Dienstag, 9. August 2011

Die Sonne im Juli 2011

(Achtung: Niemals ungeschützt in die Sonne blicken, es drohen Augenschäden!)


Die Sonnenaktivität im Juli nahm sich in den ersten Tagen sehr bescheiden aus und kam erst gegen Ende des Monats ein wenig in die Schuhe. Am 1.7. konnte man im Weißlicht noch die beiden Gruppen des letzten Monats erblicken: Zwei D- und eine B-Gruppe bildeten das Hauptaugenmerk, da sie wie an einer Perlenkette hängend die Nordhalbkugel zierten. Es waren die Aktiven Regionen mit den Nummern 11242 bis 11243. Sie wanderten geradezu gemächlich über die Sonnenscheibe und zeigten dabei kaum eigene Entwicklungen, nur geringfügige Änderungen in der Penumbrastruktur oder bei der Anzahl der Flecken.

Schon am 5. Juli war die AR 11242 verschwunden, am 6. kam die AR 11243, eine C-Gruppe, um den Sonnenrand herum rotiert. Es kamen in den nächsten Tagen eine Vielzahl von kleineren Gruppen um den Rand rotiert oder bildeten sich auf der erdzugewandten Seite der Sonne; bis zur Monatsmitte war die Nummernfolge auf 11253 geklettert und man konnte schon ihre Verteilung auf die beiden Sonnenhemisphären beobachten. In dieser Zeit gab es seitens der NOAA wieder einige sehr merkwürdige Klassifikationen, so wurde die AR 11247 als E-Gruppe eingestuft, während die Zeichnungen des Sonnenobservatoriums Kanzelhöhe keine Gruppe mit der entsprechenden Länge aufwiesen.

Die Höhe der Wolfschen Relativzahlen wurde Mitte Juli denn auch zum wiederholten Male eher durch eine hohe Anzahl von Fleckengruppen, nicht aber durch ihren Entwicklungszustand gebildet. Immerhin: Es waren auch zwei D- Gruppen darunter, aber zweitweise auch vier der Klasse A. Nach dem 20. Juli brach die Aktivität wieder ein wenig ein, die kleinen Gruppen lösten sich auf, aber sie sank nicht so weit ab, wie zwei Wochen vorher. Am interessantesten war dabei die AR 11254 auf der Südhalbkugel: Sie hatte kräftige Penumbren ausgebildet und scharrte eine Menge Einzelflecken um sich, erreichte aber nicht die Ausdehnung, die für eine Einstufung in die Klasse E erforderlich gewesen wäre. Die erreichte sie auch nie, denn nach dem 22. wurde sie wieder kleiner und hatte das Maximum überschritten. Auch die anderen Gruppen waren in der Rückwärtsbewegung.

Zwischen dem 23. und 25. waren gar nur A- und B-Gruppen zu sehen. Alles sah nach einer Fortsetzung der immer noch sehr niedrigen Fleckentätigkeit aus. Am 27. erschienen mit der AR 11260 und der 11261 zwei neue Gruppen, die man gleich der Stufe D zuordnen konnte. Am 28. kam die AR 11262 hinzu und alle drei sorgten in den kommenden Tagen für Aufregung: Sie waren liefen, wie Anfang des Monats schon mal zu beobachten, wie an einer Kette aufgereiht hintereinander über die Nordhalbkugel. Die AR 11260 war schon am 29. Zur Klasse E aufgestiegen, während die beiden anderen in der Klasse D verblieben. Die rasante Entwicklung dieser drei Gruppen äußerte sich nicht nur in der Ausdehnung ihrer Penumbren (die auch für die Sichtung mit bloßem Auge und Sonnenfilter (!!!) verantwortlich waren), auch banden sie viele Einzelflecken an sich. Dabei wurden die anderen, kleineren Gruppen, die über die Südhalbkugel liefen, fast schon übersehen. Diese Gruppen sollten sich insbesondere im August noch auf ganz andere Art und Weise bemerkbar machen. So endete der Monat, der immerhin 20 neue Fleckengruppen hervorbrachte mit einer hohen Sonnenaktivität, die sich bis in die ersten Tage des Folgemonats hinein fortsetzte.


