eigenartig geschminkt mit Totenflecken im Gesicht als Tattoos, schwarzen Haaren, schwarzen Fingenägeln etc., gerne den Stern des Todes sehen wollten. Oder die Durchgeistigten, die meinen, direkt mit dem Universum verbunden zu sein, und die behaupteten, die Einschläge des Kometen Shoemaker-Levy 9 auf den Jupiter körperlich zu spüren, weil man ein Jupitermensch sei. Oder die, die sich nicht davon abbringen lassen, dass am 21.12.2012 die Welt untergehen wird, oder die, die fragen, wieweit wir von der Milchstraße entfernt sind und ob man diese denn auch durch ein Fernrohr sehen könne.


Heute, an meinem vorletzten Urlaubstag, habe ich wieder meinen Eismann aufgesucht. Während ich einen leckeren Kirschbecher samt einer großen Tasse Kaffee zu mir nahm, sprach mich ein älterer Herr an, der am Nebentisch saß und der wohl zufällig meine Astronomie.de-Mütze auf dem Stuhl hat liegen gesehen. Erst fragte er mich, ob ich Astronom sei. Dann wollte er wissen, wie ich denn überhaupt mit den gewaltigen Entfernungen im All zurecht käme. Das könne ein Mensch allein ja nicht erfassen. Womit er sicher irgendwie recht hat, denn welcher Geist will schon das Universum als Ganzes überblicken können. Soweit so gut. Der Herr steigerte sich dann noch, indem er behauptete, wir könnten die Sterne nicht wirklich real sehen, weil ihr Licht mit zunehmender Entfernung abnimmt und am Ende zu Staub zerfällt.

Dass wir dennoch Sterne sehen können, überging er. Als Beweis führte er die Sternschnuppen an, sie seien zu Staub gewordenes Sternenlicht, das von der Erde empfangen wird. Irgendwann ignorierte ich ihn, weil er Einwänden gegenüber irgendwie eine ablehnende Haltung hatte. Außerdem sollte ich ihm doch bestätigen, dass die Schwarzen Löcher Stellen im All seien, in denen das Universum durchbohrt wird. Und schlimmer noch, durch diese Löcher würde das Leben entweichen, weswegen wir auch kein außerirdisches Leben finden können, da dieses ja längst durch die Löcher entwichen sei. Frage: Was machen wir dann noch hier? Ach ja, am 21.12.2012 ...


Der von mir sehr geschätzte Bloggerkollege Florian Freistetter brachte es neulich mal auf den Punkt, indem er richtigerweise anmerkte, dass all jene, die kein Wissen haben, eben glauben müssen.


Wie aber manches verquere Weltbild zustande kommt, das sich einige Leute unter der Schädeldecke zusammenreimen, ist mir, ehrlich gesagt, ein ständig größer werdendes Rätsel. Vielleicht setzt sich das wirklich nur aus nicht mal gediegenem Viertelwissen zusammen, angereichert mit Vermutungen aller Art, ich weiß es nicht. Erstaunlich ist aber die umso höhere Beratungsresistenz dieser Leute, je mehr sie von ihrer Weltsicht überzeugt sind.


Als der Gast dann später gegangen war, hörte ich von anderen, dass der Typ ständig irgendwelche Leute zutextet, keiner ihn hören will und er sich selbst als Hartz IV-Philosoph bezeichnet, der jegliche Form von Arbeit für den menschlichen Geist für abträglich hält. Na, wenn das so ist ...

Aus dem Urlaub zurück

Ganz soweit ist es ja noch nicht, dass ich wieder zur Arbeit muss, aber dennoch sind die Tage nach meiner Rückkehr aus Bansin an der vorpommerschen Ostseeküste nicht ereignislos gewesen.

Da wäre zum einen mein erster Besuch der GvA-Außensternwarte in Handeloh. Da fahre ich zwar 1 Stunde hin und auch wieder zurück, aber im Urlaub kann man es ja mal machen. Gesagt getan, Kumpel eingesackt und losgefahren.

Der erste Abend vor fast einer Woche – wir waren insgesamt vier Personen vor Ort – war sehr interessant, ich konnte mit NGC 7331 und M 33 meine ersten „echten“ Astrofotos an der dortigen Astrokamera machen. Mein kleines Netbook hatte ich mit meiner Canon 1000Da verbunden, gesteuert wurde das Ganze über das geniale Programm Astrojans Tools, die Stromversorgung erfolgte nicht über den kameraseitigen Akku, sondern über eine Kabelverbindung zum Strominterface. Nach dem nicht trivialen Scharfstellen mit einer Bahtinovmaske konnte ich belichten, zwar nicht bis der Arzt kommt, aber immerhin, bis die Wolken kamen.

Am nächsten Abend war der ASW-Workshop angesetzt, da konnte ich verständlicherweise keine Aufnahmen machen, außer einigen Stimmungsfotos und kurz belichteten Aufnahmen vom Sternenhimmel mit Wolkenschleier.

Überdies ergab sich die Möglichkeit, dass ich morgens kurz nach dem Aufstehen die Sonne beobachten und meine tägliche Sonnenfleckenrelativzahl bestimmen konnte. Und gestern war ich beim Astro-Shop in der Eiffestraße und habe mir da ein Personal Solar Telescope (PST) für die H-Alpha-Beobachtung der Sonne geholt und dann auch die Vorstandssitzung der GvA mitgemacht.