Die Aktivität der Sonne im Hα war in der ersten Dekade des Monats Juli eher ruhig bis mittelmäßig. Einen ersten nennenswerten Flare gab es am 3. um 11:01 UT, ein C2/Sf, gefolgt von einer Vielzahl kleinerer Ausbrüche, die aber nicht höher als B eingestuft werden konnte, einem C1 am 7. um 2:43 UT, ein C1/Sf am 18. um 10:28 UT und einigen weiteren der gleichen Klasse, die aber nicht besonders spektakulär waren. Dazwischen lagen immer wieder Tage ohne einen einzigen Flare, aber mit einigen durchaus sehenswerten Protuberanzen. Am 26. verzeichnete die NOAA um 3:39 einen C1-Flare und schon einen Tag später schoss die Aktivität in die Hohe: Die AR 11260 produzierte um 16:07 UT einen M1/1n-Flare, der aber das Erdmagnetfeld aufgrund seiner noch sehr dem Ostrand zugeneigten Position nicht zu störend vermochte. Die gleiche Gruppe brachte am 28. um 12:12 UT einen C5 hervor, dem am 29. neben kleineren Ausbrüchen um 16:40 UT ein C6/1f folgte. Die nachfolgende Region 11261 verzeichnete dagegen am 30. um 2:09 UT einen M9-Flare, der allerdings nicht mit einem koronalen Massenauswurf assoziiert war. Ein C3/SN bildete am 31. Um 2:54 UT den Abschluss des Monates Juli. Richtig losgehen, sollte es dann Anfang August, wo man in weiten Teilen Deutschlands – gute Sichtbedingungen vorausgesetzt – Polarlichter sehen konnte.

Freitag, 5. August 2011

Wenn Amateure sich berufen fühlen

Amateur zu sein, ist an sich nichts Verwerfliches oder Ehrenrühriges, schon gar nicht etwas, was verboten ist. Viele Menschen sind das auf irgendeinem Gebiet, meist ihrem Hobby. Schauen wir in der großen online-Bibliothek wikipedia zu diesem Thema nach, so stehen dort einige einprägsame Sätze, die ich glatt so unterschreiben würde. Insbesondere der Satz (Zitat Anfang):„Ein Amateur ist ein Laie … für seine Tätigkeit nicht formal ausgebildet, im Unterschied zum Fachmann („dem im Fachgebiet ausgebildeten“) (Zitat Ende).

Ich finde, das trifft es exakt. Ich selber sehe mich zwar eher als Sternfreund denn als Amateurastronom, obwohl einiges, was ich mache, vielleicht mit gutem Willen auch als semi-professionell gelten kann. Dennoch fühle ich mich nicht dazu berufen, anerkannte Theorien widerlegen zu können. Dazu fehlt mir das nötige Handwerk und das Rüstzeug. Ich habe daran auch gar kein wirkliches Interesse, meine Zeit damit zu vergeuden.

Bei meinen Tätigkeiten steht nicht der Gedanke des Geldverdienens an erster Stelle, sondern der Spaß an der Freude. Wenn es denn Geld dazu gibt, sage ich selbstredend nicht nein. Ich beschäftige mich mit astronomischen Themen in der Freizeit, aber nicht mit wissenschaftlichem Anspruch, sondern weil es mir Spaß macht. Auch stört es mich nicht, Deep-Sky-Objekte anzuschauen, ohne gleich den ganzen wissenschaftlichen Hintergrund abrufen zu wollen, den es zum jeweiligen Objekt gibt. Ich beobachte sie, weil ich genau daran Freude habe.

Wenn ich Artikel für Fachzeitschriften schreibe, dann, weil ich Spaß daran habe. So sehe ich das auch für meine Sonnenkolumnen, die ich für drei Zeitschriften erarbeite.