Nun warte ich gespannt auf den Nachmittag, wenn die Sonne soweit hinter meinem Haus rum ist, dass ich das PST erstmals einsetzen kann. Und dann wäre noch der Eismann am Nachmittag, die Arbeit m neuen Sternkieker und und und …

Samstag, 17. September 2011

Bloggen aus dem Urlaub (3)

Vermutlich zum letzten Mal in diesem Urlaub blogge ich vom "Haus des Gastes" in Bansin in die weite Welt. Zwei Wochen Reise an die Ostsee gehen damit am Montag zu Ende. Das Wetter in den letzten beiden Wochen war weitaus besser, als im Rest des Landes, typisch halt für eine Ostseeregion mit häufig wechselnden Wettersituationen. Heute morgen wachte ich auf und der Himmel war teilweise bedeckt. Ich schaffte noch eine Sonnenbeobachtung bei allerdings sehr schlechten Seeingbedingungen. Kurz danach zog der Himmel endgültig zu. Als ich in meinem Hotel Bergmühle im Bansiner Ortsteil Sellenthin das Frühstück zu mir nahm, regnete es leicht. Jetzt klart es wieder auf.


Die See ist heute ruhiger als noch vor ein paar Tagen, also werde ich heute noch eine Minikreuzrfahrt nach Misdroy in Polen unternehmen. Wegen schweren Seegangs - der aber kaum mit dem auf der Elbe bei Sturm vergleichbar ist - wurden die Fährverbindungen teilweise ausgesetzt. Aber heute nun geht es zum zweiten Mal in diesem Urlaub in polnische Hoheitsgewässer, zu mehr reicht heute leider die Zeit nicht.


Zeit hatte ich gestern Abend genug, um nicht nur die Dämmerungsphänomene nach Sonnenuntergang zu fotografieren, sondern auch ein paar Aufnahmen der Milchstraßengegend im Schwan vom Fotostativ aus zu machen. Die Bilder müssen allerdings noch bearbeitet werden. Nebenbei vielen dann aich noch ein paar Bilder vom Hotel bei Nacht ab. So direkt am Haus ist die Lichtverschmutzung schon ganz enorm. Dafür hat man hier einen leicht erhöhten Standpunkt mit interessanten Vordergrundmotiven. Dabei konnte ich evtl. auch einige Dämmerungsstrahlen aufnehmen, bin mir da aber nicht ganz sicher. Sicher war vor allem die hohe Luftfeuchtigkeit, wodurch das Kamerobjektiv sehr schnell beschlug.


Irgendwann gab ich es denn auf, weil die Transparenz des Himmels dann nur noch im Zenit gut war und alle Fahrzeuge auf dem pakrplatz deutliche Spuren der hohen Luftfeuchtigkeit zeigten, indem sie kräftig beschlugen. Mit beschlagenem Objektiv lassen sich aber auch ganz witzige Aufnahmen machen ...


Während ich tagsüber bislang nur an einem Tag nicht die Sonne beobachten konnte, war die nächtliche Ausbeute dann doch deutlich schlechter und so zog och es dann doch lieber vor, an die Hausbar zu gehen und das eine oder andere Alsterwasser beim Fußballgucken zu genießen.


Insgesamt empfand ich die Zeit hier als sehr erholsam und bedaure schon jetzt die in Hamburg wesentlich schlechteren Bedindungen für meine Sonnenbeobachtungen. Bäume und Häuser in meiner Gegend schränken mich doch sehr ein. Brauche ich hier nur ein paar Minuten zu laufen, um an einen Standort zu gelangen, von dem aus ich auch bei nun rasch niedriger werdendem Sonnenstand noch gut beobachten kann, muss ich in Hamburg warten, bis die Sonne im Tageslauf irgendwann mal hoch genug am Himmel steht. Und das heißt dann wieder, sehr viel Verzicht üben, wenn man die Sonne vom blauen Himmel herabscheinen sieht, aber erst ab dem frühen Nachmittag für eine knappe halbe Stunde frei von Bäumen und Häusern beobachten kann. Hamburg ist eben eine astrofeindliche Stadt, nicht nur wegen der ständig zunehmenden Lichtverschmutzung, die aber in der Umwelthauptstadt 2011 kein Thema ist.


Aber auch hier auf Usedom ist Lichtverschmutzung eine sich ständig weiter verbreitende Plage, aber ein wenig abseits der Küste, Richtung Anklam, Neubrandenburg und weiter südlich sollte es noch den einen oder anderen wirklich dunklen Platz geben, bis irgendwann Berlins Lichter stören. Richtung Westen machen sich hier übrigens noch die Lichtquellen von Stralsund und Wolgast, Richtung Osten von Swinemünde und Mistroy bemerkbar.


Dafür werde ich aller Voraussicht nach am 24.9.2011 mal zur GvA-Außensternwarte zum Workshop fahren und vorher noch einen Termin auf def Bergdorfer Sternwarte wahrnehmen. Und bis zum NAFT oder der BoHeTa ist es dann ja auch nicht mehr so lange hin. Dazwischen liegen noch jede Menge GvA-Veranstaltungen und die eine oder andere Führung über die Bergedorfer Sternwarte. Astronomie, ganz gleich in welcher Form, wird nie langweilig.

Dienstag, 13. September 2011

Buchbesprechung: Peter Faber: Hitlers V2 - Rakete

Hier auf der Insel Usedom bekommt man im normalen Buchhandel so manches Druckwerk, wofür man in anderen Teilen Deutschlands zumindest schief angesehen wird. Als ich dieses Buch von Peter Faber aus dem Jahr 2009 zusammen mit einer Biografie von Loriot im Strandbuchladen in Bansin erwarb, der respektabel gut sortiert ist, schaute mich die junge Verkäuferin ob der Kombination schon etwas merkwürdig an. Kein Wunder nach den letzten Wahlergebnissen in Mecklenburg-Vorpommern.


Das Buch war vom Klappentext her eigenlich ganz interessant, aber leider hielt es nicht das, was der Text auf der Umschlagrückseite versprach. Dieses Buch ist keineswegs die erste schriftliche Dokumentation seiner Art, noch ist sie die erste mit einem Umfang, wie es die Werbung einem weiß machen will. Schon vor vielen Jahren gab es die wirklich tiefgehenden Bücher etwa von Michael J. Neufeld über die "Rakete und das Reich" oder die "Raketenspuren" von Bode und Kaiser.


Erzählt wird dann auch nicht wirklich was Neues, eben die bekannte Geschichte der Raketen- und Flugzeugentwicklung in Peenemünde-Ost und Peenemünde-West. Ein paar Details sind vielleicht neu, mehr aber auch nicht. Auch werden seltsamerweise gewisse Fakten außen vor gelassen, wie die Tatsache der freiwilligen Mitgliedschaft Wernher von Brauns in der SS, lange bevor diese sich überhaupt für das Gelände am Peenemünder Haken zu interessieren begann. Und auch, dass es Arthur Rudolph war, der als ehemaliges SA-Mitglied den Kontakt zur SS herstellte und er gerade auch deswegen in späteren Jahren in den USA angefeindet wurde, was man alles in Neufelds Buch nachlesen kann, wird unkorrekt dargestellt. Eben darum wurden die Vorwürfe gegen Rudolph nicht entkräftet, wie hier behauptet. Der Autor folgt eher der Linie Marsha Freemans, die behauptet, die Verwicklung der Peenemünder Wissenschaftler und Techniker sei eine reine Erfindung des ostdeutschen Geheimdienstes Stasi gewesen.


Nach der Wiedervereinigung 1990 und der damit verbundenen Zugänglichkeit zu Archiven im Osten wurde die Verstrickung der Peenemünder in das NS-Regime immer deutlicher. Auch die inzwischen zweifelfrei belegte Existenz von Konzentrationslagern in Peenemünde, eines in Trassenheide, das andere im Bereich der Luftwaffenerprobungsstelle Peenemünde-West nahe des Peenemünder Flughafens, wird nur kurz am Rande erwähnt und zwar beinahe verniedlichend als Barackenlager für Kriegsgefangene.


Schließlich und endlich wird die unmenschliche Situation der Häftlinge im KZ Dora beim Mittelwerk auch eher verharmlosend als Arbeitslager mit eigener, humaner Infrastruktur geschildert, um den Arbeitskräften Unterkünfte und Verpflegung zu bieten. Dass sich den Amerikanern bei der Befreiung des KZs freilich ein ganz anderes Bild bot, wird ebenso verschwiegen, wie die nach Neufeld mehrfach dokumentierte Anwesenheit Wernher von Brauns im KZ Buchenwald, um dort KZ-Insassen für die Mitarbeit im Mittelwerk auszusuchen, wobei seine SS-Mitgliedschaft äußerst hilfreich war. Auch, dass von Braun öfter in den unterirdischen Stollen war, in denen die KZ-Häftlinge unter unmenschlichen Bedingungen die V2 und anderes Kriegsgerät zusammenbauen mussten, lässt der Autor unter den Tisch fallen. Überhaupt wirken seine Bezüge zu den Menschen, die leiden mussten, um die Raketen für die Peenemünder, die Wehrmacht und die SS zu bauen, irgendwie notgedrungen, so als wären die vielen Toten nur unangenehme Begleiterscheinungen auf dem Weg zum Mond.


Auch unterliegt der Autor einer Fehleinschätzung, wenn er schreibt, dass ein früherer Fronteinsatz der V2 viel Gutes bewirkt und noch mehr Todesopfer vermieden hätte. Das Gegenteil ist der Fall, denn die heutigen Historiker sind sich darüber einig, dass, wäre der Krieg nicht am 8. Mai 1945 in Europa beendet worden, die ersten Atombomben auf deutsche Städte abgeworfen worden wären. Die hießen dann nicht Hiroshima und Nagasaki, sondern womöglich Hamburg, Berlin, Köln oder München als "Hauptstadt der Bewegung", wie man die bayerische Metropole damals nannte.


So fragt man sich, ob sich ein Kauf diese Buches lohnt. Ehrlich, ich weiß keine rechte Antwort darauf, aber hätte ich mehr über den Inhalt gewusst, hätte ich es wohl nicht gekauft.

Montag, 12. September 2011

Bloggen aus dem Urlaub (2)

Für den heutigen Tag waren die Wetteraussichten nicht mal annähernd so gut, wie am gestrigen. Statt eines Tages am Strand entschloss ich mich daher, nach Anklam zu fahren. Auf den ersten Blick kein guter Entschluss, denn diese Stadt offenbart die Probleme vieler Städte und Gemeinden entlang der deutsch-polnischen Grenze. Mittlerweile ist nicht nur das Einkaufen in den grenznahen polnischen Regionen günstiger, auch finden dort oft mehr Menschen eine Arbeit als in Deutschland. Und Anklam gehört leider zu den Städten, wo die Bevölkerung immer mehr abwandert, entweder nach Polen oder in andere Bundesländer weiter westlich.


Dabei hat Anklam durchaus einiges zu bieten, zumindest für Touris, z.B. das Museum in Steintor. Dem gegenüber liegt übrigens der Pulverturm mit einer auch astronomisch interessanten Geschichte, denn hier hatte einst Gustav Spörer (1822-1895) in den Jahren von 1860 bis 1874 eine Sternwarte nur für die Sonnenforschung betrieben. Seit 1855 war er Oberlehrer in Anklam und zu seinen Schülern gehörte auch Otto von Lilienthal, der Segelflugpionier.