Nun gibt es in der Astronomie Themen, die für viele irgendwie immer ein Reizthema sind. Neben den ganzen 2012er Szenarien, die mich eigentlich fast nur noch langweilen und wo ich gar keine rechte Lust habe, mich damit zu befassen, ist auch Einstein immer wieder ein Thema.

Seine Ausführungen zur Allgemeinen und speziellen Relativitätstheorie (hier kurz RT genannt) sind bis heute anerkannt, weil sich alle angeblichen Befunde dagegen, leicht widerlegen lassen.

Als eher an der Praxis interessierter Sternfreund kommt man allerdings eher selten damit in Berührung, da man seine Zeit lieber am Teleskop, beim Beobachten verbringt. Die einzigen Male, in denen ich mich damit ein wenig befasst habe, war während regelmäßiger Vorträge im Hamburger Planetarium, das ich aber seit 2002 aus persönlichen Gründen nicht mehr besucht habe.

Das in diesen Vorträgen vorgestellte mathematische Konstrukt habe ich nie verstanden und Einstein ist nur über die Mathematik wirklich begreif- und nachvollziehbar. Auch alle Ableitungen aus seinen beiden Hauptarbeiten. Es gibt unzählige Bücher zur RT, einige habe ich mir auch mal gekauft, vom Inhalt aber in der Regel nicht mal die Hälfte wirklich verstanden. Heute habe ich dazu keine Bücher mehr in meinem Bestand.

Nun erzähle ich meinen wissenschaftlich vorgebildeten Blogleserinnen und –lesern ja nichts Neues, wenn ich behaupte, gerade in der Physik steht die Beschäftigung mit der Mathematik an erster Stelle, weil sie die Grundlage ist, um physiaklische Prozesse zu verstehen und zu beschreiben. Das ist nichts für mich, gebe ich ehrlich zu. Aber als Amateur muss ich mich darum ja auch nicht kümmern. Mathe ist in Naturwissenschaften das A und O und wer Mathe nicht kann, denke ich, wird wohl auch kein guter Naturwissenschaftler sein.

Nun gibt es aber Zeitgenossen, die sich geradezu berufen fühlen, mit ihrem gediegenen Halb- oder Viertelwissen die gesamte Naturwissenschaft außer Kraft setzen zu wollen. Sie scheitern zwar schon am Dreikörperproblem, können die Bewegungen der Himmelskörper im Sonnensystem mathematisch nicht berechnen, wissen nicht, was Ephemeriden sind oder wie man die Bahnen von Kometen und Kleinplaneten rechnet, meinen aber, Fehler in der RT problemlos nachweisen zu können.

Man braucht nur mal die Worte „Einstein Kritik“ in google eingeben und landet 2.800.000 Treffer. Und kommt so auf Seiten, wo Leute sich darüber auslassen, was Einstein angeblich alles verschwiegen haben sollte, was er alles falsch gemacht hat etc. Da gibt es teilweise antijüdische Hetze (einfach nur ekelhaft), oder Leute, die keine Befähigung zu höherer Mathematik haben, aber voller Inbrunst die RT aufs Korn nehmen. Ich will hier gar keine speziellen Seiten herausgreifen (obwohl bei zumindest einer, kritische Kommentare über die Kritik an Einstein einfach gelöscht werden).

Leute, die meinen, alles besser zu wissen, aber nix kapiert haben, schaden irgendwo auch dem Ruf der Amateure, die etwas aus Liebhaberei machen. Klar kann man sich aus Liebhaberei mit Einsteins Theorien auseinandersetzen und sich eigene Kosmologien zusammenstricken. Das klappt auch gut im Hinterstübchen mit ingenieurswissenschaftlichen Rechenmethoden (so wird auch immer wieder glaubhaft versichert, mit Dreiecksberechnungen könne man ungetrübt von Fachwissen behaupten, dass die Pyramiden von Gizeh nicht von Ägyptern erbaut wurden).