In Anerkennung für seine Verdienste bekam Spörer 1868 vom Kronprinzen Friedrich Wilhelm ein Fernrohr geschenkt. Heute verbindet man mit Spörers Namen Untersuchungen zum Sonnenfleckenzyklus, er untersuchte wie Edward Maunder das Fleckenminimum in den Jahren zwischen 1645 und 1715. Die späteren Ehren wurden aber Maunder zugesprochen. Dafür entdeckte er die Breitenwanderung der Sonnenflecken im Laufe eines Fleckenzyklus (Stichwort Schmetterlingsdiagramm), heute bekannt als das Spörersche Breitenwanderungsgesetz. Nach 1879 ging Spörer an die Berliner Sternwarte. Allein über seine vielfältigen Arbeiten zur Sonnenphysik, wobei er auch die 1860 aufgekommene Spektralanalyse intensiv einsetzte, sollen 50 verschiedene Schriften entstanden sein. Heute weits auf Spörer nurmehr eine Plakette am Pulverturm hin. Überreste seiner ehemaligen Sternwarte, die damals als Rundbau auf den Turm aufgesetzt wurde, sind heute nicht mehr vorhanden und wurden auch bei der Rekonstruktion 1998 nicht berücksichtigt.


Die Geschichte des Spörerschen Beobachtungsturms ist auch sehr interessant. Um 1450 fertiggestellt und erst 1463 erstmals urkundlich erwähnt, war er Teil der Stadtmauer, hatte früher eine andere Spitze und erlangte besonders im Dreissigjährigen Krieg besondere Bedeutung. Zuvor war er ein Wehrturm in der konfliktreichen Epoche des Adelsgeschlechts derer von und zu Schwerin, das seinerzeit unweit von Anklam im Schloß Stolpe residierte.


Noch später war hier das Stadtgefängnis, danach das Pulvermagazon der Stadt Anklam untergebracht. Die letzte besondere Nutzung des Turms war, als Spörer dort seine Sternwarte eingerichtet hatte.


Über die Jahre hinweg verfiel das Bauwerk zusehends und ist seit Ende des letzten Jahtausends in einem wieder hergestellten, ansehnlichen Zustand. Ob man ihn besichtigen kann, darüber gab die Hinweistafel keine Informationen.


So bewahrheitete sich am heutigen Tag mal wieder, dass man nur die Augen offen halten muss, um an vielen Orten, wo man gar nicht damit rechnet, auf Spuren von Astronomen oder vergessenen Sternwarten stoßen kann.

Sonntag, 11. September 2011

Besuch in Peenemünde (4)

Wieder im "Haus des Gastes" im beschaulichen Bansin: Den gestrigen Tag habe ich wieder mal in Peenemünde verbracht, dieses Mal aber nicht auf dem Museumsgelände. Um 13 Uhr wollte ich an einer Historischen Rundfahrt teilnehmen, die vom Flugplatz Peenemünde aus startet.


Zuvor suchte ich aber erst mal wieder den berühmten Parkplatz gegenüber den Resten der alten Hauptwache auf. Entlang des freigegebenen Wanderweges in Richtung Karlshagen wollte ich zwei der Punkte aus dem Museumsplan aufsuchen. Wegen der diversen Mückenstiche, die ich mir bei meiner letzten Wanderung zugezogen hatte, trug ich dieses Mal eine armlange Jacke und einen breitkrempigen Hut. Vorweg genommen: auch das half mir nicht und am Ende hatte ich einen richtig dicken Hals.


Das hielt mich aber dennoch nicht davon ab, das Gelände zu erkunden, wobei ich mich zunächst an die Weisung hielt, die vorbezeichneten Wege nicht zu verlassen. Die zahlreichen, aus Bombentrichter entstandenen Tümpel sind ein Segen für die einzigartige Naturlandschaft am Peenemünder Haken. Vor allem für die Steckmücken ...


Die erste Station waren die Überreste des ehemaligen Fernheizungssystems, damals das modenste im ganzen Deutschen Reich. Heute sieht man davon nur ein Paar Trümmerstücke und, im Unterholz verborgen, hier und da mal ein kurzes Stück Leitung, das damals nicht von den Russen demontiert worden ist. Weiter ging es in Richtung Karlshagen, so sich linker Hand diverse kleine Wege abzeichneten, die natürlich mit dem obligatorischen Hinweisschild, aber nicht mit einem Zaun gesperrt waren. Schließlich sah ich eine kleine Rampe, die auf eine betonierte Fläche führte. Es war die Verladestation, die ich vor ein paar Tagen doch nicht erreicht, sondern mit etwas anderem verwechelt habe. Das Teil war schnell erkundet und da ich auf den verbotenen Wegen ein paar Fahrräder stehen sah, gsing ich davon aus, dass man da gefahrlos herumlaufen konnte. So gelangte ich zu den Überresten der Fertigungshalle F1, ebenfalls eines def mordensten Hallen ihrer Art, die durch eine spezielle Dachkonstuktion dafür sorgte, dass man das Tageslicht optimal nutzen konnte, um damit Energie für die Beleuchtung zu sparen ...


Wenn ich mich da nicht allzusehr verirrt habe, besteht die Halle nur noch aus einem aufgeschütteten Trümmerberg. Von der einstmals futuristischen Konstruktion ist heute nichts mehr erhalten. Andere Gebäudereste sollen noch im Wald stecken, aber da hatte ich mich nun doch nicht mehr hingetraut.


Das jedenfalls glaubte ich, bis ich nach aktuellen Bildern der Fertigungshalle, bzw. deren zum Teil sehr umfangreichen und massiven Betontrümmer gegoogelt hatte. In den Waldstücken befindet sich noch viel mehr, das der eigenen Erkundung harrt.


Wenn man mutig wäre, müsste man von den Wegen, die durch den Wald in Richtung Peeneufer abgehen, direkt zu den dort liegenden ehemaligen Prüfständen, bzw. deren heute noch (zum Teil) vorhandenen Ringwällen kommen.


Irgendwann machte ich mich auf den Rückweg zum Auto, fuhr kurz zum Museum, verschlang ein Eis und fuhr dann weiter zum Flugplatz.


Die Rundfahrt begann pünktlich und brachte uns Fahrgäste, nachdem wir im Wald in einen Bus umsteigen mussten, zu den Überresten der alten Schussversuchsanlagen für den alten Kirschkern, der Tarnbezeichnung fur die spätere V1. Hier wurden mehrere Typen von Rampen getestet und deren Flugbahnen von der Messstation auf der nahe gelegenen Insel Ruden, die künftig auch zur Museumslandschaft gehören wird, vermessen wurden.


Wir erfuhren viel auch über die Geschichte von Peenemünde-West, der Erprobungsstelle der Luftwaffe, die später von einer Jagdfliegerstaffel der Roten Armee und noch später vom Jagdgeschwader 9 der NVA genutzt wurde. Das Werk Ost, die ehemalige Heeresversuchstelle Peenemünde, wurde nicht wieder aufgebaut, nachdem man alle Anlagen demoniert oder gesprengt, aus dem Boden gerissen oder, durch Luftangriffe zerstört, einfach sich selbst überlassen hat. Heute verstehen vor allem alliierte Besuchergruppen aus Russland, den USA und England nicht, wieso man das Gelände nicht offener und musealer gestaltet. Dabei zeigen die Engländer, die am meisten unter den V2-Raketen zu leiden hatten, noch am ehesten Verständnis dafür, dass man diese Stätte der NS-Waffenforschung lieber sich selbst überlässt. Außerdem stellen Teile davon ein einzigartiges Übungsgebiet fur die Bundeswehr dar, die einzelne Bereiche nicht anders nutzt, als damals die NVA. So sind manche Zerstörungen im Bereich der alten HVA auch neueren Datums.


Über die Jahre hinweg, als man die Landschaft sich selbst überließ, hat sich die Natur binnen wenige Jahrzehnte das zurückerobert, was ihr seit 1936 genommen worden ist. Dadurch ist ein einmaliges Biotop entstanden, das unter Naturschutz steht. Wenn man bedauert, dass man die ehemaligen Anlagen, von denen ohnehin nur Trümmer, tiefe Löcher im Boden, wassergefüllte Tümpel etc. vorhanden sind, nicht besichtigen kann, sollte man auch an den Erhalt der Natur denken, die für viele Tier- und Pflanzenarten zu einer neuen Heimat geworden ist. Problematisch aber ist die unkontrollierte Ansiedlung von Kormoranen, deren Kot zu einem Massensterben im Baumbestand führt.


In den kommenden Tagen werde ich wohl nochmal da hinfahren und an einer offiziellen Führung zum Prüfstand VII teilnehmen, sofern genügend Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammen kommen und es auch vom Wetter her passt. Der Grundwasserspiegel liegt auf der Insel Usedom sehr niedrig, und ist durch den vielen Regen der letzten Zeit, soweit angestiegen, dass manche Zufahrtswege bis zu 2 bis 3 Metern tief überflutet sind und  von dem eingesetzten Bus dann leider auch nicht passiert werden können. Und irgendwo mitten im Wald mit dem Bus in einer mit Wasser gefüllten Vertiefung stecken zu bleiben, ist sicher auch kein Vergnügen.

Freitag, 9. September 2011

Bloggen aus dem Urlaub (2)

Was soll man dazu sagen: Der k-Index liegt schon bei 7 und eigentlich müsste der Himmel vor Polarlichtern geradezu glühen. Zu sehen ist hier gerade außer irdischen Lichtquellen vom Hotel, einem nahen Skybeamer und den Touristikzentren Bansin und Heringsdorf sowie dem Mond, der die tief hângenden Wolken von unten her beleuchtet, nichts. Keine Spur von Polarlicht. Frage mich grad, warum.


Vielleicht könnte man ein fotografisches Polarlicht nachweisen, aber dazu müssten auch die Wolken mal verschwinden. Dabei sah es am Tage eigentlich ganz gut aus. Die Sonne konnte ich schon um 7 Uhr beobachten, da war sie noch leicht deformiert im Okular zu sehen. Mond und irisiernde Wolken gab es vorhin auch noch. Aber leider kein Polarlicht, schade.


Ohnehin ist der Himmel hier nicht mehr so dunkel wie früher. Gestern Abend konnte ich h und chi im Perseus mit meinem neuen 12 x 50 Fernglas gerade mal so eben sehen, was auch am Mond lag. Immerhin zeigte der nur teilweise erfolgreiche Versuch, dass das Fernglas gar nicht mal sooo schlecht ist, die Sterne sind punktförmig und der Farbfehler hält sich auch in erträglichen Grenzen. Ich muss ihn mal unter wirklich dunklem Himmel testen, vielleicht ja mal beim Workshop an der GvA-Außensternwarte in Handeloh. Gekauft habe ich ihn aber, um ihn tagsüber als Touri zu verwenden. Etwa um den Großsegler zu beobachten, der gerade an der Seebrücke vor Heringsdorf festgemacht hat und tagsüber vor Bansin kreuzt. Und nun harren wir der Dinge und schauen, was die Nacht so astronomisch bringt.