Nur, ehrlich, den Stammtisch und die Hinterbänke oder dunklen Studierstuben im Keller sollten diese Ideen besser nicht verlassen, auch wenn man im Suff und in der Klarheit des Alkoholdunstes meint, alle Zusammenhänge zu verstehen und fröhlich lallend dann auch noch  eine neue Physik gleich mit erfindet.

Nebenbei bin ich ja auch ein wenig bei twitter aktiv und Lars Fischer (Fischblog) macht mich auf den Dunning-Kruger-Effekt aufmerksam, zu dem auch bei wikipedia wieder erhellendes steht. In der Einleitung heißt es, Zitat: „Der Dunning-Kruger-Effekt ist eine Form der kognitiven Verzerrung und beschreibt die Tendenz inkompetenter Menschen, das eigene Können zu überschätzen und die Leistungen kompetenterer Personen zu unterschätzen“ Zitat Ende.

Ich finde, mehr brauche ich dazu nicht zu schreiben, außer: Danke an Lars Fischer für den Hinweis!

Donnerstag, 4. August 2011

Schreiben mit und ohne …

Das Schreiben an sich gehört bei mir zum täglichen Geschäft. Während es im Beruf in der Hamburger Stadtverwaltung eher um nüchterne sachliche Texte geht, schreibe ich in meiner Freizeit zum einen semiprofessionell für Zeitschriften wie interstellarum, den interstellarum-Newsletter oder Sterne und Weltraum, oder für Amateurblätter wie den Sternkieker der GvA-Hamburg, STERNZEIT, SONNE usw. Natürlich schreibe ich dann und wann auch hier im Blog, wenn ich die Aktivität in den letzten Wochen hier auch etwas zurückschrauben musste. Notgedrungen. Aber immer etwa in der Mitte eines Quartals stehen einige Texte an, die geschrieben werden wollen

So gehören zu meinem Repertoire auch Berichte über astronomische Veranstaltungen, an denen ich persönlich teilgenommen habe. Diese Texte landen dann in der Regel im Sternkieker, der Zeitschrift, die ich nebenher redaktionell mitbetreue. Ich hatte ja schon früher mal darüber geschrieben, wie die Zeitschrift entsteht.

Mit großem Schrecken stellte ich gestern fest, dass mein Artikel über die 1. Tagung der norddeutschen Sternwarten nur rudimentär vorhanden war und nun endlich mal fertig gestellt werden sollte. Bei Veranstaltungen mache ich mir zwischendurch auf dem Rechner Notizen und forme dann meist zeitnah einen Artikel daraus. Das mit zeitnah klappte dieses Mal nicht, denn das Treffen fand schon am 25.6.2011 in Tornesch statt. Wie dem auch sei, gestern Abend machte ich mich an die Arbeit, dazu ein Gläschen Weißwein und ein paar Salzstangen nach dem Abendessen. Der Text kam dann so über mich und es wurde mit einem weiteren Gläschen immer besser. Immer flüssiger entsprangen meinem Hirn die wildesten Formulierungen und ich fand sie gut.

Aber nur bis heute Morgen. Wieder nüchtern – so auch jetzt – las ich mir das Zusammengeschriebene noch mal durch. Besser is, man weiß ja nie. Dann stellte ich fest, dass viele Formulierungen nicht den Weg vom Hirn über die Finger in die Tastatur meines MacBookPro schafften. Irgendwas blieb immer irgendwo hängen. Schachtelsätze, toll angefangen, endeten mit vielen Tippfehlern im Nirwana. Manches Mal habe ich mich gefragt, was ich da eigentlich mitteilen wollte. Nun gut. Neuer Tag, neues Glück, der Artikel musste noch mal gründlich, aber wirklich gründlich, überarbeitet werden. Dann war er nach meinem Empfinden so einigermaßen lesbar.

Danach habe ich ihn zum Korrekturleser für den Sternkieker gegeben, der wird sicher wieder einiges finden, aber dafür ist er ja auch da.

Fazit: Im leicht benebelten Zustand kann man sicher Texte schreiben, nur sollte man die am anderen Morgen dann doch vorsichtshalber noch mal lesen, bevor sie rausgehen!