Donnerstag, 8. September 2011

Bloggen aus dem Urlaub (1)

Eigentlich wollte ich ursprünglich heute nur dann etwas bloggen, wenn es was Neues gibt und es auch irgendwie mit Astronomie zu tun hat. Nun ist das heutige Wetter hier in Bansin an der Ostsee sehr wechselhaft. Auf Sonne folgt Regen, Nervtröpfeln und wieder Sonne. Dafür besteht Hoffnung, dass das Wetter in den kommenden Tagen hier an der Küste wieder besser wird. Vielleicht gilt aber auch als Rechtfertigung für diesen Beitrag, dass ich per iPod die Musik der letzten Space Night-CD höre? Außerdem habe ich vor meiner Fahrt an den Strand noch meine tagliche Sonnenfleckenrelativzahl bestimmt.


Zum Glück gibt es hier das Touristikzentrum "Haus des Gastes", wo ich gerade im Lesesaal sitze. Immerhin, ich habe noch ein raumfahrtgeschichtliches Buch im Rucksack. Und der dritte Becher Tee wird auch schon wieder kalt. Immerhin gibt es hier ein freies WLAN. Das hat auch was.


Wer sich übrigens wundert, wenn meine Beiträge ein paar Tibbfählarr zu viel enthält, ich tippe alles auf dem iPad. Das ist zwar ganz nett, für mich aber immer noch etwas gewöhnungsbedürftig. Ich versuche zwar, sie nachträglich zu korrigieren, aber der eine oder andere flutscht dann doch schon mal durch.


Draußen wird es gerade wieder dunkel, es ziehen wieder Regenwolken auf. Zum Glück bin ich Nichtraucher, sonst hätte ich heute wohl schon ne Packung durchgebarzt. Und fürs Schönsaufen ist es noch zu früh. Aber wir wollen mal nicht meckern, unser Sommerwetter ist halt nicht das Beste. Es gibt auch kein schlechtes Wetter, nur falsche Kleidung und Ideenlosigkeit, wie man die freie Zeit nutzen kann, wenn man nicht grad bloggt, Zeitung liest, wenn die Sonne scheint, spazieren geht, etc.


Den Hotspot muss ich in den kommenden Tagen noch mal mit meinem MacBook nutzen, um größere Datenmengen zu bewegen.


Das nicht ganz so warme Wetter bietet sehr schöne Beobachtungsmöglichkeiten für Wolkenstrukturen aller Art und Schattierungen. Obwohl ich Schatten hier eigentlich nicht haben wollte.


Dafür habe ich mir schon einen Standort in der Nähe meines Hotels ausgesucht, wo ich mich Freitag Abend möglicherweise auf die Lauer lege, um evtl. ein Polarlicht zu fotografieren. Aber da muss man noch mal sehen, ob es überhaupt einen Impakt im geomagnetischen Feld gibt, der stark genug ist, um auch Polarlichter auszulösen. Noch lassen die ACE-Daten nichts erkennen und der k-Index ist auch noch niedrig. Aber es dauert halt auch immer ein paar Tage, bis die Teilchen eines koronalen Massenauswurfes die Entfernung zur Erde überbrückt haben. Auch war das Ereignis nur kurz, weswegen man eigentlich nicht mit einem so gewaltigen Schauer zu rechnen ist, den man bräuchte, um wirklich kräftige Polarlichter sehen zu können. Und wenn es ganzg dumm läuft, tritt der Impakt am Vormittag ein und wir sehen hier abends nichts davon. Da muss man halt abwarten, zumindest sind die Wetteraussichten für die kommenden Tage in Nordosten ja ganz gut.


Ich fange mir gerade bitterböse Blicke ein, weil ich hier im Lesesaal tippe ... Nun denn, beenden wir diesen Post. Man weiß ja, nach dem Posting ist vor dem Posting ...

Mittwoch, 7. September 2011

Besuch in Peenemünde (3)

Nachdem ich schon vor ein paar Stunden in mein Hotel Bergmühle in Bansin zurückgekehrt bin und mir in Kürze das obligatorische, abendliche, Alsterwasser genehmigen werde, noch ein paar Eindrücke und Erlebnisse vom Nachmittag.


Als ich das Kraftwerk an der Peene verließ, worin sich das Museum inkl. Kinosaal befindet, kam leichter Regen auf und von Südwesten her schien sich ein Gewitter zu nähern. Zum Glück kam da nicht viel runter. Ich ging nochmal durch den Shop, fand noch je ein Buch über Sigmund Jähn und Juri Gagarin, verschickte eine Urlaubspostkarte und begab mich dann zum Parkplatz. Von da aus fuhr ich zum Flugplatz, wo immer noch dass Hinweisschild stand, dass es von da aus Führungen zu den hidtorischen Stätten der flugtechnischen und Raumfahrtforschung in Peenemünde gab. Leider war ich ein paar Minuten zu spät, sodass ich in den kommenden Tagen da noch mal hinfahren werde.


Vor meiner Abreise aus Hamburg hatte ich auf der Website des Museums einen neuen Plan mit den verschiedenen Anlaufstellen innerhalb der Museumslandschaft gefunden und ihn auf meinem iPad abgespeichert. Das half mir aber nur teilweise, denn einige, auch wieder im Wald verborgene Überreste der Wohnsiedlung, bestehend nur aus dem Fundament, fand ich nicht, obwohl ich durch die heute unverkennbar immer noch existierende Siedlung der Wissenschaftler durchgefahren bin. Trotz neuerer Außenanstriche und Sonnenkollektoren auf den Dächern war der Baustil aber unverkennbar.


Der Siedlung gegenüber befand sich früher das sogenannte Versuchkommando Nord, das heute aber nur an der noch gut zu erkennenden Form des Vorplatzes zu erkennen, aber, wie üblich, nicht zu besichtigen ist. Zu sehen sein sollten laut Plan aber noch eine alte Station der Werksbahn, die dem Vorbild der Berliner S-Bahn nachempfunden war (und deren alte Streckenführung heute teilweise durch die Usedomer Bäderbahn genutzt wird). Diese in Karlshagen gelegenen Überreste sind aber nur zu Fuß oder per Fahrrad zu erreichen und liegen, wenn man den Weg in Richtung Norden geht, auf der rechten Seite. Von hier aus konnte man unterirdisch zu den auf ebener Erde liegenden Bahnsteigen gelangen. Nach links herüber verliert sich der Weg im Wald.

Dahinter lagen weitere Prüfstände und Versuchseinrichtungen, an denen Teile wie Motoren der V2-Rakete nach ihrer Anlieferung aus dem Mittelwerk getestet wurden, bevor sie in der Rakete verbaut wurden. Das bedeutete hier aber nicht den Kriegseinsatz gegen das Vereinigte Königreich, sondern weitere Tests der Rakete mit Flugrichtung über die Ostsee. Aufbewahrt wurden die überwiegend von KZ-Häftlingen unter unmenschlichen im Harz produzierten Flugkörper in den direkt an der Peene gelegenen, heute zerstörten, Bunkeranlagen, die dort besichtigt werden können und ebenfalls zur Museumslandschaft gehören.


Nachdem ich auch das abgeklappert hatte, machte ich mich auf den Heimweg ins Hotel. Eines aber ist sicher, ich war in diesem Urlaub sicher nicht da letzte Mal an dieser historisch wichtigen, in seiner Bedeutung aber höchst zweifelhaften Forschungsstätte, die gerne auch mal die Wiege der Weltraumfahrt genannt wird. Aber trifft dieses Adjektiv nicht auch auf Kummersdorf oder andere Plätze zu?

Besuch in Peenemünde (2)

Der Film war nur kurz, also geht es gleich weiter mit dem nächsten Blogbeitrag, frisch aus dem ehemaligen Kraftwerk in Peenemünde.


Noch bis Sonntag ist hier die Ausstellung über den ersten Mann im All, Juri Gagarin, zu sehen. Und ein Ausflug an die Ostsee lohnt sich wirklich. Die komplette obere Etage im Haupttrakt ist angefüllt mit zahlreichen Exponaten aus dem Leben Gagarins und den Beginn der sowjetischen und amerikanischen Raumfahrt. Zwar sind es nicht immer Originale, sondern häufig Nachbildungen, die man in den Vitrinen findet, doch auch die sind allemal sehens- und bestaunenswert. Wie die Ausstellungsstücke zur Geschichte der amerikanischen Raumfahrt.


Faszinierend sind auch die alten Zeitungsausschnitte aus jener Zeit Anfang der 60er Jahre und zeigen klar den Geist der damaligen Zeit. Geprägt vom Kalten Krieg zwischen Ost und West wurden Astronauten und Kosmonauten zu Helden des jeweiligen Landes hochstilisiert, wie man es sich heute kaum mehr vorzustellen vermag. Astronauten und Kosmonauten wurden in einem Maße verehrt und geradezu vergöttert, ihre unbestritten herausragenden Erstleistungen derart in den Mittelpunkt des Zeitgeschehens gestellt, dass man heute darüber durchaus ein wenig schmunzeln mag. Dennoch: Es entsprach dem Klima im Kalten Krieg und während des Wettlaufs ins All.


Überdies laufen kleine Filme und es gibt einen Raum, in dem Spielzeug aus der DDR, der Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, England, den USA und der damaligen UdSSR prasentiert wird. Es mutet schon recht skurril an, wenn man sich die Hinterlassenschaften des Kosmonautenkults in der DDR so anschaut. Spielzeug, DDR-Sandmännchen in Kosmonautenkluft, Plüschtiere und Gummifiguren mussten neben einigen sonderbaren Selbstbaumodellen herhalten. Nun denn, auf unserer Seite des Eisernen Vorhanges war man in der Beziehung auch nicht viel besser.


Und nun warte ich, Kekse aus dem Automaten mampfend und Fruchtsaft und Wasser trinkend, auf das nächste cineastische Highlight, obwohl ich befürchte, den Film über Peenemünde schon zu kennen.

Besuch in Peenemünde (1)

Kleine Pause im Kinosaal des Historisch-Technischen Informationszentrums in Peenemünde. Ich muss hier erst mal erste Eindrücke des heutigen Tages loswerden. Die Fahrt über die Hauptstraße in den Nordwesten der Insel Usedom wird durch eine lange Baustelle erschwert, weil man da über einen mehr oder weniger schlecht ausgebauten Acker geführt wird. Schließlich kam ich an der Abzweigung in Richtung Flugplatz an. Dort befand sich zwischen 1936 und 1945 die sogenannte Hauptwache zum Werk Ost (Raketenentwicklung), beim Flugplatz gelangte man ins Werk West, der Erprobungsstelle der Luftwaffe. Vom Werk Ost sind an dieser Stelle lediglich die Grundmauern einiger Gebäude übrig. Hinweistafeln liefern Erläuterungen über diesen zur Museumslandschaft gehörenden Ort.


Dem gegenüber befanden sich früher ein paar niedrige Verwaltungsbauten sowie ein Carport und einige spätere Bauten aus NVA-Zeit. Wer das dortige Hinweisschild ignorierte und ohne Metallsucher, nur mit Kameras ausgerüstet, durchging, musste lediglich vor Zecken, Stechmücken und Wildschweinen Acht geben, konnte aber von da auch in rund zwei Stunden per pedes zum Prüfstand VII gelangen. Im letzten Jahr war dies noch möglich. Jetzt befindet sich dort ein Zaun, der zwar an mehreren Stellen unterbrochen ist, aber man geht auf eigene Faust durch und ich weiß nicht, wie man reagiert, wenn man da erwischt wird. Dafür kommt man aber jetzt direkt zum Strand mit seiner einzigartigen Landschaft.


Immer am Zaun entlang, nur begleitet von den Geräuschen des Waldes und umsäumt von umgestürzten Bäumen, Teile der alten sowie der neuen Absperrung, kam die Ostsee immer näher. Ohne Kenntnis dessen, was sich dahinter befindet, erkennt man lediglich Aufschüttungen, mit Wasser gefüllte Senken und niedrige Farne, die wenig spektakulär wirken. In der Tat befinden sich hier kleinere Gebäude aus der NVA-Zeit, jede Menge Bombentrichter aus dem zweiten Weltkrieg und den Ergebnissen von Sprengungen durch sowjetische (Frauen-)-Strafbataillone, kurz bevor der sowjetische Raketenforscher Boris Tschertok die Anlagen besichtigen konnte. Ansonsten sah man früher hier auch nur vereinzelte Gebäudereste, im Boden befindliche Schienenreste und sonstiges, was ich auch nach einiger Recherche nicht ganz klären konnte.


Immerhin kam man von hier aus direkt zum Prüfstandsgelände, von dem aber auch kaum mehr als die Abgasschurre, Markierungen im Boden und der teilweise durchbrochene und heute total überwucherte Ringwall vorhanden sind. Letzteren erkennt man aber meist erst dann, wenn man auf ihm steht. Ein Gedenkstein, der mehrmals umgestellt wurde, markiert dort den Startplatz der ersten V2-Rakete. Vergleicht man das mit alten Bildern oder dem Diorama im Museum, stimmt auch der neue Aufstellungsort nicht so ganz.


Nach dem Ausflug zum Strand und mindestens vier dicken Mückenstichen ging es schnurstracks zum Museum und da erst mal in den Shop, wo aber eher Altbekanntes im Regal stand, auch die kommentierte Ausgabe von Hitlers "Mein Kampf", in Deutschland eigentlich auf dem Index stehend, war als Bückware zu finden. Unglaublich. Dabei soll man dieses unsägliche und wohl auch sprachlich konfuse und nur schwer verdauliche Machwerk in Österreich frei kaufen können ... Immerhin eines der im 3. Reich meistgekauften und ungelesensten Bücher der Welt.


Anschließend lief ich gleich zu Gagarinausstellung in den Museumsräumen in noch bis 1990 genutzten Kraftwerk an der Peene. Doch dazu mehr im nächsten Beitrag, gerade beginnt ein weiterer Film über den Prüfstand VII.

Dienstag, 6. September 2011

Urlaubsblog

Nun ist er endlich da, der lang ersehnte und beinahe noch gescheiterte Urlaub auf der Ostseeinsel Usedom, genauer gesagt, im Kaiserbad Bansin. Zwar bin ich bei strömendem Regen angekommen (zuvor musste ich noch unter einem heftigen Gewittersturm am gestrigen Montag hindurchfahren, der mich kurz vor Greifswald auf einen Parkplatz zwang, weil die Sicht auf unter zehn Meter gefallen war), doch dafür wurde ich am Abend gleich mit einem dicken fetten Regenbogen belohnt, den ich so in dieser Form und so vollständig lange nicht mehr gesehen habe. Das Bild harrt aber noch der genaueren Bearbeitung. Leider war ich zu blöd, nicht an die Möglichkeit der HDR-Fotografie zu denken. Nun ja, vielleicht gibt es nach Abzug des für morgen angekündigten Regens ja eine zweite Chance.


Nun sitze ich auf einer Bank auf der Strandpromenade und blogge per iPad. Nicht nur durch die Urlaubsbrille gesehen, ist es hier sehr schön, nur das Kurkonzert etwas weiter weg nervt mit einer Musik, die zuletzt vermutlich meine Eltern begeistert hatte, als diese noch jünger waren als ich heute.


Letztes Jahr gab es hier mal ein Jazzkonzert, das war wenigstens anständig. Aber zur Not hat man ja sein iPod dabei.


Wahrscheinlich werde ich morgen mal in Richtung des Historisch-technischen Informationszentrums Peenemünde aufbrechen. Bei Regenwetter kann man da sehr schön die noch bis Sonntag laufende Juri Gagarin-Ausstellung besichtigen. Für Erkundigungen im Freigelände wird das Wetter wohl zu schlecht sein, aber wer weiß, soweit ist das ja auch gar nicht weg hier. Da kann man noch mehrmals hinfahren.


Und nachdem ich ein paar Stunden jetzt am Strand und auf der Seebrücke verbracht, leckeres Eis und ein Kännchen Kaffee intus habe, bloggt es sich hier viel einfacher ...


Momentan kommen gerade wieder Wolken auf und ... Ach ja, ich musste mir noch einen Feldstecher kaufen, weil meiner zu Hause geblieben war. Erst hatte ich einen 10x50er ausprobiert, damit kam ich überhaupt nicht klar, weil ich das rechte Rohr partout nicht scharfstellen konnte. Mit dem 12x50er klappte das auf Anhieb. Übrigens stammen beide von der Fa. Praktika und lieferten am Taghimmel ganz ordentliche Ergebnisse. Bin mal auf den Test bei Nacht gespannt. Werde hier mal darüber berichten.


Oh nein, grad gibt irgendein Hilfssänger seine nicht vorhandenen Künste zum Besten ...Nun denn, ich beende den Post und melde mich bestimmt bald wieder.